{"id":32969,"date":"2016-05-16T17:00:33","date_gmt":"2016-05-16T15:00:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=32969"},"modified":"2016-05-24T13:19:47","modified_gmt":"2016-05-24T11:19:47","slug":"ende-gelaende-in-der-lausitz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2016\/05\/ende-gelaende-in-der-lausitz\/","title":{"rendered":"\u201eEnde Gel\u00e4nde\u201c in der Lausitz"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_32970\" aria-describedby=\"caption-attachment-32970\" style=\"width: 280px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/26994830136_0bbc13e217_k-e1463404671157.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-32970\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/26994830136_0bbc13e217_k-e1463404671157-280x173.jpg\" alt=\"Foto: https:\/\/www.flickr.com\/photos\/133937251@N05\/ CC BY 2.0\" width=\"280\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/26994830136_0bbc13e217_k-e1463404671157-280x173.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/26994830136_0bbc13e217_k-e1463404671157-162x100.jpg 162w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/26994830136_0bbc13e217_k-e1463404671157-768x474.jpg 768w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/26994830136_0bbc13e217_k-e1463404671157-560x347.jpg 560w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/26994830136_0bbc13e217_k-e1463404671157-600x370.jpg 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/26994830136_0bbc13e217_k-e1463404671157-534x330.jpg 534w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/26994830136_0bbc13e217_k-e1463404671157.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-32970\" class=\"wp-caption-text\">Foto: https:\/\/www.flickr.com\/photos\/133937251@N05\/ CC BY 2.0<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Tagebau Welzow-S\u00fcd lahmgelegt \/\/ Kraftwerk \u201eSchwarze Pumpe\u201c blockiert \/\/ 3500 Menschen beteiligen sich<\/strong><\/p>\n<p><em>von Christian Walter, Aachen<\/em><\/p>\n<p>\u201eAuf geht\u2019s! Ab geht\u2019s! Ende Gel\u00e4nde!\u201c &#8211; dieser und viele weitere Spr\u00fcche waren rund um das Pfingswochenende in Teilen der Lausitz zu h\u00f6ren. Im Lausitzer Braunkohlerevier wird im gro\u00dfen Stil Braunkohle abgebaggert. In Kraftwerken wird sie dann verfeuert, um daraus Strom und Fernw\u00e4rme zu gewinnen. Braunkohle z\u00e4hlt zu den ineffektivsten Energietr\u00e4gern, ihre Verstromung ist zudem extrem umweltsch\u00e4dlich und befeuert den Klimawandel.<\/p>\n<p>\u201eEnde Gel\u00e4nde\u201c 2015<\/p>\n<p>Dagegen gibt es schon l\u00e4nger Proteste. Lange waren sie auf Demonstrationen oder Appelle an \u201edie Politik\u201c beschr\u00e4nkt. Daneben gab es oft sehr kleine, regional begrenzte Aktionen, die die Kohleindustrie behindern sollten.<\/p>\n<p>2015 gab es erstmals eine bundesweite Massenaktion zivilen Ungehorsams. Ziviler Ungehorsam bedeutet, bestehende Gesetze zu \u00fcbertreten, um legitimen Forderungen Nachdruck zu verleihen oder sie auch selber durchzusetzen. Im rheinischen Braunkohlerevier (zwischen K\u00f6ln und Aachen) beteiligten sich letztes Jahr 1500 Menschen, etwa 1000 von ihnen besetzten trotz massiver Gewalt durch Security und Polizei den Tagebau Garzweiler. Alle Kohlebagger wurden abgeschaltet, die Kohlef\u00f6rderung erfolgreich unterbrochen.<br \/>\n<iframe loading=\"lazy\" style=\"border: none; overflow: hidden;\" src=\"https:\/\/www.facebook.com\/plugins\/video.php?href=https%3A%2F%2Fwww.facebook.com%2F350.org%2Fvideos%2Fvb.12185972707%2F10154192996557708%2F%3Ftype%3D3&amp;show_text=0&amp;width=560\" width=\"560\" height=\"315\" frameborder=\"0\" scrolling=\"no\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/p>\n<h4>Klimacamp<\/h4>\n<p>F\u00fcr 2016 wurde dann das Lausitzer Braunkohlerevier ausgew\u00e4hlt. Auch wenn die Kohlereserven hier deutlich kleiner sind als im rheinischen Revier, wird auch hier massiv abgebaggert, CO\u2082 in die Luft geblasen, die Umwelt mit Chemikalien belastet und ganze D\u00f6rfer ausradiert. Seit 2011 gibt es Klimacamps dagegen: Hier gibt es sowohl politischen Austausch, aber es werden auch praktische Aktionstrainings gegeben. Und die Camps sind Ausgangspunkt von Aktionen. In den vergangenen Jahren kratzten die Camps an der Marke von 100 TeilnehmerInnen. 2016 kamen 3500.<\/p>\n<h4>Aktionstrainings, Plena und Workshops<\/h4>\n<p>Bereits eine Woche vor den Aktionen zivilen Ungehorsams startete das Klimacamp. Es gab ein breites Programm an politischen Workshops und Diskussionen, Vortr\u00e4ge, Kultur und nat\u00fcrlich praktische Aktionstrainings. Au\u00dferdem konnten sich TeilnehmerInnen die Umgebung schon einmal genauer in Augenschein nehmen, um f\u00fcr Aktionen vorbereitet zu sein.<\/p>\n<p>Das Camp selber wurde zwar von einer gro\u00dfen Vorbereitungsgruppe organisiert, die Durchf\u00fchrung vor Ort wurde aber \u00fcber Plena organisiert: Jeden Abend, und auch oft zwischendurch, fanden diese Versammlungen im Plenumszelt statt. Hier wurden aktuelle Infos weitergegeben, aber auch Dienste und Schichten eingeteilt. Diese Methode wirkt sehr einbeziehend. Sie ist aber auch z\u00e4h, und insbesondere wenn schnell Entscheidungen getroffen werden m\u00fcssen w\u00e4ren gew\u00e4hlte Leitungsstrukturen effektiver.<\/p>\n<h4>Aktionskonsens<\/h4>\n<p>F\u00fcr die Aktionen hatte das B\u00fcndnis \u201eEnde Gel\u00e4nde\u201c einen Aktionskonsens erarbeitet. Ein Aktionskonsens ist die Grundlage, an die sich alle TeilnehmerInnen einer Aktion halten sollen. Es war klar formuliert, dass das Ziel sei mit friedlichen Massenblockaden die Kohleinfrastruktur lahmzulegen. Dabei sollte von uns keine Eskalation ausgehen. Unser Ziel sei die Kohleinfrastruktur (also Tagebaue, Kohlebagger, Schienen, auf denen die Kohle transportiert wird etc.), nicht die Polizei, der Wachdienst oder \u00e4hnliches. An diese Ansage haben sich \u2013 mit sehr wenigen Ausnahmen \u2013 alle TeilnehmerInnen gehalten.<\/p>\n<h4>Freitag: Massenaktionen im Tagebau\u2026<\/h4>\n<p>Ich bin mit einer Gruppe AachenerInnen erst Freitag morgen angekommen, also am Tag vor der angek\u00fcndigten Massenaktion. So wie uns ging es vielen, die wegen Arbeit, Schule oder anderen Verpflichtungen nicht die M\u00f6glichkeit hatten, am Camp vorher teilzunehmen. Es wurde vorher darauf gedr\u00e4ngt, sp\u00e4testens Donnerstag Abend anzureisen, aber auch das war f\u00fcr viele nicht m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Dennoch beteiligten sich Freitag Mittag bis zu 2000 Menschen. In drei Kolonnen ging es Richtung Tagebau. Einer dieser \u201eFinger\u201c orientierte auf die Schienen, um den Transport der Kohle Richtung Kraftwerk zu verhindern. Die beiden anderen drangen an verschiedenen Stellen in den Tagebau ein, besetzten Bagger, ein F\u00f6rderband und andere Infrastruktur. Weder Polizei noch Wachschutz stellte sich ihnen ernsthaft entgegen, der Betrieb war schon vor der Aktion \u201eaus Sicherheitsgr\u00fcnden\u201c eingestellt worden.<\/p>\n<h4>&#8230;und Kraftwerksblockaden<\/h4>\n<p>Das Kohlekraftwerk \u201eSchwarze Pumpe\u201c wird von drei Tagebauen mit Kohle beliefert. Zeitnah zu den erfolgreichen Aktionen im Tagebau Welzow-S\u00fcd blockierten kleine Gruppen gut vorbereiteter AktivistInnen den Nachschub aus den beiden anderen Richtungen: An dem einen Nachschubweg ketteten sich Menschen auf den Gleisen fest, am anderen wurde ein Tripod aufgebaut. Das ist ein pyramidenf\u00f6rmiges Gestell, in der Regel mit einer Plattform in mehreren Metern H\u00f6he. Dort blockieren dann Menschen. Diese Art der Blockade ist nur sehr aufwendig zu r\u00e4umen, wenn das Leben der AktivistInnen nicht gef\u00e4hrdet werden soll.<\/p>\n<h4>Samstag: Auf zum Kraftwerk<\/h4>\n<figure id=\"attachment_32971\" aria-describedby=\"caption-attachment-32971\" style=\"width: 231px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/26995087926_4e7b88dae0_k.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-32971\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/26995087926_4e7b88dae0_k-231x173.jpg\" alt=\"Foto: https:\/\/www.flickr.com\/photos\/133937251@N05\/ CC BY 2.0\" width=\"231\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/26995087926_4e7b88dae0_k-231x173.jpg 231w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/26995087926_4e7b88dae0_k-768x576.jpg 768w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/26995087926_4e7b88dae0_k-463x347.jpg 463w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/26995087926_4e7b88dae0_k-600x450.jpg 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/26995087926_4e7b88dae0_k.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 231px) 100vw, 231px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-32971\" class=\"wp-caption-text\">Foto: https:\/\/www.flickr.com\/photos\/133937251@N05\/ CC BY 2.0<\/figcaption><\/figure>\n<p>Viele AktivistInnen machten sich am Abend auf den R\u00fcckweg zum Camp. Hunderte harrten aber auch \u00fcber die Nacht aus, besetzten weiter Bagger und Schienen.<\/p>\n<p>Am Samstag dann ging es, wieder in drei Fingern, fr\u00fch los: Ein Finger \u2013 mehrere hundert Menschen mit Fahrr\u00e4dern \u2013 wollte die Nachschubschienen aus dem S\u00fcden blockieren. Eine zweite Gruppe, in der auch wir AachenerInnen unterwegs waren, macht sich zu Fu\u00df auf den Weg, einen weiteren Blockadepunkt auf den Schienen aus dem besetzten Tagebau zu errichten (zus\u00e4tzlich zu der immer noch bestehenden Schienenblockade vom Vortag). Und ein dritter Finger fuhr eine Strecke mit Bussen, um sich dann auf die Schienen aus dem Norden durchzuschlagen.<\/p>\n<p>Mein Finger erreichte nach knapp zwei Stunden ihr Ziel. Wieder gab es kaum Polizeipr\u00e4senz. Dort angekommen wurde in mehreren Plena entschieden, dass der Gro\u00dfteil weiter ziehen wollte, um eine Blockade deutlich n\u00e4her am Kraftwerk zu unterst\u00fctzen. Diese Stelle machte besonders Sinn, weil hier zwei Versorgungslinien zusammenliefen und somit besonders effektiv blockiert werden konnte. Hier war bereits die Fahrradkolonne angekommen und hatte mit der Blockade begonnen.<\/p>\n<h4>Alles blockiert<\/h4>\n<p>Noch weiteren knapp zwei Stunden Fu\u00dfmarsch waren wir endlich dort angekommen, wieder ohne Polizeipr\u00e4senz. Aber mehr als eine kurze Pause war nicht drin \u2013 bald wurde ein Delegiertenplenum einberufen. Zu diesen Plena kann jede Bezugsgruppe \u2013 also Gruppen von etwa f\u00fcnf Menschen, die sich kennen und gemeinsam teilnehmen \u2013 eine Person entsenden. Diese Methode ist deutlich effektiver, als Versammlungen mit allen AktionsteilnehmerInnen einzuberufen.<\/p>\n<p>Bisher wurden bereits riesige Erfolge erreicht: Der Tagebau lahmgelegt und besetzt, alle Zufahrtswege zum Kraftwerk abgeschnitten. Das Kraftwerk selber hat einen Kohlespeicher, der f\u00fcr etwa 24 Stunden bei Normalbetrieb ausreicht. Im Laufe der Aktion wurde der Lagerbestand so knapp, dass die Leistung auf 20 Prozent gedrosselt wurde, um Kohle zu sparen.<\/p>\n<h4>Sofort abschalten!<\/h4>\n<p>Doch obwohl mehrere tausend Menschen in verschiedensten Aktionen ihren Protest zeigten und Widerstand leisteten, konnte das Kraftwerk weiter laufen. Zu diesem Zeitpunkt wurden bereits mehr als die vorher formulierten Ziele von Ende Gel\u00e4nde erreicht. Aber wir hatten Energie, und wollten die Abschaltung erzwingen. Auf dieser Grundlage, und weil immer noch kaum Polizei sichtbar war, wurde entschieden, auf das Kraftwerksgel\u00e4nde vorzudringen. Die \u00dcberlegung dahinter war, dass das Kraftwerk aus Sicherheitsgr\u00fcnde abgeschaltet werden m\u00fcsste, sobald sich AktivistInnen auf dem Gel\u00e4nde bef\u00e4nden. Also machte sich etwa 700 Menschen auf den Weg.<\/p>\n<h4>Panischer Wachschutz, pr\u00fcgelnde Polizei<\/h4>\n<p><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/26994840846_b734d1db86_k.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-32972\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/26994840846_b734d1db86_k-259x173.jpg\" alt=\"26994840846_b734d1db86_k\" width=\"259\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/26994840846_b734d1db86_k-259x173.jpg 259w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/26994840846_b734d1db86_k-768x513.jpg 768w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/26994840846_b734d1db86_k-520x347.jpg 520w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/26994840846_b734d1db86_k-600x400.jpg 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/26994840846_b734d1db86_k.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 259px) 100vw, 259px\" \/><\/a>Das Kraftwerk hatte eine l\u00e4cherliche Sicherheit aufzubieten. Ein \u00e4u\u00dferer Maschendrahtzaun und ein innerer, etwas robusterer Zaun. Sollten Terroristen Infrastruktur lahmlegen wollen, h\u00e4tten sie hier ein leichtes Spiel. Zwei Polizeiautos begleiteten uns filmend. Beide Z\u00e4une wurden nieder gerissen, nach wenigen Minuten waren wir im inneren Kraftwerksbereich. Nur wenige Securities machten halbherzige Versuche, uns zu hindern, die Polizei beschr\u00e4nkte sich aufs Filmen. Vorher wurde festgelegt, sich \u2013 auch aus Sicherheitsgr\u00fcnden \u2013 unbedingt nur im Freien aufzuhalten. Einzelne rannten trotzdem schnell zu den T\u00fcren der Anlagen auf beiden Seiten \u2013 alle waren unverschlossen. Ab dem Moment wurden Wachschutz-MitarbeiterInnen panisch, rasten in ihren Autos von A nach B, bedrohten AktivistInnen mit Elektroschockern und Pefferspray und an einer T\u00fcre gab es auch einer Auseinandersetzung mit Verletzten.<\/p>\n<p>Nach f\u00fcnf bis zehn Minuten kamen dann einige Mannschaftswagen Polizei angerast, die BeamtInnen versuchten uns zu spalten. Dabei verteilten sie gro\u00dfz\u00fcgig Pfefferspray und Schl\u00e4ge mit ihren Kn\u00fcppeln. Doch auch jetzt noch waren es einfach zu wenige. Es hatte aber die Wirkung, dass unsere Gruppe unkoordiniert in alle Richtungen lief und somit angreifbarer wurde. In der Zeit r\u00fcckte weitere Polizei an.<\/p>\n<p>Ein weiterer Zaun \u2013 diesmal mit Nato-Draht obendrauf \u2013 wurde ausgerissen, sodass wir drunter durch konnten. Hier kn\u00fcppelte die Polizei zwar hart auf Fliehende ein, lies aber noch alle entkommen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_32973\" aria-describedby=\"caption-attachment-32973\" style=\"width: 259px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/26934151372_c75af5a43a_k.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-32973\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/26934151372_c75af5a43a_k-259x173.jpg\" alt=\"Foto: https:\/\/www.flickr.com\/photos\/133937251@N05\/ CC BY 2.0\" width=\"259\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/26934151372_c75af5a43a_k-259x173.jpg 259w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/26934151372_c75af5a43a_k-768x513.jpg 768w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/26934151372_c75af5a43a_k-520x347.jpg 520w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/26934151372_c75af5a43a_k-600x400.jpg 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/26934151372_c75af5a43a_k.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 259px) 100vw, 259px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-32973\" class=\"wp-caption-text\">Foto: https:\/\/www.flickr.com\/photos\/133937251@N05\/ CC BY 2.0<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die AktivistInnen versuchten dann teils sehr hektisch vom Gel\u00e4nde zu entkommen. Dabei wurden einige von PolizistInnen \u00fcbel verpr\u00fcgelt. Es gab Szenen, wo ein Aktivist mit dem Kopf gegen ein Metallschild geschlagen, ihm das Knie in den Bauch gerammt und ihm mit der Faust hart ins Gesicht geschlagen wurde, bis er zu Boden ging. Dann sprangen zwei PolizistInnen ihm in den R\u00fccken, um ihn so festzunehmen.<\/p>\n<p>Nach unterschiedlichen Angaben soll es dort bis zu 120 Festnahmen gegeben haben. Den Festgenommenen wurden grundlegende Rechte verweigert \u2013 sie mussten die Nacht im Polizeibus verbringen, bekamen weder Essen noch Trinken, durften nicht zur Toilette und auch Anw\u00e4lte wurden nicht durchgelassen. Die Abschaltung vom Kraftwerk konnte durch diese Aktion nicht erzwungen werden.<\/p>\n<h4>\u00dcberlegungen zur Polizeistrategie<\/h4>\n<p>W\u00e4hrend der ganzen Aktionen \u2013 mit Ausnahme der Erst\u00fcrmung des Kraftwerks &#8211; hielt sich die Polizei extrem zur\u00fcck, war kaum vor Ort. Eine Polizeisprecherin wurde zuvor von der taz mit den Worten \u201eWir sind nicht der Werkschutz von Vattenfall\u201c zitiert. Der Tagebau werde nicht von der Polizei gesichert, Szenen wie 2015 im Rheinland werde es nicht geben. Woran lag das?<\/p>\n<p>2015 hagelte es Kritik an der Polizei und ihrer F\u00fchrung. Sie hatte AktivistInnen hart verpr\u00fcgelt und dabei zugesehen, wie RWE-Securities das gleiche taten. Und doch hatte sie vor allem das versucht, was ihre eigentliche Aufgabe ist: Den kapitalistischen Normalbetrieb und die Profite der Konzerne zu sichern.<\/p>\n<p>Sicherlich haben die vielen dokumentierten \u00dcbergriffe 2015 einiges an Druck aufgebaut. Aber bei Blockupy-Protesten beispielsweise hat sie das nicht von wiederholten Pr\u00fcgel-Orgien abgehalten. M\u00f6glicherweise kommt hinzu, dass diesmal kein deutscher Konzern gesch\u00fctzt werden sollte. Eigent\u00fcmerin der Lausitzer Kohle- und Energieindustrie ist mit Vattenfall ein schwedisches Staatsunternehmen. Nachdem der Kohleausstieg in Schweden beschlossen wurde, wird gerade der Verkauf an ein tschechisches Unternehmen durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Die Sensibilit\u00e4t f\u00fcr Umweltzerst\u00f6rung w\u00e4chst. Es gibt keinen Planet B, und Kohleverstromung ist einer der \u00d6fen der Klimaerw\u00e4rmung. Immer mehr Menschen sind bereit, sich der Zerst\u00f6rung unserer Zukunft f\u00fcr Profite einiger Konzerne auch direkt in den Weg zu stellen. Nicht nur in Deutschland: Wenige Wochen zuvor wurde in Wales ein Tagebau in einer \u00e4hnlichen Aktion lahmgelegt. In vielen L\u00e4ndern gibt es bereits positive Beispiele oder sind Grundsteine daf\u00fcr gelegt.<\/p>\n<p>Eine \u00dcberlegung, in in der Nachbereitung diskutiert werden sollte: Die Abwesenheit an Polizei war wie eine Einladung an militante Gruppen. Sie h\u00e4tten in gro\u00dfem Ma\u00dfstab randalieren und Sabotageakte ver\u00fcben k\u00f6nnen. Dazu ist es nicht gekommen. So wird jetzt versucht, die Erst\u00fcrmung des Kraftwerks zu einer solchen Aktion umzudichten, was an den Haaren herbeigezogen ist. Dennoch hagelte es nach der Aktion Distanzierungen \u2013 nicht nur aus der Politik, sondern auch aus der lokalen Bev\u00f6lkerung. Das wird dem Aufschwung der Bewegung m\u00f6glicherweise einen D\u00e4mpfer verpassen.<\/p>\n<h4>Ausgepowert?<\/h4>\n<p>In die Vorbereitung der Aktionen ist viel Zeit und Kraft geflossen. Man merkte, dass das B\u00fcndnis im Vorfeld verschiedene Szenarien intensiv diskutiert hatte. Es gab zu fast jeder Gelegenheit Menschen, die Verantwortung \u00fcbernommen haben. Sie kannten sich gut im Gel\u00e4nde aus und waren zu jedem Zeitpunkt mit den anderen Aktionen oder Infopunkten in Verbindung. Diese gute Vorbereitung hatte viel Einfluss auf die Stimmung. Nicht wenige unerfahrene Menschen beteiligten sich. Ihnen wurden durchdachte Konzepte und akn\u00fcpfungsf\u00e4hige Aktionsformen geboten. Sie waren in Stufen aufgebaut, einige Erfolge waren fast garantiert.<\/p>\n<p>Nachdem alle Gleise zum Kraftwerk mit starken Blockaden dicht waren, war jedoch der Saft raus. Es gab keine weiteren Pl\u00e4ne mehr in Petto. Sicherlich war auch das B\u00fcndnis von der enormen Resonanz \u00fcberw\u00e4ltigt \u2013 kaum jemand hat mit 3500 Menschen gerechnet. Sonst h\u00e4tte es m\u00f6glicherweise vorbereitete Aktionen geben k\u00f6nnen, weitere Tagebaue in der Region lahmzulegen.<\/p>\n<p>Das hat sich auch bei der Erst\u00fcrmung des Kraftwerks gezeigt. Es war einigerma\u00dfen spontan, im Plenum bei der Blockade ausdiskutiert, in der speziellen und unerwarteten Situation, dass wir sehr viele und die Polizei quasi nicht vor Ort war. Aber sobald wir drin waren, gab es keinen Plan, was genau wir dort wollten. H\u00e4tten sich 700 dort hingesetzt und einen Bereich blockiert, w\u00e4re zumindest die Strafverfolgung Einzelner erschwert, Es h\u00e4tte vermutlich weniger Verletzte gegeben. Stattdessen gab es Hektik und Panik, und das Gef\u00fchl, dass diese Aktion nicht wirklich viel gebracht hat.<\/p>\n<h4>Demonstration<\/h4>\n<p>Auch am Samstag gab es eine Demonstration, organisiert von von Gruppen wie Campact und den Naturfreunden. Dort wurden vor allem Reden von PolitikerInnen gehalten, die f\u00fcr einen \u201egeregelten\u201c Ausstieg pl\u00e4dieren. Beispielsweise die Gr\u00fcnen stellen die kapitalistische Logik nicht infrage. Sie akzeptieren massive \u00dcberproduktion als Folge der Konkurrenzwirtschaft, die Kriegsindustrie wird durch sie erst so richtig angekurbelt. Doch w\u00fcrden solche Energiefresser beseitigt, w\u00fcrde der Bedarf drastisch reduziert werden. W\u00fcrde dazu ein massiver Ausbau an Anlagen zur regenerativen Energiegewinnung kommen, w\u00fcrden wichtige pro-Kohle-Argumente ausgehebelt werden. Diese Demo zog etwa 3000 Menschen an, ein Teil von ihnen besuchte sp\u00e4ter eine der Blockaden.<\/p>\n<h4>IG BCE<\/h4>\n<p>Die Industriegewerkschaft Bergbau \u2013 Chemie \u2013 Energie spielt in dieser Auseinandersetzung eine fatale Rolle. 2015 mobilisierte sie \u2013 zusammen mit den Kohlekonzernen \u2013 15.000 Menschen zu einer Demonstration gegen den Kohleausstieg nach Berlin. Sie gibt an, die Interessen ihrer Mitglieder zu verteidigen. Und nat\u00fcrlich wollen diese ihre Jobs nicht verlieren. Aber auch nicht ihre Heimat, die weggebaggert wird. Die Aufgabe der Gewerkschaft w\u00e4re es, gesellschaftliche L\u00f6sungen zu propagieren, wie Umschulungen und garantierte Ersatzarbeitspl\u00e4tze f\u00fcr alle Besch\u00e4ftigten im Kohle- und Energiesektor. Und wenn es zu wenige Jobs geben sollte, k\u00f6nnte die vorhandene Arbeit auf alle umverteilt werden, zu mindestens gleichen L\u00f6hnen. Finanziert werden k\u00f6nnte das beispielsweise mit den Milliardengewinnen der Energiekonzerne.<\/p>\n<h4>Neonazis<\/h4>\n<p>Immer wieder versuchten Neonazis zu provozieren. Mit Megafonen riefen sie Beleidigungen gegen Blockierende, in der Nacht wurden sogar Flaschen und B\u00f6ller geworfen. W\u00fcrden sie glauben, was in der Region bef\u00fcrchtet wurde \u2013 dass \u201elinke Krawallchaoten\u201c anreisen w\u00fcrden \u2013 h\u00e4tten sie sich das sicher nicht getraut: Kleine Gr\u00fcppchen, die versuchen eine gro\u00dfe Gruppe zu attackieren, die oben auf einer Br\u00fccke voller Steine (aus dem Gleisbett) ist. H\u00e4tte es Gegenwehr der AktivistInnen gegeben, w\u00e4re es den Neonazis schlecht ergangen.<\/p>\n<p>Bei unserer Abreise stand eine kleine Gruppe von etwa 20 vor allem jungen M\u00e4nnern mit einem Transparent mit der Aufschrift \u201eUnsere Lausitz\u201c am Stra\u00dfenrand. Ich zeigte mit dem Daumen nach unten \u2013 etwa f\u00fcnf von ihnen unvermittelt, in Anwesenheit der Polizei, den Hitlergru\u00df.<\/p>\n<p>Die Neonazis zeigten hier deutlich, auf welcher Seite sie stehen: Im Zweifelsfall auf der Seite des (in diesem Falls schwedischen bzw. tschechischen) Kapitals, selbst wenn dieses ihre Heimat wegbaggert.<\/p>\n<h4>Klimawandel stoppen: Mit Betroffenen, nicht gegen sie!<\/h4>\n<p>Vermutlich ist niemand f\u00fcr die Zerst\u00f6rung unseres Planeten. Es gibt ein paar ewig gestrige in der AfD und manchen Sekten, die den Klimawandel leugnen. Das ist genauso unwissenschaftlich, wie zu behaupten, die Erde sei eine Scheibe. Es ist erwiesen, dass die Klimaerw\u00e4rmung dramatische Ausma\u00dfe annimmt und die Zeitspanne, in der der Prozess umkehrbar ist, schrumpft. Es ist ebenso erwiesen, dass die Verbrennung von Braunkohle eine wesentliche Rolle dabei spielt.<\/p>\n<p>Warum lassen sich dann 15.000 Menschen f\u00fcr den Erhalt von Tagebauen und Kohlekraftwerken mobilisieren?<\/p>\n<p>In der Lausitz h\u00e4ngen etwa 8000 Jobs daran. Viele der Besch\u00e4ftigten ern\u00e4hren mit ihrem Einkommen ihre Familien. F\u00fcr sie alle droht mit dem Kohleausstieg \u00e0 la Gr\u00fcne Arbeitslosigkeit und Armut. Leider fallen viele \u201eEnde Gel\u00e4nde\u201c-AktivistInnen auf diese Falle rein und erwarten ein moralisches Bekenntnis gegen Umweltzerst\u00f6rung \u2013 und im Zweifel gegen den eigenen Job.<\/p>\n<h4>Revolution\u00e4re Antworten<\/h4>\n<p>MarxistInnen gehen davon aus, dass die Menschheit sich grundlegend in Klassen teilt, und nicht in \u201egut\u201c und \u201eb\u00f6se\u201c. Wir sehen hinter den verschiedenen Forderungen nicht \u201eDummheit\u201c oder \u201eIgnoranz\u201c, sondern Interessen. Und unsere Antworten sind in der Lage, die Interessen der derzeit bei Vattenfall Besch\u00e4ftigten voll zu befriedigen \u2013 und die Umweltfrage zu l\u00f6sen!<\/p>\n<p>Sie haben kein Interesse an Umweltzerst\u00f6rung, sondern an Jobs, um ihren Lebensstandard halten zu k\u00f6nnen. W\u00fcrden die massiven Verm\u00f6gen der (Energie-)Konzerne verwendet werden, um die dramatischen sozialen und \u00f6kologischen Probleme zu l\u00f6sen, k\u00f6nnten schnell die n\u00f6tigsten Investitionen get\u00e4tigt werden. Es k\u00f6nnte beispielsweise massiv in Ausbau und Verbesserung von Anlagen zur bedarfsdeckenden Erzeugung und Speicherung erneuerbarer Energien investiert werden. Das w\u00fcrde viele Jobs schaffen \u2013 und zwar in einem sehr sinnvollen Bereich. Man sollte aber nicht in der Logik verharren, dass ein vollwertiger Job mindestens 40 Stunden Wochenarbeitszeit braucht. Es gibt es gewisses Ma\u00df an Arbeitszeit, die gesamtgesellschaftlich geleistet werden muss, um einen gewissen Standard zu erreichen oder zu halten. Mit technischem Fortschritt schrumpft dieser Bedarf.<\/p>\n<h4>Eine sozialistische Welt ist n\u00f6tig!<\/h4>\n<p>Auf kapitalistischer Grundlage ist das f\u00fcr viele eine Horror-Vorstellung, bedroht das doch ihren Job und damit ihren Lebensstandard. W\u00fcrde man jedoch die verf\u00fcgbare gesellschaftliche Arbeitskraft auf die zu erledigenden Aufgaben verteilen, w\u00fcrde man schnell feststellen, dass niemand mehr 40 Stunden in der Woche arbeiten m\u00fcsste. Arbeitswillige Erwerbslose k\u00f6nnten mit einbezogen werden. Man sollte auch sinnlose Branchen wie die kommerzielle Werbe-Industrie oder die Kriegsindustrie abschaffen. Weitere Ressourcen w\u00fcrden frei, wenn f\u00fcr Bed\u00fcrfnisbefriedigung statt in Konkurrenz f\u00fcr Profite produziert w\u00fcrde. Wenn die Entscheidung dar\u00fcber demokratisch von allen getroffen wird, die den gesellschaftlichen Wohlstand erschaffen, verbrauchen oder davon betroffen sind, sprechen wir von einer sozialistischen Gesellschaft.<\/p>\n<h4>Ist \u201eEnde Gel\u00e4nde\u201c die neue Umweltbewegung?<\/h4>\n<figure id=\"attachment_32974\" aria-describedby=\"caption-attachment-32974\" style=\"width: 560px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/26410139243_c939775641_k.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-large wp-image-32974\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/26410139243_c939775641_k-560x315.jpg\" alt=\"Foto: https:\/\/www.flickr.com\/photos\/133937251@N05\/ CC BY 2.0\" width=\"560\" height=\"315\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/26410139243_c939775641_k-560x315.jpg 560w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/26410139243_c939775641_k-280x158.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/26410139243_c939775641_k-768x432.jpg 768w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/26410139243_c939775641_k-600x338.jpg 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/26410139243_c939775641_k.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 560px) 100vw, 560px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-32974\" class=\"wp-caption-text\">Foto: https:\/\/www.flickr.com\/photos\/133937251@N05\/ CC BY 2.0<\/figcaption><\/figure>\n<p>\u201eEnde Gel\u00e4nde\u201c ist sehr weit davon entfernt, solche Gesellschaftsentw\u00fcrfe zu skizzieren. Aber die Aktion befindet sich im Aufwind, und bei vielen TeilnehmerInnen gibt es ein Grundverst\u00e4ndnis, dass im Rahmen des Kapitalismus die Probleme nicht l\u00f6sbar sind. Aber die Alternativen dazu sind mehr als diffus \u2013 Konsumverzicht, regionales Wirtschaften, Individualismus.<\/p>\n<p>Auch wenn 3500 TeilnehmerInnen eine gro\u00dfe Menge ist, spricht die Aktion doch bisher nur kleine Schichten an. Das B\u00fcndnis muss Fragen wie die nach den Arbeitspl\u00e4tzen oder der Finanzierung beantworten, um wachsen zu k\u00f6nnen. Es braucht mehr als die paar zehntausend Menschen in Deutschland, die sich als links \u00f6der radikal-\u00f6kologisch verstehen. Es braucht die Menschen, die heute die \u201eR\u00e4der im System\u201c sind und gesellschaftliche Werte schaffen. Es braucht den Kinderg\u00e4rtner und die Stahlarbeiterin, die von einem Teil der aktuellen AktivistInnen als \u201eR\u00e4der im System\u201c eher skeptisch angesehen werden. Es braucht die 250.000 Menschen, die 2011 gegen Atomkraft auf der Stra\u00dfe waren. Es braucht die vielen \u201enormalen\u201c Menschen mit ihren allt\u00e4glichen Sorgen. Um sie zu erreichen, muss das B\u00fcndnis seine Forderungen konsequent zu Ende denken und in Positionen und Aktionen ankn\u00fcpfungsf\u00e4higer f\u00fcr Arbeitende werden.<\/p>\n<h4>Politische Schw\u00e4chen<\/h4>\n<p>Genau dem geht es gerade leider aus dem Weg. Es gibt unter den AktivistInnen eine hohe Identifikation mit den Slogans und Symbolen des B\u00fcndnisses. Das liegt auch ein st\u00fcckweit daran, dass es manche umstrittene Fragen ausklammert. Aber das ist weit ausgeschlagen hin zu einer Parteien- und Organisationsskepsis oder sogar -feindlichkeit. Die einzigen sichtbaren Partei-Logos waren die der parlamentarischen BeobachterInnen (und eine Fahne der kurdischen PYD). Das Bed\u00fcrfnis Einiger, sich nicht von Parteien oder Organisationen \u201evereinnahmen\u201c zu lassen, muss ernst genommen werden. Aber das darf nicht umschlagen in ein allgemeines Verbot solcher Symbole. Wie wertvoll w\u00e4re es, wenn die beteiligten Gruppen ihre Fahnen, Transparente und vor allem Vorschl\u00e4ge (auf Flyern, Zeitungen oder \u00e4hnliches) einbringen w\u00fcrden. Nach au\u00dfen hin w\u00fcrde sich zeigen, wie breit der Protest eigentlich aufgestellt ist, wie viele Organisationen dahinter stehen. Nach innen w\u00fcrde es eine starke Politisierung geben.<\/p>\n<p>Wie wertvoll w\u00e4re es, wenn 20 IG BCE-Fahnen bei den Blockaden dabei gewesen w\u00e4ren! Das B\u00fcndnis sollte sich dringend bem\u00fchen, auf linke, oppositionelle Gruppen in der Industriegewerkschaft zuzugehen und mit ihnen gemeinsam ankn\u00fcpfungsf\u00e4hige Forderungen f\u00fcr Besch\u00e4ftigte zu entwickeln. In anderen DGB-Gewerkschaften k\u00f6nnten ebenso Positionierungsantr\u00e4ge zur Frage eingebracht werden.<\/p>\n<p>Der LINKE-Jugendverband linksjugend [\u2019solid] hat bei den Protesten eine nicht unwesentliche Rolle gespielt. Vor allem aus den umliegenden Landesverb\u00e4nden Brandenburg, Berlin und Sachsen haben etwa 40 GenossInnen teilgenommen, was sicherlich steigerungsf\u00e4hig ist. Einzelne GenossInnen haben aber in der Aktionsdurchf\u00fchrung zentrale Aufgaben \u00fcbernommen und so ma\u00dfgeblich zu Erfolgen beigetragen. Aber auch hier wurde politisch nicht wesentlich \u00fcber den Rahmen der B\u00fcndnisforderungen hinaus argumentiert, auch nicht in eigenen Mobilisierungsmaterialien.<\/p>\n<h4>2017: Massenaktionen im rheinischen Braunkohlerevier<\/h4>\n<p>F\u00fcr 2017 sind wieder Massenaktionen im rheinischen Braunkohlerevier geplant. Wann und was genau steht noch nicht fest. Im Vergleich zum letzten Jahr hat sich die Teilnahme dieses Jahr aber mehr als verdoppelt. Vieles spricht daf\u00fcr, dass es 2017 weiter wachsen k\u00f6nnte. Mit radikaleren Forderungen, die auch die Besch\u00e4ftigten mitnehmen, ist noch mehr Luft nach oben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tagebau Welzow-S\u00fcd lahmgelegt \/\/ Kraftwerk \u201eSchwarze Pumpe\u201c blockiert \/\/ 3500 Menschen beteiligen sich<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":32970,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[117],"tags":[262,764],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/32969"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=32969"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/32969\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":32976,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/32969\/revisions\/32976"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/32970"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=32969"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=32969"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=32969"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}