{"id":35084,"date":"2017-08-08T16:00:53","date_gmt":"2017-08-08T14:00:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=35084"},"modified":"2017-08-07T10:41:03","modified_gmt":"2017-08-07T08:41:03","slug":"kapitalismus-macht-krank-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2017\/08\/kapitalismus-macht-krank-3\/","title":{"rendered":"Kapitalismus macht krank"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/linke.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-32875\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/linke-280x136.jpg\" alt=\"\" width=\"280\" height=\"136\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/linke-280x136.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/linke-768x374.jpg 768w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/linke-560x273.jpg 560w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/linke-600x292.jpg 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/linke.jpg 787w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a>Das Gesundheitssystem leidet unter Profitlogik<\/strong><\/p>\n<p>An der Gesundheit wird schon lange gespart: Seit Anfang der neunziger Jahre wurde ein Zehntel aller Krankenh\u00e4user in Deutschland geschlossen, zwanzig Prozent aller Betten abgebaut. Die durchschnittliche Verweildauer der PatientInnen ist um drei\u00dfig Prozent zur\u00fcckgegangen. Die Patientenf\u00e4lle sind um zwanzig Prozent gestiegen. Gleichzeitig wurden weit mehr als 60.000 Arbeitspl\u00e4tze abgebaut.<\/p>\n<p><em>Von Holger Dr\u00f6ge, Berlin<\/em><\/p>\n<p>Der Bundesverband der Verbraucherzentralen sch\u00e4tzt die Zahl der Todesf\u00e4lle durch falsche Medikamentenverordnung und -einnahme in Deutschland auf 5.000 bis 8.000 pro Jahr. \u00dcber 200.000 Menschen kommen j\u00e4hrlich wegen unerw\u00fcnschter Nebenwirkungen von Arzneimitteln ins Krankenhaus.<\/p>\n<h4>Kostenexplosion?<\/h4>\n<p>Alle etablierten Parteien argumentieren, dass sie die Kostenexplosion im Gesundheitswesen zwinge, weitere Leistungsk\u00fcrzungen vorzunehmen. Die SAV lehnt es ab, dass Fragen von Leben und Tod in Kostenschemata gezw\u00e4ngt werden. Au\u00dferdem beweisen statistische Berechnungen, dass der Anteil der Kosten der Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) am Bruttoinlandsprodukt seit den achtziger Jahren nahezu konstant bei sechs Prozent liegt.<\/p>\n<p>Trotzdem ist der durchschnittliche Beitragssatz von 1970 (8,2 Prozent) bis 2015 (14,6 Prozent plus Zusatzbeitrag f\u00fcr ArbeitnehmerInnen) stark angestiegen. Die tats\u00e4chliche Ursache f\u00fcr das Defizit der GKV und die steigenden Beitragss\u00e4tze ist die Implosion der GKV-Einnahmen durch Arbeitsplatzabbau, Ausweitung des Niedriglohnsektors und Lohnraub.<\/p>\n<h4>Pharmabranche kassiert<\/h4>\n<p>Aber es stimmt, dass einige Kosten gestiegen sind: 2012 wurden rund 29,2 Milliarden Euro f\u00fcr Arzneimittel ausgegeben, 1998 waren es noch 17,7 Milliarden Euro. Nur leider sind die Menschen heute nicht ges\u00fcnder als 1998.<\/p>\n<p>\u201e50.000 Medikamente sind in Deutschland auf dem Markt\u201c, sagt Peter Sawicki, bis 2010 Chef des Instituts f\u00fcr Qualit\u00e4t und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). V\u00f6llig unsinnig nennt Sawicki diese Medikamentenflut: \u201eMan braucht keine siebzig verschiedenen Beta-Blocker.\u201c<\/p>\n<p>Auf rund 144.000 ambulant arbeitende \u00c4rzte kommen in Deutschland 16.000 Pharmareferenten. Im Durchschnitt erh\u00e4lt jede Arztpraxis t\u00e4glich Besuch von einem Pharmareferenten \u2013 der in der Regel nichts anderes im Sinn hat, als seine Produkte in den h\u00f6chsten T\u00f6nen anzupreisen. Jeder Arzt erh\u00e4lt nach Untersuchungen etwa 2,5 Kilogramm Werbung pro Monat zugesandt (siehe ISW-Report Nr. 48). Pharmakonzerne verdienen sich dumm und d\u00e4mlich, den Grund hat Glaeske ausgemacht: \u201eDie Fortbildung liegt praktisch nur in den H\u00e4nden der Industrie.\u201c Die Umsatzrendite der Pharmabranche betr\u00e4gt in Deutschland rund zwanzig Prozent.<\/p>\n<h4>Diagnose: Kapitalismus<\/h4>\n<p>Mit der Senkung der staatlichen Zusch\u00fcsse, der diskutierten Freigabe der Beitragss\u00e4tze und den Vereinfachungen bei Zusatzbeitr\u00e4gen soll der Weg weiter in Richtung rein durch ArbeitnehmerInnen finanzierte Krankenversicherung gehen.<\/p>\n<p>Die Unternehmer wollen die so genannten Lohnnebenkosten (also die Beitr\u00e4ge zu den Sozialversicherungen) senken, die Krankenhauskonzerne und die privaten Versicherungen wollen neue Gesch\u00e4ftsfelder, die Pharma- und Ger\u00e4teindustrie verlangt immer h\u00f6here Kapitalrenditen. Es geht nicht darum, Kranken und Hilfsbed\u00fcrftigen zu helfen. Es geht um Geld, Profit und Macht. Der Patient wird zum Kunden. Nicht seine Gesundheit interessiert, sondern die Ausbeutung seiner Krankheit f\u00fcr den Profit. Absurderweise wird es \u201eprofitabel\u201c, wenn ein Mensch krank wird.<\/p>\n<p>Die Folge dieser Politik? Bereits heute werden in der Bundesrepublik mehr als 60 Prozent der Kosten f\u00fcr Gesundheit von den Besch\u00e4ftigten und RentnerInnen getragen. Ein armer Mensch stirbt sieben Jahre fr\u00fcher, ein Reicher lebt zw\u00f6lf Jahre l\u00e4nger als der Durchschnitt. Deutschland ist ein Land, in dem der Geldbeutel \u00fcber Leben und Tod entscheidet.<\/p>\n<p>Genug ist genug: Die K\u00e4mpfe und Streiks der Besch\u00e4ftigten in den Krankenh\u00e4usern sind ein wichtiger Ansatz, um die neoliberale Logik im deutschen Gesundheitssystem in Frage zu stellen. F\u00fcr ein bedarfsgerechtes Gesundheitswesen, in dem Menschen und nicht Profite z\u00e4hlen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Gesundheitssystem leidet unter Profitlogik<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":32875,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[111],"tags":[927,694,953,936],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35084"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=35084"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35084\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":35085,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35084\/revisions\/35085"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/32875"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=35084"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=35084"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=35084"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}