{"id":34542,"date":"2017-04-23T15:39:56","date_gmt":"2017-04-23T13:39:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=34542"},"modified":"2017-04-24T09:21:22","modified_gmt":"2017-04-24T07:21:22","slug":"brief-an-einen-freund","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2017\/04\/brief-an-einen-freund\/","title":{"rendered":"Brief an einen Freund"},"content":{"rendered":"<p><strong>F\u00fcr eine k\u00e4mpferische Gewerkschaft<\/strong><\/p>\n<p><em>Wir dokumentieren hiermit den Brief eines Streikaktiven aus Berlin, der unserer Redaktion zugesandt wurde. Der Kollege, der anonym bleiben m\u00f6chte, erkl\u00e4rt, warum er sich eine k\u00e4mpferischere Gewerkschaft w\u00fcnscht. Wir ver\u00f6ffentlichen den Brief an dieser Stelle, weil er den Unmut und die Gef\u00fchle von aktiven KollegInnen zum Ausdruck bringt.<\/em><\/p>\n<figure id=\"attachment_30282\" aria-describedby=\"caption-attachment-30282\" style=\"width: 280px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-30282\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/8545230474_5fc07fc50d_k-e1428652701792-280x173.jpg\" alt=\"\" width=\"280\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/8545230474_5fc07fc50d_k-e1428652701792-280x173.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/8545230474_5fc07fc50d_k-e1428652701792-162x100.jpg 162w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/8545230474_5fc07fc50d_k-e1428652701792-560x347.jpg 560w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/8545230474_5fc07fc50d_k-e1428652701792-600x370.jpg 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/8545230474_5fc07fc50d_k-e1428652701792-534x330.jpg 534w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/8545230474_5fc07fc50d_k-e1428652701792.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-30282\" class=\"wp-caption-text\">Foto: https:\/\/www.flickr.com\/photos\/uwehiksch\/ CC BY-NC-SA 2.0<\/figcaption><\/figure>\n<h3>Brief an einen Freund<\/h3>\n<h4>Liebe Gewerkschaft,<\/h4>\n<p>ich wende mich in diesem Brief an dich, als Einzelperson.<\/p>\n<p>Vermutlich bist du v\u00f6llig konsterniert \u00fcber die Aufs\u00e4ssigkeit an deiner Basis. Wunder dich bitte nicht dar\u00fcber, ich erkl\u00e4re es dir.<\/p>\n<p>Seit dem Wegfall der innerdeutschen Grenze und somit dem Verlust der gesellschaftspolitischen Konkurrenz beobachten wir den Sozialabbau in diesem Land. Mit der Agenda 2010 wurde daf\u00fcr sogar Mach 3 erreicht. In allen \u00f6ffentlichen Bereichen dieses Landes wurde drastisch und gef\u00e4hrlich verantwortungslos gespart&#8230;..und du hast mit deinen bisherigen Methoden vieles nicht verhindern k\u00f6nnen&#8230; Die Folge davon ist, dass zum Beispiel PolizistInnen kaum noch sch\u00fctzen, LehrerInnen kaum noch lehren und Krankenschwestern kaum noch den zwischenmenschlichen Anspruch ihres Berufes erf\u00fcllen k\u00f6nnen.Vielleicht bin ich jetzt ungerecht, aber zumindest war dein Protest sehr verhalten.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist es nervig, dass ich immer nur auf deiner fehlenden Entschlossenheit herumreite, aber sie ist der Ursprung des Dilemmas und du hast aus den Fehlern scheinbar nichts gelernt.<\/p>\n<p>Du glaubst immer noch, der soziale Frieden in diesem Land w\u00e4re nicht gest\u00f6rt und ein heiliges Gut. Sozialer Frieden w\u00e4re ein heiliges Gut, wenn beide Seiten einen gleichberechtigten Nutzen daraus ziehen k\u00f6nnten. In deinen bundesweiten Tarifverhandlungen, ist nichts mehr wirklich erk\u00e4mpft. Du l\u00e4sst den Kampf deiner Basis nicht hundertprozentig zu, um einen Solidarpakt zu sch\u00fctzen, den es schon eine Weile nicht mehr gibt. F\u00fcr kleine Zugest\u00e4ndnisse seitens des Kapitals, gibst du viel zu viel hart erk\u00e4mpfte Errungenschaften preis. Angeblich musst du Kompromisse machen, Verhandlungen w\u00e4ren eben so.<\/p>\n<p>Nein, du stehst immer noch f\u00fcr die Mehrheit in diesem Land, wenn es um die Themen Arbeit, L\u00f6hne und Rahmenbedingungen dazu geht. Du bist durch deine Basis st\u00e4rker, als du zu glauben scheinst. Stattdessen gibst du oft kampflos auf, verschleppst ernste Auseinandersetzungen und demoralisierst deine eigenen entschlossenen Kampfgruppen.<\/p>\n<p>Du gibst sogar dein vom Grundgesetz (Artikel 9 Abs.3 und Artikel 2 Abs.1) garantiertes uneingeschr\u00e4nktes gewerkschaftliches Streikrecht preis, indem du nur halbherzig \u201eDu, du\u201c sagst, wenn deine Gegner bestehende Fl\u00e4chentarifvertr\u00e4ge einfach durch Ausgliederungen unterminieren. Danach willst du dort neue Tarifvertr\u00e4ge verhandeln. Wobei der logische Menschenverstand dir schon sagen m\u00fcsste, dass durch Gesetze behindert, die kleine Gruppe, die es betrifft meist nur noch Mist unterschreiben kann.<\/p>\n<p>Dabei jammerst du auch noch herum, dass du nicht an ihre Durchsetzungskraft glaubst&#8230;.die du mit untergraben hast und mit solchen \u00c4u\u00dferungen weiterhin zu Boden rei\u00dft.<\/p>\n<p>Wenn dann doch einmal jemand aufsteht und versucht, die Umkehr aus der verfluchten Agendapolitik zu erk\u00e4mpfen, heulst du eher mit denen, die versuchen die Rechte deiner Mitglieder zu beschneiden sowie finanziell zu bestehlen. Nimm das Thema auf, diskutiere konstruktiv, zieh nicht gleich beim ersten juristischen Gebell den Schwanz ein, stell dich hinter sie und k\u00e4mpfe mit ihnen, f\u00fcr sie.<\/p>\n<p>Es geht hier um das, was dich ausmacht. Um deine Fahne, um dein Zepter und um deinen Bundesapfel.<\/p>\n<p>Die \u201eErfolge\u201c deiner Politik kannst du sogar an deinem eigenen K\u00f6rper sp\u00fcren! Es fehlt \u00fcberall innerhalb der Klasse, die du vertreten sollst auf Grund deiner Taten an Vertrauen in deine Person. Demzufolge hast du einen Schwund an Mitgliedern, einen Schwund an finanziellen Mitteln und einen Schwund an Stammpersonal zu verzeichnen. (Die du mittlerweile genau so personell verbrennst, wie es deine Gegner mit ihren ArbeitnehmerInnen tun.) Wenn du so weiter machst, prophezeie ich dir deine Selbstabwicklung bis zur Bedeutungslosigkeit&#8230;..oder sind wir da schon angekommen ?<\/p>\n<p>Du fragst dich, wieso haben meine Gewerkschaftssekret\u00e4rInnen an der Basis das nicht im Griff ? Sie stehen genau an der Frontlinie dieses Konfliktes. Deine Mitglieder nehmen den Raubbau an ihrem Leben, ihrer Gesundheit, ihrer Sicherheit, etc. und ihrer Gewerkschaft nicht mehr hin. Sie nehmen ihr satzungsm\u00e4\u00dfiges Recht wahr und bestimmen aktiv mit. Deine hauptamtlichen M\u00e4del\u00b4s und Jung\u00b4s kurz \u00fcber der Basis k\u00f6nnen, d\u00fcrfen und wollen sie nicht daran hindern.<\/p>\n<p>Du bist geboren worden, um Interessen von ArbeitnehmerInnen zu vertreten. Nirgendwo kann ich lesen, dass du ein Vermittler zwischen den Klassen sein musst. Wenn du sagen l\u00e4sst, dass wir in Berlin der rot-rot-gr\u00fcnen Regierung w\u00e4hrend ihrer Amtszeit helfen m\u00fcssen, erfolgreich zu sein&#8230;&#8230;trifft das auf mein pers\u00f6nliches Unverst\u00e4ndnis. Der Senat ist f\u00fcr seinen Erfolg selbst zust\u00e4ndig, wie jeder einzelne f\u00fcr seinen pers\u00f6nlichen Erfolg verantwortlich ist. Erreichen kann er das mit dem uneingeschr\u00e4nkten Einhalten und z\u00fcgigem Durchsetzen seiner im Koalitionsvertrag gemachten vagen Versprechungen. Daf\u00fcr wurde er gew\u00e4hlt. Achte mehr auf dich selbst als auf die! Deine Konstitution ist viel angeschlagener als deren. Finde deine Wurzeln und Urspr\u00fcnge wieder.<\/p>\n<p>Die Gesetzes\u00e4nderungen von Frau Nahles k\u00f6nnten vielleicht ein Zeichen sein, Missst\u00e4nde in diesem Land zu korrigieren. Sind sie aber nicht. Am Tarifeinheitsgesetz kann man deutlich sehen, wessen Interessen sie vertritt. Herr Schulz bekommt gerade viel zu viel Vorschusslorbeeren&#8230;&#8230;doch er wird sich an seinen Taten messen lassen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Am rechten Rand der Gesellschaft hat sich eine furchtbar braune Wolke gebildet, die eben nicht nur Idioten aufsaugt, sondern alle, die unzufrieden sind, die nicht erkennen k\u00f6nnen, warum das so ist und kein vern\u00fcnftiges Forum finden. Man kann streiten, wo dann dabei der Idiotismus beginnt, wenn man jemanden hinterher rennt, der nur Stammtischparolen im Parteiprogramm stehen hat.<\/p>\n<p>Aber lass uns f\u00fcr diese Irregef\u00fchrten ein Forum sein! Die hoffnungslosen braunen Idioten bleiben aber bitte weiterhin drau\u00dfen!<\/p>\n<p>Du bist mein Forum und ich bin froh, dass ich dich gefunden habe, h\u00f6r bitte auf es kaputt zu machen.<\/p>\n<p>Das sind alles einfache, aber auch deutliche Worte. An deiner Aufgabe ist nichts kompliziert. Kompliziert wurde es erst ab dem Zeitpunkt, als du in den oben genannten Interessenkonflikt kamst und stecken bliebst.<\/p>\n<p>Als dein Freund, f\u00fchle ich mich berechtigt, sogar verpflichtet, dir den Spiegel vors Gesicht zu halten. Ich brauche dich, wir brauchen uns! Wenn ich bemerken w\u00fcrde, dass du wieder uneingeschr\u00e4nkt f\u00fcr mich und meine Interessen eintrittst, dann habe ich sicher auch die Zeit und Kraft, dir wieder konstruktiv zuzuh\u00f6ren und aus deinen unbestrittenen Erfahrungen zu lernen. Nimm meine in dieser Aussage versteckte Hand, schlag ein und zieh mit mir los&#8230;&#8230;aber verkauf mich bitte nicht weiter.<\/p>\n<p><em>Dein Freund das Gewissen<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr eine k\u00e4mpferische Gewerkschaft<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":30282,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[8],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/34542"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=34542"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/34542\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":34551,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/34542\/revisions\/34551"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/30282"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=34542"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=34542"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=34542"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}