{"id":35314,"date":"2017-09-21T08:30:09","date_gmt":"2017-09-21T06:30:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=35314"},"modified":"2017-09-21T08:14:06","modified_gmt":"2017-09-21T06:14:06","slug":"wir-wollen-aktiv-fuer-die-zukunft-des-berufs-kaempfen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2017\/09\/wir-wollen-aktiv-fuer-die-zukunft-des-berufs-kaempfen\/","title":{"rendered":"\u201eWir wollen aktiv f\u00fcr die Zukunft des Berufs k\u00e4mpfen\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-35315\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Mirko-e1505919015855-193x173.jpg\" alt=\"\" width=\"193\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Mirko-e1505919015855-193x173.jpg 193w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Mirko-e1505919015855-768x688.jpg 768w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Mirko-e1505919015855-387x347.jpg 387w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Mirko-e1505919015855-600x538.jpg 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Mirko-e1505919015855.jpg 1811w\" sizes=\"(max-width: 193px) 100vw, 193px\" \/>Interview mit Pflegeazubi Mirco Dre\u00dfler im Charit\u00e9-Streik<\/strong><\/p>\n<p>Auszubildende der Gesundheitsakademie der Charit\u00e9 beteiligen sich am Streik f\u00fcr einen verbesserten Tarifvertrag Gesundheitsschutz am Berliner Uniklinikum. Marlene Frauendorf sprach mit Mirko Dre\u00dfler \u00fcber die Lage der Azubis und ihre Motivation f\u00fcr den Streik.<\/p>\n<h4>Warum findet ihr Auszubildenden es wichtig beim Streik dabei zu sein und wie seid ihr dazu gekommen ?<\/h4>\n<p>Ich habe bereits 2015 den Streik miterlebt und damit auch, wieviel das gebracht hat. Damals gab es das Problem, dass die Sch\u00fclerInnen davon nicht so viel mitbekommen haben. Das lief eher \u00fcber einzelne Personen, die auch Kontakt zu ver.di hatten. Dadurch bin ich 2015 zum Streik gekommen und in dem Zuge auch ver.di beigetreten. Jetzt gab es die Tarifberatertreffen, bei denen ich auch war. Es wurde gesagt, dass jeder und jede eingeladen ist und ich dachte, dass das die Gelegenheit ist, sich als Auszubildender mit einzubringen.<\/p>\n<p>Wir als Auszubildende haben auch gehofft, dass unsere Meinung z\u00e4hlt, weil wir ja vorhaben, noch l\u00e4ngere Jahre in dem Beruf zu arbeiten. Die Azubis und ich, die zu den Tarifberatertreffen gegangen sind, finden, dass dem Beruf Selbstbewusstsein fehlt. Ich glaube, wir m\u00fcssen unseren Mitsch\u00fclerInnen zeigen, dass wir uns f\u00fcr die Zukunft unseres Berufes verantwortlich f\u00fchlen, damit wir gemeinsam daf\u00fcr einstehen k\u00f6nnen. Wir waren 2015 alle motiviert, dass der Tarifvertrag durch den Streik durchgekommen ist und deswegen haben wir uns auch dieses Jahr entschlossen, die Kolleginnen und Kollegen zu unterst\u00fctzen. Wir wollen zeigen, dass wir diesen Beruf gerne machen und haben hier die M\u00f6glichkeit, aktiv f\u00fcr die Zukunft unseres Berufes zu k\u00e4mpfen. Gerade weil wir von allen Seiten zu h\u00f6ren kriegen, wie schlecht die Arbeitsbedingungen in unserem zuk\u00fcnftigen Beruf sind, wollen wir f\u00fcr bessere Bedingungen an der Seite von den Streikenden stehen. Die Kolleginnen und Kollegen machen das ja auch ein St\u00fcck weit f\u00fcr uns, weil auch wir bald Pflegende sind.<\/p>\n<h4>Du hattest ja schon angesprochen, dass ihr oft mit den schlechten Arbeitsbedingungen von Pflegerinnen und Pflegern konfrontiert werdet. Zeigt sich das auch in eurem Ausbildungsalltag? Wie sind die Umst\u00e4nde konkret?<\/h4>\n<p>Ich kann nat\u00fcrlich nicht f\u00fcr alle sprechen, sondern nur aus meiner Erfahrung. Meiner Meinung nach fehlen PraxisanleiterInnen, die sich ordentlich Zeit nehmen k\u00f6nnen, um uns auszubilden. Die Arbeitsbelastung auf den Stationen trifft nat\u00fcrlich gr\u00f6\u00dftenteils die Pflegekr\u00e4fte. Ich habe nicht erlebt, dass wir als Auszubildende die Arbeitsbelastung mittragen m\u00fcssen, aber ich bekomme mit, dass die PraxisanleiterInnen sich keine Zeit f\u00fcr uns nehmen k\u00f6nnen. Das ist ein gro\u00dfes Problem. Wir wollen schlie\u00dflich gute Pflegekr\u00e4fte werden. Das funktioniert aber nur, wenn wir gut ausgebildet werden und sich Zeit f\u00fcr uns genommen werden kann. Ich h\u00f6re aber auch aus anderen H\u00e4usern, dass die Arbeitsbelastung f\u00fcr Auszubildende extrem ist. Heute habe ich geh\u00f6rt, dass ein Auszubildender teilweise zw\u00f6lf PatientInnen betreuen muss. Das ist aus meinen Augen Wahnsinn. Sch\u00fclerInnen, die zw\u00f6lf PatientInnen betreuen m\u00fcssen, k\u00f6nnen die Pflege, die wir lernen, gar nicht umsetzen. Man wei\u00df dann von Anfang an, dass vieles wegrationalisiert werden muss. Die Dinge, die f\u00fcr uns die treibenden Gr\u00fcnde sind, in den Beruf zu gehen, wie nah an dem Menschen zu sein und ihm Zuwendung zu geben, fallen dann weg. Was \u00fcbrig bleibt sind T\u00e4tigkeiten, die abgerechnet werden k\u00f6nnen. Ich finde, wir Auszubildende m\u00fcssen einen gesch\u00fctzten Rahmen zum Lernen haben. Wir lernen aber von der ersten Sekunde an, dass das nicht m\u00f6glich ist. Daf\u00fcr sind nat\u00fcrlich nicht die Kolleginnen und Kollegen verantwortlich, sondern der Druck, der von oben kommt. Das merkt man auch an der Stimmung im Team. Man sieht sich auch als Sch\u00fcler oft als Extra-Belastung f\u00fcr diejenigen, die sowieso ohne Ende ackern. Das ist ein Gef\u00fchl, das wir nicht haben sollten. Ein weiteres Problem ist, dass aufgrund der Arbeitsbedingungen nicht mehr viele Leute in den Beruf gehen m\u00f6chten. Dadurch, dass wir als Auszubildende die Teams wechseln, k\u00f6nnen wir auch vergleichen. Wir sehen dann, dass in einigen Bereich ein extrem hoher Druck herrscht und viele Pflegekr\u00e4fte oft administrative Aufgaben erledigen m\u00fcssen. Dabei kommt das eigentliche Pflegen zu kurz. Das sehen wir vor allem von au\u00dfen, weil wir in der Schule das Idealbild vermittelt kriegen. Wir merken, dass man sich eben nicht die Zeit f\u00fcr PatientInnen nehmen kann, die eigentlich ben\u00f6tigt wird und haben oft ein schlechtes Bauchgef\u00fchl, wenn wir nach Hause fahren.\u00a0Um das zu verhindern, m\u00fcsste Entlastung durch mehr Personal geschaffen werden.<\/p>\n<h4>Trotzdem seid ihr supermotiviert und wollt bessere Bedingungen durch den Streik mit einfordern. Was erwartest du von der Politik \u2013 gerade auch nach den Bundestagswahlen?<\/h4>\n<p>Erstmal will ich, dass Pflege \u00fcberhaupt zum Thema wird. Wir haben es ja von Alexander Jorde geh\u00f6rt, der in der Wahlarena die Kanzlerin zur Rede gestellt hat. Seit zw\u00f6lf Jahren wurde absolut nichts f\u00fcr die Pflege getan. Jeder Mensch, der mal im Krankenhaus war, wird damit konfrontiert, dass es die Probleme des Personalmangels und der \u00dcberlastung in der Pflege gibt und trotzdem hat es nicht die politische Relevanz, die ich mir erhoffe. Wenn ich dann h\u00f6re, dass ein Problem der Fachkr\u00e4ftemangel ist, dann sollte doch eines der wichtigsten Bestrebungen sein, den Beruf attraktiver zu machen. Das funktioniert aber nur dar\u00fcber, dass man die Pflegekr\u00e4fte auf Station entlastet. Bevor ich die Ausbildung begonnen habe, habe ich am h\u00e4ufigsten geh\u00f6rt, dass ich mich in diesem Beruf kaputt machen w\u00fcrde. Ich denke, dass wir in einer Zeit leben, in der es wichtiger geworden ist, einen Ausgleich zwischen Privatem und Beruf zu haben. Wenn man dann h\u00f6rt, dass man in einen Beruf geht mit psychischen und k\u00f6rperlichen Belastungen, wirkt das auf viele sicherlich abschreckend.<\/p>\n<p>Meine konkreten Forderungen sind also, dass die Praxisanleitung mit dem normalen Stationsalltag nichts zu tun hat und die Leute, die Sch\u00fclerInnen anleiten, entlastet werden. Nat\u00fcrlich will ich, dass die Arbeitsbelastungen f\u00fcr alle Pflegenden reduziert wird. So werden auch Anreize geschaffen, den Beruf zu erlernen. Es geht dabei nicht mal darum, dass man mehr Geld verdient, sondern erst mal, dass man den Beruf machen kann ohne mit Bauchschmerzen nach Hause zu gehen. Ich sehe es somit kritisch, wenn Merkel sagt, dass man den Anreiz schafft, indem man die L\u00f6hne erh\u00f6ht. Das stimmt auch, aber eine Menge Leute, die in dem Beruf ausgebildet sind und nicht mehr in ihm arbeiten, haben sich aufgrund der Arbeitsbedingungen dazu entschlossen und nicht aufgrund des Geldes. Ausbildung sollte einen h\u00f6heren Stellenwert haben und es muss m\u00f6glich sein, dass die praktische Umsetzung funktioniert. Das funktioniert nat\u00fcrlich nur, wenn die Leute, die sich f\u00fcr die Ausbildung rausnehmen, das auch ohne Druck tun k\u00f6nnen. Daher muss eine gesetzliche Personalbemessung her. Am besten mit einer Quote, durch die ein Praxisanleiter freigestellt werden kann. Das ist auch die Verantwortung der Politik!<\/p>\n<p><em>Das Interview f\u00fchrte Marlene Frauendorf am 20.9.2017 beim Streik der Charit\u00e9-Besch\u00e4ftigten.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Interview mit Pflegeazubi Mirko Dre\u00dfler im Charit\u00e9-Streik<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":35315,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[8,13,17],"tags":[291,984,695],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35314"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=35314"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35314\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":35318,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35314\/revisions\/35318"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/35315"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=35314"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=35314"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=35314"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}