{"id":34835,"date":"2017-06-20T14:00:40","date_gmt":"2017-06-20T12:00:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=34835"},"modified":"2017-06-29T12:55:08","modified_gmt":"2017-06-29T10:55:08","slug":"fuer-mehr-personal-im-krankenhaus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2017\/06\/fuer-mehr-personal-im-krankenhaus\/","title":{"rendered":"F\u00fcr mehr Personal im Krankenhaus"},"content":{"rendered":"<p><strong><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-34836\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/TVEKonferenz2-231x173.jpg\" alt=\"\" width=\"231\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/TVEKonferenz2-231x173.jpg 231w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/TVEKonferenz2-768x576.jpg 768w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/TVEKonferenz2-463x347.jpg 463w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/TVEKonferenz2-600x450.jpg 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/TVEKonferenz2.jpg 960w\" sizes=\"(max-width: 231px) 100vw, 231px\" \/>Bericht vom bundesweiten ver.di-Aktiventreffen<\/strong><\/p>\n<p>Ca. 150 Aktive aus allen Teilen der Bundesrepublik trafen sich am 17.6.2017 in Kassel, um sich \u00fcber die \u201eBewegung f\u00fcr mehr Personal und Entlastung im Krankenhaus\u201c auszutauschen. Es gab spannende Diskussionen um Strategie und Ausrichtung der Bewegung.<\/p>\n<p><em>Von Dorit Hollasky, (ver.di-Betriebsgruppensprecherin und Personalr\u00e4tin im Klinikum Dresden)*<\/em><\/p>\n<p>\u00dcberwiegend waren Besch\u00e4ftigte aus \u00f6ffentlichen H\u00e4usern anwesend, nur wenige aus kirchlichen und privaten. Die Stimmung der Angereisten war gut: interessiert, gespannt und motiviert.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst sprach die Leiterin des Fachbereichs 3 Sylvia B\u00fchler zur aktuellen Situation: Sie betonte die Erfolge, die ver.di bereits durch die Kampagne erreicht habe: Dadurch w\u00fcrde in der Politik niemand mehr an dem Thema vorbeikommen, es spiele eine beachtliche Rolle im Bundestagswahlkampf, in der Bev\u00f6lkerung sei gro\u00dfe Symphatie f\u00fcr die Krankenhausbesch\u00e4ftigten entstanden. Dass der Bundestag jetzt erstmalig Untergrenzen in bestimmten Bereichen beschlie\u00dfen will, sei ein erster Teilerfolg, der jedoch noch so viele Einschr\u00e4nkungen aufweist, dass er nicht akzeptabel ist. So werden hier beispielsweise statt der von ver.di geforderten 70.000 Stellen im Pflegebereich nur 1200 bis 6000 Stellen diskutiert.<\/p>\n<p>Anwesend waren auch die PionierInnen der Tarifbewegung an der Charit\u00e9 Grit Wolf und Carsten Becker. Sie hatten die neue ver.di- Brosch\u00fcre zu den Lehren des Charit\u00e9-Streiks im Gep\u00e4ck, die auf gro\u00dfes Interesse stie\u00df. Ihr Streik hat die ganze Bewegung erst angesto\u00dfen.<\/p>\n<p><strong>Kampagnenstrategie<\/strong><\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend wurde die im April vom Bundesvorstand beschlossene Strategie der Kampagne erl\u00e4utert. Danach ist das Ziel der Kampagne eine gesetzliche Personalbemessung, die ein verbindliches Verh\u00e4ltnis von Pflegekraft zu PatientInnen pro Schicht, orientiert am Bedarf, festlegt. Vom Plan der allgemeinen tarifvertraglichen Regelung wurde diskret Abstand genommen, stattdessen soll der Druck nun auf drei Ebenen aufgebaut werden:<\/p>\n<p>1) auf der politischen Ebene, indem zum Beispiel Politiker in die Betriebsgruppen eingeladen werden, \u00f6ffentlichkeitswirksame Aktionen durchgef\u00fchrt werden usw.<\/p>\n<p>2) auf der betrieblichen Ebene, haupts\u00e4chlich durch kollektiven \u201eDienst nach Vorschrift\u201c, indem zum Beispiel \u00e4rztliche Leistungen nicht mehr freiwillig \u00fcbernommen werden oder kollektiv nicht mehr aus dem Frei eingesprungen wird.<\/p>\n<p>3) auf der tariflichen Ebene (in ausgew\u00e4hlten, gewerkschaftsstarken H\u00e4usern) sollen die Arbeitgeber zu Tarifverhandlungen aufgefordert werden. An dieser Stelle blieben jedoch viele Fragen zur Strategie offen.<\/p>\n<p>F\u00fcr ihre Zusammenfassung: \u201eDie Zeit ist reif, sich in die Politik einzumischen\u201c bekam Sylvia B\u00fchler begeisterten Applaus. In der anschlie\u00dfenden Fragerunde wurde jedoch mehrfach kritisiert, dass die Forderungen noch sehr unkonkret sind und dass der bundesweite Steuerungskreis, welcher die Strategie und die Forderungen festlegt, ein recht unverbindliches Gremium ist. Viel Beifall erhielt der Vorschlag von mir und anderen, eine gr\u00f6\u00dfere bundesweite Konferenz von Aktiven zu planen, die dann auch beschlussf\u00e4hig sein m\u00fcsste.<\/p>\n<p><strong>Erfahrungen aus dem Saarland<\/strong><\/p>\n<p>Danach berichtete Michael Quetting (Gewerkschaftssekret\u00e4r aus dem Saarland) zusammen mit sieben Besch\u00e4ftigten sehr lebendig und anschaulich vom tariflichen Kampf um mehr Personal an den \u00fcber zwanzig saarl\u00e4ndischen Kliniken. Hier wurde deutlich, wie erfolgreich die Gewerkschaft sein kann, wenn sie entschlossen k\u00e4mpft. Sie verhandeln dort f\u00fcr alle Berufsgruppen. Die Forderungen haben sie aus den einzelnen Stationen und H\u00e4usern demokratisch gemeinsam aufgestellt. Sie lauten unter anderem:<\/p>\n<ul>\n<li>Keine Nacht allein<\/li>\n<li>Entlastung der Bereitschaftsdienste (weil derzeit durchschnittlich 50 Prozent der Bereitschaftszeit gearbeitet wird) und von \u00e4lteren KollegInnen<\/li>\n<li>Einrichtung eines wirksamen Personalpools<\/li>\n<li>Konsequenzenmanagement (klare Regeln, was bei Unterschreiten der Mindestpersonalbesetzung passiert)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Im Saarland gelang es auch, kirchliche H\u00e4user zum Mitmachen zu bewegen. Der Organisationsgrad und der Aktivit\u00e4tsgrad der Mitglieder konnte extrem erh\u00f6ht werden. Stehende Ovationen folgten auf die Berichte, die Begeisterung der Anwesenden war gro\u00df.<\/p>\n<p><strong>Workshops<\/strong><\/p>\n<p>Danach ging es in neun workshops, die jeweils verschiedene Aspekte der Kampagne n\u00e4her beleuchteten. Michael Quetting stellte die Idee des H\u00e4ndedesinfektionstages vor. Ein workshop hie\u00df \u201eWirkungsvoll streiken\u201c, andere befassten sich mit Kommunikation, wie die Politik angetrieben werden kann, wie Pausenaktionen stattfinden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Auch in der Mittags- und Kaffeepause wurde heftig weiter diskutiert und beraten, Kontakte gekn\u00fcpft und reger Austausch \u00fcber das Geh\u00f6rte betrieben.<\/p>\n<p>Mit einer halben Stunde war die Zeit zur Auswertung der workshops und f\u00fcr die weiterf\u00fchrenden Verabredungen im Plenum recht kurz bemessen. Es wurde deutlich, dass diese Konferenz nicht ausreichend f\u00fcr den Bedarf an Diskussion und demokratischer Strategieplanung war. Gro\u00dfe Zustimmung bekamen Beitr\u00e4ge aus dem Publikum, die mehr Betreuungssekret\u00e4re f\u00fcr die Krankenh\u00e4user forderten unter dem Motto \u201eMehr von euch ist besser f\u00fcr uns\u201c und die eine verbesserte Kommunikation innerhalb von ver.di forderten, weil von der \u201egro\u00dfen Strategie\u201c an der Basis wenig ankommt. Besonders spontaner und lebhafter Beifall kam jedoch bei der Warnung vor einem Zur\u00fcckweichen in den Kampfmethoden. Ich habe in der Diskussion betont, dass das Saarland gezeigt hat, dass die Politiker nur zu Zugest\u00e4ndnissen bereit sind, wenn die Besch\u00e4ftigten offenkundig streikbereit sind.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Es war ein Treffen, das zu keiner Minute langweilig war und viele Anregungen und Motivation f\u00fcr die Gewerkschaftsarbeit vermittelt hat. Trotzdem habe ich es mit gemischten Gef\u00fchlen verlassen, und es schien mir, dass es einigen so ging: Was sollte passieren, damit wir unsere Forderungen nach mehr Personal wirklich durchsetzen k\u00f6nnen?<\/p>\n<ul>\n<li>Es m\u00fcsste baldm\u00f6glich eine weitere, gr\u00f6\u00dfer angelegte Konferenz f\u00fcr alle geben, die sich an dem Kampf beteiligen wollen, die dann auch beschlussf\u00e4hig ist.<\/li>\n<li>Es m\u00fcssten gen\u00fcgend Verantwortliche von ver.di daf\u00fcr eingestellt werden, die Organizingarbeit machen und als verl\u00e4ssliche und verf\u00fcgbare AnsprechpartnerInnen vor Ort da sind.<\/li>\n<li>Die Forderungen m\u00fcssen so aufgestellt werden, dass m\u00f6glichst alle am Entscheidungsprozess beteiligt sind \u2013 nur so werden sie auch bereit sein, daf\u00fcr zu k\u00e4mpfen.<\/li>\n<li>Wir d\u00fcrfen nicht bei jedem kleinen Knochen, den uns die Politik hinwirft, gleich von Arbeitskampfma\u00dfnahmen Abstand nehmen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Mit politischer Lobbyarbeit werden wir keinen Durchbruch erzielen. Das hat der Streik an der Charit\u00e9, mit dem alles begann, gezeigt. Die Gewerkschaft muss in zwei Richtungen klare Ansagen machen: gegen\u00fcber den Arbeitgebern und Politikern \u2013 diese m\u00fcssen unsere Streikbereitschaft sp\u00fcren, damit sie auf unsere Forderungen eingehen. Und gegen\u00fcber den Besch\u00e4ftigten: diese m\u00fcssen darauf vertrauen k\u00f6nnen, dass die Forderungen auch wirklich mit allen Mitteln durchgesetzt werden. Nur so werden sie zum Mitmachen bereit sein. Zum blo\u00dfen S\u00e4belrasseln auf Kommando m\u00f6chte niemand in eine Gewerkschaft eintreten.<\/p>\n<p>Sylvia B\u00fchler sagte in ihrer Eingangsrede: \u201eWir m\u00fcssen uns die Macht, die wir haben, auch nehmen!\u201c Dem kann ich nur zustimmen und hoffen, dass diesen sch\u00f6nen Worten auch Taten folgen werden.<br \/>\n<em>*Angabe der Funktion dient nur der Kenntlichmachung der Person<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bericht vom bundesweiten ver.di-Aktiventreffen<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":34836,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[8,14],"tags":[262,291,918],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/34835"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=34835"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/34835\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":34837,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/34835\/revisions\/34837"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/34836"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=34835"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=34835"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=34835"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}