{"id":34286,"date":"2017-03-07T15:42:23","date_gmt":"2017-03-07T14:42:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=34286"},"modified":"2017-03-07T15:42:23","modified_gmt":"2017-03-07T14:42:23","slug":"gender-pay-gap-frauen-verdienen-79-prozent","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2017\/03\/gender-pay-gap-frauen-verdienen-79-prozent\/","title":{"rendered":"Gender pay gap: Frauen verdienen 79 Prozent"},"content":{"rendered":"<p><strong><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-34148\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/16522277_1267577669986326_1884093662_o-1-231x173.png\" alt=\"\" width=\"231\" height=\"173\" \/>\u201eDas ist Kapitalismus\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Frauen bekommen in Deutschland im Schnitt 21 Prozent weniger Lohn als M\u00e4nner. Auf ein Jahr umgerechnet bedeutet diese \u201eGender Pay Gap\u201c, dass Frauen 97 Tage l\u00e4nger arbeiten m\u00fcssten, um das Jahresgehalt eines Mannes zu erhalten.<\/p>\n<p><em>von Aleksandra Setsumei, Aachen<\/em><\/p>\n<p>Als Frauen im 19. Jahrhundert damit begannen, in Manufakturen und Fabriken zu arbeiten, bekamen sie einen Bruchteil vom Lohn der M\u00e4nner. Die Begr\u00fcndung damals lautete, dass die Familie vom Mann unterhalten wird, w\u00e4hrend die Frau neben ihrer t\u00e4glichen Hausarbeit nur etwas \u201edazu verdiene\u201c. Au\u00dferdem konnten die Fabrikbesitzer diesen Umstand nutzen, um die Arbeit der M\u00e4nner abzuwerten und auch ihren Lohn zu senken. Heute behauptet kaum jemand, dass eine Familie nur durch den Mann finanziert werden soll. Trotzdem werden Frauen deutlich schlechter bezahlt. In Deutschland liegt die Lohndifferenz bei 21 Prozent \u2013 in Westdeutschland sogar bei 23 Prozent. Zum Teil entsteht der Unterschied dadurch, dass Frauen \u00f6fter in prek\u00e4ren Verh\u00e4ltnissen arbeiten, von Teilzeitjobs und Leiharbeit betroffen sind. Aber selbst bei gleichem Beruf und gleicher Qualifikation bleibt ein Lohnunterschied von acht Prozent. Die Gender Pay Gap unterscheidet sich von Branche zu Branche, aber es gibt keinen Beruf, in dem Frauen mehr oder gleich viel Lohn erhalten.<\/p>\n<h4>Warum manche Arbeit schlechter bezahlt wird<\/h4>\n<p>Der durchschnittliche Stundenlohn in Berufen, in denen siebzig Prozent oder mehr der Besch\u00e4ftigten Frauen sind, betr\u00e4gt zw\u00f6lf Euro. Im Gegensatz dazu liegt er in Berufen, in denen M\u00e4nner deutlich \u00fcberrepr\u00e4sentiert sind, bei zwanzig Euro. Auch in Berufen, die eine vergleichbare Ausbildungsdauer haben, wie zum Beispiel SozialarbeiterInnen und TechnikerInnen, bleibt die Differenz erhalten. So verdienen SozialarbeiterInnen im Schnitt 16 Euro brutto pro Stunde, w\u00e4hrend TechnikerInnen durchschnittlich mit 29 Euro Stundenlohn entlohnt werden.<\/p>\n<p>Die meisten der \u201efrauentypischen\u201c Berufe sind soziale Berufe wie ErzieherIn oder PflegerIn. Diese Berufe werden oft als \u201eleicht\u201c oder \u201enicht fordernd\u201c dargestellt. Au\u00dferdem befinden sich die Besch\u00e4ftigten dieser Berufe in schlechter Verhandlungsposition in Arbeitsk\u00e4mpfen. Da sie keine Waren produzieren, k\u00f6nnen sie nur wenig wirtschaftlichen Druck durch Streik erzeugen. Au\u00dferdem wird ihnen vorgeworfen, ihre Forderungen auf dem R\u00fccken von Schwachen und Bed\u00fcrftigen auszutragen.<\/p>\n<p>Fakt ist, dass die Arbeitgeber kein Interesse daran haben, gleiche L\u00f6hne zu zahlen. Sie wollen die Arbeit so niedrig wie m\u00f6glich entlohnen und profitieren von der Spaltung von M\u00e4nnern und Frauen bei Lohn und Gehalt. Wenn sie eine Rechtfertigung haben, weniger zu zahlen \u2013 sei es aufgrund von sexistischen Vorurteilen, wenig Anerkennung f\u00fcr den Beruf oder einem niedrigen gewerkschaftlichen Organisierungsgrad \u2013 werden sie sie ausnutzen.<\/p>\n<h4>Doppelbelastung<\/h4>\n<p>Im Schnitt verbringen Frauen t\u00e4glich 164 Minuten mit \u2013 nat\u00fcrlich unbezahlter \u2013 Hausarbeit, M\u00e4nner dagegen neunzig Minuten. Auch Kindererziehung und Pflege von Familienangeh\u00f6rigen lasten vorwiegend auf Frauen. Durch diese h\u00e4usliche Belastung ist es f\u00fcr viele Frauen nicht m\u00f6glich, voll berufst\u00e4tig zu sein. Au\u00dferdem ist ein Wiedereinstieg ins Berufsleben schwierig. Das sind die Ursachen daf\u00fcr, dass Frauen viel \u00f6fter in Teilzeit oder in schlecht bezahlten, wenig qualifizierten Jobs landen, statt ihren erlernten Beruf auszu\u00fcben.<\/p>\n<p>Die Folge dieser prek\u00e4ren Besch\u00e4ftigung ist eine finanzielle Abh\u00e4ngigkeit der Frau von ihrem Partner. Grundlage f\u00fcr eine Gleichbehandlung der Frauen ist finanzielle Unabh\u00e4ngigkeit. Deswegen geh\u00f6rt der Kampf f\u00fcr gleiche Bezahlung und Entlastung von Hausarbeit zum Kampf um Frauenbefreiung.<\/p>\n<h4>\u201eDas nennt man Kapitalismus\u201c<\/h4>\n<p>Das Mantra des Kapitalismus lautet: Da die Gleichberechtigung l\u00e4ngst erreicht sei, l\u00e4ge es jetzt an den Frauen, sich in der Konkurrenzgesellschaft durchzusetzen. Wenn sie es nicht schaffen, l\u00e4ge es an ihnen.\u00a0Diese Begr\u00fcndung erhielt die ZDF-Reporterin Birte Meier, als ihre Klage vom Gericht abgelehnt wurde. Sie hatte gegen ihren Arbeitgeber geklagt, weil er ihr weniger als ihren m\u00e4nnlichen Kollegen zahlte. Das Gericht rechtfertigte die Entscheidung mit der Vertragsfreiheit, der Basis der freien Marktwirtschaft. Wenn M\u00e4nner besser verhandeln k\u00f6nnen, verdienen sie mehr. \u201eDas nennt man Kapitalismus\u201c \u2013 fasste der Richter zusammen. Wenn ihnen die Bezahlung oder Arbeitsbedingungen nicht gefallen, k\u00f6nnen sie das Arbeitsverh\u00e4ltnis ablehnen. Damit wird die strukturell sexistische Diskriminierung in der Entlohnung bestritten. Doch wie sollen sich Frauen, in individuellen Lohnverhandlungen besser durchsetzen, wenn es normal ist, dass Arbeitgeber Frauen weniger Lohn zahlen?<\/p>\n<h4>Kapitalismus abschaffen<\/h4>\n<p>Die Gender Pay Gap ist nichts anderes als sexistische Diskriminierung. So werden Frauen besonders hart im kapitalistischen System ausgebeutet. Durch die dazu kommende Hausarbeit werden sie in doppelter Weise belastet. F\u00fcr eine Gleichbehandlung von Frauen zu k\u00e4mpfen, bedeutet auch f\u00fcr gleichen Lohn f\u00fcr gleiche und gleichwertige Arbeit zu k\u00e4mpfen. Wenn der Kapitalismus sich gleiche L\u00f6hne nicht leisten kann, k\u00f6nnen wir uns dieses System nicht mehr leisten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDas ist Kapitalismus\u201c<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[31],"tags":[827],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/34286"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=34286"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/34286\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":34287,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/34286\/revisions\/34287"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=34286"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=34286"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=34286"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}