{"id":35097,"date":"2017-08-11T14:48:45","date_gmt":"2017-08-11T12:48:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=35097"},"modified":"2017-08-04T11:05:22","modified_gmt":"2017-08-04T09:05:22","slug":"kasseler-documenta-14-und-hausbesetzung-unsere-villa-bleibt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2017\/08\/kasseler-documenta-14-und-hausbesetzung-unsere-villa-bleibt\/","title":{"rendered":"Kasseler documenta 14 und Hausbesetzung \u201eUnsere Villa bleibt\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-35098\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/FotoVilla-280x158.jpg\" alt=\"\" width=\"280\" height=\"158\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/FotoVilla-280x158.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/FotoVilla-768x432.jpg 768w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/FotoVilla-560x315.jpg 560w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/FotoVilla-600x338.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/>Kultur nur f\u00fcr hundert Tage?!<\/strong><\/p>\n<p>Vom 10. Juni bis zum 17. September findet in Kassel die documenta 14 statt. Sie ist die weltweit gr\u00f6\u00dfte Ausstellung zeitgen\u00f6ssischer Kunst und wandelt Kassel alle f\u00fcnf Jahre in ein Reiseziel internationaler BesucherInnen. In diesen hundert Tagen erscheint die Stadt als ein Ort kulturellen Angebots auch rund um die Kunstshow. Doch dabei werden einst selbstverwaltete Zentren untergraben, an dessen Stelle teure neue Clubs und Caf\u00e9s treten. In der Kasseler Jugend entsteht Widerstand. Sie fordern Freiraum f\u00fcr unkommerzielle kulturelle Zentren, die auch nach den Wochen der documenta bleiben.<\/p>\n<p><em>von Hannah, Kassel<\/em><\/p>\n<p>1955 wurde die erste documenta in Kassel organisiert. Damals unter der Leitung des Kasseler Kunstprofessors und Kurators Arnold Bode. Im Fokus standen dabei die Werke vieler progressiver K\u00fcnstlerInnen, deren Kunst w\u00e4hrend des Nationalsozialismus unter der Bezeichnung \u201eEntartete Kunst\u201c diffamiert worden waren. Viele dieser Objekte wurden damals beschlagnahmt und zum gro\u00dfen Teil zerst\u00f6rt.<\/p>\n<h4>Kritisch nur im Ansatz<\/h4>\n<p>Heute pr\u00e4sentiert die Ausstellung ausschlie\u00dflich Werke zeitgen\u00f6ssischer K\u00fcnstlerInnen. Zudem hat der diesj\u00e4hrige Kurator Adam Szymcyk sich dazu entschieden, die Ausstellung \u00a02017 in zwei St\u00e4dten vorzuf\u00fchren. Athen und Kassel. Mit dem Titel \u201eVon Athen lernen\u201d scheint die documenta den Rahmen aktueller gesellschaftspolitischer Kontexte anzustreben. Beide St\u00e4dte sollen als gleichberechtigte Gastgeber der Ausstellung gelten.<\/p>\n<p>In Anbetracht der politischen Beziehungen zwischen Deutschland und Griechenland und der gro\u00dfen Verantwortung Deutschlands an der hohen Verschuldung Griechenlands, st\u00f6\u00dft der Anspruch auf Gleichberechtigung jedoch auf Unglaubw\u00fcrdigkeit und Emp\u00f6rung auf Seiten der Griechinnen und Griechen. F\u00fcr viele ist der Titel ironisch. \u201eSonst sollen wir doch immer von Deutschland und Berlin lernen. Was wollt ihr denn jetzt von uns lernen?\u201c \u00e4u\u00dferte sich eine Studentin in Athen. Au\u00dferdem sagte sie, dass sie sich als Studentin weder eingeladen f\u00fchlt, die documenta zu besuchen, noch k\u00f6nnte sie sich ein Ticket daf\u00fcr leisten.<\/p>\n<p>Der krisenhafte Charakter des Kapitalismus hat auch Einzug in die Weltkunst erlangt. Kriege, Flucht, Armut und Terror sind oftmals Inhalte der documenta-Werke und ein Abbild unserer heutigen Gesellschaft.<br \/>\nDer kritische Ansatz der Ausstellung geht jedoch nicht \u00fcber die k\u00fcnstlerische Ebene hinaus. Auch die documenta ist eine kapitalistische Institution. Die Arbeitsbedingungen sind prek\u00e4r und die L\u00f6hne zu niedrig, w\u00e4hrend die Preise der L\u00e4den und Caf\u00e9s in der Stadt steigen.<\/p>\n<h4>Besetzung der Villa R\u00fchl<\/h4>\n<p>Das Arrangement der documenta begeistert die internationale Kunstszene, sowie den Teil der Bev\u00f6lkerung, der sowohl genug Zeit als auch Geld hat, um sich die Weltkunst anzuschauen. Die Kasseler Jugend f\u00fchlt sich jedoch weder miteinbezogen noch angezogen von dem \u00fcberteuerten Angebot. Sie fordern R\u00e4umlichkeiten, die sie selbst verwalten und die ein Zentrum der Kreativit\u00e4t und des Austauschs bilden. Das alles auch f\u00fcr Menschen, die sich keine Tickets f\u00fcr\u2019s Theater, Museum oder Kino leisten k\u00f6nnen. Solche Zentren existierten einst in Kassel, sie wurden in der Vergangenheit jedoch nach und nach geschlossen.<br \/>\nDa die Stadt Kassel dem Anliegen nicht entgegenkommt und bei Bildung und Jugendkultur weiterhin k\u00fcrzt, hat eine Gruppe von AktivistInnen das Recht auf Stadt konkret eingefordert. Zehn Tage vor der documenta-Er\u00f6ffnung wurde die Villa R\u00fchl, ein leerstehendes Geb\u00e4ude der Universit\u00e4t Kassel, besetzt. Schnell entstand breite Solidarit\u00e4t gegen\u00fcber dem Projekt und die Villa wurde zu einem attraktiven Aufenthaltsort vieler Menschen. Doch die Univerwaltung war nicht kooperationsbereit, hat die Villa r\u00e4umen lassen und sich damit auch gegen das Interesse vieler ihrer Studierenden gestellt. Die Polizei r\u00e4umte am 19. Juni das entstandene Zentrum. Alles was selbst gebaut und mit viel M\u00fche errichtet wurde, landete im Container.<\/p>\n<p>Schnell wurde eine spontane Demonstration organisiert, bei der \u00fcber dreihundert Leute auf der Stra\u00dfe waren. Weitere haben ihre Solidarit\u00e4t bekundet. Durch die Besetzung haben sich AktivistInnen, darunter auch Mitglieder der SAV, und Unterst\u00fctzerInnen vernetzt, sodass auch aktuell unter dem Motto \u201eUnsere Villa bleibt\u201c f\u00fcr den Ausbau von unkommerziellen Zentren gek\u00e4mpft wird. Auch die Linksjugend [\u2019solid] Kassel wird unter dem Titel \u201eZukunft erk\u00e4mpfen!\u201c mit dieser Forderung in den Wahlkampf gehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kultur nur f\u00fcr hundert Tage?!<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":35098,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[67,135],"tags":[955],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35097"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=35097"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35097\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":35101,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35097\/revisions\/35101"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/35098"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=35097"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=35097"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=35097"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}