{"id":33622,"date":"2016-10-12T14:20:10","date_gmt":"2016-10-12T12:20:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=33622"},"modified":"2016-10-10T14:22:41","modified_gmt":"2016-10-10T12:22:41","slug":"zur-krise-der-deutschen-bank","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2016\/10\/zur-krise-der-deutschen-bank\/","title":{"rendered":"Zur Krise der Deutschen Bank"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_24571\" aria-describedby=\"caption-attachment-24571\" style=\"width: 280px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/2266060187_d39191e2b8_b-e1366878512664.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-24571\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/2266060187_d39191e2b8_b-e1366878512664-280x173.jpg\" alt=\"Foto: http:\/\/www.flickr.com\/photos\/erwinrommel\/ CC BY 2.0\" width=\"280\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/2266060187_d39191e2b8_b-e1366878512664-280x173.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/2266060187_d39191e2b8_b-e1366878512664-162x100.jpg 162w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/2266060187_d39191e2b8_b-e1366878512664-560x345.jpg 560w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/2266060187_d39191e2b8_b-e1366878512664.jpg 663w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-24571\" class=\"wp-caption-text\">Foto: http:\/\/www.flickr.com\/photos\/erwinrommel\/ CC BY 2.0<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Mit Steuermilliarden auf Abenteuer-Kurs gebracht<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"CENTER\">Die Wochenendausgabe (1.\/2. Oktober) der britischen Wirtschaftstageszeitung Financial Times widmete der Deutschen Bank knapp vier Seiten (Seiten 1, 10, 13 und 18). Man darf getrost davon ausgehen, dass die f\u00fchrenden Leute des Frankfurter Geldhauses gerne auf diese Ehre verzichtet h\u00e4tten. Zumal es in den Artikeln darum ging, ob sich die Gro\u00dfbank aus eigener Kraft \u00fcber Wasser halten k\u00f6nne. Beziehungsweise wann der deutsche Staat einspringen w\u00fcrde. Immerhin, so wird immer wieder kolportiert, habe die Deutsche Bank in der Finanzkrise ja gro\u00dfm\u00fctig darauf verzichtet, staatliche Hilfe anzunehmen. Stimmt nicht!<\/p>\n<p><em>Ein Gastbeitrag von Winfried Wolf<\/em><\/p>\n<p>In einem gro\u00dfen Teil der Kommentare in den deutschen Bl\u00e4ttern wird als Ursache f\u00fcr die Krise der Deutschen Bank die 12-Milliarden-Euro-Forderung der US-Beh\u00f6rden gesehen, die die Bank f\u00fcr krumme Hypothekendeals aus der Zeit vor der Finanzkrise zahlen soll. F\u00fchrende deutsche Politiker und das Blatt Welt am Sonntag (2.10.) erkl\u00e4rten die Bank-Krise mit einem \u201eWirtschaftskrieg\u201c, den die USA gegen Europa und die Deutsche Bank f\u00fchren w\u00fcrden. Das ist alles deutlich zu kurz gesprungen. Tats\u00e4chlich gibt es vielf\u00e4ltige Ursachen, die in einem LP21-blog nicht geb\u00fchrend ausgef\u00fchrt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Vor aber geht es nicht um eine kurzfristige Angelegenheit, sondern um einen Niedergang des stolzen Instituts, der nun fast ein Jahrzehnt w\u00e4hrt: Ende der letzten Woche lag der Kurs der Deutsche Bank-Aktie f\u00fcr einen halben Tag unter 10 Euro. Er lag damit bei einem Zehntel des Werts, den das Papier 2006, vor der Finanzkrise, hatte. Er lag damit bei einem Drittel des Werts von 2013. Und er liegt auch heute noch bei weniger als der H\u00e4lfte des Werts, den das Papier vor einem Jahr hatte.<\/p>\n<p>Ein derart langandauernder Verfall des Aktienkurses bei einer f\u00fchrenden Bank ist weltweit einmalig. Und das l\u00e4sst tats\u00e4chlich schaudern. Wortw\u00f6rtlich hei\u00dft es in der Welt am Sonntag: \u201eAm Freitag [machten] Ger\u00fcchte \u00fcber den Abzug einiger institutioneller Investoren aus den USA die Runde. Prompt keimte die Angst vor dem Lehman-Moment \u2013 jenem Punkt, an dem die Abw\u00e4rtsspirale aus Ger\u00fcchten und Angst nicht mehr zu stoppen ist.\u201c<\/p>\n<p>Dieser Tage wird debattiert, ob die Deutsche Bank durch staatliche Hilfe gerettet werden muss, es habe bereits Gespr\u00e4che zwischen Topvertretern der Bundesregierung und der Spitze der Deutschen Bank gegeben. Auch sei die Bundesregierung in den USA vorstellig geworden, um die US-Forderungen nach einer deftigen Strafzahlung der Deutschen Bank herunterzuhandeln. Und immer wieder wird betont, die Deutsche Bank habe ja 2008\/2009, anders als die Commerzbank, keine staatliche Hilfe in Anspruch genommen. Damit wird im Grunde daf\u00fcr geworben, dass man doch DIESER Bank die gleiche Hilfe angedeihen lassen m\u00fcsse, die zuvor andere Instituten erhielten.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich erhielt die Deutsche Bank in den letzten acht Jahren mindestens 20 Milliarden Euro staatliche Hilfen \u2013 und dies aus drei Quellen \u2013 wie folgt zeitlich in umgekehrter Reihenfolge:<\/p>\n<ol>\n<li>Die Deutsche Bank hatte sich in Griechenland stark engagiert. Besser gesagt: Sie wollte an der griechischen Misere verdienen und vergab noch bis 2015 dort hohe Kredite. Das Institut hatte in dem Land noch Mitte 2015 2,7 Milliarden Euro an offenen Krediten. Der Betrag ist inzwischen drastisch reduziert worden \u2013 dank der Schulden-Umgruppierungen, die es in Griechenland inzwischen gab, so mit dem neuen, im Herbst 2015 unterzeichneten \u201eMemorandum\u201c. Damit wurden Steuergelder zur Rettung von Deutsche Bank-Krediten eingesetzt.<\/li>\n<li>Die Deutsche Bank erhielt US-Staatsgelder in H\u00f6he von mehr als 10 Milliarden Euro als Ergebnis der Hilfe, die die US-Regierung an den US-Versicherer AIG im Jahr 2008 bezahlte. 90 Milliarden US-Dollar an Steuergeldern wurden damals an den damals weltweit gr\u00f6\u00dften Versicherer gezahlt, um die ins Wanken geratenen nordamerikanischen und europ\u00e4ischen Finanzinstitute zu stabilisieren. Von AIG flossen dann an deutsche Geldinstitute 16,7 Milliarden US-Dollar, allein an die Deutsche Bank 11,8 Mrd. US-Dollar oder rund 10 Milliarden Euro.<\/li>\n<li>Die Deutsche Bank hatte sich bei den Deutschen Skandalbanken IKB und HypoRealEstate in hohem Umfang engagiert (bei IKB z.B. mit 6,5 Milliarden Euro). Der deutsche Staat musste 2008 beide Banken mit Betr\u00e4gen in H\u00f6he von mehr als 100 Milliarden Euro retten bzw. deren Abwicklung finanzieren. Auf diese Weise wurden dann auch die Deutsche Bank-Kredite gerettet. Der Deutschen Bank gelang es sogar, als Chefabwickler bei HRE mit Axel Wieandt einen engen Vertrauten des damaligen Deutsche Bank-Chefs, Josef Ackermann, einzusetzen.<\/li>\n<\/ol>\n<p>All das steht in deutlichem Widerspruch zur Behauptung, die Deutsche Bank habe sich aus eigener Kraft durch die Finanz- und Wirtschaftskrise gebracht. Es ist gerade die Deutsche Bank, die durch ihr extrem enges Verh\u00e4ltnis zur \u201ePolitik\u201c immer wieder mit massiver staatlicher Unterst\u00fctzung vor einem Absturz bewahrt wurde. Oder auch: Die auf diese Weise zu einer nochmals abenteuerlicheren Politik ermuntert wurde.<\/p>\n<p>Erinnert sei an den April 2008, als der Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann seinen sechzigsten Geburtstag feierte. Das Bundeskanzleramt war die Birthday-location. Teilnehmende waren drei Dutzend Top-Leute aus der europ\u00e4ischen Finanzwelt. Und es war Josef Ackermann, der anl\u00e4sslich dieser Feier h\u00f6chst s\u00fcffisant deutlich machte, wer das Sagen hat \u2013 gerade auch im Kanzleramt. O-Ton-Ackermann sp\u00e4ter im ZDF: \u201eSie (Angela Merkel) hat mir damals gesagt, sie w\u00fcrde gerne etwas f\u00fcr mich tun. Ich solle doch einmal etwa 30 Freundinnen und Freunde einladen aus Deutschland und aus der Welt, mit denen ich gerne einen Abend zusammen sein w\u00fcrde im Kanzleramt. [\u2026] Und ich muss schon sagen: Es war ein wundersch\u00f6ner Abend.\u201c<\/p>\n<p><em>Winfried Wolf ist marxistischer \u00d6konom und Herausgeber der Zeitschrift lunapark21. Dieser Artikel erschien zuerst auf lunapark21.net<\/em><\/p>\n<p class=\"western\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit Steuermilliarden auf Abenteuer-Kurs gebracht<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":24571,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[124],"tags":[777],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/33622"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=33622"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/33622\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":33623,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/33622\/revisions\/33623"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/24571"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=33622"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=33622"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=33622"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}