{"id":35300,"date":"2017-09-19T09:41:31","date_gmt":"2017-09-19T07:41:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=35300"},"modified":"2017-09-23T23:52:23","modified_gmt":"2017-09-23T21:52:23","slug":"streik-an-der-charit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2017\/09\/streik-an-der-charit\/","title":{"rendered":"Streik an der Charit\u00e9"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/carsten_becker.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-35301\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/carsten_becker-150x173.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/carsten_becker-150x173.jpg 150w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/carsten_becker-768x884.jpg 768w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/carsten_becker-302x347.jpg 302w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/carsten_becker-600x690.jpg 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/carsten_becker.jpg 1373w\" sizes=\"(max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a>Interview mit Carsten Becker \u00a0(Sprecher von ver.di Charit\u00e9)<\/strong><\/p>\n<p>Vor zwei Jahren wurde an der Charit\u00e9 eine tarifliche Personalbemessung erk\u00e4mpft. Damit sollte die andauernde \u00dcberlastung beendet werden. Erstmals wurden in einem Tarifvertrag f\u00fcr Gesundheitsschutz Minimalbesetzungen f\u00fcr Krankenhausstationen vereinbart, die je nach Pflegebedarf vorsehen, wie viel Personal eingesetzt werden muss. Das hat bundesweit Wellen geschlagen und Besch\u00e4ftigte in vielen Krankenh\u00e4usern ermutigt, sich auf den Weg zu machen f\u00fcr tarifliche Entlastung. Und es hat zu einer politischen Debatte \u00fcber den Pflegenotstand gef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Leider hat sich seitdem f\u00fcr die Besch\u00e4ftigten an der Charite real wenig ver\u00e4ndert, weil der Arbeitgeber sich nicht an die Umsetzung h\u00e4lt. Immer noch fehlt Personal und sind Stationen unterbesetzt. Deshalb hat ver.di den Tarifvertrag Gesundheitsschutz nicht verl\u00e4ngert. Nachdem die Verhandlungen mit dem Arbeitgeber f\u00fcr einen verbesserten Tarifvertrag gescheitert waren, begann am gestrigen Montag (18.09.) morgen ein Erzwingungsstreik an der Charit\u00e9.<\/p>\n<p><em>Michael Koschitzki sprach f\u00fcr sozialismus.info mit Carsten Becker, Sprecher der ver.di-Betriebsgruppe an der Charit\u00e9.<\/em><\/p>\n<p><strong>Wof\u00fcr seid ihr erneut in den Streik getreten?<\/strong><\/p>\n<p>Damit die vor anderthalb Jahren vereinbarten Mindeststandards in jeder Schicht endlich verbindlich umgesetzt werden.<\/p>\n<p><strong>Wie verlief der erste Streiktag?<\/strong><\/p>\n<p>Der erste Streiktag lief schwierig an, da die Charit\u00e9 die\u00a0Notdienstvereinbarung nicht unterschrieben hat. Dadurch hatten wir in vielen Bereichen die Situation, dass tats\u00e4chlich immer noch zu viele PatientInnen auf den Stationen waren, f\u00fcr die wir bereits letzte Woche Streiks angemeldet hatten. Durch viele Gespr\u00e4che und durch die Standhaftigkeit der KollegInnen konnten wir aber bereits einige Teilerfolge erreichen, so dass wir zuversichtlich in die n\u00e4chsten Streiktage gehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Worum geht es bei der Notdienstvereinbarung, was sieht diese vor?<\/strong><\/p>\n<p>Der wesentliche Kern der Notdienstvereinbarung ist, dass wir der Charit\u00e9\u00a0vorzeitig anzeigen, dass wir eine solch hohe Streikbereitschaft in den\u00a0unterschiedlichen Teams haben, dass entweder mit Vorank\u00fcndigungszeiten\u00a0Betten gesperrt werden m\u00fcssen, damit darin keine PatientInnen liegen,\u00a0die dann gef\u00e4hrdet w\u00e4ren, weil zu wenig Personal da ist, oder dass mit\u00a0einer etwas l\u00e4ngeren Vorlaufzeit von einer Woche der Charit\u00e9 gemeldet\u00a0wird, dass eine ganze Station geschlossen werden muss.<\/p>\n<p><strong>Streik im Krankenhaus: Wie funktioniert das?<\/strong><\/p>\n<p>Streik im Krankenhaus funktioniert bei uns so, dass wir erstens wissen, dass nicht alle streiken k\u00f6nnen, die streiken wollen, denn eine Patientenversorgung muss ja in irgendeiner Form gew\u00e4hrleistet sein. Es l\u00e4uft dann so, dass eine bestimmte Anzahl von KollegInnen eines Teams sagen, wir wollen eine bestimmte Anzahl von Betten sperren, damit eine gewisse Anzahl von KollegInnen in Fr\u00fch-, Sp\u00e4t- und Nachtdienst in den Arbeitskampf gehen k\u00f6nnen. Oder die Streikbereitschaft im Team ist so gro\u00df, dass man dann mit einer l\u00e4ngeren Ank\u00fcndigungszeit sagt, die Station muss komplett geschlossen werden, denn wo kein Patient ist, dort kann auch kein Patient gef\u00e4hrdet werden.<\/p>\n<p><strong>Es gibt relativ viele Widerst\u00e4nde vom \u00e4rztlichen Personal und von der Leitung der Charit\u00e9. Was denkst du, woran liegt das?<\/strong><\/p>\n<p>Wir hatten ja in den Streiks 2011 und 2015 mit einer Notdienstvereinbarung gute Erfahrungen gemacht. Ich denke, die Charit\u00e9 will gegen\u00fcber anderen Arbeitgebern in den Krankenh\u00e4usern hier nun den starken Max markieren. Wahrscheinlich hat die Charit\u00e9 von anderen Arbeitgebern zu viel Pr\u00fcgel f\u00fcr die Unterzeichnung des Tarifvertrages Gesundheitsschutz kassiert und jetzt versucht die Charit\u00e9 dagegen zu halten.<\/p>\n<p><strong>Habt ihr trotzdem weitere KollegInnen mobilisieren k\u00f6nnen?<\/strong><\/p>\n<p>Wir haben morgens erst mal die Lage sondiert. So hatten wir bereits Sonntag Nachmittag die ersten R\u00fcckmeldungen dar\u00fcber erhalten, wie so die Belegungssituation aussieht. Das haben wir morgens noch mal f\u00fcr die einzelnen Bereiche konkretisiert. Dann sind wir mit den streikenden KollegInnen \u00fcber die einzelnen Bereiche und Stationen gegangen, haben mit den KollegInnen dort gesprochen und noch mal die Verwirrungen seitens des Arbeitgebers aufgekl\u00e4rt. So gab es Behauptungen wie \u201eihr d\u00fcrft nicht streiken\u201c oder \u201eder Streik ist illegal\u201c. Das konnten wir dann erst mal aushebeln und haben dadurch weitere KollegInnen in den Streik holen k\u00f6nnen. Wir haben mit diesen Aktivit\u00e4ten dem Arbeitgeber noch mal deutlich gemacht, wie ernst wir es meinen, so dass es dann auch zu weiteren Verlegungen von PatientInnen gekommen ist.<\/p>\n<p><strong>Am Nachmittag gab es dann eine Kundgebung vorm Aufsichtsrat. Was war eure Botschaft?\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Wir haben ziemlich deutlich gemacht, dass wir da und dass wir laut sind. Und wir haben nat\u00fcrlich die Situation genutzt, dass dort gestern die Aussch\u00fcsse des Aufsichtsrates mit VertreterInnen der Berliner Landespolitik wie dem Finanzsenator und dem Regierenden B\u00fcrgermeister getagt haben. Wir haben ihnen deutlich gemacht, dass wir sie bei dem, was hier an der Charite l\u00e4uft, nicht aus\u00a0der Verantwortung nehmen.<\/p>\n<p><strong>Wie geht es in den n\u00e4chsten Tagen weiter?<\/strong><\/p>\n<p>Dienstag fr\u00fch werden wir damit beginnen daf\u00fcr zu sorgen, dass die Stationen, die ab diesem Tag ihre Schlie\u00dfung anmelden k\u00f6nnen, es auch tats\u00e4chlich umsetzen k\u00f6nnen. Ab 15 Uhr wird es eine Demonstration vom Standort Wedding zum Standort Mitte geben, so dass wir uns dann gemeinsam an der Kundgebung der Berliner und Brandenburger Krankenh\u00e4user beteiligen k\u00f6nnen, die um 17 Uhr vor dem Bundesgesundheitsministerium in der Friedrichstra\u00dfe beginnen wird.<\/p>\n<p><strong>Wie kann man euch unterst\u00fctzen?<\/strong><\/p>\n<p>Uns kann man unterst\u00fctzen, indem man in den Streiklokalen vorbei schaut und den KollegInnen auf die Schultern klopft, denn es ist eine mutige Entscheidung, in einem Krankenhaus zu streiken. Man kann uns noch mehr unterst\u00fctzen, indem man im Aktionsb\u00fcndnis Berlinerinnen und Berliner f\u00fcr mehr Personal im Krankenhaus aktiv wird.<\/p>\n<p><strong>Vielen Dank f\u00fcr das Gespr\u00e4ch!<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Interview mit Carsten Becker \u00a0(Sprecher von ver.di Charit\u00e9)<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":35301,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[13],"tags":[291,984,695],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35300"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=35300"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35300\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":35302,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35300\/revisions\/35302"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/35301"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=35300"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=35300"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=35300"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}