{"id":35272,"date":"2017-12-13T15:50:25","date_gmt":"2017-12-13T14:50:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=35272"},"modified":"2017-12-13T09:49:51","modified_gmt":"2017-12-13T08:49:51","slug":"mother-jones","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2017\/12\/mother-jones\/","title":{"rendered":"Mother Jones"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/5375076635_8bb617e1e2_b.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-35273\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/5375076635_8bb617e1e2_b-235x173.jpg\" alt=\"\" width=\"235\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/5375076635_8bb617e1e2_b-235x173.jpg 235w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/5375076635_8bb617e1e2_b-768x566.jpg 768w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/5375076635_8bb617e1e2_b-471x347.jpg 471w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/5375076635_8bb617e1e2_b-600x442.jpg 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/5375076635_8bb617e1e2_b.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 235px) 100vw, 235px\" \/><\/a>Pionierin der US-amerikanischen Arbeiterbewegung<\/strong><\/p>\n<p>Die harten K\u00e4mpfe von Gewerkschafts- und sozialistischen AktivistInnen in der US-amerikanischen Geschichte sind heute gr\u00f6\u00dftenteils vergessen und trotzdem gibt es viele inspirierende Beispiele daf\u00fcr. Eine der bemerkenswertesten und entschlossensten K\u00e4mpferInnen war Mother Jones, die kreuz und quer durch die USA reiste, um f\u00fcr die Rechte von ArbeiterInnen zu streiten.<\/p>\n<p><em>von Linda Taaffe<\/em><\/p>\n<p>Mother Jones spielte eine herausragende Rolle in den K\u00e4mpfen der Arbeiterbewegung im sp\u00e4ten 19. und fr\u00fchen 20. Jahrhundert, trotzdem kennen nicht Viele ihre Arbeit. Als Leo Trotzki ihre Autobiographie geschickt bekam, war er sprachlos: \u201eEin gewaltiges Buch! [&#8230;] eine heroische amerikanische Proletarierin [&#8230;] Mother Jones setzt sich die bescheidensten Ziele: Mehr Lohn und weniger Arbeitszeit. Und sie beschreitet mutige revolution\u00e4re Wege. [&#8230;] Was f\u00fcr eine unersch\u00fctterliche Hingabe an die ArbeiterInnen, was f\u00fcr eine grundlegende Verachtung f\u00fcr die Verr\u00e4ter und Empork\u00f6mmlinge, die sich in der \u2018F\u00fchrung\u2019 der ArbeiterInnen befinden.\u201d<\/p>\n<p>Der Sozialist und Gr\u00fcndungsmitglied der 1905 gegr\u00fcndeten Industrial Workers of the World (IWW), Eugene Debs, hat ihr 1907 Anerkennung gezollt: \u201eKein\/e SoldatIn in der revolution\u00e4ren Sache hat mehr Recht auf Anerkennung [&#8230;] als Mother Jones. [&#8230;] allein ihr Name dr\u00fcckt den Geist der Revolution aus. [&#8230;] Ihre beeindruckende Pers\u00f6nlichkeit verk\u00f6rpert all ihre Prinzipien.\u201d Diese umherschweifende Agitatorin war zu der Zeit 77 Jahre alt, noch immer aktiv wie jeher, und mit noch mehr spektakul\u00e4ren Ereignissen vor sich &#8211; so 1911 in West Virginia, der Schauplatz von extrem bitteren Klassenk\u00e4mpfen, wo sie f\u00e4lschlicherweise f\u00fcr eine Mordverschw\u00f6rung verurteilt wurde.<\/p>\n<h4>Politisierung<\/h4>\n<p>Ihr Leben als \u201cRadaumacherin\u201d begann erst in den 1870er Jahren. Bis dato war ihr Leben normal f\u00fcr eine Arbeiterin zu dieser Zeit, voller Armut und Trag\u00f6die. Sie wurde als Mary Harris in Cork (Irland) im Jahr 1830 geboren, aber ihre Familie emigrierte in ihrer Jugend nach Kanada. \u00dcber ihren Gro\u00dfvater wird gesagt, dass er als irischer Freiheitsk\u00e4mpfer geh\u00e4ngt wurde. Nachdem sie nach Tennessee (USA) gezogen war, heiratete sie George Jones, ein aktives Mitglied der Eisenfr\u00e4sergewerkschaft. Ende 1867 war sie kinderlose Witwe, nachdem ihr Ehemann und ihre vier Kinder in einer Gelbfieberepedemie gestorben waren. Sie zog nach Chicago, um ihr Gesch\u00e4ft als Kleidermacherin wieder aufzunehmen. Wieder kam es zur Trag\u00f6die. Ihr Laden und Haus brannten im Gro\u00dfen Brand von Chicago von 1871 nieder. Dort kam sie in Kontakt mit den Knights of Labor [RitterInnen der Arbeit, wichtige US-amerikanische Arbeiterorganisation zu der Zeit, A.d.\u00dc.].<\/p>\n<p>Gro\u00dfe Aufst\u00e4nde begannen 1877 mit der Revolte der BahnarbeiterInnen, der erste landesweite Streik in den USA. Er f\u00fchrte zu 42 Toten in Pittsburgh und starker Zerst\u00f6rung von Firmeneigentum der Pennsylvania Railroad Company durch aufgebrachte ArbeiterInnen. Mary Jones war vor Ort. W\u00e4hrend des folgenden Jahres wurde der Streik zerschlagen, mit um die 100 toten ArbeiterInnen im ganzen Land. Die Bestimmung f\u00fcr den Rest von Mary Jones Leben war gesetzt. Sie k\u00e4mpfte unaufh\u00f6rlich an der Seite von ArbeiterInnen bis sie hundert Jahre alt wurde.<\/p>\n<h4>R\u00fccksichtslose Chefs<\/h4>\n<p>Mother Jones\u2019 Hintergrund war einer der explosivsten Phasen in der US-Geschichte. Karl Marx schrieb, dass der Kapitalismus, trotz dass er vergleichsweise fortschrittlich war, \u201cbluttriefend aus allen Poren\u201d entstand. Auf dem jungfr\u00e4ulichen Gebiet der USA pressten die amerikanischen Kapitalisten &#8211; die Mother Jones nur Wall Street-Piraten, R\u00e4uber oder Einbrecher nannte &#8211; massive Profite aus dem Leib und Leben von M\u00e4nnern, Frauen und Kindern. Bis dato waren ArbeiterInnen in der Lage, weiter nach Westen zu entkommen, um an Land zu kommen. Nun war alles Land in Anspruch genommen. ArbeiterInnen mussten an Ort und Stelle verbleiben und den Weg des bitteren Kampfes f\u00fcr bessere Lebensbedingungen und Bezahlung auf sich nehmen.<\/p>\n<p>Jeder Streik war ein kleiner B\u00fcrgerkrieg mit Agenten von Pinkerton, die von den Chefs als Privatarmee genutzt wurden. Sie schmissen streikende Familien raus in die K\u00e4lte oder erschossen sie in ihren Betten. Milizen wurden in Unruhegebiete abkommandiert. Streikende wurden durch Milit\u00e4rgerichte gerichtet. Es war wie im Mittelalter. Nirgendwo \u00e4hnelten die Bedingungen mehr dem Feudalismus als in den Rockefeller-dominierten Kohlerevieren im s\u00fcdlichen Colorado. Die Bosse hatten die Macht \u00fcber Leben und Tod von \u00fcber 12000 M\u00e4nnern und ihren Familien, die in firmen-eigenen H\u00fctten lebten. L\u00f6hne wurden in Berechtigungsscheinen ausgezahlt, die im Firmenladen ausgegeben werden mussten und bei der Umwandlung in Bargeld abgewertet wurden. LehrerInnen wurden durch die Firma ausgew\u00e4hlt und bezahlt. BergarbeiterInnen mussten zu einem Firmenarzt gehen. GerichtsmedizinerInnen und RichterInnen im Dienst der Bosse verhinderten, dass ArbeiterInnen bei ihren Beschwerden Gerechtigkeit widerfuhr.<\/p>\n<h4>An der Seite der ArbeiterInnen<\/h4>\n<p>Mother Jones ging hin, wo immer sie gebraucht wurde, zun\u00e4chst als Organisatorin f\u00fcr die Vereinigten BergarbeiterInnen von Amerika (United Mine Workers of Amerika, UMWA). Sie war stolz darauf, nicht sesshaft zu sein und sagte, dass ihre Heimat dort ist, \u201cwo immer der Kampf gegen die R\u00e4uber ansteht.\u201d Sie hat oft ihre Habseligkeiten in ein Umh\u00e4ngetuch gepackt, sie \u00fcber die Schulter geworfen und sich auf den Weg gemacht, um kreuz und quer durchs Land zu ziehen, auf dem Boden von Arbeiterh\u00fctten schlafend. Mother Jones organisierte Unterst\u00fctzung f\u00fcr Familien und brachte B\u00e4uerinnen und Bauern dazu, ihre Erzeugnisse zu teilen. Sie ermutigte BergarbeiterInnen mit ihrer Tapferkeit, verurteilte sie sogar f\u00fcr ihre Feigheit, wenn sie zur\u00fcckwichen. Sie selbst trat Waffen und Haft furchtlos entgegen. Gro\u00dfe Menschenmengen kamen zusammen, wo auch immer sie hinkam.<\/p>\n<p>Mother Jones war nicht nur der \u201cEngel der BergarbeiterInnen\u201d, sie reagierte auch auf die Rufe von Stahl-, Kupfer-, Textil-, Kleidungs- und Stra\u00dfenbahnarbeiterInnen, Brauereiabf\u00fcllerInnen und vielen anderen &#8211; auf alle mit der selben Energie und Hingabe. Sie weckte Selbstvertrauen, Entschlossenheit und Einheit, und nannte Arbeiter ihre \u201cJungs\u201d. Sie erinnerte sich daran, wie sie auf der Landstra\u00dfe eine Rede hielt und ihr gesagt wurde, dass sie aufh\u00f6ren solle oder anderseits erschossen w\u00fcrde. \u201eIch antwortete: \u2018Ich bin auf einer \u00f6ffentlichen Landstra\u00dfe. Sie geh\u00f6rt mir.\u2019 Sie standen dort mit ihren Waffen in ihren Taschen. Sie gaben keinen einzigen Schuss ab.\u201d Sie landete oft im Gef\u00e4ngnis, weigerte sich, jegliche Gef\u00e4lligkeiten zu akzeptieren und bestand immer darauf, bei ihren Gewerkschaftern zu bleiben. Dabei war sie so h\u00f6flich zu den Richtern, dass diese ratlos wurden ob dieser \u00fcberkorrekten wei\u00dfhaarigen alten Dame. Sie machten ihr manchmal letztlich Komplimente oder empfahlen ihr, besser mit Wohlt\u00e4tigkeitsarbeit anzufangen.<\/p>\n<h4>Ausbeutung von Kindern<\/h4>\n<p>Die Kinder, die zur Arbeit unter barbarischsten Bedingungen gezwungen wurden, ber\u00fchrten sie am meisten. \u201eGefangene Jungs\u201d, manche neun Jahre jung, waren durch die Armut ihrer Familien gewungen, \u201e14 Stunden pro Tag unter Tage zu arbeiten f\u00fcr magere 60 Cent, komplett auf sich allein gestellt; nur wenn ein Maultier mit der Kohle ankam, \u00f6ffneten sie die Fallt\u00fcren und lie\u00dfen ein Hauch kalte Luft herein, die ihre kleinen K\u00f6rper abk\u00fchlte.\u201d Sie verurteilte die \u201eInteressen von distanzierten Pfandbrief- und Aktieninhabern, die verursacht haben, dass diese Babies den lieben langen Tag in den dunklen H\u00f6hlen unter der Erde gefangen sind.\u201d In Georgia wurde ein Gesetz zum Schutz von Singv\u00f6geln erlassen, aber \u201ewas ist mit den kleinen Kindern, denen das Singen komplett vergangen ist?\u201d, beklagte sich Mother Jones.<\/p>\n<p>Im Jahr 1903 waren in Philadelphia 16000 der 100000 streikenden TextilarbeiterInnen Kinder. Sie streikten f\u00fcr eine Reduzierung der Wochenarbeitszeit von 60 auf 55 Stunden. Kinder kamen in die Gewerkschaftszentralen, \u201emanche ohne H\u00e4nde, manche mit einem fehlenden Daumen, manche mit am Kn\u00f6chel abgetrennten Fingern, geb\u00fcckte kleine Dinger, mager und mit abgerundeten Schultern.\u201d Mother Jones war geschockt und versuchte ihnen \u00d6ffentlichkeit zu verschaffen, rannte jedoch gegen Mauern an. Zeitungsherausgeber gaben zu, dass sie dazu nichts drucken k\u00f6nnen, weil die Textilfabrikbesitzer Anteile an ihren Zeitungen hatten. Sie erwiderte: \u201cNun ja, ich habe Anteil an diesen kleinen Kindern und organisiere ihnen ein wenig \u00d6ffentlichkeit.\u201d<\/p>\n<p>Sie organisierte eine Armee von KindertextilarbeiterInnen, die 200 Kilometer zu Pr\u00e4sident Theodore Roosevelt marschierte, damit er das Jammern der Kinder h\u00f6ren konnte. Sie forderten einen Gesetzesentwurf zum Schutz vor der Gier der Bosse. Was f\u00fcr ein Anblick! Transparente forderten Zeit zum Spielen und mehr Schulen: \u201cWo ist unser Anteil am Wohlstand?\u201d Sie f\u00fcllte die Hallen auf dem Weg, unter anderem in Coney Island. Dort arrangierte sie, dass einige Kinder in Tierk\u00e4fige gesetzt wurden, um deren Lage unmissverst\u00e4ndlich klar zu machen. Sie war unerm\u00fcdlich. F\u00fcnfzig Jahre zuvor hatten die Menschen die Waffen erhoben, um die Sklaverei zu beenden. \u201eHeute wird ein wei\u00dfes Kind f\u00fcr zwei Dollar pro Woche an den Fabrikanten verkauft.\u201d Sie trafen nie auf den Pr\u00e4sidenten, aber sie befeuerten die massenhafte Unterst\u00fctzung f\u00fcr Gesetze gegen Kinderarbeit.<\/p>\n<h4>Korruption in Gewerkschaften<\/h4>\n<p>Im Streik der TextilarbeiterInnen kam sie in Konflikt mit einigen Gewerkschaftsvorsitzenden. Genau genommen scheute sie sich nie, sie zu kritisieren wenn n\u00f6tig. Sie verurteilte John Mitchell, Pr\u00e4sident der UMWA (United Mine Workers of America), daf\u00fcr, dass er die BergarbeiterInnen im Norden Colorados dazu dr\u00e4ngte, eine Vereinbarung anzunehmen, die BergarbeiterInnen im S\u00fcden im Stich gelassen h\u00e4tte. Mother Jones war entsetzt und drehte die Situation durch die Macht ihres Appells, um jeden Preis zusammenzuhalten. Sp\u00e4ter schaffte es Mitchell jedoch, die Entscheidung aufzuheben. Nachdem sie bei der Gr\u00fcndung der UMWA im Jahre 1980 zur bezahlten Organisatorin gemacht wurde, k\u00fcndigte sie nun angewidert.<\/p>\n<p>Mother Jones gei\u00dfelte John L. Lewis, eine andere F\u00fchrungsperson der UMWA daf\u00fcr, dass er wie ein Million\u00e4r lebte. In seinem Pass stand war als Besch\u00e4ftigung Manager, nicht Arbeiterf\u00fchrer, angegeben. Seine Fahrt auf eine Reise war sogar Teil der Klatschspalten in den Zeitungen. Seine Philosophie war, den BergarbeiterInnen zu helfen, indem er den Bergbaubossen half, reicher zu werden. Sie bemerkte, dass manche der Vorsitzenden von all dem Fressen und Champagner so fette B\u00e4uche wie Pr\u00e4sident William Howard Taft bekommen hatten. Sie griff Mitchell scharf daf\u00fcr an, dass er Teil der Civic Federation [B\u00fcrgerb\u00fcndnis] war. Diese war eine konzertierte Bem\u00fchung der amerikanischen Herrschenden, die Gewerkschaftsf\u00fchrungen zu korrumpieren und das Vorr\u00fccken der Arbeiterklasse zu schw\u00e4chen. \u201eDiejenigen, die die ArbeiterInnen in der Civic Federation repr\u00e4sentieren [&#8230;], verschwindet dort oder verschwindet aus der Arbeiterbewegung.\u201d<\/p>\n<h4>Internationalistin und Antirassistin<\/h4>\n<p>Die Phase, in der Mother Jones lebte, war voll von grausamen Niederlagen, aber auch von entscheidenden Siegen. Sie musste gegen all die Dinge ank\u00e4mpfen, denen AktivistInnen auch heutzutage gegen\u00fcberstehen. Sie war Internationalistin, organisierte Unterst\u00fctzung f\u00fcr mexikanische Revolution\u00e4rInnen, die im Auftrag des Diktators Porfirio Diaz in Arizona skrupellos vom US-Milit\u00e4r gejagt wurden. Sie wurden entf\u00fchrt und zur\u00fcck nach Mexiko verschleppt, um dort einer Haft oder manchmal sogar Hinrichtung entgegen zu sehen. Einige Zeit sp\u00e4ter half sie dabei, mexikanische BergarbeiterInnen gewerkschaftlich zu organisieren. 1913 traf sie Pancho Villa, einen der Revolutionsf\u00fchrer.<\/p>\n<p>Sie war Antirassistin, sorgte f\u00fcr gewerkschaftliche Organisierung unter europ\u00e4ischen MigrantInnen und wandte sich gegen den Ausschluss schwarzer BergarbeiterInnen, als die Bosse diese als StreikbrecherInnen einsetzen wollten. Sie begr\u00fc\u00dfte die russische Revolution 1917 erwartungsvoll als Sieg f\u00fcr die Armen und einen Schlag gegen die Gutsherren und den Zaren, obgleich sie Ungewissheit ausdr\u00fcckte, das jemals auf die USA zu \u00fcbertragen.<\/p>\n<p>Ihre Perspektive war einfach &#8211; jeden Kampf f\u00fcr die Unterdr\u00fcckten gewinnen &#8211; und war mutig in Bezug auf gew\u00e4hlte Taktiken, auch wenn sie keine ausgearbeitete Strategie hatte, wie der Kapitalismus gest\u00fcrzt werden soll. Sie wusste, dass das n\u00f6tig war, und \u00e4u\u00dferte sich oft dementsprechend. Sie wusste, dass der Konflikt zwischen Kapital und Arbeit solange nicht enden w\u00fcrde, bis alle Industrien \u00fcbernommen sind: \u201eIch bin nicht daf\u00fcr, dass die Regierung 10000 Dollar zahlt, um die Minen zu \u00fcbernehmen. Ich w\u00fcrde keine 10 Cent bewilligen. DIe Natur hat die Kohle nicht dorthin gebracht, damit sie ein Haufen nationale Pl\u00fcnderer und Einbrecher erhalten. Ich will, dass die USA sie ohne Kompensation \u00fcbernehmen. Es wurde schon genug Kompensation bezahlt.\u201d<\/p>\n<h4>Widerspr\u00fcchliche Ansichten<\/h4>\n<p>Mother Jones war mit allen linken politischen Str\u00f6mungen der damaligen Zeit verbunden. Sie war Gr\u00fcndungsmitglied der IWW, fand deren Grenzen aber schnell zu beengend. Sie arbeitete mit der Socialist Party zusammen, verkaufte eine Zeit lang deren Zeitung Appeal to Reason [Appell der Vernunft], und unterst\u00fctzte begeistert Eugene Debs in seiner Pr\u00e4sidentschaftskandidatur, bei der er eine Million Stimmen bekam. Bei einer sp\u00e4teren Wahl jedoch, trotz dass er offener Sozialist war, unterst\u00fctzte sie stattdessen Woodrow Wilson von den Demokraten. Sie war eine fantastische Kommunikatorin. Sie benutzte eine direkte, gottlose Sprache und konnte so eine Zuh\u00f6rerschaft von ArbeiterInnen faszinieren.<\/p>\n<p>Manchmal nutzte sie Frauen als Kraft, damit diese ihre Ehem\u00e4nner dazu dr\u00e4ngten, in Streik zu treten. Das andere Mal f\u00fchrte sie Frauen f\u00fcr ihre eigenen Rechte an, in Streiks und Demonstrationen f\u00fcr bessere L\u00f6hne und Arbeitsbedingungen, so wie die Blusenarbeiterinnen in New York. Trotzdem, ziemlich unverst\u00e4ndlicherweise, war sie gegen das Frauenwahlrecht. Ihre Ansichten standen im Widerspruch zueinander. Die Chefs behandelten M\u00e4nner und Frauen brutal, so dass Frauen zur\u00fcckschlagen mussten, was sie von ganzem Herzen unterst\u00fctzte. Sie \u00e4u\u00dferte sich vernichtend gegen\u00fcber reichen Frauen, die f\u00fcr ihre Pudel mehr ausgaben als eine Arbeiterin verdiente. Nichtsdestotrotz hatte sie eine idealisierte Ansicht von Frauen als vor allem Hausfrauen und diejenigen, die Kinder erziehen.<\/p>\n<p>Sie hat sich scheinbar von den eher schlichten Aspekten des American Dream beeinflussen lassen. Sie wollte die USA als ein Land, wo tats\u00e4chlich jede und jeder Pr\u00e4sidentIn werden konnte und das Leben nicht aus einem herausgepresst wird aufgrund von Gier. Sie erw\u00e4hnte die Gr\u00fcndungsv\u00e4ter der USA, Thomas Jefferson und Patrick Henry. Sie wurde in sp\u00e4teren Jahren so geehrt, dass sie darum gebeten wurde, Zeugenaussagen in drei Kongressaussch\u00fcssen abzugeben. Diese untersuchten Bedingungen in den Minen, Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen und die Verfolgung von MexikanerInnen.<\/p>\n<h4>K\u00e4mpferinnengeist<\/h4>\n<p>Als Achtzigj\u00e4hrige war sie immer noch aktiv: \u201eIch sage dir, mein Sohn, es sind die Gelegenheiten des Kampfes, die mir ein langes Leben bescheren. Wenn ich nicht in so vielen Arbeitsk\u00e4mpfen involviert gewesen w\u00e4re, w\u00e4re ich schon l\u00e4ngst gestorben. [&#8230;] Ich hatte einfach keine Zeit, krank zu werden.\u201d Letztendlich holte sie die Zeit doch ein, sechs Monate nach ihrem 100. Geburtstag. Bei ihrer Beerdigung umringten 15000 ArbeiterInnen die Kirche. Sie wurde auf dem Mount Olive Friedhof in Illinois begraben, ein passendes Symbol f\u00fcr den Kampf der Arbeiterklasse. Dort zollte Mother Jones im Jahr 1903 denjenigen Tribut, die im Virden Massaker von Oktober 1989 get\u00f6tet worden waren. Ihnen wurde verweigert, in ihrer eigenen Stadt begraben zu werden, weshalb die Bergarbeitergewerkschaft den Friedhof in Mount Olive etabliert hatte. Mother Jones wurde neben ihren Jungs beigesetzt.<\/p>\n<p>Die herrschende Klasse der USA hat ihr Bestes gegeben, die sch\u00e4ndliche Rolle der Bosse, ihrer Regierungen und dem Staatsapparat in dieser geschichtlichen Epoche auszul\u00f6schen. Sie versuchten, zynische Mythen \u00fcber Demokratie, Gesetz und Gerechtigkeit zu erschaffen. Sie haben ebenso Millionen daf\u00fcr ausgegeben, um gerade nicht die \u00fcberw\u00e4ltige Rolle von K\u00e4mpferInnen der Arbeiterklasse, sondern Gewalt von Gangstern zu verherrlichen. Sogar der Begriff \u201cArbeiterklasse\u201d verschwand aus dem amerikanischen Wortschatz. ArbeiterInnen wurden \u201cMittelschicht\u201d.<\/p>\n<p>Die ph\u00e4nomenale Geschichte, wie ArbeiterInnen jahrzehntelang gegen die r\u00fccksichtslosesten B\u00fcrgerlichen k\u00e4mpften, ist wirklich inspirierend. Und nun wird die Glut wieder entfacht. Die USA befinden sich in einer Phase, die der sehr \u00e4hnlich werden k\u00f6nnte, die Mother Jones durchlebte. Damals fand der Kampf vor dem Hintergrund eines Kapitalismus im Aufschwung statt. Nun ist er eher in einem Todeskampf. ArbeiterInnen betreten wieder die B\u00fchne. Unsere erste sozialistische Stadtr\u00e4tin Kshama Sawant wurde 2013 in Seattle gew\u00e4hlt. Der Kampf f\u00fcr einen Mindestlohn von 15 Dollar war bahnbrechend. Danach trat Bernie Sanders hervor und weckte Erwartungen mit seinem Aufruf f\u00fcr eine politische Revolution.<\/p>\n<p>Im Mai 1914 war Mother Jones nach Seattle eingeladen, um beim ersten Gedenktag der ArbeiterInnen zu sprechen und die zu ehren, die in Streikauseinandersetzungen get\u00f6tet wurden. Im vorangegangenen Monat hatten Milizsoldaten ein Zeltlager von streikenden BergarbeiterInnen und ihren Familien in Ludlow angegriffen und 32 get\u00f6tet, darunter Frauen und Kinder. Mother Jones reiste aus Colorado an, wo sie 26 Tage in Haft verbracht hatte, und wurde in Seattle von tausend BergarbeiterInnen begr\u00fc\u00dft. Wenn sie heutzutage dorthin zur\u00fcckkehren k\u00f6nnte, w\u00fcrde sie sich sehr ermutigt und begeistert f\u00fchlen. Um die Hoffnung einer Gruppe ArbeiterInnen zu wecken, sagte Mother Jones einmal, dass John Brown [K\u00e4mpfer gegen die Sklaverei, A.d.\u00dc.] vielleicht gestorben ist, sein Geist aber weiterk\u00e4mpft. Das gilt genauso f\u00fcr den K\u00e4mpferinnengeist von Mother Jones, und all ihrer gro\u00dfartigen Mit-Klassenk\u00e4mpferInnen, die in das 21. Jahrhundert marschieren, das Jahrhundert der Revolution.<\/p>\n<p><em>Dieser Artikel wurde durch die umfassende Arbeit von Philip S. Foner im Buch \u201cMother Jones Speaks: Speeches and Writings of a Working-Class Fighter\u201d (Pathfinder, 1995) inspiriert.\u00a0<\/em><em>Linda Taaffe war jahrzehntelang Mitglied in der britischen Lehrergewerkschaft NUT und ist Mitglied der Socialist Party.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pionierin der US-amerikanischen Arbeiterbewegung<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":35273,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[32,90],"tags":[913,926,995,996,997],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35272"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=35272"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35272\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":35274,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35272\/revisions\/35274"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/35273"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=35272"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=35272"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=35272"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}