{"id":35265,"date":"2017-09-10T15:20:08","date_gmt":"2017-09-10T13:20:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=35265"},"modified":"2017-09-08T15:29:57","modified_gmt":"2017-09-08T13:29:57","slug":"dgb-ausbildungsreport-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2017\/09\/dgb-ausbildungsreport-2017\/","title":{"rendered":"DGB Ausbildungsreport 2017"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/1.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-35266\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/1-280x173.jpg\" alt=\"\" width=\"280\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/1-280x173.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/1-162x100.jpg 162w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/1-768x474.jpg 768w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/1-560x347.jpg 560w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/1-600x371.jpg 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/1-534x330.jpg 534w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/1.jpg 978w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a>Ausbildung = systematische Ausbeutung<\/strong><\/p>\n<p>Der DGB hat den Ausbildungsreport f\u00fcr 2017 ver\u00f6ffentlicht. Bei diesem handelt es sich um eine j\u00e4hrlich erscheinende Analyse \u00fcber die aktuelle Situation von Azubis, wobei diese Jahr die Berufsschulsituation als Schwerpunktthema behandelt wurde.<\/p>\n<p><em>von Jule Lange, Hamburg<\/em><\/p>\n<p>Obwohl festgestellt worden ist, dass 71,9 Prozent der Azubis mit ihrer Ausbildung grunds\u00e4tzlich zufrieden sind, darf einen diese scheinbar so positive Zahl nicht t\u00e4uschen. Denn es gibt gravierende Probleme.<\/p>\n<p>Es f\u00e4ngt damit an, dass viele junge Menschen gar keinen Ausbildungsplatz bekommen oder einen Beruf erlernen m\u00fcssen, den sie nur als \u201eNotl\u00f6sung\u201c sehen und nicht als etwas, das sie wirklich machen wollen, doch wie kommt das, wenn es zugleich mehr als 43000 unbesetzte Ausbildungspl\u00e4tze gibt?<\/p>\n<p>Hinzu kommt noch, dass 24,9 Prozent der Azubis ihre Ausbildung abbrechen und \u00fcber 80 Prozent \u00fcberlegen das zu tun. Diese Zahl zeigt bereits deutlich, das grunds\u00e4tzliche Problem, n\u00e4mlich das f\u00fcr Jugendliche extrem unattraktiv ist, eine Ausbildung auch nur anzufangen. Doch warum?<\/p>\n<p>Wenn doch zugleich Friedrich Esser (Pr\u00e4sident des Bundesinstituts f\u00fcr Berufsbildung) das duale System als \u201eExportschlager\u201c Deutschlands bezeichnet und betont, wie gut die Qualit\u00e4t des selbigen sei, da man sowohl theoretisches, berufsspezifisches Fachwissen erhalte und zugleich schon einen gro\u00dfen Praxisbezug habe. Doch bei einer genauen Betrachtung der im Schnitt 3 Jahre dauernden Ausbildung ergibt sich ein anderes Bild.<\/p>\n<h4><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/2.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-large wp-image-35267\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/2-283x347.jpg\" alt=\"\" width=\"283\" height=\"347\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/2-283x347.jpg 283w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/2-141x173.jpg 141w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/2-600x735.jpg 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/2.jpg 720w\" sizes=\"(max-width: 283px) 100vw, 283px\" \/><\/a>\u00dcberstunden<\/h4>\n<p>Viele Azubis m\u00fcssen \u00dcberstunden leisten (im Schnitt 4,2h\/Woche), welche oft weder bezahlt, noch durch Freizeit ausgeglichen werden. Dies ist gerade f\u00fcr junge Menschen, die frisch aus der Schule komme sehr schwierig und eine gro\u00dfe Belastung. Die Branchenunterschiede sind wie insgesamt bei der Ausbildung auch hier gro\u00df. Bei K\u00f6chInnen sind es 7,6 Stunden pro Woche. Es gibt Azubis, die 20(!) \u00dcberstunden pro Woche machen (1,2 Prozent). Mehr als jeder neunte minderj\u00e4hrige Azubis arbeitet rechtswidrig \u00fcber vierzig Stunden die Woche.<\/p>\n<h4>Keine fachliche Ausbildung<\/h4>\n<p>Es m\u00fcssen betriebsfremde Aufgaben, wie Kaffee kochen, einkaufen gehen oder das Auto des Chefs putzen erledigt werden, da Azubis als billige Arbeitskr\u00e4fte missbraucht und nicht richtig ausgebildet werden. Bezeichnend daf\u00fcr ist auch, dass in vielen F\u00e4llen der gesetzlich vorgeschriebene Ausbildungsrahmenplan, in welchem festgelegt wird, in welcher Woche der Ausbildung bestimmte Inhalte vermittelt werden sollen, nicht an die Azubis ausgeh\u00e4ndigt wird, was zur Folge hat, dass die Qualit\u00e4t der Ausbildung sinkt.<\/p>\n<p>Hinzu kommt auch, dass oftmals keine Lehrgespr\u00e4che stattfinden und der Ausbilder kein kompetenter Ansprechpartner ist. Dies sorgt daf\u00fcr, dass die Azubis in den Betrieben nicht nur fachlich schlecht eingearbeitet werden, sondern sich auch noch menschlich unwohl f\u00fchlen, da sie nicht wissen, an wen sie sich mit ihren Fragen wenden sollen. Auch das Berichtsheft sollte eigentlich w\u00e4hrend der Arbeitszeit gef\u00fchrt werden k\u00f6nne, was in der Regel nicht m\u00f6glich ist.<\/p>\n<h4><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/3.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-large wp-image-35269\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/3-343x347.jpg\" alt=\"\" width=\"343\" height=\"347\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/3-343x347.jpg 343w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/3-171x173.jpg 171w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/3-600x607.jpg 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/3-32x32.jpg 32w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/3.jpg 735w\" sizes=\"(max-width: 343px) 100vw, 343px\" \/><\/a>Schule<\/h4>\n<p>Oft muss vor oder nach der Berufsschule gearbeitet werden, obwohl gesetzlich vorgeschrieben ist, dass Azubis f\u00fcr die Schule freizustellen sind und der Schulbesuch als voller Arbeitstag gilt. Eigentlich sollte es so sein, dass die theoretische und praktische Ausbildung einen gleichen Stellenwert haben, doch in vielen Betrieben wird die Schule nur als notwendiges \u00dcbel gesehen.<\/p>\n<p>Um ein Beispiel aus meiner letzten Ausbildung zu nennen. Mein Chef hat mir damals erkl\u00e4rt, dass er mich f\u00fcr die Schule freistellen muss. Dies bedeutet, dass ich ab 8.00 morgens freigestellt bin, da die Schule um 8.30 anf\u00e4ngt. Mein Arbeitsbeginn war jedoch nachts um null Uhr und nat\u00fcrlich wurde erwartet, dass ich dann zur Arbeit erscheine, denn die Personalsituation war so schlecht, dass die Arbeit f\u00fcr die Kollegen sonst nicht zu schaffen gewesen w\u00e4re. Er hat mich also in mehrerer Hinsicht unter Druck gesetzt, da man ja die anderen nicht h\u00e4ngen lassen m\u00f6chte und als Azubi in ja auch vom Wohlwollen des Chefs abh\u00e4ngig ist, wenn dieser auch in der Gesellenpr\u00fcfungskommission sitzt. Zudem ist man als junger Mensch, der zum ersten mal einen Job hat ja auch noch nicht so selbstbewusst, sondern eher unsicher, da man f\u00fcrchtet, die Ausbildungsstelle zu verlieren und vor dem Nichts zu stehen.<\/p>\n<p>Gerade solche Aktionen, wie das Arbeiten vor der Schule, oder viele \u00dcberstunden, haben zur Folge, dass die Azubis in der Schule m\u00fcde, unkonzentriert und desinteressiert sind, was letztendlich dazu f\u00fchrt, dass sie schlechter auf ihre Gesellenpr\u00fcfung vorbereitet werden, beziehungsweise in dieser Pr\u00fcfung schlechter abschneiden, was zur Folge hat, dass sie auf dem Arbeitsmarkt gr\u00f6\u00dfere Schwierigkeiten haben, einen neuen Job zu finden.<\/p>\n<p>Hinzu kommt noch, dass auch die Schulen oft sehr schlecht ausgestattet sind. So m\u00fcssen Fachb\u00fccher von den Azubis selbst gekauft werden, die R\u00e4ume f\u00fcr den Praxisunterricht sind oft schlecht ausgestattet und die Klassen sind mit im Schnitt 21,5 Personen sehr gro\u00df, vor allem da in einer Berufsschulklasse die Vorbildung der Sch\u00fcler sehr unterschiedlich ist und der Lehrer so nicht in der Lage ist, auf die Bed\u00fcrfnisse der Sch\u00fcler einzugehen.<\/p>\n<h4>\u00dcbernahme<\/h4>\n<p>Gegen Ende der Ausbildung, w\u00e4hrend man gerade mitten in der Pr\u00fcfungsvorbereitung steckt, stellt sich immer noch die Frage, ob man auch \u00fcbernommen wird, da es daf\u00fcr keine Garantie gibt. Das bedeutet im Endeffekt, dass zus\u00e4tzlich zur regul\u00e4ren Arbeit und der zeitintensiven Pr\u00fcfungsvorbereitung nun auch noch das Schreiben von Bewerbungen kommt oder der Gang zum Amt, um schon einmal pr\u00e4ventiv Arbeitslosengeld zu beantragen, was nat\u00fcrlich beides Zeit kostet und die unsichere Situation in der man sich befindet, ist auch noch eine gro\u00dfe Belastung.<\/p>\n<h4>Verg\u00fctung<\/h4>\n<p>Laut Tarif sollte die durchschnittliche Ausbildungsverg\u00fctung 854 Euro betragen, was nicht viel ist, doch da die Arbeitgeber den Tarif um bis zu 20 Prozent unterschreiten d\u00fcrfen, sieht auch hier die Realit\u00e4t anders aus. Es kommt sogar noch der \u201egender pay gap\u201c zum tragen, da es eher m\u00e4nnlich und eher weiblich dominierte Berufe gibt. Bei den eher von M\u00e4nnern dominierten Berufen liegt die tats\u00e4chliche H\u00f6he der Verg\u00fctung bei 789 Euro, bei den von Frauen dominierten Berufen bei 683\u20ac. Und jeder der schon mal in einer Stadt Miete gezahlt hat, wei\u00df, dass 683\u20ac zum Leben zu wenig sind. Viele Azubis sind auf Ausbildungsbeihilfe, Wohngeld oder Zusch\u00fcsse ihrer Eltern angewiesen \u2013 defakto ein Kombilohn, der es den Arbeitgebern m\u00f6glich macht, so geringe Verg\u00fctungen zu zahlen.<\/p>\n<h4><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/4.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-large wp-image-35270\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/4-196x347.jpg\" alt=\"\" width=\"196\" height=\"347\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/4-196x347.jpg 196w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/4-98x173.jpg 98w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/4-600x1064.jpg 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/4.jpg 729w\" sizes=\"(max-width: 196px) 100vw, 196px\" \/><\/a>Perspektiven<\/h4>\n<p>Trotz alle dem sind 71,9 Prozent \u201ezufrieden\u201c. Das zeigt deutlich, wie wenig junge Menschen von der Ausbildung erwarten, obwohl diese eigentlich etwas sein wollte, dass einen auf die Zukunft in der Arbeitswelt vorbereitet. Doch worauf soll man sich auch freuen, da auch die Perspektiven nach der Ausbildung die Perspektiven f\u00fcr Viele nicht besonders viel versprechend sind. Sie erwarten Minijobs, Zeitarbeit, befristete Arbeitsvertr\u00e4ge, ein Mindestlohn von 8,84 Euro und eine Rente mit fr\u00fchestens 67 und selbst dann besteht noch das Risiko in Armut zu leben.<\/p>\n<p>In all diesen Dingen zeigen, wie wenig Wertsch\u00e4tzung Arbeit erf\u00e4hrt und was f\u00fcr ein Menschenverachtendes System der Kapitalismus ist. Doch um dies zu ver\u00e4ndern, m\u00fcssen wir selbst aktiv werden, indem wir in die Gewerkschaften eintreten, uns organisieren und bei Streiks auf die Stra\u00dfe gehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ausbildung = systematische Ausbeutung<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":35266,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[48],"tags":[990,989,993,992,991,994],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35265"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=35265"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35265\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":35271,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35265\/revisions\/35271"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/35266"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=35265"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=35265"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=35265"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}