{"id":34797,"date":"2017-06-12T17:12:43","date_gmt":"2017-06-12T15:12:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=34797"},"modified":"2017-06-12T17:12:43","modified_gmt":"2017-06-12T15:12:43","slug":"corbyn-mischt-auf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2017\/06\/corbyn-mischt-auf\/","title":{"rendered":"Corbyn mischt auf"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_31097\" aria-describedby=\"caption-attachment-31097\" style=\"width: 260px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/corbyn.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-31097\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/corbyn-260x173.jpg\" alt=\"\" width=\"260\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/corbyn-260x173.jpg 260w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/corbyn-521x347.jpg 521w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/corbyn-600x399.jpg 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/corbyn.jpg 960w\" sizes=\"(max-width: 260px) 100vw, 260px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-31097\" class=\"wp-caption-text\">CC BY-NC 2.0 von flickr.com\/photos\/lewishamdreamer\/<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Gro\u00dfbritannien nach dem Wahlerfolg von Labour<\/strong><\/p>\n<p>Das gescheiterte Gl\u00fccksspiel von Theresa May ist ein Alptraum f\u00fcr die kapitalistische Klasse in Gro\u00dfbritannien. Vor sieben Wochen war der Gro\u00dfteil der Elite des Landes noch voller Hoffnung, dass May die Anzahl der konservativen Abgeordneten ihrer Tory-Partei erfolgreich und erheblich w\u00fcrde steigern k\u00f6nnen. Ihre Regierung w\u00e4re gest\u00e4rkt und in der Lage, die st\u00fcrmischen Zeiten der wirtschaftlichen Krisen durchzustehen und grausame K\u00fcrzungspolitik gegen die Mehrheit der Gesellschaft zu betreiben. Ferner sollte ein Brexit im Sinn des viel zitierten \u201eeinen Prozent der Bev\u00f6lkerung\u201c durchgef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p><em>Von Hannah Sell<\/em><\/p>\n<p>Stattdessen gilt sie nun als \u201etodgeweihte Premierministerin\u201c, die nur noch in der Lage ist, sich eine Zeit lang an der Macht zu halten, indem sie sich auf die Abgeordneten der reaktion\u00e4ren und sektiererischen Democratic Unionist Party (DUP) st\u00fctzt. Auf dem Treppenabsatz von Downing Street beschreibt sie diese als ihre \u201eFreunde\u201c.<\/p>\n<p>Die DUP ist von Ian Paisley gegr\u00fcndet worden. Die Partei ist gegen das Recht auf Abtreibung, die Gleichstellung der LGBT-Community und verleugnet den Klimawandel. Dabei sind es nicht allein die Tories, die in dieser neuen \u201eChaos-Koalition\u201c Schaden nehmen werden. Die W\u00e4hlerschaft der DUP besteht gr\u00f6\u00dftenteils aus nordirischen ProtestantInnen, die zur Arbeiterklasse geh\u00f6ren und durch die Austerit\u00e4t der Tories schwer getroffen sind. Es sieht bereits danach aus, als w\u00fcrde die DUP schon die R\u00fccknahme von Mays Pl\u00e4nen fordern, die f\u00fcr die Mehrheit der RentnerInnen die Heizkostenzusch\u00fcsse abschaffen wollte. Das soll eine Bedingung f\u00fcr die weitere Zusammenarbeit sein.<\/p>\n<h4>May hat kein Mandat<\/h4>\n<p>Es geht ein tiefer Riss durch die Tory-Partei, die nun eine Vorsitzende ohne Autorit\u00e4t inner- und au\u00dferhalb der Partei hat. May bleibt nur im Amt, weil die Tories bislang keine andere Alternative haben und die Angst vor dem Auseinanderbrechen der Partei umgeht, sollte es zur Neuwahl der\/des Vorsitzenden kommen.<\/p>\n<p>Jeremy Corbyn und John McDonnell (Finanzminister im Schattenkabinett der Labour Party; Anm. d. \u00dcbers.) haben May korrekter Weise zum R\u00fccktritt aufgefordert und angek\u00fcndigt, ihr eigenes Programm zur Abstimmung vor das Parlament zu bringen und somit die Abgeordneten vor die Frage zu stellen, ob sie dieses unterst\u00fctzen oder nicht.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen jetzt eine Bewegung aufbauen, die \u2013 unabh\u00e4ngig davon, wie die Sitzverteilung im Parlament aussehen wird \u2013 f\u00fcr die Umsetzung ihrer Politik k\u00e4mpft. Das Wahlergebnis ist eine absolute Best\u00e4tigung von Corbyns Anti-K\u00fcrzungs-Haltung. Am 18. April, als die vorzeitigen Neuwahlen angek\u00fcndet worden waren, hatte die Socialist Party folgendes erkl\u00e4rt: \u201eWenn Corbyn auf der Grundlage eines klar sozialistischen Programms \u2013 f\u00fcr einen Brexit im Interesse der Arbeiterklasse und der Mittelschichten \u2013 antritt, dann kann er die Wahlen gewinnen\u201c. Zum damaligen Zeitpunkt wurde darauf von vielen mit Hohn und Spott reagiert. Darunter war auch der rechte Fl\u00fcgel der Labour Party, der f\u00e4lschlicher Weise dachte, eine vorgezogene Neuwahl w\u00fcrde ihnen die Chance bieten, Corbyn als Parteivorsitzenden absetzen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wir d\u00fcrfen nicht vergessen, dass Peter Mandelson, ein strenger Gefolgsmann von Tony Blair, erst im vergangenen September vor die Presse getreten war und gesagt hatte, dass er \u201ejeden Tag f\u00fcr vorgezogene Neuwahlen bete\u201c, weil das das Ende des Parteivorsitzenden Corbyn bedeuten w\u00fcrde.<\/p>\n<h4>Corbyn gest\u00e4rkt<\/h4>\n<p>Doch es kam anders: Diese Parlamentswahlen haben die Position von Jeremy Corbyn in der Labour Party enorm gest\u00e4rkt, was wohl auf die gesamte Gesellschaft zu \u00fcbertragen ist. Labour hat \u00fcber vierzig Prozent der abgegebenen Stimmen bekommen. Bei den letzten Wahlen 2015 waren es nur leicht \u00fcber drei\u00dfig Prozent. Das ist der gr\u00f6\u00dfte Zuwachs an W\u00e4hlerstimmen, den eine Partei seit Attlees Labour-Regierung von 1945 je erlebt hat. M\u00f6glich war dies aufgrund eines ph\u00e4nomenalen Anstiegs an Direkt-Stimmen: 2015 hatten noch 9,3 Millionen Menschen f\u00fcr die britische Sozialdemokratie gestimmt und diesmal waren es 12,8 Millionen. Das ist ein Zuwachs von 3,5 Millionen.<\/p>\n<p>Dieser Stimmengewinn geht fast in G\u00e4nze auf die jungen Leute zur\u00fcck, die in Scharen in die Wahllokale gezogen sind. Sie kann man beileibe nicht als \u201epolitikverdrossen\u201c bezeichnen. Vielmehr haben sie sich an einer massenhaften Revolte f\u00fcr ihre Zukunft beteiligt. Einige Sch\u00e4tzungen gehen davon aus, dass nicht weniger als 72 Prozent der Jungw\u00e4hlerInnen, die in den Wahllisten erfasst waren, am Ende auch aktiv w\u00e4hlen gegangen sind. 2015 waren es nur 43 Prozent. Zwei Drittel von ihnen haben f\u00fcr Corbyn gestimmt. Die Hoffnung der Liberaldemokraten, junge W\u00e4hlerInnen aus der Mittelschicht f\u00fcr sich gewinnen zu k\u00f6nnen, indem man sich als \u201etrue remainers\u201c (gemeint ist eine Pro-EU- und Anti-Brexit-Haltung, remain=verbleiben; Anm. d. \u00dc.) darstellte, ist gr\u00f6\u00dftenteils verpufft.<\/p>\n<p>Stattdessen hat Nick Clegg, der Parteivorsitzende, endlich seine Quittung daf\u00fcr bekommen, dass er 2010 die Studiengeb\u00fchren angehoben hat. Corbyns Programm eines Mindestlohns von zehn britischen Pfund (11,50 Euro), der Abschaffung der Studiengeb\u00fchren, einer Mietobergrenze und f\u00fcr \u00f6ffentlichen Wohnungsbau hat junge Leute dazu bewegt, selbst Position zu beziehen. Die daraus resultierende Politisierung der jungen Leute ist nicht mehr zur\u00fcckzudrehen und legt die Grundlage f\u00fcr die Entwicklung massenhafter Unterst\u00fctzung f\u00fcr sozialistische Ideen.<\/p>\n<p>Corbyn erhielt nicht nur breite Unterst\u00fctzung von jungen Leuten aus der Arbeiterklasse sondern auch aus der Mittelschicht. Das zeigt sich an Labours Erfolg in Canterbury, wo zum ersten Mal seit 1918 kein Tory die Direktwahl f\u00fcr sich entscheiden konnte. Daran zeigt sich die zunehmende Radikalisierung der jungen Leute aus der Mittelschicht, die in Folge von Niedrigl\u00f6hnen und astronomischen Mieten zunehmend in Lebensverh\u00e4ltnisse gezwungen werden, die denen der Arbeiterklasse vergleichbar sind.<\/p>\n<p>Falsch und skandal\u00f6s ist, das zu tun, was einige Vertreter der kapitalistischen Medien tun und diese Abstimmung als Kampf zwischen \u201ejung und alt\u201c darzustellen. Das ist der bewusste Versuch, die Arbeiterklasse zu spalten. Beide Generationen sollten bewusst versuchen, diesen Plan zu durchkreuzen, indem sie solidarisch zueinander stehen \u2013 egal ob zum Thema Studiengeb\u00fchren oder Heizkostenzusch\u00fcsse. Viele \u00e4ltere ArbeitnehmerInnen, die keine Illusionen mehr in Blairs Labour Party hatten, haben ihr Kreuz zum ersten Mal seit Jahrzehnten wieder eineR KandidatIn von Labour gegeben, weil sie Jeremy Corbyn unterst\u00fctzen. In Wales hat Labour entgegen aller Tr\u00e4ume der Tories, die sie zu Beginn des Wahlkampfes noch hatten, bedeutende Erfolge erzielt.<\/p>\n<p>Es liegen zwar noch nicht alle Zahlen vor, doch der Stimmanteil von UKIP ist nicht \u2013 wie May gehofft hatte \u2013 einfach an die Tories gegangen. Einige W\u00e4hlerInnen, die sich 2015 noch f\u00fcr UKIP entschieden haben (und unter denen sich zweifelsohne auch ehemalige Labour-W\u00e4hlerInnen befunden haben), haben diesmal f\u00fcr May gestimmt, weil sie ihren Versprechungen von einem \u201eharten Brexit\u201c Glauben geschenkt haben. H\u00e4tte Jeremy Corbyn dem Blair-Fl\u00fcgel in seiner Partei nicht so fr\u00fchzeitig Zugest\u00e4ndnisse gemacht und zugestimmt, sich beim Referendum f\u00fcr den Verbleib Gro\u00dfbritanniens in der EU auszusprechen, w\u00e4re er stattdessen bei seiner alten Position geblieben (die \u00fcbrigens der Position der Socialist Party entspricht) und h\u00e4tte er somit auf antirassistischer und internationalistischer Grundlage zum Austritt aus der EU der Bosse aufgerufen, dann w\u00e4re May niemals in der Lage gewesen, unter den W\u00e4hlerInnen aus der Arbeiterklasse die Zugewinne zu verzeichnen, die sie letztlich verbuchen konnte.<\/p>\n<p>Und dennoch reichte die Haltung, die Corbyn im Wahlkampf eingenommen hat und mit der er erkl\u00e4rte, er wolle f\u00fcr einen Brexit im Interesse der Menschen aus der Arbeiterklasse k\u00e4mpfen, um einen gewissen Teil der Arbeitnehmerschaft f\u00fcr sich zu gewinnen \u2013 darunter auch viele, die zuvor UKIP ihre Stimme gegeben hatten. Selbst Nigel Farage musste zugeben, dass Corbyn die Unterst\u00fctzung junger W\u00e4hlerInnen sowie von W\u00e4hlerInnen aus der Arbeiterklasse, die beim letzten Wahlgang f\u00fcr UKIP gestimmt hatten, gewonnen hat. Der eigentliche Grund, weshalb Jeremy Corbyn zu Beginn des Wahlkampfs in den Umfragen so weit hinten gelegen hat, war, dass die Mehrheit der Bev\u00f6lkerung bis dahin noch nicht erfahren hatte, wof\u00fcr er \u00fcberhaupt steht. Nat\u00fcrlich hat das in Teilen auch an der unweigerlich feindseligen Berichterstattung der konzernfreundlichen Medien gelegen. Im Laufe des Wahlkampfs wurde das noch verst\u00e4rkt. Dennoch wuchs die Unterst\u00fctzung f\u00fcr Corbyn. Die Wende in den Umfragewerten wurde dadurch eingeleitet, dass der Corbyn-Fl\u00fcgel der Partei seine Programmatik in die Bev\u00f6lkerung getragen hat (anstatt still zu bleiben und vergeblich zu versuchen, die Blairites zu beruhigen).<\/p>\n<p>Aus taktischen Erw\u00e4gungen hat der rechte Parteifl\u00fcgel dies hingenommen. Schlie\u00dflich hoffte man, dass Corbyn damit die erwartete Niederlage \u201eselbst\u201c zu verantworten h\u00e4tte. Es sollte bekanntlich anders kommen: Jetzt hat er das h\u00f6chsten Stimmenergebnis f\u00fcr \u201eLabour\u201c seit 1997 erreicht. Das Ergebnis w\u00e4re noch besser ausgefallen, wenn Corbyn fr\u00fcher und deutlicher erkl\u00e4rt h\u00e4tte, dass er f\u00fcr das Selbstbestimmungsrecht der Menschen in Schottland eintritt und auch ein neues Referendum bef\u00fcrwortet, wenn dies gew\u00fcnscht w\u00e4re. Fest steht, dass Corbyn aufgrund der zunehmenden Ern\u00fcchterung angesichts einer Scottish National Party (SNP; Regierungspartei im dortigen Regionalparlament; Anm. d. \u00dcbers.), die in Schottland die Austerit\u00e4tspolitik umgesetzt hat, in der Lage war, in einigen Hochburgen der schottischen Arbeiterklasse an Stimmen hinzu zu gewinnen. Es war aber bei weitem weniger als potentiell m\u00f6glich gewesen w\u00e4re. Zur selben Zeit haben die \u201eTories\u201c in wohlhabenderen Gebieten von Schottland betr\u00e4chtliche Gewinne einfahren k\u00f6nnen. Das lag vor allem daran, dass sie einen Wahlkampf \u201egegen die Unabh\u00e4ngigkeit\u201c gemacht haben.<\/p>\n<h4>N\u00f6tig ist die Mobilisierung der Gewerkschaften<\/h4>\n<p>Wir m\u00fcssen jetzt schnell an den Erfolg von Jeremy Corbyn ankn\u00fcpfen. Die Gewerkschaftsbewegung sollte umgehend zu einer landesweiten Demonstration aufrufen, um den R\u00fccktritt der Tories und das Ende der Austerit\u00e4t zu fordern. Die von den Tories durchgef\u00fchrten Einschnitte bei den Schulen und im Gesundheitssystem NHS m\u00fcssen zur\u00fcckgenommen werden. Ebenso muss die Forderung nach Abschaffung der Studiengeb\u00fchren aufgestellt werden. Eine solche Demonstration k\u00f6nnte Millionen von Menschen mobilisieren und zum Sprungbrett f\u00fcr einen eint\u00e4gigen Generalstreik werden. Gleichzeitig k\u00f6nnte sie May zu erneuten Neuwahlen zwingen. Parallel dazu sollten Jeremy Corbyn und der linke Labour-Fl\u00fcgel einen eindeutigen Aufruf an die Labour-Kommunalr\u00e4te aussenden, keine weiteren K\u00fcrzungen der Tories mehr umzusetzen.<\/p>\n<p>In einem sehr kurzen Wahlkampf war es m\u00f6glich, eine beeindruckende Anzahl an W\u00e4hlerInnen davon zu \u00fcberzeugen Corbyn zu w\u00e4hlen \u2013 trotz der anf\u00e4nglichen Skepsis, ob er sein Programm wirklich umsetzen wird. Diese Skepsis resultiert aus dem verr\u00e4terischen Vorgehen von Blairs \u201eNew Labour\u201c und sie r\u00fchrt aus der Erfahrung, die man mit Labour-PolitikerInnen auf kommunaler Ebene machen muss. Sie haben schlie\u00dflich vierzig Prozent aller K\u00fcrzungen seit 2010, die es im \u00f6ffentlichen Bereich gegeben hat, zu verantworten.<\/p>\n<p>Um die Begeisterung aufrecht zu erhalten, die im Laufe des Wahlkampfs f\u00fcr Corbyn entstanden ist, ist es jetzt n\u00f6tig klar zu machen, dass er gegen alle K\u00fcrzungen in den Kommunen ist und dass diese Tory-Regierung zu schwach ist, um Labour-KommunalpolitikerInnen zur Umsetzung dieser Ma\u00dfnahmen zu zwingen. Vor allem in den urbanen Zentren ist dies wichtig, wo Corbyn am st\u00e4rksten hinzu gewinnen konnte. Abgesehen davon steht fest, dass n\u00e4chstes Jahr in allen Kommunen in England Wahlen anstehen.<\/p>\n<h4>Ver\u00e4ndert die Labour Party!<\/h4>\n<p>\u201eHut ab, Jeremy, daf\u00fcr, dass du die Hoffnungen so vieler Menschen in die Politik zu neuem Leben erweckt hast. Wenn Labour letztes Jahr vereint hinter Corbyn gestanden h\u00e4tte, dann h\u00e4tte er jetzt die Wahl gewonnen!\u201c, so die Einsch\u00e4tzung von Riz Ahmed vom Hip-Hop-Trio \u201eSwet Shop Boys\u201c. Er ist einer von vielen MusikerInnen, die Corbyn unterst\u00fctzt haben, und hat damit gesagt, was f\u00fcr viele Corbyn-Anh\u00e4ngerInnen offensichtlich ist.<\/p>\n<p>Jeremy Corbyn sah sich nicht nur der unerm\u00fcdlichen Feindschaft und Sabotage der kapitalistischen Elite ausgesetzt. Er bekam auch heftigen Gegenwind von Seiten der Anh\u00e4nger eines Tony Blair in seiner eigenen Partei, die die Vertreter des Kapitalismus innerhalb der Labour Party sind. Unmittelbar nach der Wahl werden sie sich zwar nicht trauen, einen weiteren Putsch gegen ihn zu versuchen. Wir d\u00fcrfen aber nicht der Illusion unterliegen, dass sie sich nun mit ihm als Vorsitzendem der Partei abfinden werden. F\u00fcr Labour gilt weiterhin, dass es sich dabei um zwei Parteien in einer handelt.<\/p>\n<p>F\u00fcr die kapitalistische Klasse ist die Politik von Jeremy Corbyn eine echte Bedrohung. Dies gilt umso mehr angesichts der Hoffnungen, die er bei Millionen von Menschen hervorruft. Aus diesem Grund werden die Vertreter dieser kapitalistischen Klasse innerhalb der Labour Party nach neuen M\u00f6glichkeiten suchen, um Corbyn zu schlagen. Noch in der Wahlwoche hat die rechtslastige Labour-Parlamentarierin Joan Ryan Corbyn offen angegriffen und Mitgliedern des Labour-Wahlkampfteams untersagt, Flugbl\u00e4tter einzusetzen, in denen sein Name genannt wird! Jetzt, nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses, hat Blair-Anh\u00e4nger Hilary Benn sich aus dem Fenster gelehnt und davon gesprochen, dass \u201eLabour aus der dritten Wahlniederlage lernen muss\u201c.<\/p>\n<p>Selbst den Blairites, die zwischendurch positive Statements zu Jeremy Corbyn abgeben, ist nicht \u00fcber den Weg zu trauen. Sie verhalten sich nur deshalb so, weil sie seine N\u00e4he suchen und ihn dazu bringen wollen, von seinem radikalen Programm abzulassen. Was sonst sollte Peter Mandelson, der Prototyp des \u201eBlairismus\u201c und M\u00f6chtegern-Bruderm\u00f6rder von Corbyn, meinen, wenn er davon spricht, dass Corbyn allen Fl\u00fcgeln der Partei gegen\u00fcber \u201eRespekt zeigen\u201c muss? Schlie\u00dflich waren es die Versuche der Partei-Rechten, Corbyn mundtot zu machen, die vor der Wahl dazu gef\u00fchrt haben, dass die meisten Leute nicht wussten, wof\u00fcr er eigentlich steht.<\/p>\n<p>Das d\u00fcrfen wir ihnen nicht durchgehen lassen. Stattdessen muss umgehend eine Kampagne ins Leben gerufen werden, um die Labour Party in eine echte demokratische Partei zu verwandeln, die gegen die Austerit\u00e4t vorgeht und f\u00fcr die Interessen der Besch\u00e4ftigten und der jungen Leute steht. Dazu muss eingef\u00fchrt werden, dass ParlamentskandidatInnen vor Wahlen verpflichtend neu gew\u00e4hlt werden m\u00fcssen. Jederzeit k\u00f6nnten wieder Neuwahlen ausgerufen werden, und Labour darf nicht wieder in einen Wahlkampf gehen, in dem die Mehrheit der eigenen Kandidaten gegen Jeremy Corbyn sind. Verbunden werden sollte dies mit der Demokratisierung der Partei. Die Gewerkschaften m\u00fcssen ihre alten Rechte wieder zur\u00fcck bekommen und alle aufrechten SozialistInnen sollten in einer demokratischen Allianz mit der Labour Party willkommen gehei\u00dfen werden. Diese Ma\u00dfnahmen k\u00f6nnten eine Partei schaffen, die tats\u00e4chlich in der Lage ist, alle jungen Leute, SozialistInnen, Besch\u00e4ftigten und AktivistInnen aus den Kommunen, die von Jeremy Corbyn begeistert sind, in einer m\u00e4chtigen Massen-Vereinigung zusammenzubringen.<\/p>\n<h4>F\u00fcr Sozialismus k\u00e4mpfen<\/h4>\n<p>Dieser Wahlkampf hat einer neuen Generation sozialistische Ideen n\u00e4her gebracht. Das ist unheimlich positiv. Er hat allerdings auch einen Geschmack davon gegeben, wie weit die Kapitalisten zu gehen bereit sind und jeden Versuch sabotieren, eine Politik im Interesse der vielen und nicht der wenigen durchzusetzen. Die Feindseligkeiten, die Jeremy Corbyn in der Opposition erf\u00e4hrt, sind nur ein Abklatsch von dem, was sie noch in petto haben, um einen Jeremy Corbyn als m\u00f6glichen Regierungschef wieder aus dem Amt zu jagen.<\/p>\n<p>Um dem vorzubeugen, m\u00fcssen weitreichende sozialistische Ma\u00dfnahmen ergriffen werden. Die einhundert gr\u00f6\u00dften Banken und Konzerne, die die britische Wirtschaft beherrschen, m\u00fcssen verstaatlicht werden, um in der Lage zu sein, zu einer demokratisch-sozialistischen Planung zu kommen. Das w\u00fcrde es einer sozialistischen Regierung erlauben, mit der Planung der Wirtschaftsabl\u00e4ufe nach demokratischen Ma\u00dfgaben zu beginnen. Die Besch\u00e4ftigten k\u00f6nnten die Kontrolle und Verwaltung \u00fcbernehmen, was tats\u00e4chlich den \u201evielen und nicht den wenigen\u201c nutzen w\u00fcrde.<\/p>\n<p><em>Hannah Sell ist stellvertretende Generalsekret\u00e4rin der Socialist Party in England und Wales. Dieser Artikel erschien zuerst am 9. Juni 2017 auf der Website der Socialist Party.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gro\u00dfbritannien nach dem Wahlerfolg von Labour<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":31097,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[28,46],"tags":[897,315,907],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/34797"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=34797"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/34797\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":34798,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/34797\/revisions\/34798"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/31097"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=34797"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=34797"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=34797"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}