{"id":35056,"date":"2017-07-28T15:05:54","date_gmt":"2017-07-28T13:05:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=35056"},"modified":"2017-07-28T15:05:54","modified_gmt":"2017-07-28T13:05:54","slug":"sri-lanka-kampf-gegen-privatisierung-im-bildungswesen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2017\/07\/sri-lanka-kampf-gegen-privatisierung-im-bildungswesen\/","title":{"rendered":"Sri Lanka: Kampf gegen Privatisierung im Bildungswesen"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/SL-e1501247134152.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-35057\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/SL-260x173.jpg\" alt=\"\" width=\"260\" height=\"173\" \/><\/a>Regierung geht gegen Proteste vor <\/strong><\/p>\n<p>In j\u00fcngster Zeit wurde das South Asian Institute of Technology and Medicine (SAITAM \u2013 S\u00fcdostasiatisches Institut f\u00fcr Technologie und Medizin) zum Brennpunkt der Proteste in Sri Lanka. Studierende und Besch\u00e4ftigte, die friedlich gegen die Politik der Regierung protestiert haben, sahen sich mit r\u00fccksichtsloser Unterdr\u00fcckung konfrontiert. Bei einem brutalen Angriff der Polizei gegen die Demonstration der Protestierenden am 21. Juni wurden 85 Personen verletzt und zahlreiche verhaftet. Die Regierung verfolgt die Anf\u00fchrerInnen ihres Verbands \u2013 der Inter-University Student Federation (IUSF \u2013 Inter-Universit\u00e4re Studierendenvereinigung) \u2013 und versucht sie zum Schweigen zu bringen, indem sie ins Gef\u00e4ngnis gesteckt werden.<\/p>\n<p><em>Von Siritunga Jaysuriya, United Socialist Party (CWI in Sri Lanka)<\/em><\/p>\n<p>GMOA (Government Medical Officers\u2019 Association), die die staatlichen Gesundheitsbesch\u00e4ftigten vertritt, hat am 4. Juli zu einem bundesweiten Streik mit Streikbeginn 5. Juli aufgerufen. GMOA und IUS fordern, dass der Gerichtsbeschluss, der SAITAM erlaubt, ihr privates College weiterzuf\u00fchren, zur\u00fcckgenommen wird. Sie fordern au\u00dferdem die Verstaatlichung von SAITAM.<\/p>\n<p>Die Studierenden und die medizinischen Fachkr\u00e4fte protestieren schon seit l\u00e4ngerem gegen ein privates Medizincollege das von SAITAM betrieben wird. Aber trotz Massenprotesten hat das Gericht dem Institut die Erlaubnis erteilt, das private Medizincollege weiter zu betreiben. Es gab bereits zahlreiche Beschwerden dar\u00fcber, wie dieses private Institut betrieben wird. Aber vor allem wird es als ein erster Schritt im Rahmen der Regierungspl\u00e4ne gesehen, den Privatisierungsprozess im Bildungswesen zu beginnen.<\/p>\n<h4>Freier Bildungszugang in Sri Lanka<\/h4>\n<p>Der freie Zugang zu Bildung ist eine stolze Errungenschaft der Arbeiterklasse in Sri Lanka, die nach langen und harten K\u00e4mpfen in der Vergangenheit errungen wurde. Jede von der kapitalistischen UNP (United National Party \u2013 Vereinigte Nationalpartei) gebildete Regierung hat in der einen oder anderen Form versucht, den \u00f6ffentlichen Sektor, insbesondere den freien Bildungszugang und das \u00f6ffentliche Gesundheitswesen in Sri Lanka anzugreifen. Und jedes Mal haben sie sich massiver Opposition gegen\u00fcber gesehen. Die letzte Regierung unter Rajapaksa aber, hat \u2013 auf der Basis der Siegesstimmung die sie aufbaute nachdem der brutale Krieg gegen die TamiliInnen 2009 beendet worden war \u2013 massive Vollzugsgewalten angeh\u00e4uft. So konnte sie einige der Ma\u00dfnahmen, die in der Vergangenheit nicht m\u00f6glich gewesen waren, durchdr\u00fccken. Es war auch diese Regierung die SAITAM die Lizenz gab ein privates College zu betreiben.<\/p>\n<p>Die aktuelle Regierung unter F\u00fchrung der UNP setzt diese Politik fort, rechtfertigt die Errichtung einer privaten Bildungsinstitution und hat auch angedeutet, dass sie noch weiter gehen wollen. Sie wollen den Bildungsbereich f\u00fcr private Investitionen \u00f6ffnen. Sie behaupten, dass die Studierenden durch Investitionen des privaten Sektors profitieren w\u00fcrden und bessere weiterf\u00fchrende Bildung bekommen w\u00fcrden. Das ist eine L\u00fcge und schlicht eine Rechtfertigung daf\u00fcr, dass die Regierung nicht in den \u00d6ffentlichen Sektor investiert. Bei den Wahlen 2015 hat die Regierung angek\u00fcndigt sechs Prozent des BIP f\u00fcr Bildung ausgeben zu wollen. Aber tats\u00e4chlich haben sie dem Bildungsbereich nur zwei Prozent gegeben. Ein Finanzminister hat auch schon mal das Bildungsbudget gek\u00fcrzt und behauptet, dass er K\u00fcrzen w\u00fcrde, weil Teile des Budgets nicht benutzt worden w\u00e4ren. Auch das ist eine bewusste Irref\u00fchrung.<\/p>\n<p>Die Regierung weigert sich schlicht, Geld in die Bildung zu stecken um die Bedingungen dort zu verbessern. Insbesondere die Hochschulbildung hat in Sri Lanka nur sehr beschr\u00e4nkte Mittel zur Verf\u00fcgung. Von 300.000, die die f\u00fcr den Unizugang n\u00f6tigen Abschlusspr\u00fcfungen ablegen, bekommen nur 25.000 die M\u00f6glichkeit, tats\u00e4chlich an der Uni zu studieren. Und davon werden gerade mal 3000 Studierende an der medizinischen Fakult\u00e4t zugelassen. Nur 13 Prozent aller Sch\u00fclerInnen haben Zugang zu weiterf\u00fchrender Bildung. Aber die Arbeitslosigkeit steigt sogar unter jenen, die die Chance haben, zu studieren.<\/p>\n<h4>Die Privatisierung wird vom IWF diktiert<\/h4>\n<p>Privatisierung im Bildungswesen wird die Lage weiter verschlechtern. Immer weitere K\u00fcrzungen im \u00f6ffentlichen Bildungswesen werden die ohnehin schon miesen Bedingungen weiter verschlechtern und nur die kleine Schicht der reichen Elite wird sich die privaten Bildungseinrichtungen leisten k\u00f6nnen. Schon jetzt belaufen sich die Studiengeb\u00fchren f\u00fcr private h\u00f6here Bildung auf 1,3 Millionen Rupien (ca. 7200 Euro). \u00c4rmeren Studierenden oder jenen aus der Arbeiterklasse bleibt dieser Weg verschlossen. Und trotz der hohen Geb\u00fchren gibt es Beschwerden, dass das private medizinische College nicht entsprechend ausbildet und dass jene, die ihre Ausbildung hier abschlie\u00dfen zu wenig k\u00f6nnen. Offensichtlich ist die einzige Qualit\u00e4t, die wirklich erwartet wird ist, wie viel man zahlen kann.<\/p>\n<p>Trotz der Proteste beharrt die Regierung unnachgiebig auf ihren Schritten in Richtung Privatisierung. Es ist offensichtlich, dass die Regierung unter F\u00fchrung der UNP die Protestbewegung zerschlagen will, um sicher zu stellen, dass die T\u00fcr zur Privatisierung, also zur Auspl\u00fcnderung des Bildungssektors ,weit offen ist. Das war sogar der zentrale Aspekt in ihrem Plan, als sie dem vom IWF diktierten Budget zustimmte. Die j\u00fcngsten Angriffe der Regierung bzw. des IWF und seiner Politik zeigt, was unter ihrer sogenannten \u201eYahapalanaya\u201c (Gute Regierung) wirklich zu verstehen ist. Sie haben gezeigt wie weit sie bereit sind, dabei zu gehen, die ArbeiterInnen und Studierenden zu unterdr\u00fccken um ihre Klasseninteressen durchzusetzen.<\/p>\n<p>SAITAM ist ein Brennpunkt im Kampf gegen die Privatisierungspl\u00e4ne unter F\u00fchrung der kapitalistischen UNP. Wir d\u00fcrfen aber nicht vergessen, dass dieser Prozess bereits 2008, unter dem fr\u00fcheren diktatorischen und korrupten Regime begonnen hat. Wenn nun die Gruppe um Rajapaksa und andere kommunalistische (chauvinistische) Kr\u00e4fte so tun, als ob sie gegen SAITAM w\u00e4ren, so tun sie das einzig f\u00fcr ihren eigenen politischen Nutzen. Denn in den letzten sieben Jahren waren sie sehr still w\u00e4hrend SAITAM ohne Einschr\u00e4nkungen weiter lief. Weder der Rajapaksa-Klan noch irgendwer in seinem Umfeld vertreten die Interessen von ArbeiterInnen oder Studierenden. Es ist wichtig, dass die Studierenden und die ArbeiterInnen, die in diesem Kampf gegen Privatisierung aktiv sind das sehen.<\/p>\n<p>Die Studierenden, die Gewerkschaft GMOA und die ArbeiterInnen die gegen SAITAM aufstehen m\u00fcssen sich darauf vorbereiten, den Kampf auf andere Teile der ArbeiterInnen und der Armen auszuweiten. Massenmobilisierungen und der Aufruf an andere Gewerkschaften, Solidarit\u00e4tsaktionen durchzuf\u00fchren sind zentral um den aktuellen Kampf zu st\u00e4rken. Wir d\u00fcrfen nicht kapitulieren und den gierigen KapitalistInnen nicht unser hart erk\u00e4mpftes Recht auf freien Bildungszugang \u00fcberlassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Regierung geht gegen Proteste vor<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":35057,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[38],"tags":[933,934,320],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35056"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=35056"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35056\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":35058,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35056\/revisions\/35058"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/35057"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=35056"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=35056"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=35056"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}