{"id":33562,"date":"2016-09-29T16:06:31","date_gmt":"2016-09-29T14:06:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=33562"},"modified":"2016-09-28T13:21:53","modified_gmt":"2016-09-28T11:21:53","slug":"zukunft-oder-vergangenheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2016\/09\/zukunft-oder-vergangenheit\/","title":{"rendered":"Zukunft oder Vergangenheit?"},"content":{"rendered":"<p><strong><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-33564\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/2-format2101-109x173.jpg\" alt=\"2-format2101\" width=\"109\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/2-format2101-109x173.jpg 109w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/2-format2101-768x1219.jpg 768w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/2-format2101-219x347.jpg 219w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/2-format2101-600x952.jpg 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/2-format2101.jpg 940w\" sizes=\"(max-width: 109px) 100vw, 109px\" \/>Buchbesprechung von Paul Masons \u201ePostkapitalismus\u201c<\/strong><\/p>\n<p>\u201ePostkapitalismus \u2013 Grundrisse einer kommenden \u00d6konomie\u201c des britischen Journalisten Paul Mason erschien im April im Suhrkampverlag und wird derzeit innerhalb der deutschen und internationalen Linken hei\u00df diskutiert. Masons Buch steht f\u00fcr eine Vision von einer neuen Gesellschaft ohne den Horror des derzeitigen kapitalistischen Systems. Der Autor sieht allerdings nicht mehr die M\u00f6glichkeit, dass die Gesellschaft durch den massenhaften Kampf der Arbeiterklasse ver\u00e4ndert werden kann. Er verwirft den Sozialismus als alte Idee, deren Zeit vor\u00fcber ist.<\/p>\n<p><em>Wir ver\u00f6ffentlichen hiermit eine Buchkritik von Peter Taaffe, Generalsekret\u00e4r der \u201eSocialist Party\u201c, Schwesterorganisation der SAV, die auf englisch am 18.08.2015 erschien.<\/em><\/p>\n<p>Mit vielem was Paul Mason in \u201ePostkapitalismus\u201c aufgreift, hat sich Jeremy Rifkin in seinem Buch \u201eDie Null-Grenzkosten-Gesellschaft\u201c vor zwei Jahren bereits befasst. Letzteres wurde in der Socialism Today (No.183, November 2014) besprochen (vgl.: https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/2016\/01\/stuerzen-roboter-den-kapitalismus\/). Rifkin schrieb: \u201eDie kapitalistische \u00c4ra geht vorbei [\u2026] er hat seinen H\u00f6hepunkt erreicht und beginnt seinen langsamen Niedergang\u201c. Nun schreibt Mason: \u201eDie langfristigen Perspektiven f\u00fcr den Kapitalismus sehen tr\u00fcbe aus\u201c. Die \u00c4ra des Neoliberalismus sei definitiv dem Untergang geweiht. Sein Buch lohnt sich zu lesen aufgrund seiner gl\u00e4nzenden Beschreibung des Scheiterns des Kapitalismus.<\/p>\n<p>Mason und Rifkin sind sich einig, dass das \u201eEnde des Kapitalismus\u201c durch die kolossale technologische Entwicklung, vor allem im Bereich der Informationstechnologie, besiegelt wird, da diese Entwicklung nicht im engen Rahmen des Nationalstaats und des kapitalistischen Privateigentums \u00fcber die Produktionsmittel vonstatten gehen kann. Der enorme Produktivit\u00e4tsschub, der daraus resultiert, bedeutet, dass die Kosten der Produktion f\u00fcr jede neu hinzukommende Einheit gegen Null geht. Dies w\u00fcrde umgekehrt dazu f\u00fchren, dass die Produkte umsonst oder nahezu kostenlos zu haben sein werden. Wenn dies dann eintrifft, \u201ew\u00fcrde der Profit, das Lebenselixier des Kapitalismus, versiegen\u201c, so Rifkin.<\/p>\n<p>Obwohl er selbst kein Marxist ist, besch\u00e4ftigt Rifkin sich sehr gewissenhaft mit den Ideen, die Marx ausgearbeitet hat. Rifkin selbst bezeichnet seine eigene Herkunft als kleinb\u00fcrgerlich. Er steht f\u00fcr die empirischen Schlussfolgerungen eines denkenden Teils b\u00fcrgerlicher Intellektueller, die durchaus vom Marxismus zu beeinflussen sind. Dies gilt vor allem dann, wenn die entsprechenden Konsequenzen, die gezogen werden, die Masse der Bev\u00f6lkerung betreffen. Dar\u00fcber hinaus deuten Rifkins Ansichten \u2013 wie wir ausgef\u00fchrt haben \u2013 auf die M\u00f6glichkeit hin, einige dieser Intellektuellen f\u00fcr die Arbeiterbewegung gewinnen zu k\u00f6nnen \u2013 vor allem die j\u00fcngeren Vertreter.<\/p>\n<p>Paul Mason hingegen nimmt f\u00fcr sich in Anspruch Marxist zu sein, obgleich sein Buch f\u00fcr eine klare ideologische Abkehr vom eigentlichen Marxismus steht. Vor allem, wenn es um die Perspektiven f\u00fcr die Arbeiterbewegung und den Sozialismus geht, ist es zutiefst pessimistisch. Den Sozialismus verbindet er mit der Vergangenheit. Die von ihm pr\u00e4ferierte Alternative ist hingegen das politische Niemandsland des \u201ePost-Kapitalismus\u201c. Obwohl sie den aktuellen Kapitalismus scharf kritisieren, werben sowohl Rifkin als auch Mason f\u00fcr durch und durch utopische Projekte. Ihre Alternative ist die Organisation durch \u201eGemeinschaftliches Wirtschaften\u201c. So schreibt Mason: \u201eWir sehen das spontane Erstarken der Kollektiv-Wirtschaft [\u2026] Parallel-W\u00e4hrungen, Zeit-Banken, Kooperativen und selbstorganisierte R\u00e4ume [\u2026] Neue Formen des Eigentums, neue Formen des Kreditwesens [\u2026] Ich meine, dass dies einen Ausweg bietet \u2013 aber nur, wenn diese mikro\u00f6konomischen Projekte gest\u00e4rkt, gef\u00f6rdert und gesch\u00fctzt werden\u201c.<\/p>\n<p>Und wie soll dieser gl\u00fcckliche Zustand erreicht werden? Nicht durch die Arbeiterklasse und ihre Organisationen, die angeblich f\u00fcr die Vergangenheit stehen, sondern durch \u201eden allgemeinen Intellekt [\u2026] womit der Geist jedes Menschen auf der Welt gemeint ist, miteinander verbunden durch das gesellschaftlich vorhandene Wissen, in dem jedes Upgrade jedem Menschen zum Vorteil gereicht\u201c. Mason, der als Journalist f\u00fcr \u201eChannel 4\u201c und davor f\u00fcr \u201eNewsnight\u201c t\u00e4tig war, offenbart an dieser Stelle, wie stark er von der Occupy-Bewegung beeinflusst worden ist.<\/p>\n<p>Zweifellos stand Occupy f\u00fcr eine bedeutende Entwicklungsstufe im Zuge des politischen Wiedererwachens der neuen Generation in den USA und weltweit. Das haben auch die Bewegungen in Spanien, Griechenland und andernorts gezeigt. Wir haben das sehr begr\u00fc\u00dft. Doch Mason orientiert sich nicht an der St\u00e4rke und dem Potential der Bewegung sondern an ihre Schwachstellen: ihre angebliche \u201eSpontaneit\u00e4t\u201c und somit auf ihre Naivit\u00e4t bei der Art, wie sie den Kapitalismus konfrontieren will. Die Idee, dass sich eine allgemeine Bewegung der jungen Leute durch bewusste \u201eNicht-Organisation\u201c zu einer Bewegung entwickeln kann, die den brutalen \u201emodernen\u201c Kapitalismus st\u00fcrzen und den Staatsapparat neutralisieren kann, hat sich als Einbahnstra\u00dfe erwiesen. Ein Teil der Occupy-Bewegung (z.B. in Seattle, wo Kshama Sawant in den Stadtrat gew\u00e4hlt worden ist) hat schnell gelernt, dass politisches Handeln n\u00f6tig ist, will man Ziele erreichen.<\/p>\n<p>Ein \u00e4hnlicher Prozess hat sich in Spanien vollzogen, wo die \u201eIndignados\u201c entstanden sind, die \u201edie Politik\u201c bei den letzten Parlamentswahlen effektiv boykottiert hat [Anmerkung des \u00dcbersetzers: Taaffe bezieht sich in seinem Artikel von 2015 auf die aus heutigem Blickpunkt vorletzten Parlamentswahlen]. Das aber hat zum Sieg der rechts-konservativen \u201ePartido Popular\u201c (PP) gef\u00fchrt. Die Folge dessen ist gewesen, dass wir erleben durften, wie ein neues Bewusstsein entstanden ist, zu dem auch die Einsicht geh\u00f6rt, politisch radikale Ma\u00dfnahmen zu ergreifen. Dies zeigt sich am Aufstieg von \u201ePodemos\u201c. Ob diese neue Bewegung die zweifellos radikale und verbitterte Stimmung innerhalb der Arbeiterklasse Spaniens wird n\u00fctzen k\u00f6nnen oder nicht, ist dabei eine ganz andere Frage. Ihre F\u00fchrung hat es zum jetzigen Zeitpunkt jedenfalls nicht vermocht, die Mehrheit der spanischen ArbeitnehmerInnen f\u00fcr sich zu gewinnen. Das liegt an ihrem Versuch, im Endeffekt eine \u201eAnti-Parteien-Partei\u201c aufzubauen, die unklare Kritik an dem \u00fcbt, was sie als \u201eKaste\u201c bezeichnet. Stattdessen k\u00f6nnte sie auch klare Kritik an der herrschenden Klasse und deren Parteien und Organisationen \u00fcben. Fakt ist, dass sie in den Umfragen der j\u00fcngsten Zeit an Unterst\u00fctzung verloren hat.<\/p>\n<h4>Falsch verstandener Marxismus<\/h4>\n<p>Mason greift den Marxismus, besonders Friedrich Engels, den Mitbegr\u00fcnder des wissenschaftlichen Sozialismus, f\u00fcr seine Analyse der Arbeiterklasse in Gro\u00dfbritannien an. Er zerfleischt Lenin und die die bolschewistische Partei sowie die Russische Revolution, die sie angef\u00fchrt haben. Er \u00fcbt auch starke Kritik an der marxistischen Analyse der wirtschaftlichen Lage vor dem Ersten Weltkrieg, die angeblich von \u201ed\u00fcsteren Vorahnungen\u201c heimgesucht wurde, welche sich \u201eals falsch erwiesen haben\u201c. Obendrein lobt er Rudolf Hilferding, den vor dem Ersten Weltkrieg wirkenden \u00f6sterreichischen \u201emarxistischen \u00d6konomen\u201c, der als reformistischer Apologet und St\u00fctze des Kapitalismus endete.<\/p>\n<p>Mason liegt falsch, wenn er erkl\u00e4rt: \u201eDer Marxismus untersch\u00e4tzt die F\u00e4higkeit des Kapitalismus sich anpassen zu k\u00f6nnen\u201c. Marx hat bekannterma\u00dfen erkl\u00e4rt, dass kein System von der Bildfl\u00e4che der Geschichte verschwindet, ohne dass nicht alle verborgenen M\u00f6glichkeiten ausgereizt werden, die ihm innewohnen. Diese Feststellung kann aber nicht auf die grobe \u00f6konomisch-\u201edeterministische\u201c Weise interpretiert werden, wie es Mason bedauerlicherweise tut. \u00d6konomische Entwicklungen k\u00f6nnen nat\u00fcrlich letztendlich ma\u00dfgebend sein, aber der Staat und die Politik spielen in diesem Prozess ebenfalls eine entscheidende Rolle.<\/p>\n<p>Aus diesem Grund besch\u00e4ftigt sich der Marxismus nicht nur mit den \u00f6konomischen Perspektiven sondern auch mit \u201epolitischer \u00d6konomie\u201c, mit der dialektischen Wechselbeziehung zwischen \u00f6konomischen und politischen Entwicklungen. Denn Ursachen k\u00f6nnen zu Auswirkungen werden, und Auswirkungen zu neuen Ursachen. So schuf beispielsweise der Verrat der Sozialdemokratie und des Stalinismus an der revolution\u00e4ren Welle, die auf den Zweiten Weltkrieg folgte, die politischen Vorbedingungen f\u00fcr die Stabilisierung des Kapitalismus und den lang anhaltenden Boom des Welt-Kapitalismus von 1950 bis 1975.<\/p>\n<p>Aus demselben Grund weisen wir das k\u00fcnstliche Konstrukt ab, das vom russischen \u00d6konomen Nikolai Dmitrijewitsch Kondratieff geborgt wurde und die sogenannten langen Wellen bzw. Super-Zyklen umfasst. Leon Trotzki hatte 1923 schon darauf reagiert und den von Kondratieff erdachten 50-Jahres-Zyklus, der nun von Mason und anderen wieder hervorgeholt wird, ins Land der Mythen verwiesen. Die Zyklen-Theorie basiert allein auf der abstrakten Analyse linearer \u00f6konomischer Prozesse, ohne dabei die Auswirkungen gro\u00dfer politischer Entwicklungen mit einzubeziehen \u2013 weder im Inland noch auf internationaler Ebene.<\/p>\n<p>Mason kann auch nicht widerstehen, einen Seitenhieb gegen den \u201eTrotzkismus\u201c auszuteilen (dem er selbst einmal anhing, als er noch Mitglied der kleinen Gruppe \u201eWorkers Power\u201c war, die wiederum aus der SWP heraus entstanden ist). Dieser Seitenhieb gilt einer falschen \u00f6konomischen Analyse aus dem Jahr 1946, die von einer Str\u00f6mung, dem \u201eVereinten Sekretariat der Vierten Internationale\u201c, angestellt worden ist. Die Vorl\u00e4ufer der Str\u00f6mung \u201eMilitant\u201c (heutige: \u201eSocialist Party\u201c) haben die politischen Entwicklungen der damaligen Zeit mit einbezogen (vor allem den Ausverkauf der revolution\u00e4ren Welle der Nachkriegszeit durch die Sozialdemokratie und den Stalinismus). Dementsprechend wurden auch deren \u00f6konomische und politische Perspektiven angepasst, und man war daher in der Lage, vorherzusehen, dass die \u201eLabour\u201c-Regierung von 1945 f\u00e4hig sein w\u00fcrde, grundlegende Reformen durchzusetzen.<\/p>\n<h4>Der Erste Weltkrieg<\/h4>\n<p>\u00c4hnlich verkehrt liegt Mason, wenn es um die Gr\u00fcnde f\u00fcr den Ersten Weltkrieg geht. Die Analyse von Lenin, Trotzki, Rosa Luxemburg und anderen, die diese vor dem Krieg und als Reaktion auf den reformistischen Theoretiker Eduard Bernstein angestellt haben (seine These war: \u201eDas, was man gemeinhin Endziel des Sozialismus nennt, ist mir nichts, die Bewegung alles.\u201c) ist durch den Krieg selbst best\u00e4tigt worden. Sie haben erkannt, dass es sich beim Kapitalismus vor dem Krieg um ein vergleichsweise fortschrittliches System gehandelt hat, das in der Lage war, die Produktivkr\u00e4fte weiterzuentwickeln: die Wissenschaften, die Technik und die Organisation der Arbeiterschaft. Das hei\u00dft aber nicht, dass eine Revolution des 19. Jahrhunderts (wie z.B. die \u201ePariser Kommune\u201c von 1871) \u2013 gesetzt den Fall, sie w\u00e4re erfolgreich verlaufen \u2013 nicht in der Lage gewesen w\u00e4re, die Industrie und die Gesellschaft in weit gr\u00f6\u00dferem Umfang fort zu entwickeln.<\/p>\n<p>Weil es dazu aber nicht gekommen ist, war der Kapitalismus weiterhin in der Position fortzufahren, was zum Anwachsen der Arbeiterklasse gef\u00fchrt hat. Sie ist die Macht, die im Laufe der Zeit als Totengr\u00e4ber des Kapitalismus in Erscheinung treten soll. Doch der Kapitalismus kam an seine Grenzen und wandelte sich von einer relativen Barriere der Produktion zur regelrechten Fessel derselben. Der Nationalstaat und das Privateigentum nahmen den Produktivkr\u00e4ften die Luft zum Atmen. Dies konnte nur in der Katastrophe des Krieges m\u00fcnden.<\/p>\n<p>Im Boom, der dem Ersten Weltkrieg vorausging (grob von 1896 bis 1914), beruhigten sich die Beziehungen zwischen den gesellschaftlichen Klassen und die gesellschaftlichen Beziehung gleichwohl in gewissem Rahmen. Und die F\u00fchrungen der Arbeiterorganisationen passten sich dieser Situation an. Aus diesem Grund war die Arbeiterklasse nicht auf die bevorstehende Katastrophe des Krieges vorbereitet. Der Verrat der sozialdemokratischen F\u00fchrer, die im Krieg jeweils ihre eigene herrschende Klasse unterst\u00fctzten, f\u00fchrte zur v\u00f6lligen Orientierungslosigkeit in der Arbeiterklasse und der Arbeiterbewegung.<\/p>\n<p>Drei Jahre des Gemetzels bereiteten den Boden f\u00fcr die Revolution und 1917 kam es dann zur Russischen Revolution. Mason schreibt: \u201eDas ma\u00dfgebliche Ereignis in der 200j\u00e4hrigen Geschichte der organisierten Arbeiterbewegung [war] die Zerst\u00f6rung der deutschen Arbeiterbewegung durch den Faschismus\u201c. Nicht die Revolution sondern die Konterrevolution soll demnach gr\u00f6\u00dfere Bedeutung gehabt haben! Im Gegensatz dazu war es jedoch in diesen 200 Jahren die Russische Revolution (die bis dato einmalig in der Geschichte der Menschheit ist), bei der es sich um das entscheidende Moment gehandelt hat. Es waren keineswegs die faschistischen Konterrevolutionen in Deutschland, Italien und Spanien. Letztere fungierten als gigantischer Bremsklotz f\u00fcr die Gesellschaft und die Bewegung der Arbeiterklasse.<\/p>\n<h4>K\u00e4mpfen, um den Kapitalismus auszuhalten?<\/h4>\n<p>Es handelt sich hierbei auf gar keinen Fall um rein abstrakte Aspekte, die lediglich von historischem Interesse w\u00e4ren. Mason geht in seiner Analyse einseitig vor, wenn er schreibt: \u201eEs ist n\u00f6tig etwas zu sagen, das von vielen Linken als schmerzhaft empfunden werden wird: Der Marxismus hat die Arbeiterklasse nicht begriffen. Das Proletariat war knapp davor, zum aufkl\u00e4rerischsten und kollektiven Subjekt der Geschichte zu werden, das die menschliche Gesellschaft jemals hervorgebracht hat. Die Erfahrungen der letzten 200 Jahre zeigen aber, dass das Proletariat eher damit besch\u00e4ftigt war &#8218;trotz des Kapitalismus zu leben&#8216; als selbigen zu Fall zu bringen [\u2026] Die Literatur der Linken ist \u00fcbers\u00e4t mit Ausfl\u00fcchten \u00fcber diese 200j\u00e4hrige Geschichte, bei der es sich um die Geschichte von Niederlagen handelt: Der Staat sei zu stark gewesen, die eigene F\u00fchrung zu schwach, die Arbeiteraristokratie habe zu viel Einfluss gehabt [\u2026] Weit davon entfernt, zum bewussten Tr\u00e4ger des Sozialismus zu werden, war sich die Arbeiterklasse sehr bewusst, was sie wollte. Und das hat sie durch ihr Handeln auch gezeigt. Sie wollte eine weniger lebensgef\u00e4hrlich Form von Kapitalismus [\u2026] Das war nicht das Resultat geistiger R\u00fcckschrittlichkeit. Es handelte sich hierbei um eine offenkundige Strategie, die auf etwas basierte, von der die marxistische Tradition noch nie etwas geh\u00f6rt hat: der Best\u00e4ndigkeit der Fertigkeiten, der Autonomie und des Status im Leben der Arbeiterklasse\u201c.<\/p>\n<p>Das 20. Jahrhundert, das von Kriegen, wirtschaftlichen und sozialen Katastrophen, Revolutionen und Aufst\u00e4nden gezeichnet war, steht also nicht f\u00fcr die gewaltigen Anstrengungen, eine neue sozialistische Welt zu errichten, sondern war nur der Versuch des Proletariats, zu einer \u201eweniger lebensgef\u00e4hrlichen Form von Kapitalismus\u201c zu kommen. Mason bekommt es tats\u00e4chlich hin, die Russische Revolution, die deutsche Revolution von 1918 bis 1823, die Sitzstreiks und das revolution\u00e4re Potential im Italien der 1920er Jahre sowie den USA der 1930er und die Spanische Revolution von 1931 bis 1937, als die unsterbliche Arbeiterklasse Spaniens zehn Revolutionen h\u00e4tte starten k\u00f6nnen, auszublenden.<\/p>\n<p>Und bei dieser Aufz\u00e4hlung wurden die gr\u00f6\u00dften Generalstreiks der Geschichte sowie die Massenbesetzungen der Fabriken im Frankreich des Jahres 1968 noch gar nicht erw\u00e4hnt. Selbiges gilt f\u00fcr die revolution\u00e4ren Erhebungen in Italien, Spanien, Portugal, Griechenland und in anderen Staaten, zu denen es in den 1970er Jahren gekommen ist. Wir sollten an dieser Stelle daran erinnern, was die Tageszeitung \u201eThe Times\u201c 1975, nach dem gescheiterten Putschversuch von Spinola erkl\u00e4rt hat: \u201eDer Kapitalismus in Portugal ist tot\u201c. Schlie\u00dflich waren die Banken verstaatlicht und 70 Prozent der Industriebetriebe in die eigene Hand genommen worden. Dies war m\u00f6glich aufgrund des Drucks einer rebellischen Arbeiterklasse. Aber wie es scheint war all dies nur auf ein gro\u00dfes Missverst\u00e4ndnis zur\u00fcckzuf\u00fchren! Es ging dabei laut Mason gar nicht um die Revolution und um die Perspektive einer neuen Gesellschaft. Die Massen haben ihr Blut gegeben, enorme Opfer gebracht und kolossale Energiereserven erbracht, allein um eine andere Form von Kapitalismus zu bekommen.<\/p>\n<p>Dasselbe gilt f\u00fcr Masons Behauptung, wonach das, was wir aktuell erleben, \u201enicht nur eine Arbeiterklasse in anderem Gewand ist sondern miteinander vernetzte Menschlichkeit\u201c. Da haben wir es: Die Arbeiterklasse hat sich auf einen Schlag einfach aufgel\u00f6st. An diesen Argumenten ist nichts wirklich Neues zu finden. Mason w\u00fcrgt nur die Ideen der Vergangenheit wieder hervor, die vor allem nach dem Zusammenbruch des Stalinismus vom selbigen Abstand genommen haben, um zu dem zu werden, was wir als \u201eEuro-Kommunismus\u201c kennen. Diese Tendenz hat eine wichtige Rolle dabei gespielt, den Rechtsschwenk der \u201eLabour Party\u201c unter Neil Kinnock in Gro\u00dfbritannien theoretisch zu unterf\u00fcttern. Ein bekannter Vertreter hierbei war Eric Hobsbawm, den Mason in seinem Buch anhimmelt. Er wies auf die Deindustrialisierung als Ausdruck des angeblichen Niedergangs der Arbeiterklasse hin.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Arbeiterklasse in ihrer klassischen Form (als IndustriearbeiterInnen) in den entwickelten Industriel\u00e4ndern zahlenm\u00e4\u00dfig kleiner geworden ist, ist sie im Weltma\u00dfstab \u2013 allein was ihren Anteil an der Bev\u00f6lkerung angeht \u2013 wahrscheinlich sogar gr\u00f6\u00dfer geworden. Auf jeden Fall hat sie wesentlich mehr Gewicht allein aufgrund der enormen Industrialisierung in L\u00e4ndern wie China, Indien, Brasilien etc.<\/p>\n<p>Wir erkennen an, dass der Prozess jetzt sogar noch weiter gegangen ist. Aber es gibt immer noch einen substantiellen Teil der Arbeiterklasse, der im Transportwesen, der Industrie usw. besch\u00e4ftigt ist und der eine entscheidende Rolle spielen kann und wird. Das haben die j\u00fcngsten Streiks der Besch\u00e4ftigten der Londoner U-Bahn gezeigt.<\/p>\n<p>Doch selbst, wenn das nicht der Fall sein sollte, so gibt es immer noch die Proletarisierung der ehemals \u201eprivilegierten\u201c Schichten wie z.B. der LehrerInnen, Staatsbediensteten, Postbesch\u00e4ftigten und HochschuldozentInnen, die h\u00e4ufig miserable L\u00f6hne bekommen und sich selbst als Teil der Arbeiterklasse verstehen. Sie schlie\u00dfen sich Gewerkschaften an und so weiter. In der j\u00fcngeren Vergangenheit haben wir gro\u00dfe Bewegungen in den USA f\u00fcr die Anhebung des Mindestlohns auf 15 Dollar erleben d\u00fcrfen. Hinzu kamen die Besch\u00e4ftigten aus dem Niedriglohnsektor in Gro\u00dfbritannien, die einen Stundenlohn von 10 britisches Pfund fordern. Es ist zu Revolten unter den Besch\u00e4ftigten in Call-Centern gekommen. Dasselbe gilt f\u00fcr die KollegInnen bei \u201eAmazon\u201c, die sich gegen zunehmend ausbeuterische Arbeitsbedingungen zur Wehr setzen. Sie sind und werden noch angesteckt von der allgemeinen Stimmung, dass die Arbeiterklasse als solche (nicht nur im Bereich der Industrie sondern auch politisch und gesellschaftlich) eine Rolle spielt.<\/p>\n<h4>Sozialistisches Bewusstsein<\/h4>\n<p>Bislang hat sich kein breites sozialistisches Bewusstsein herausgebildet. Das gilt sogar f\u00fcr Griechenland, obwohl die Wirtschaftskrise dort tiefe Gr\u00e4ben aufgerissen und die Wut der Arbeiterklasse sowie Aktionen dagegen mit sich gebracht hat. Man bedenke nur die mehr als 30 Generalstreiks, in deren Verlauf die heldenhafte Arbeiterklasse buchst\u00e4blich an die Grundfesten des griechischen Kapitalismus ger\u00fcttelt hat. Wir wurden ebenfalls Zeuge der kolossalen Erhebungen in Spanien und Portugal. Und in Gro\u00dfbritannien ist es zum \u201ePh\u00e4nomen Corbyn\u201c gekommen. Letzteres wird auf einen politischen Aufstand der Arbeiterklasse und vor allem der jungen Leute hinauslaufen, die die Nachfolger von Tony Blair genauso geschockt haben wie die b\u00fcrgerlichen Kr\u00e4fte insgesamt.<\/p>\n<p>Mason betrachtet die marxistische politische Analyse und die Erkl\u00e4rung, weshalb all dies noch immer nicht zum Sieg der Arbeiterklasse gef\u00fchrt hat, als einfache \u201eAusreden\u201c. Er hat einen v\u00f6llig einseitigen und deterministischen Blick auf das Bewusstsein, das durch eine Kombination von Entwicklungen gepr\u00e4gt wird. Wesentlich dabei ist der Faktor der kollektiven Erfahrung, die die Arbeiterklasse macht, vor allem ihre f\u00fchrenden Schichten, zusammen mit der F\u00fchrungsrolle von Parteien und Einzelpersonen. In ihrer Hochphase des sp\u00e4ten 19. Jahrhunderts, als sie beispielsweise in Deutschland unter dem direkten Einfluss von Marx und Engels standen, aber auch noch in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts haben die sozialdemokratischen Parteien systematisch f\u00fcr die sozialistische Bildung tausender ArbeiterInnen gesorgt. Diese haben ihrerseits wiederum Millionen von KollegInnen mit den Ideen des Sozialismus versorgt und diese mit den t\u00e4glichen Erfahrungen zusammengebracht. Die Unzul\u00e4nglichkeiten des Kapitalismus wurden in Reden, Zeitungsartikeln, Pamphleten usw. auf den Punkt gebracht.<\/p>\n<p>Die r\u00f6mische Mythologie lehrt uns, dass Minerva in ihrer ganzen Gestalt aus dem Kopf Jupiters entsprungen ist. Mason glaubt, dass es sich mit der Entstehung des Bewusstsein der Arbeiterklasse ganz \u00e4hnlich verh\u00e4lt. Demnach h\u00e4tten objektive Ver\u00e4nderungen keinen Einfluss auf das Bewusstsein der Arbeiterklasse. Wie sonst k\u00f6nnte er in der Buchbesprechung der Zeitung \u201eThe Guardian\u201c zu seinem Buch schreiben: \u201eIn den letzten 25 Jahren ist das Projekt der Linken in sich zusammengebrochen. Der Markt hat \u00fcber den Plan gesiegt. Der Individualismus hat den Kollektivismus und die Solidarit\u00e4t ersetzt. Die stark angewachsene Arbeiterschaft der Welt sieht aus wie ein &#8218;Proletariat&#8216;, denkt und verh\u00e4lt sich aber nicht mehr wie einst\u201c. Es kommt darin zum Vorschein, dass er nicht begreift, wie der Zusammenbruch des Stalinismus \u2013 vor allem vor dem Hintergrund des kapitalistischen Aufschwungs \u2013 enorme Auswirkungen hatte und immer noch gro\u00dfen Einfluss auf die politischen Perspektiven der Arbeiterklasse aus\u00fcbt.<\/p>\n<p>Die Demontage der Planwirtschaft \u2013 die f\u00fcr die Arbeiterklasse trotz des Vorhandenseins einer erdr\u00fcckenden B\u00fcrokratie als Bezugspunkt gewirkt hat \u2013 erm\u00f6glichte es der herrschenden Klasse, einen umfassenden Feldzug durchzuf\u00fchren. Dabei sind die Vorteile des Kapitalismus in Gegensatz zum \u201ein Misskredit gefallenen Sozialismus\u201c \u00fcber den Klee gelobt worden. Dies markierte eine enorme politische Niederlage f\u00fcr die Arbeiterbewegung und die Arbeiterklasse weltweit. Das Bewusstsein ist zur\u00fcckgeworfen worden. Es ist allerdings nicht vergleichbar mit dem Ausma\u00df, zu dem es durch den Sieg des Faschismus in den 1930er Jahren kommen konnte.<\/p>\n<p>Nach der Krise 2007\/08 haben die Kapitalisten von allen B\u00fchnen herab gebr\u00fcllt, dass es keine Alternative zum \u201eMarkt\u201c geben w\u00fcrde. Die F\u00fchrerInnen der Gewerkschaften und der Sozialdemokratie haben diese Parolen nachgebetet und sind immer weiter nach rechts ger\u00fcckt. Das ist der Grund, weshalb es die Arbeiterklasse als breite Masse aber auch in Gestalt ihrer st\u00e4rker entwickelten Schichten trotz der Tatsache, dass sie sich in den Kampf gegen die Attacken des Kapitalismus geworfen hat, immer noch nicht vermocht hat, demokratischen Sozialismus als echte Alternative zum bestehenden System des Kapitalismus f\u00fcr sich zu entdecken.<\/p>\n<p>Und dennoch ist der Boden bereitet, wie die Wahl von Kshama Sawant in Seattle und die Kampagne von Bernie Sanders bei den Vorwahlen zur US-Pr\u00e4sidentschaft gezeigt haben. Auf diesem Boden wird die Saat eines sozialistischen Bewusstseins keimen. Das wird sogar in den USA, der Festung des Kapitalismus, geschehen. Das krisengesch\u00fcttelte Europa und der Rest der Welt werden dahinter nicht weit zur\u00fcckfallen.<\/p>\n<h4>Der utopische Sozialismus<\/h4>\n<p>Die Alternativen, mit denen Paul Mason aufwartet, sind nicht gerade als moderner Fortschritt gegen\u00fcber den \u201e\u00fcberholten Ideen des Sozialismus\u201c zu bezeichnen. Im Grunde geht es \u2013 und das gibt er unverhohlen zu \u2013 um eine R\u00fcckbesinnung auf die Idee der Zusammenarbeit in Kooperativen. In Wirklichkeit geht es hierbei um die alte Idee von Robert Owen und anderen, die dem Marxismus und dem Aufkommen einer politisch bewussten Bewegung der Arbeiterklasse vorausgegangen waren. Owen war ein Genie mit einer gro\u00dfartigen Pers\u00f6nlichkeit, der uns durch seine Modell-Siedlungen einen Geschmack davon gegeben hat, was im Sozialismus m\u00f6glich ist. Dennoch war dies utopisch, und am Ende scheiterten seine Projekte. Sie standen f\u00fcr den heldenhaften Versuch, in einem Meer des Kapitalismus, Inseln des Sozialismus zu schaffen. Das Ziel bestand darin, die \u201eGesellschaft hinter dem R\u00fccken der Gesellschaft zu ver\u00e4ndern\u201c.<\/p>\n<p>Mason behauptet, dass die utopischen SozialistInnen damals wegen der herrschenden Mangelwirtschaft gescheitert sind, dass ihr Projekt heute aber \u2013 angesichts des \u00dcberflusses, der auf die Informationstechnologien, die M\u00f6glichkeit zu teilen etc. zur\u00fcckzuf\u00fchren ist \u2013 von Erfolg gekr\u00f6nt sein w\u00fcrde. Er liegt in vielerlei Hinsicht falsch. Wie Marx und Engels ausgef\u00fchrt haben, sind die utopischen SozialistInnen in dieser Gestalt aufgetreten, weil die Arbeiterklasse noch nicht zu einer unabh\u00e4ngigen gesellschaftlichen Kraft mit ausgewachsenem Klassenbewusstsein herangereift war. Zu diesem gelangten sie aber durch die \u201eChartisten-Bewegung\u201c [Anmerkung des \u00dcbersetzers: nach der \u201ePeople\u00b4s Charter\u201c benannte Arbeiterbewegung um 1830], die erster Ausdruck einer unabh\u00e4ngigen Bewegung der Arbeiterklasse in der Geschichte gewesen ist.<\/p>\n<p>\u00dcber einen Zeitraum von rund zehn Jahren durchlief die \u201eChartisten-Bewegung\u201c alle Stufen des Klassenkampfs vom Mittel der friedlichen Eingabe bis hin zum revolution\u00e4ren Generalstreik. Diese Erfahrung war es, die Engels f\u00fcr sein gro\u00dfartiges Buch heranzog, das er im Alter von 24 Jahren schrieb: \u201eDie Lage der arbeitenden Klasse in England\u201c von 1844. Von Mason wird dieses Werk angegriffen. Dasselbe macht er in Bezug auf die Erkl\u00e4rung von Marx und Engels, weshalb der Kapitalismus nach der Revolution von 1848\/51 einen Boom erlebte, der innerhalb der britischen Arbeiterbewegung zu einer Phase der \u201eM\u00e4\u00dfigung\u201c f\u00fchrte.<\/p>\n<p>Mason schreibt: \u201eEngels sagte, die ArbeiterInnen wurden angepasst, weil sie &#8218;Anteil hatten an den Wohltaten&#8216; der imperialen Macht Gro\u00dfbritanniens. Nicht nur die Fachkr\u00e4fte \u2013 die er als &#8218;Arbeiteraristokratie&#8216; beschrieb \u2013 sondern auch die breite Masse der Bev\u00f6lkerung, so glaubte Engels, profitierten ebenfalls von den sinkenden Preisen infolge der britischen Empire. Allerdings dachte er, dass die Wettbewerbsvorteile Gro\u00dfbritanniens nur zeitweilig Bestand haben w\u00fcrden und dass das Privileg der Fachkr\u00e4fte ebenfalls nur zeitlich befristet sei\u201c.<\/p>\n<p>Engels hatte recht. Im sp\u00e4ten 19. Jahrhundert begann der Kapitalismus, seine Wettbewerbsvorteile \u00a0einzub\u00fc\u00dfen. Das wiederum hatte Folgen f\u00fcr die Arbeiterklasse und f\u00fchrte zur Revolte der schlecht bezahlten \u201ematch-girls\u201c (Frauen in der Streichholz-Produktion; Erg. d. \u00dcbers.), der HafenarbeiterInnen und anderer. Nat\u00fcrlich gab es noch den gut ausgebildeten Teil der Arbeiterklasse, obwohl auch dieser vom Niedergang des britischen Kapitalismus betroffen war. Selbst in einer Gesellschaft, die sich im \u00dcbergang vom Kapitalismus zum Sozialismus befindet, werden die ausgebildeten Fachkr\u00e4fte mehr Lohn bekommen m\u00fcssen. Der Versuch von Mason, Marx und Engels als fehlgeleitet und einseitig in ihrer Analyse der Arbeiterklasse als die wesentliche Triebfeder f\u00fcr den Wandel darzustellen, h\u00e4lt keiner ernstzunehmenden Untersuchung stand. Seine Methode ist eklektisch, ein \u00f6konomisch-politisches Gewirr, das zusammengestellt wurde, um in seine utopische Sichtweise zu passen.<\/p>\n<p>In seinen Schlussfolgerungen gesteht Mason soviel ein wie etwa, dass \u201ewir [\u2026] ganz unverhohlen als Utopisten auftreten\u201c m\u00fcssen. Dieses Ziel hat er schon erreicht, wenn man sich nur sein schematisches Modell ansieht, das keine Verbindung zur Frage herstellt, wie die Ereignisse sich in der n\u00e4chsten Zeitspanne in Gro\u00dfbritannien und weltweit entwickeln werden. Die ideologischen Wurzeln, auf die seine Analysen zur\u00fcckgehen, zeigen sich, wenn er schreibt: \u201eDie erfolgreichsten Unternehmer im fr\u00fchen Post-Kapitalismus sind genau diese [Utopisten], und genauso waren es all die Pioniere der Befreiung der Menschheit\u201c. Weder der Sozialismus noch die Arbeiterklasse werden bei den K\u00e4mpfen genannt, die in n\u00e4chster Zukunft anstehen.<\/p>\n<p>Es ist klar, dass Mason vom Scheitern der radikalen Bewegungen negativ ber\u00fchrt ist, die den maroden Kapitalismus konfrontieren wollten. Dies gilt vor allem f\u00fcr die Kapitulation von Alexis Tsipras in Griechenland, die er aus n\u00e4chster N\u00e4he f\u00fcr das Fernsehen verfolgt hat. Es handelt sich hierbei aber lediglich um eine bestimmte Phase im Klassenkampf. Die Arbeiterklasse in Griechenland, Europa und der Welt wird auch korrekte Schlussfolgerungen aus dieser bitteren Erfahrung ziehen. Wir brauchen nicht nur starke Organisationen der Arbeiterklasse sondern eine F\u00fchrung, die in der Lage ist, zusammen mit den Massen bis zum Ende, bis zur Beendigung des Kapitalismus zu gehen und eine neue sozialistische Perspektive zu bieten. Bedauerlicherweise wird das Buch von Paul Mason bei dieser Aufgabe eher hinderlich als hilfreich sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Buchbesprechung von Paul Masons \u201ePostkapitalismus\u201c<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":33564,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[125,70,92,96],"tags":[772],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/33562"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=33562"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/33562\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":33568,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/33562\/revisions\/33568"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/33564"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=33562"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=33562"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=33562"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}