{"id":32763,"date":"2016-04-18T16:51:04","date_gmt":"2016-04-18T14:51:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=32763"},"modified":"2016-04-18T16:51:04","modified_gmt":"2016-04-18T14:51:04","slug":"das-verbot-sexistischer-werbung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2016\/04\/das-verbot-sexistischer-werbung\/","title":{"rendered":"Das Verbot sexistischer Werbung"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/sexismus1-e1460991020938.jpg\" rel=\"attachment wp-att-32764\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-32764\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/sexismus1-e1460991020938-280x173.jpg\" alt=\"sexismus1\" width=\"280\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/sexismus1-e1460991020938-280x173.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/sexismus1-e1460991020938-162x100.jpg 162w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/sexismus1-e1460991020938-560x347.jpg 560w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/sexismus1-e1460991020938-534x330.jpg 534w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/sexismus1-e1460991020938.jpg 580w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a>oder: Deutsche Frauenrechtler wollen ihr Eis mit Br\u00fcsten<\/p>\n<p>Selten hat es in den offiziellen Kan\u00e4len der Marketingbranche solch einen Sturm der Entr\u00fcstung gegeben. Selten haben sich auch die Sprachrohre der Werbeindustrie so deutlich zu Wort gemeldet. Das tun sie vor allem dann, wenn sie um ihr Geld f\u00fcrchten m\u00fcssen. Und sie ziehen ins Feld, alle gemeinsam, und r\u00fcsten f\u00fcr den Widerstand.<\/p>\n<p><em>Ein Kommentar von Ren\u00e9 Kiesel, Berlin<\/em><\/p>\n<p>Der\u00a0Gesamtverband Kommunikationsagenturen werde laut seines Gesch\u00e4ftsf\u00fchrers Ralf N\u00f6cker\u00a0&#8222;entschlossen dagegen vorgehen, eine weitere sinnlose Freiheitseinschr\u00e4nkung zu akzeptieren.&#8220;\u00a0Fast k\u00f6nnte der Eindruck entstehen, dass es um die Enteignung ihrer Betriebe geht, doch es kommt noch schlimmer: Justizminister Heiko Maas (SPD) hat angek\u00fcndigt, eine Gesetzesnovelle vorzulegen, in der diskriminierende Werbung eingeschr\u00e4nkt werden soll. Werbetreibende f\u00fcrchten nun um ihr Recht, ihre Produkte mit der nackten Haut von Frauen pr\u00e4sentieren zu d\u00fcrfen.<\/p>\n<h4>\u201eDeutschland hat ein modernes Frauenbild!\u201c<\/h4>\n<p>Im Allgemeinen wird kein Zusammenhang mit den Silvestereignissen gesehen und daher sei eine Einschr\u00e4nkung der Werbung \u00fcberhaupt nicht notwendig. So sagte Manfred Parteina, Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer des\u00a0Zentralverbandes der deutschen Werbewirtschaft (ZAW):\u00a0&#8222;Die SPD-Verbotspl\u00e4ne ignorieren, dass Deutschland ein modernes Geschlechterbild hat, das gerade auch die Werbung immer wieder zeigt. \u00dcber gesetzliche Werbeverbote ein neues Geschlechterbild zu verordnen, geht an den Fakten vorbei: Die B\u00fcrger brauchen nicht den Staat, damit er ihnen Werbebilder vorsortiert und vorschreibt.&#8220;\u00a0Das schlagende Argument ist nat\u00fcrlich, dass die T\u00e4ter vor allem Migranten waren und daher vom r\u00fcckschrittlichen Frauenbild in ihrem Kulturkreis gepr\u00e4gt waren und nicht von der deutschen Werbung.\u00a0Die logische Schlussfolgerung kann also nur sein: lasst die ausl\u00e4ndischen M\u00e4nner mehr deutsche Werbung sehen, damit sie fortschrittlicher werden.<\/p>\n<p>Das klappt bei deutschen M\u00e4nnern seit Jahrzehnten wunderbar. In einer Studie, die die Agentur der Europ\u00e4ischen Union f\u00fcr Grundrechte (FRA) \u00a02014 in den 28 EU-Mitgliedsstaaten erhob,\u00a0gaben\u00a033% aller Frauen an seit\u00a0dem 15. Lebensjahr sexuelle oder k\u00f6rperliche Gewalt durch ihren Partner oder eine andere Person erfahren zu haben. Deutschland liegt mit 35% sogar noch \u00fcber dem Durchschnitt. Wenn wir jetzt eine einfache Berechnung durchf\u00fchren und uns an die Zahlen des statistischen Bundesamtes halten, gab es zum Zeitpunkt der Erhebung etwa 30,5 Millionen Frauen, die \u00e4lter als 14 Jahre waren. Das bedeutet, dass ungef\u00e4hr 10,5 Millionen Frauen physische Gewalt in der einen oder anderen Weise erfahren haben.\u00a0 Die Dunkelziffer liegt sehr wahrscheinlich h\u00f6her und es mag je nach Sozialisierung unterschiedlich aufgefasst werden, wo Gewalt beginnt und was noch &#8222;normal&#8220; ist. Also Drohgeb\u00e4rden im Supermarkt zum Beispiel, wenn das Kind nervt und die Frau die falsche Zigarettenmarke auf das Band packt. Es wird ja nicht wirklich zugeschlagen. Daher k\u00f6nnen diese Zahlen nur ein ungef\u00e4hres Bild vermitteln.<\/p>\n<p>Noch einmal die Zahl: zehneinhalb Millionen Frauen. Zweieinhalb Mal die Stadt Berlin, vier Mal die Stadt Hamburg\u00a0oder\u00a0das gesamte Bundesland Baden-W\u00fcrttemberg. Und jetzt zur\u00fcck zu Manfred Parteina vom ZAW:\u00a0&#8222;Es geht aktuell um einen geplanten Missbrauch des Wettbewerbsrechts f\u00fcr Werbezensur. Aber kein Werbeverbot kann das Fehlverhalten von Einzelnen oder Gruppen verhindern. Das gilt auch f\u00fcr die schlimmen Vorf\u00e4lle in der Silvesternacht in K\u00f6ln und anderen St\u00e4dten, die der ZAW aufs Sch\u00e4rfste verurteilt.&#8220;\u00a0Sicher l\u00e4sst sich eine Debatte darum f\u00fchren, wie die Ereignisse in K\u00f6ln zu verhindern gewesen w\u00e4ren. Sie darf\u00a0an dem Fehlverhalten der politisch Verantwortlichen und Einsatzleitung der Polizei in dieser Nacht nicht vorbei gehen. Dass aber die Verdinglichung von Frauenk\u00f6rpern als Werbefl\u00e4che, oft mit Andeutungen physischer oder sexueller Gewalt, eine Auswirkung auf die Gesellschaft hat, scheint den Werbeleuchten entgangen zu sein.Vor allem\u00a0wie sehr durch diese Darstellung in den Medien die Hemmschwelle f\u00fcr tats\u00e4chliche Gewalt sinkt, die viel mehr mit Machtaus\u00fcbung und Z\u00fcchtigung der Frau zu tun hat, als beispielsweise mit \u201em\u00e4nnlichen Trieben\u201c, was oft als Rechtfertigung genutzt wird. Statt gesellschaftlicher Ver\u00e4nderung, bekommen wir von selbsternannten Experten eine ungenie\u00dfbare neoliberale Br\u00fche serviert.<\/p>\n<p>Was w\u00fcrde also Benedikt Holtappels, CEO der GGH MullenLowe GmbH empfehlen?\u00a0&#8222;Ich w\u00fcrde jede Initiative unterst\u00fctzen, die mehr Frauen in\u00a0F\u00fchrungsetagen bringt,\u00a0gl\u00e4serne Decken durchst\u00f6\u00dft und junge Frauen ermuntert, in sogenannte M\u00e4nnerdom\u00e4nen\u00a0vorzudringen.&#8220;\u00a0Seine Firma kreiert sehr erfolgreiche Werbekampagnen f\u00fcr Ikea und e.on, aber auch die &#8222;Rechts gegen Rechts&#8220;-Kampagne von EXIT-Deutschland zum Beispiel.<\/p>\n<p>Fassen wir die Haltung der Werbeindustrie zusammen:<\/p>\n<ol>\n<li>Deutschland hat kein Problem mit dem hier vermittelten Frauenbild<\/li>\n<li>In Deutschland gibt es kein Problem mit sexistischer Gewalt<\/li>\n<li>Ein Werbeverbot h\u00e4tte K\u00f6ln nicht gehindert<\/li>\n<li>K\u00f6ln\u00a0h\u00e4tte nicht verhindert werden k\u00f6nnen, da alles Ausl\u00e4nder waren<\/li>\n<li>Eine\u00a0Pr\u00e4gung durch Medien und Werbung gibt es gar nicht<\/li>\n<li>Jede Frau ist ihres Gl\u00fcckes Schmiedin<\/li>\n<\/ol>\n<p>Um den Brechreiz zu komplettieren, geben wir noch einen Albert Duin, Landessprecher der FDP-Bayern dazu:\u00a0&#8222;1968 haben die Linken gegen die spie\u00dfige Sexualmoral gek\u00e4mpft, heute k\u00e4mpft Heiko Maas gegen nackte Haut auf Litfa\u00dfs\u00e4ulen. Sexismus ist ein gesellschaftliches Problem, das der Staat nicht durch Verbote l\u00f6sen kann. Maas leistet mit seinem Vorschlag nur einer neuen Pr\u00fcderie Vorschub. Zur Meinungsfreiheit geh\u00f6rt auch das Recht, sich mit unpassender Werbung zu blamieren.&#8220;\u00a0Der Bundesvorsitzende der Liberalen Christian Lindner attackierte Heiko Maas f\u00fcr dessen Vorsto\u00df. Der Gleiche Lindner stellte sich vor zwei Jahren hinter seinen Vorg\u00e4nger Rainer Br\u00fcderle, dessen aufdringliches Verhalten gegen\u00fcber einer Journalistin und weiteren Frauen eine bundesweite Debatte ausl\u00f6ste. F\u00fcr die Liberalen\u00a0gibt es offensichtlich ein Grundrecht auf sexistische Werbung und grenz\u00fcberschreitende Ann\u00e4herungsversuche.<\/p>\n<p>An dieser Stelle halten wir fest, dass es schon ganz sch\u00f6n dreist ist, uns f\u00fcr so dumm zu halten, dass wir den Schei\u00df nicht merken w\u00fcrden, der hier abl\u00e4uft.<\/p>\n<h4>Neuer Deutscher Feminismus<\/h4>\n<p>Die \u00dcbergriffe und Gewalt gegen Frauen in der Silvesternacht in K\u00f6ln waren auf so vielen Ebenen schockierend. Dass es \u00fcberhaupt passierte. Das Ausma\u00df. Dass die Polizei nichts gewusst haben will. Dass sich niemand daf\u00fcr verantwortlich zeigte. Noch w\u00e4hrend wir nach Worten rangen, um das\u00a0Geschehene zu erfassen und eine Antwort darauf zu formulieren, wussten wir ganz genau, was passieren wird. Die Rechten jeglicher F\u00e4rbung werden es f\u00fcr ihre Propaganda nutzen. Wie nach Charlie Hebdo h\u00f6rten wir schon das Heulen der rassistischen Hy\u00e4nen direkt hinter der T\u00fcr. Nicht zuletzt sorgte der anschlie\u00dfende massive rassistische Angriff daf\u00fcr, dass die Diskussion nicht mehr um die Betroffenen und den Sachverhalt ging. Und der Angriff kam von Rechtsau\u00dfen bis zur viel beschworenen Mitte der Gesellschaft, denn jetzt ging es um &#8222;unsere&#8220; Kultur, unsere aufgekl\u00e4rte christlich-abendl\u00e4ndische Gesellschaft, unsere Werte. Gl\u00fccklicherweise fanden Tausende in K\u00f6ln ihre Stimme schnell wieder und stellten sich mit Demonstrationen gegen Sexismus, Rassismus und seine gesellschaftlichen Ursachen.<\/p>\n<p>Doch der Damm war gebrochen. Lutz Bachmann posierte mit T-Shirts, auf denen stand &#8222;Rapefugees not welcome&#8220;, Erika Steinbach twitterte das Ende unserer offenen Gesellschaft herbei. In verschiedenen Intonationen wurde von f\u00fchrenden Mitgliedern der AfD ein Drohszenario aufgebaut: das sei nur ein Vorgeschmack, das seien Zust\u00e4nde wie nach dem Krieg, das Ende der deutschen Zivilisation sei nahe. Mit einem Mal entdeckten M\u00e4nner, von denen es vorher niemand f\u00fcr m\u00f6glich gehalten h\u00e4tte, ihre feministische Ader.<\/p>\n<p>Die Position der AfD k\u00f6nnte auch so zusammen gefasst werden:\u00a0&#8222;Wenn Frauen zuhause am Herd bleiben, passiert ihnen drau\u00dfen weniger.&#8220;\u00a0Wobei an dieser Stelle noch einmal ins Ged\u00e4chtnis gerufen werden muss, dass die eigenen vier W\u00e4nde f\u00fcr Frauen in Deutschland immer noch der gef\u00e4hrlichste Ort sind. Die Position der offener radikalen Rechten wie NPD, Die Rechte oder Pro NRW l\u00e4sst sich vielleicht wie folgt stereotyp wiedergeben:\u00a0&#8222;Bleib&#8216; mal sch\u00f6n zuhause Mandy, wir regeln das. Der Einzige, der dich hier anf\u00e4sst, bin ich.\u201c oder &#8222;Finger Weg von unseren Weibern. Deutsche Frauen zuerst f\u00fcr Deutsche.&#8220;<\/p>\n<p>Zum ebenfalls neu entdeckten Feminismus der SPD und dem Maas&#8217;schen Gesetzvorsto\u00df schreibt die AfD auf Facebook:<\/p>\n<p>&#8222;Zensur und Verbot von zu viel nackter Haut auf Werbeplakaten &#8211; das scheinen die Probleme unseres Justizministers zu sein, w\u00e4hrend der Verfassungsschutz zugibt, dass er den IS untersch\u00e4tzt hat, die Lage in Deutschland aufgrund der vielen Islamisten sehr gef\u00e4hrlich sei und ausl\u00e4ndische Clans das Leben in so mancher Stadt bestimmen.&#8220;<\/p>\n<p>Demnach geht es den deutschen Frauenfreunden dann doch zu weit, wenn sie keine Br\u00fcste mehr auf Plakaten sehen. Und \u00fcberhaupt sei das nur ein Zugest\u00e4ndnis an die schleichende Islamisierung. Ohne die gravierende Situation vieler Frauen auf der Welt in sogenannten islamischen L\u00e4ndern relativieren zu wollen, ist in der christlichen Welt mitnichten alles in Ordnung. Extreme Beispiele sind Russland, Polen, Irland und der Spanische Staat, in dem die abendl\u00e4ndische Kirche eine herausragende Rolle spielt und in der Frauenrechte mit F\u00fc\u00dfen getreten und fortw\u00e4hrend eingeschr\u00e4nkt werden. Die westliche Freiheit besteht also darin, dass Frauen ausziehen k\u00f6nnen, was sie wollen? Oder m\u00fcssen sie nicht eher ausziehen, was andere wollen, und aussehen, wie andere wollen, um \u00fcberhaupt Anerkennung zu bekommen? Ist das Freiheit? F\u00fcr Frauen sicher nicht. Aber auch f\u00fcr M\u00e4nner nicht.<\/p>\n<p>Was f\u00fcr ein trauriges Leben ist es, einer gesellschaftlichen Rolle gerecht werden zu m\u00fcssen, in der keine Gef\u00fchle gezeigt werden d\u00fcrfen und sich die Kinder und die Frau unter zu ordnen. Disziplinierung und Erziehung der Familie\u00a0werden an den Mann abgetreten. Auf physischer und psychischer Ebene. Warum? Damit sie untergeordnet bleiben, damit sie sich mit schlechteren Jobs zufrieden geben, damit sie nicht den Mund aufmachen. Und dann? Die M\u00e4nner stehen da, die L\u00f6hne werden schlechter, das Leben beschissener, sie stehen den Frauen gegen\u00fcber und denken, diese w\u00e4ren biologisch und emotional weniger f\u00e4hig und wert. Und hintenrum wird ein Klassensystem aufrecht erhalten, das beide Seiten in den Abgrund st\u00f6\u00dft. Es zerbricht dann, wenn beide Seiten gemeinsam Schulter an Schulter einen organisierten Kampf dagegen f\u00fchren.<\/p>\n<h4>Mehr oder weniger nackte Haut?<\/h4>\n<p>Dass die Rechten kein Orientierungspunkt f\u00fcr die L\u00f6sung der Frage nach sozialer Gleichheit von allen Menschen sind, ist deutlich geworden. Dass die SPD es auch nicht sein kann, wird dadurch klar, dass die Agenda 2010, Hartz-Gesetze, ma\u00dfgeblich von dieser Partei\u00a0vorgeschlagen, beschlossen\u00a0und\u00a0umgesetzt\u00a0wurden. Nicht erst die Schuldenbremse bei den Kommunen macht eine\u00a0bedarfsgerechte\u00a0soziale und psychologische Betreuung von Frauen in Notsituationen unm\u00f6glich. Sozialk\u00fcrzungen treffen vor allem Frauen.\u00a0In Folge der Weltwirtschaftskrise stieg die h\u00e4usliche Gewalt noch einmal erheblich in den am schwersten getroffenen L\u00e4ndern an.<\/p>\n<p>Sollte man deshalb gegen die gesetzliche Einschr\u00e4nkung diskriminierender Werbung sein? Mit Sicherheit nicht. Auch wenn es nicht der erfolgversprechendste Ansatzpunkt ist, sollte man sich nicht gegen eine potentielle Verbesserung der Situation in der Darstellung von Frauen stellen. Grundlegend kann gesagt werden, dass durch die Darstellung nackter Haut zu einem kommerziellen Zweck eine Vergegenst\u00e4ndlichung erfolgt, da der Inhalt nicht etwa die Betrachtung an sich ist, sondern eine Kaufentscheidung hervor rufen soll, also Warenaustausch statt \u00c4sthetik. Damit w\u00e4re auch die moralische Frage\u00a0ber\u00fchrt, wie viel Haut denn nun gut ist.\u00a0Es\u00a0sei nicht zu vergessen, dass es einer gesellschaftlichen Diskussion und Ver\u00e4nderung des heute\u00a0Akzeptierten bedarf. Denn die nicht-kommerzielle Darstellung von sexistischen Inhalten beispielsweise sollte nicht etwa mit Fortschrittlichkeit verwechselt werden, da auch in dem Fall ein bestimmtes Frauenbild vermittelt wird. Insgesamt sind moralische Schranken sehr elastisch, unterscheiden sich von Person zu Person und unterliegen vor allem dem wandelnden Einfluss ihrer gesellschaftlichen Umst\u00e4nde. Letztendlich kann es daher keine Schablone geben, sondern es muss von den Betroffenen selbst, von demokratisch gew\u00e4hlten Komitees und VertreterInnen der Frauenverb\u00e4nde entschieden werden, was sexistisch ist und was nicht. Das gilt im Bereich der Werbung ebenso wie f\u00fcr die gesamten Medienindustrie oder den Inhalt von Gesetzen.<\/p>\n<p>Wird ein solches Gesetz etwas \u00e4ndern? Vielleicht an einigen kleinen Stellen, falls das Gesetz jemals durchkommen wird. Aber die Frage, ob ein Werberat nach b\u00fcrgerlich-moralischen Gesichtspunkten handelnd, in der Lage sein wird, die gesellschaftliche Darstellung von Frauen grundlegend zu \u00e4ndern, kann getrost mit Nein beantwortet werden. Vielleicht k\u00f6nnte man sagen: &#8222;Glaube keinem sexistischen Plakat, das du nicht selbst entfernt hast.&#8220; Soll hei\u00dfen, dass Sexismus nur als gemeinsame Aktion bek\u00e4mpft werden kann. In der Schule, Uni und im Betrieb. Sei es eine Aufkl\u00e4rungskampagne, wie sie durch Gewerkschaften organisiert werden k\u00f6nnte. Sei es eine gemeinsame konkrete Aktion, um sexistische Werbung zu entfernen. Grundlegend wirft das aber die Frage auf: wer kontrolliert eigentlich, welche Bilder wo produziert werden und welches gesellschaftliche Bild dadurch vermittelt wird? Bis jetzt sind es private Produzenten, die m\u00f6glichst viel Geld damit machen wollen. Um es grundlegend zu ver\u00e4ndern, m\u00fcssen wir die Sachen selbst pr\u00fcfen und in die eigene Hand nehmen. Profitinteressen schaden uns &#8211; Frauen, M\u00e4nnern, Transmenschen, Tieren, Umwelt, allen. Und mal ganz ehrlich &#8211; wer brauch schon Werbung? Wenn wir weniger arbeiten w\u00fcrden, h\u00e4tten wir genug Zeit, uns ein genaueres Bild von Produkten zu machen. Wenn wir allerdings selbst entscheiden w\u00fcrden, was produziert wird, w\u00fcssten wir schon so viel besser Bescheid.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>oder: Deutsche Frauenrechtler wollen ihr Eis mit Br\u00fcsten<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":32764,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[78,31],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/32763"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=32763"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/32763\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":32765,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/32763\/revisions\/32765"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/32764"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=32763"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=32763"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=32763"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}