{"id":34816,"date":"2017-06-14T15:00:07","date_gmt":"2017-06-14T13:00:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=34816"},"modified":"2017-06-14T15:29:22","modified_gmt":"2017-06-14T13:29:22","slug":"abschied-von-rot-rot-gruen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2017\/06\/abschied-von-rot-rot-gruen\/","title":{"rendered":"Abschied von Rot-Rot-Gr\u00fcn?"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/bpt-e1497434982704.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-34817\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/bpt-e1497434982704-280x173.jpg\" alt=\"\" width=\"280\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/bpt-e1497434982704-280x173.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/bpt-e1497434982704-162x100.jpg 162w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/bpt-e1497434982704.jpg 474w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a>Bericht vom Bundesparteitag der LINKEN in Hannover<\/strong><\/p>\n<p>Bei ihrem dreit\u00e4gigen Parteitag vom 9.-11.Juni haben die mehr als 500 Delegierten der LINKEN ein Wahlprogramm verabschiedet, dessen Forderungen deutlich weiter gehen als das Programm von 2013. Wenn sie ernst genommen und nicht nur als Verhandlungsmasse eingesetzt werden, machen sie \u2013 so auch der Tenor der Pressestimmen \u2013 ein Regierungsb\u00fcndnis mit SPD und Gr\u00fcnen nach den Bundestagswahlen unm\u00f6glich.<\/p>\n<p><em>Von Heino Berg, G\u00f6ttingen<\/em><\/p>\n<p>Das gilt nicht nur f\u00fcr die beschlossenen Inhalte im Bundestagswahlkampf, sondern auch f\u00fcr die Ausgangslage in den aktuellen Umfragewerten. SPD und Gr\u00fcne d\u00fcmpeln im Keller, nachdem Martin Schulz \u2013 im Gegensatz zu Jeremy Corbyn in Gro\u00dfbritannien \u2013 auch den letzten Rest von Hoffnungen auf einen sozialen Kurswechsel der SPD entt\u00e4uscht hat. Auch die Gr\u00fcnen befinden sich im freien Fall und schielen mit Kretschmann auf eine Koalition mit der Union. R2G im Bund ist also illusion\u00e4rer denn je, wie es auch in einem offenen Brief an die Parteitagsdelegierten von verschiedenen Mitgliedern des linken Parteifl\u00fcgels hie\u00df. Aber anstatt die Schw\u00e4che von SPD und Gr\u00fcnen zu nutzen und mit dem Parteitag endlich eine Offensive als selbstbewusste Oppositionspartei starten, gingen in Hannover widerspr\u00fcchliche Signalen von der Parteif\u00fchrung aus. Scharfe Kritik an SPD und Gr\u00fcnen durch Sahra Wagenknecht und VertreterInnen der Parteilinken stand neben erneuten Koalitionsangeboten an ihre Adresse, ohne dass dar\u00fcber die Delegierten eine klare Entscheidung getroffen haben.<\/p>\n<h4>Autobahnprivatisierung und Generaldebatte<\/h4>\n<p>Nach der Er\u00f6ffnungsrede der Parteivorsitzenden Katja Kipping, in der sie dazu aufrief, \u201esich im Bundestagswahlkampf nicht freiwillig auf die Oppositionsrolle zu beschr\u00e4nken\u201c und sich \u201enicht kleiner zu machen, als man ist\u201c folgte eine Aussprache, an der sich drei\u00dfig RednerInnen beteiligen konnten und die vor allem durch VertreterInnen des linken Parteifl\u00fcgels gepr\u00e4gt wurde. So wehrte sich Ellen Brombacher f\u00fcr die Kommunistische Plattform (KPF) gegen den Vorwurf des Th\u00fcringer Regierungsvertreters Benjamin Immanuel Hoff, der vor dem Parteitag die Autoren des oben genannten Offenen Briefes als \u201eHeckensch\u00fctzen\u201c diffamiert hatte. Sie sprach sich f\u00fcr einen Oppositionswahlkampf der LINKEN aus, schon um der AfD die M\u00f6glichkeit zu nehmen, sich als einzige Oppositionskraft darzustellen. Wolfgang Gehrcke betonte die Wichtigkeit von Fordeurngen wie der Verstaatlichung der Schl\u00fcsselindustrien und \u2013 \u00e4hnlich wie M\u00e9lenchon bei den Pr\u00e4sidentschaftswahlen in Frankreich \u2013 dem Austritt aus der Nato.<\/p>\n<p>Die bayrische AKL-Delegierte Renate Schiefer und RednerInnen aus dem Jugendverband wie Danel Kereke\u0161\u00a0kritisierten vor allem die Zustimmung der von LINKEN mitregierten Bundesl\u00e4nder zur Autobahnprvatisierung. Der AKL-Sprecher und Parteivorstandsmitglied Thies Gleiss bezeichnete dies als einen \u201eAnschlag auf die Glaubw\u00fcrdigkeit\u201c auf die Partei. Viele RednerInnen betonten, dass Sanders, M\u00e9lenchon und zuletzt Corbyn in Gro\u00dfbritannien bewiesen h\u00e4tten, dass man mit klaren linken Forderungen viele W\u00e4hlerInnen mobilisieren k\u00f6nne, w\u00e4hrend ein Ja zu Privatisierungen an der Seite von SPD und Gr\u00fcnen all das in Frage stellen w\u00fcrde, was die Partei vor Ort an Vertrauen aufgebaut habe.<\/p>\n<p>Christian G\u00f6rke aus Brandenburg und Katina Schubert aus Berlin verteidigten die Kapitulation ihrer Landesregierungen vor Sch\u00e4uble mit Hinweis darauf, dass sie beim L\u00e4nderfinanzausgleich erpresst worden seien. Sie h\u00e4tten schlie\u00dflich zusammen mit den anderen Landesregierungen mehr Geld f\u00fcr die \u00e4rmeren Bundesl\u00e4nder ausgehandelt und daher aus Solidarit\u00e4t mit ihnen diesem Gesetzespaket zustimmen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Mitglieder der AKL, der KPF und des Jugendverbandes verurteilten unter unter dem Beifall vieler Delegierter diesen Ausverkauf linker Prinzipien. Sascha Stani\u010di\u0107 fragte daraufhin als Delegierter der Antikapitalischen Linken, was denn bei Nichtzustimmung passiert w\u00e4re, da der Beschluss die Stimmen der Bundesl\u00e4nder mit LINKE-Regierungsbeteiligung gar nicht brauchte und wies darauf hin, dass die von Bodo Ramelow proklamierte Solidarit\u00e4t nicht anderen Landesregierungen, sondern den von der Autobahnprivatisierung negativ betroffenen zu gelten habe. Mit SPD und Gr\u00fcnen seien \u201enicht einmal zehn Prozent des Wahlprogramms\u201c umsetzbar. Der SAV-Bundessprecher erinnerte an den alten PDS-Slogan \u201eVer\u00e4nderung beginnt mit Opposition\u201c. Thies Gleiss erkl\u00e4rte, dass Rot-Rot-Gr\u00fcn nach dem Ende des Schulz-Hypes \u201emausetot\u201c sei und das sich Linke, die daran festhalten wollten, der Leichenfledderei schuldig machen w\u00fcrden.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Hannoverscher Parteitag: Generaldebatte\" width=\"735\" height=\"413\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/6oAprf-JTr0?start=4101&#038;feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>W\u00e4hrend diese Fragen im Mittelpunkt der Debatte standen, sprachen sich einige Rednerinnen auch f\u00fcr eine deutlich antirassistische Ausrichtung des LINKE-Profils aus. Darunter auch das SAV-Mitglied Anne Marleen Schade, die in diesem Zusammenhang aus den Erfahrungen des NRW-Wahlkampfs berichtete.<\/p>\n<p>In dieser Debatte ging es nicht nur um das Einknicken von Ramelow, G\u00f6rke und Lederer, sondern um die Richtungsentscheidung, ob Die LINKE f\u00fcr die vage Hoffnung auf Koalitionsgespr\u00e4che Abstriche bei ihren Kernforderungen zu machen bereit ist \u2013 oder ihre Alleinstellungsmerkmale als antikapitalistische Opposition betont. Wenn linke Minister in den Landesregierungen sogar einem Megaprivatisierungsprojekt zustimmen, nur um ihre sozialdemokratischen und gr\u00fcnen Regierungspartner nicht vor den Kopf zu sto\u00dfen, w\u00fcrden sie nur die Begleitmusik f\u00fcr genau den Abbau von sozialen Errungenschaften spielen, zu deren Verteidigung die LINKE eigentlich gebraucht wird.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Hannoverscher Parteitag: Generaldebatte\" width=\"735\" height=\"413\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/6oAprf-JTr0?start=3540&#038;feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In den Abstimmungen fanden weder die Antr\u00e4ge des rechten Parteifl\u00fcgels eine Mehrheit, noch wurde deutlichen Linksverschiebungen mehrheitlich zugestimmt, wobei in der Bewertung bedacht werden muss, dass der Programmentwurf schon eine klar linkere Handschrift trug als fr\u00fchere Programme. Hier wurde sicher oftmals weniger nach inhaltlicher \u00dcberzeugung, denn nach dem Gedanken abgestimmt, die im Vorfeld gefundenen Kompromisse nicht in Frage zu stellen, um ein einheitliches Bild der Partei nach au\u00dfen w\u00e4hrend des Wahlkampfes zu gew\u00e4hrleisten.<\/p>\n<p>Das ist sicher auch der Hintergrund f\u00fcr die Beschlussfassung zum Thema Autobahnprivatisierung. Ein von Mitgliedern der Parteilinken eingebrachter Dringlichkeitsantrag zur Autobahnprivatisierung, der das Verhalten der Regierungssozialisten in Th\u00fcringen, Brandenburg und Berlin ausdr\u00fccklich missbilligt, fand am Sonntag bei Stimmengleichheit keine Mehrheit, w\u00e4hrend dann die Position des Parteivorstands mit gro\u00dfer Mehrheit beschlossen wurde, die sich zwar ebenfalls ein \u201eanderes Abstimmungsverhalten im Bundesrat gew\u00fcnscht h\u00e4tte\u201c und dieses als \u201efalsch\u201c bezeichnet, jedoch auch von einem \u201eDilemma\u201c spricht, in dem sich die LINKE-LandesregierungspolitikerInnen befunden h\u00e4tten und so Verst\u00e4ndnis f\u00fcr ihre Fehlentscheidung zum Ausdruck bringt.<\/p>\n<p>Das galt auch f\u00fcr einen Antrag der AKL, der definierte, was sich die Partei unter einem Politikwechsel vorstellt und somit deutlich machen sollte, dass die immer wieder proklamierte Aussage \u201eRegierungsbeteiligung nur bei Politikwechsel\u201c inhaltlich unterf\u00fcttert geh\u00f6rt und ein Politikwechsel mehr ist, als eine Politik des kleineren \u00dcbels oder die eine oder andere Mini-Verbesserung. Lucy Redler betonte das in ihrer F\u00fcrrede f\u00fcr den Antrag und sagte, man k\u00f6nne nicht von Montag bis Donnerstag auf k\u00e4mpferische Rhetorik setzen, um dann ab Freitag mit dem Schulzug ins Wochenende zu verreisen.<\/p>\n<h4>Friedenspolitik<\/h4>\n<p>In der Kontroverse \u00fcber die friedenspolitischen Forderungen bekr\u00e4ftigte der Parteitag das Nein zu allen Auslandseins\u00e4tzen der Bundeswehr und zur Aufl\u00f6sung der Nato. Dir Forderung nach einer K\u00fcndigung der NATO-Mitgliedschaft durch Deutschlands, die die AKL beantragt hatte, fand jedoch genauso wenig eine Mehrheit, wie die Forderung zur Bedingung f\u00fcr eine Regierungsbeteiligung nicht nur ein Nein zu Kampf-, sondern zu allen Auslandseins\u00e4tzen der Bundeswehr festzuschreiben. Mit 48 zu 46 Prozent der Delegiertenstimmen wurde dies denkbar knapp abgelehnt \u2013 und das wohl auch nur, weil die Parteitagsleitung mit dem Bundesgesch\u00e4ftsf\u00fchrer Matthias H\u00f6hn den Eindruck erweckte, ein solcher Beschluss k\u00e4me einer \u00c4nderung des Grundsatzprogramms gleich.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" style=\"border: none; overflow: hidden;\" src=\"https:\/\/www.facebook.com\/plugins\/video.php?href=https%3A%2F%2Fwww.facebook.com%2Fsarah.moayeri.7%2Fvideos%2F822957084522986%2F&amp;show_text=0&amp;width=560\" width=\"560\" height=\"315\" frameborder=\"0\" scrolling=\"no\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Bundesparteitag Die Linke: Debatte zur Au\u00dfenpolitik am 10.06.2017\" width=\"735\" height=\"413\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/bPjM6DvPkaA?start=3882&#038;feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" allowfullscreen><\/iframe><br \/>\nDas Verh\u00e4ltnis der LINKEN zur Krise der EU bleibt auch nach Hannover in der Partei umstritten. W\u00e4hrend Gysi und Bartsch noch st\u00e4rker als Kipping und Riexinger in ihren Reden betonten, dass die LINKE an diesem Staatenb\u00fcndnis festhalten solle, erkl\u00e4rten Vertreter des linken Parteifl\u00fcgels, darunter Inge H\u00f6ger, Sabine L\u00f6sing und Fabio de Masi, dass das Ziel einer europ\u00e4ischen Einigung und Zusammenarbeit mit undemokratischem, neoliberalen und militaristischen Chrakter der EU als Institution nicht vereinbar sei und dass wir die Kritik daran nicht den rechtspopulistischen Bewegungen \u00fcberlassen d\u00fcrften. Die EU habe nichts mit Internationalismus oder der \u00dcberwindung von b\u00fcrgerlichen Nationalstaaten zu tun, sondern sei im Gegenteil ein B\u00fcndnis solcher Nationalstaaten gegen andere Handelsbl\u00f6cke und gegen die Interessen der weltweiten Arbeiterbewegung.<\/p>\n<p>Im Ergebnis setzten sich hier die Kompromissformulierungen des Wahlprogrammentwurfs durch, die unter der \u00dcberschrift \u201eF\u00fcr ein Europa der Menschen statt der Banken und Konzerne\u201c immerhin auf Distanz zur EU gingen. \u00c4nderungsantr\u00e4ge des FdS, welche DIE LINKE auf eine Unterst\u00fctzung des EU und der Eurozone festlegen sollten und die eine Ablehnung der EU als R\u00fcckkehr zum Nationalstaat darstellen, wurden ebenso abgelehnt wie die Feststellung der AKL, dass ein \u201eNeustart der EU\u201c, also eine Reform ihrer Institutionen schon durch die Struktur ihrer Gr\u00fcndungsvertr\u00e4ge zum Scheitern verurteilt sei und dass die LINKE das Recht der Mitgliedsstaaten verteidigen m\u00fcsse, mit diesem Europa der Banken und Konzerne zu brechen und f\u00fcr eine sozialistische Staatengemeinschaft zu k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>In der existenziellen Krise der EU, die auch im Bundestagswahlkampf sicher eine zentrale Rolle spielen wird, besteht damit weiterhin die Gefahr, dass Die LINKE mit einer halbherzigen Mittelposition zwischen alle St\u00fchle ger\u00e4t. F\u00fcr diejenigen, die die jetzige Verfasstheit der EU unterst\u00fctzen, geht schon die Kritik des Hannoveraner Parteitags an der Austerit\u00e4tspolitik von Merkel, Juncker und Co. viel zu weit, weshalb DIE LINKE als Regierungspartner f\u00fcr sie selbst dann nicht in Frage kommt, wenn es wahlarithmetisch daf\u00fcr reichen sollte. F\u00fcr die Menschen, die mit der neoliberalen EU-Politik und den Br\u00fcsseler Institutionen keine Hoffnungen mehr verbinden und sich deshalb von diesem Freihandelsprojekt der Regierenden in Europa abgewandt haben, ist die Haltung der LINKEN aus entgegengesetzten Gr\u00fcnden nicht eindeutig genug. Diese Halbheiten k\u00f6nnen zu Wahlenthaltungen dieser Schichten (wie bei den Wahlen in Frankreich) f\u00fchren oder den Rechtspopulisten unn\u00f6tige Spielr\u00e4ume verschaffen.<\/p>\n<h4>Sahra Wagenknecht attackiert Rot-Gr\u00fcn<\/h4>\n<p>Sahra Wagenknecht hat mit ihrer Rede (\u00a0<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=gxAf-O1HZZA\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=gxAf-O1HZZA<\/a>\u00a0) am letzten Tag des Parteitags den meisten Delegierten aus der Seele gesprochen, als sie die SPD und Martin Schulz noch einmal scharf attackierte und feststellte, dass sich niemand mit ihm einen wirklichen Politikwechsel vorstellen k\u00f6nne. Sie erinnerte daran, dass Linke dem Mainstream nicht hinterherlaufen d\u00fcrften und dass sie f\u00fcr \u201e\u00dcberraschungen\u201c sorgen k\u00f6nnten, wenn sie wie Corbyn klare Kante gegen die Herrschenden zeigen. Mitregieren k\u00f6nnten Linke nur, wenn sie f\u00fcr linke Politik auch die entsprechenden Partner haben. Wenn Rot-Rot-Gr\u00fcn nur eine weitere Variante von neoliberaler Politik beinhalten k\u00f6nne, sei gute Opposition besser als schlechte Regierungspolitik. So gei\u00dfelte Sahra Wagenknecht unter dem Beifall der Delegierten, dass \u201eSchulz den Ist-Zustand zum Beispiel in der Rentenpolitik als sozialpolitische Gro\u00dftat\u201c verkaufen m\u00f6chte, w\u00e4hrend die LINKE diese Rentenk\u00fcrzungen zur\u00fccknehmen will. Auch f\u00fcr eine Fortsetzung der Austerit\u00e4ts- und Erpressungspolitik der EU stehe DIE LINKE \u201enicht als Partner zur Verf\u00fcgung\u201c. DIE LINKE k\u00f6nne auch aus der Opposition heraus Ver\u00e4nderungen durchsetzen, in dem sie die anderen Parteien vor sich hertreibe. Solange SPD und Gr\u00fcne \u201enicht zur Besinnung k\u00e4men\u201c, stelle sich die Frage Opposition oder Regierung gar nicht.<\/p>\n<h4>Fazit<\/h4>\n<p>Mit dieser Rede hat die Spitzenkandidatin der LINKEN B\u00fcndnisangeboten an SPD und Gr\u00fcne \u2013 zumindest in ihrer derzeitigen Verfassung &#8211; eine Absage erteilt, ohne allerdings f\u00fcr entsprechende Parteitagsbeschl\u00fcsse zu k\u00e4mpfen und die Anh\u00e4nger des Gegenteils in der Parteif\u00fchrung, in den Parlamentsfraktionen und Landeskoalitionen direkt herauszufordern. Auf Dauer werden Linke in der LINKEN diesem Konflikt aber nicht ausweichen k\u00f6nnen, sondern ihn offen austragen und f\u00fcr eindeutige Parteitagsbeschl\u00fcsse sorgen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Denn f\u00fcr die Glaubw\u00fcrdigkeit der LINKEN und ihren Erfolg bei der Bundestagswahl werden radikale Parteitagsreden allein nicht ausreichen. Sie m\u00fcssen vor Ort in praktische Politik und in konkrete Aktionen mit den Betroffenen umgesetzt werden.<\/p>\n<figure id=\"attachment_34818\" aria-describedby=\"caption-attachment-34818\" style=\"width: 280px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/akl-e1497435035570.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-34818\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/akl-e1497435035570-280x148.jpg\" alt=\"\" width=\"280\" height=\"148\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/akl-e1497435035570-280x148.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/akl-e1497435035570-560x296.jpg 560w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/akl-e1497435035570-600x317.jpg 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/akl-e1497435035570.jpg 647w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-34818\" class=\"wp-caption-text\">AKL-Mitglieder beim Bundesparteitag<\/figcaption><\/figure>\n<p>Daf\u00fcr haben sich die SAV-Mitglieder vor und auf dem Parteitag engagiert. Gemeinsam mit anderen SozialistInnen in der LINKEN, in der AKL und mit anderen linken Parteistr\u00f6mungen haben wir antikapitalistischen Positionen Geh\u00f6r und Respekt verschafft, auch wenn wir f\u00fcr die meisten Antr\u00e4ge keine Mehrheiten gewinnen konnten. Der Infostand der AKL stie\u00df auf gro\u00dfes Interesse und einige Delegierte traten der AKL bei. SAV-Mitglieder konnten 85 Ausgaben der SAV-Zeitung \u201eSolidarit\u00e4t\u201c und acht Abonnements verkaufen und am Stand des Manifest-Verlags wurde Literatur f\u00fcr \u00fcber 300 Euro abgesetzt. Das Interesse an Argumenten f\u00fcr sozialistische Ziele war also hoch. Denn auch in einer linken Partei gilt, dass wir als SozialistInnen nicht dem Mainstream hinterherlaufen d\u00fcrfen, sondern vor allem den Mut zum Aussprechen der Wahrheit haben m\u00fcssen!<\/p>\n<p><em>Heino Berg ist Mitglied des Landessprecher*innenrats der AKL Niedersachsen und des SAV Bundesvorstands.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Dokumentiert: Lucy Redler auf facebook zum Parteitag<\/h3>\n<p><strong>Meine erste Bilanz des Parteitags in sechs Punkten:<\/strong><\/p>\n<p>1. DIE LINKE hat ein gutes Programm mit vielen klaren und k\u00e4mpferischen Forderungen beschlossen, mit denen wir jetzt in den Wahlkampf ziehen k\u00f6nnen. Manche Positionen k\u00f6nnten deutlicher auf die Umw\u00e4lzung der bestehenden Verh\u00e4ltnisse gerichtet sein, andere sind widerspr\u00fcchlich, aber das Programm ist linker als 2013. Wenn man es ernst nimmt, ist es eine Absage an r2g, denn nicht mehr als 10 Prozent davon sind mit SPD und Gr\u00fcnen umsetzbar.<\/p>\n<div id=\"m_3771469190659938737gmail-id_593fd4ddbeb589d37224583\" dir=\"LTR\">\n<p>2. Sahra Wagenknecht hat in ihrer Rede die Verantwortlichen f\u00fcr die herrschende Politik klar benannt und mit ihrer deutlichen Kritik an der Politik von CDU\/CSU, SPD und Gr\u00fcnen den Delegierten aus dem Herzen gesprochen. Sie sagte treffend: \u201eKein normaler Mensch nimmt Schulz noch ab, dass er f\u00fcr einen Politikwechsel steht\u201c und \u201eBesser gute Oppositions- als schlechter Regierungsarbeit.\u201c Ich finde diese Linie richtig. Das ganze Gerede von \u201eWeder Oppositions- noch Regierungswahlkampf\u201c verwirrt Mitglieder und Symphatisant*innen. Wir k\u00f6nnen nicht von Montag bis Donnerstag auf k\u00e4mpferische Rhetorik setzen, um dann ab Freitag mit dem Schulzzug ins Wochenende zu verreisen. Lasst uns also selbstbewusst und offensiv f\u00fcr unsere Forderungen streiten, ohne Illusionen in SPD und Gr\u00fcne zu sch\u00fcren. Wenn der Druck so gro\u00df wird, dass andere Parteien unsere Forderungen \u00fcbernehmen, umso besser.<br \/>\n3. Trotz hohem Aufgebot an Redebeitr\u00e4gen f\u00fcr eine angeblich sch\u00f6nere und buntere EU (H\u00f6hepunkt: \u201eDie EU ist meine beste Freundin\u201c) konnten sich die Reformer nicht damit durchsetzen, das Kapitel zur EU in ihrem Sinne zu \u00e4ndern. Die \u00dcberschrift des Kapitels \u201eF\u00fcr ein Europa der Menschen statt der Banken und Konzerne\u201c bleibt der wesentliche Tenor des Abschnitts. Ich bleibe dabei: Ein Nein zu dieser EU ist nicht nationalistisch. Unsere Alternative zur EU ist kein Zur\u00fcck zum Nationalstaat, sondern der Kampf gegen Austerit\u00e4t, Frontex und Militarisierung und ein Ja zu einem demokratischen sozialistischen Europa von unten.<br \/>\n4. Sehr knapp ist unser Anliegen gescheitert, die Haltelinie \u201ekeine Beteiligung an einer Regierung, die Kampfeins\u00e4tze zul\u00e4sst\u201c in eine Ablehnung von \u201eAuslandseins\u00e4tzen\u201c zu \u00e4ndern. Nachdem der Bundesgesch\u00e4ftsf\u00fchrer Matthias H\u00f6hn behauptet hatte, eine Annahme der \u00c4nderungsantr\u00e4ge w\u00fcrde zu einer \u00c4nderung des Grundsatzprogramms f\u00fchren, votierten die Delegierten extrem knapp mit 213 (48 Prozent) zu 203 (46 Prozent) dagegen (bei 26 Enthaltungen), an der Textstelle etwas zu \u00e4ndern. Nat\u00fcrlich h\u00e4tte eine Annahme nicht das Grundsatzprogramm ge\u00e4ndert, sondern das Wahlprogramm. Meine Annahme: Ohne diese Beeinflussung durch das Tagungspr\u00e4sidium h\u00e4tten wir die Abstimmung gewonnen.<br \/>\n5. Noch knapper war es dann bei der Abstimmung \u00fcber die beiden vorliegenden Antr\u00e4ge zum Thema Autobahnprivatisierung. Bei Stimmengleichheit (168 zu 168) wurde ein Antrag abgelehnt, der die Entscheidung der Vertreter*innen der Bundesl\u00e4ndern, in denen DIE LINKE mitregiert, dem Bund-L\u00e4nder Gesetz zuzustimmen, missbilligt. Daf\u00fcr wurde dann mit gro\u00dfer Mehrheit ein Antrag angenommen, der ebenfalls die SPD angreift, die Ausgangslage f\u00fcr die Vertreter*innen von Th\u00fcringen, Brandenburg und Berlin als Dilemma aber ihr Abstimmungsverhalten als falsch bezeichnet.<br \/>\n6. Ich w\u00fcnsche mir Parteitage, die mehr working class und weniger Medientheater sind. Zwei konkrete Vorschl\u00e4ge: Erstens: Keine Zirkus-Musik und Discobeleuchtung mehr nach dem Auftritt der Vorsitzenden und Spitzenkandidat*innen. Es wirkt aufgesetzt und man kommt sich wie in einer Gameshow mit Frank Elstner vor. Zweitens: Ein Gro\u00dfteil der Delegierten kann sich kein Mittagessen von zehn Euro leisten. Ich hab Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr, dass es feste Vertr\u00e4ge mit den Caterern in diesen Kongresszentren gibt. Aber dann muss die Partei das Essen f\u00fcr alle um die H\u00e4lfte subventionieren.<\/p>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bericht vom Bundesparteitag der LINKEN in Hannover<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":34817,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[25,29],"tags":[743,914,797],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/34816"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=34816"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/34816\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":34827,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/34816\/revisions\/34827"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/34817"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=34816"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=34816"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=34816"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}