{"id":32852,"date":"2016-04-29T13:12:15","date_gmt":"2016-04-29T11:12:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=32852"},"modified":"2016-04-28T13:21:04","modified_gmt":"2016-04-28T11:21:04","slug":"krankenhausstreik-fuer-entlastung-in-hamburg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2016\/04\/krankenhausstreik-fuer-entlastung-in-hamburg\/","title":{"rendered":"Krankenhausstreik f\u00fcr Entlastung in Hamburg?"},"content":{"rendered":"<p><em><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/streik.png\" rel=\"attachment wp-att-32854\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-32854\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/streik-144x173.png\" alt=\"streik\" width=\"144\" height=\"173\" \/><\/a>Interview mit Yannick D\u00f6lling, Krankenpfleger\u00a0am AK Altona<\/em><\/p>\n<p><strong>Hey Yannick, du hast heute beim Warnstreik f\u00fcr die Azubis im Krankenhausbereich in Hamburg gesprochen. Worum geht es euch in eurem Streik?<\/strong><\/p>\n<p>Bei diesem Warnstreik geht es uns darum, unseren Forderungen nach mehr Gehalt f\u00fcr alle Besch\u00e4ftigten und einer garantierten \u00dcbernahme f\u00fcr die Azubis, mehr Nachdruck zu verleihen. Am ersten Verhandlungstag gab es von den Arbeitgebern kein Angebot.<\/p>\n<p><strong>Wo bist du selbst gerade besch\u00e4ftigt?<\/strong><\/p>\n<p>Ich habe vor einem knappen Monat meine Ausbildung am AK Altona beendet und arbeite nun dort auf einer onkologischen Station.<\/p>\n<p><strong>Wie ist die Stimmung bei dir am Arbeitsplatz?<\/strong><\/p>\n<p>Eine allgemein g\u00fcltige Aussage zur Stimmung in meinem Betrieb zu treffen ist schwierig. Es gibt viele verschiedene Bereiche und Berufsgruppen in einem Krankenhaus. Dass die Arbeitsbelastung h\u00e4ufig zu hoch ist, ist Konsens. Im Bereich der Krankenpflege findet schon lange keine Versorgung der Patienten mehr so statt, wie sie im Berufsbild gefordert und dem eigenem Empfinden auch erforderlich ist. Mein Eindruck ist, dass sich die Situation w\u00e4hrend meiner Ausbildung auch noch zugespitzt hat.<\/p>\n<p><strong>Kannst du vielleicht nochmal genauer auf die Forderungen der Auszubildenden, Praktikantinnen und Praktikanten eingehen?<\/strong><\/p>\n<p>In diesem ersten Schritt fordern die Auszubildenden pauschal 100 Euro monatlich mehr Geld. Des Weiteren eine Erh\u00f6hung der Urlaubstage von 28 auf 30 Tage, sowie eine garantierte und unbefristete \u00dcbernahme. Allerdings liegen den Auszubildenden auch die Arbeitsbedingungen sehr am Herzen. Gerade die Ausbildung leidet sehr unter der schlechten Personalsituation, weswegen 10% sogenannte Praxisanleitung verbindlich in jedem Einsatz auf Station und eine ein Lehrer-Sch\u00fcler-Verh\u00e4ltnis von 1:15 gew\u00fcnscht ist.<\/p>\n<p><strong>Ich habe geh\u00f6rt, dass auch aus den Berufsschulen Leute zum Streik gekommen sind. Wie sch\u00e4tzt du die Beteiligung der jungen Belegschaften und Auszubildenden bei diesem Streik ein?<\/strong><\/p>\n<p>Genau wie bei den Examinierten ist auch bei den Auszubildenden noch Luft nach oben, was die Streikbeteiligung angeht. Examenssch\u00fcler oder Azubis in der Probezeit sind verst\u00e4ndlicherweise einem besonderen Druck ausgesetzt. Sollte es zu Streiks f\u00fcr eine bessere personelle Ausstattung der Hamburger Krankenh\u00e4user kommen, wird auch die Resonanz bei den jungen Besch\u00e4ftigten hoch sein.<\/p>\n<p><strong>Wie ist die Stimmung unter den Streikenden?<\/strong><\/p>\n<p>Um es kurz zu machen: Die Stimmung unter den Streikenden ist super. Jeder der hier ist, wei\u00df wof\u00fcr er hier ist und kann auch stolz auf sich sein, trotz der Einsch\u00fcchterungen der Arbeitgeber heute hier zu sein.<\/p>\n<p><strong>Noch war es nur der Warnstreik. Denkst du, dass es nach dem 3. Mai zu weiteren Streiks kommen wird?<\/strong><\/p>\n<p>Das kann man kaum prophezeien. Es h\u00e4ngt davon ab, was der Arbeitgeber am 03. Mai anbietet. Mit einem Abschluss unterhalb des \u00d6D wird sich wohl niemand zufrieden geben.<\/p>\n<p><strong>Der Arbeitgeber hat bereits zu Ma\u00dfnahmen wie einseitigen Notdienstverpflichtungen gegriffen, um gegen euren Streik vorzugehen. Wie sch\u00e4tzt ihr die Verhandlungsbereitschaft von Asklepios ein?<\/strong><\/p>\n<p>Die Verhandlungsbereitschaft sch\u00e4tze ich wie \u00fcblich sehr gering ein. Der Arbeitgeber geht ein hohes Risiko ein in dem er keine Notdienstvereinbarung mit ver.di abschlie\u00dft. Und an den illegalen &#8222;Notdienstverpflichtungen&#8220;, welche der AG am Vortage des Streiks an Mitarbeiter verschickte, sieht man, dass die Angst vorhanden ist und wir an den richtigen Stellen ansetzen.<\/p>\n<p><strong>Soweit ich wei\u00df soll es auch Verhandlungen und Streiks zur Personalbemessung an Hamburger Krankenh\u00e4usern geben. Welche Belegschaften betrifft das? Wie sch\u00e4tzt du das Potenzial von solchen Streiks ein?<\/strong><\/p>\n<p>Im Gegensatz zu dieser Entgeltrunde, die nur f\u00fcr die Krankenh\u00e4user des KAH gilt, bestehen Bestrebungen Tarifvertr\u00e4ge f\u00fcr Entlastung\/ Personalbemessung in mehreren anderen Hamburger Krankenh\u00e4usern zu etablieren. Ver.di h\u00e4lt \u00fcbergreifende Streiks f\u00fcr Entlastung in den Hamburger H\u00e4usern noch in diesem Jahr f\u00fcr m\u00f6glich. Das Potential dieses Themas halte ich f\u00fcr extrem gro\u00df. Seit Jahren sagen viele Kollegen, dass ein h\u00f6heres Gehalt nicht mehr das wichtigste ist. Die Pflegenden in Deutschland wollen nicht mehr unter diesen Bedingungen arbeiten. Somit k\u00f6nnten Streiks f\u00fcr mehr Personal extrem mobilisieren und h\u00e4tten damit ein riesiges Potential. Essentiell ist der Abschluss einer Notdienstvereinbarung nach Berliner Vorbild. Dort musste der Arbeitgeber mit einer Vorlaufzeit von zum Teil 7 Tagen, je nach Streikbereitschaft eines Teams, bis zu 100% der Betten einer Station schlie\u00dfen. So wurden keine Patienten gef\u00e4hrdet und die Mitarbeiter konnten guten Gewissens streiken. Der KAH hat sich bis jetzt geweigert so eine Vereinbarung mit ver.di abzuschlie\u00dfen und riskiert damit die Versorgung der Patienten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Interview mit Yannick D\u00f6lling, Krankenpfleger am AK Altona<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":32854,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[14],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/32852"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=32852"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/32852\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":32855,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/32852\/revisions\/32855"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/32854"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=32852"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=32852"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=32852"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}