{"id":32608,"date":"2016-04-15T12:24:04","date_gmt":"2016-04-15T10:24:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=32608"},"modified":"2016-04-06T12:28:15","modified_gmt":"2016-04-06T10:28:15","slug":"kommunaler-wohnungsbau-bremst-mieten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2016\/04\/kommunaler-wohnungsbau-bremst-mieten\/","title":{"rendered":"Kommunaler Wohnungsbau bremst Mieten"},"content":{"rendered":"<p><em><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/seite_13_1.jpg\" rel=\"attachment wp-att-32609\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-32609\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/seite_13_1-280x151.jpg\" alt=\"seite_13_1\" width=\"280\" height=\"151\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/seite_13_1-280x151.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/seite_13_1-768x413.jpg 768w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/seite_13_1-560x301.jpg 560w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/seite_13_1-600x323.jpg 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/seite_13_1.jpg 1000w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a>Wien als Beispiel f\u00fcr eine andere Wohnungspolitik \u2013 Interview mit Irene M\u00f6tzl<\/em><\/p>\n<p><strong>Wien ist bekannt f\u00fcr den kommunalen Wohnungsbau. Welche Bedeutung hat dieser?<\/strong><\/p>\n<p>Wien hat ungef\u00e4hr 1,8 Millionen EinwohnerInnen. Etwa 500.000 leben im Gemeindebau. Die Gemeindebauten sind \u00fcber die gesamte Stadt verteilt. Zwar vermehrt in gr\u00f6\u00dferen Arbeiterbezirken, aber es entstehen dadurch keine besonders einkommensarmen Stadtteile.<\/p>\n<p><strong>Was ist die Historie des Wiener Gemeindebaus?<\/strong><\/p>\n<p>Wien wuchs im Zuge der Industrialisierung zwischen 1840 und 1918 von 440.000 auf zwei Millionen EinwohnerInnen an. Die Folge waren extrem hohe Mieten (vierzig bis f\u00fcnfzig Prozent eines Arbeiterlohns) und extrem schlechte Wohnverh\u00e4ltnisse. Die Wohnfrage war daher von Beginn an ein zentrales Thema der erstarkenden Arbeiterbewegung. In \u00d6sterreich gab es nach dem\u00a0Ersten Weltkrieg wie in Deutschland eine Revolution und die R\u00e4tebewegung war in \u00d6sterreich mit Ende des 1. Weltkrieges zu einer ernsthaften Bedrohung der kapitalistischen Verh\u00e4ltnisse geworden. Die Sozialdemokratie, die damals noch eine Arbeitermassenpartei war, nutzte die Angst des B\u00fcrgertums, um in Wien weitreichende Reformen umzusetzen.<\/p>\n<p><strong>Von 1923 an wurden innerhalb von zehn Jahren 65.000 neue Gemeindewohnungen errichtet. Wie konnte das erreicht werden?<\/strong><\/p>\n<p>Zun\u00e4chst wurde die Beibehaltung des, w\u00e4hrend des Krieges tempor\u00e4r eingef\u00fchrten, Mieterschutzes durchgesetzt. Damit konnten MieterInnen kaum gek\u00fcndigt, und Mieten nicht erh\u00f6ht werden. Wegen der hohen Inflation nach dem Krieg und zus\u00e4tzlichen Immobiliensteuern brach der Immobilienmarkt praktisch zusammen. Die Stadt konnte daher sehr g\u00fcnstig Grundst\u00fccke kaufen. Eine stadteigene Baufirma, Baustofflieferanten und Transportm\u00f6glichkeiten senkten die Errichtungskosten auf ein Minimum. Zur Finanzierung wurden zus\u00e4tzlich hohe Luxussteuern erhoben \u2013 sie brachten circa 35 Prozent aller Steuereinnahmen.<\/p>\n<p><strong>Wie hoch waren die Mieten damals?<\/strong><\/p>\n<p>Da sie nur die laufenden Kosten decken mussten, mit circa 4 Prozent eines durchschnittlichen Arbeiterlohnes, sehr niedrig.<\/p>\n<p><strong>Gab es\u00a0in\u00a0Wien\u00a0Versuche den Gemeindebau zu privatisieren?<\/strong><\/p>\n<p>Nein, bisher hat sich das noch niemand getraut.<\/p>\n<p><strong>Hei\u00dft das, dass der Gemeindebau in Wien als gro\u00dfe erk\u00e4mpfte Errungenschaften gesehen wird, den sich niemand anzur\u00fchren traut?<\/strong><\/p>\n<p>Das k\u00f6nnte man so sagen \u2013 auch wenn das Bewusstsein \u00fcber die K\u00e4mpfe der Arbeiterbewegung etwas versch\u00fcttet wurde, werden die Gemeindebauten als unantastbares Kulturgut betrachtet. Das Bed\u00fcrfnis nach leistbarem Wohnraum tut das \u00dcbrige.<\/p>\n<p><strong>Hat die prokapitalistische Poltik der SP\u00d6 und der anderen etablierten Parteien die Verh\u00e4ltnisse im Gemeindebau auf andere Art verschlechtert?<\/strong><\/p>\n<p>In den 1990er Jahren wurden kaum noch Gemeindebauten errichtet. Danach gab es einen kompletten Baustop. Die Folge sind 30.000 Menschen die auf eine (gr\u00f6\u00dfere) Wohnung warten und eine Zunahme an \u00fcberbelegten Wohnungen. Durch zus\u00e4tzlichen Sozialabbau nimmt der Druck auf lohnabh\u00e4ngige Menschen stark zu und es kommt vermehrt zu Konflikten im Gemeindebau. Zudem sind die Mieten hier in den letzten Jahren extrem gestiegen.<\/p>\n<p><strong>Wie ist die Wohn- und Mietsituation in Wien heutzutage im Vergleich zu anderen europ\u00e4ischen Gro\u00dfst\u00e4dten?<\/strong><\/p>\n<p>Die Gemeindebauten wirken sicher d\u00e4mpfend auf die Mieten in Wien. Trotzdem betr\u00e4gt die Miete f\u00fcr neu Einziehende im Gemeindebau schon neun bis zehn Euro pro Quadratmeter. Vor zwanzig Jahren war es fast die H\u00e4lfte. Das mittlere Nettoeinkommen liegt bei circa 1500 Euro. Ein gro\u00dfes Problem am privaten Wohnungsmarkt sind befristete und \u00fcberteuerte Mieten. Sie sind hier um durchschnittlich 62 Prozent h\u00f6her als erlaubt w\u00e4re. Das neoliberale Mietrecht arbeitet hier Vermietern zu.<\/p>\n<p><strong>Was ist n\u00f6tig um den Gemeindebau wieder zu dem zu machen, was er urspr\u00fcnglich mal war?<\/strong><\/p>\n<p>Mieten m\u00fcssen wieder leistbar werden, alte Bauten saniert und mehrere tausend neue Wohnungen gebaut werden. Daf\u00fcr br\u00e4uchte es eine massive Umverteilung aber auch Baufirmen im \u00f6ffentlichen Eigentum. So etwas kann nur durch eine starke und k\u00e4mpferische Bewegung von ArbeitnehmerInnen, Jugendlichen und Erwerbslosen durchgesetzt werden. Die gilt es aufzubauen!<\/p>\n<p><em>Irene M\u00f6tzl, Mitglied der Sozialistischen Linkspartei (SLP) aus Wien. Sie arbeitet im Wohnservice Wien und ist dort Betriebsr\u00e4tin. Das Interview f\u00fchrte Ursel Beck.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wien als Beispiel f\u00fcr eine andere Wohnungspolitik<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":32609,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[272],"tags":[762],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/32608"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=32608"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/32608\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":32610,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/32608\/revisions\/32610"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/32609"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=32608"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=32608"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=32608"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}