{"id":32605,"date":"2016-04-22T12:19:08","date_gmt":"2016-04-22T10:19:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=32605"},"modified":"2016-04-06T12:28:52","modified_gmt":"2016-04-06T10:28:52","slug":"psychiatrie-pepp-gestoppt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2016\/04\/psychiatrie-pepp-gestoppt\/","title":{"rendered":"Psychiatrie: PEPP gestoppt"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/protest_gegen_pepp.jpg\" rel=\"attachment wp-att-32606\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-32606\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/protest_gegen_pepp-230x173.jpg\" alt=\"protest_gegen_pepp\" width=\"230\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/protest_gegen_pepp-230x173.jpg 230w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/protest_gegen_pepp-462x347.jpg 462w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/protest_gegen_pepp-600x450.jpg 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/protest_gegen_pepp.jpg 666w\" sizes=\"(max-width: 230px) 100vw, 230px\" \/><\/a>Geplantes Entgeltsystem zur\u00fcckgezogen<\/strong><\/p>\n<p>Seit Einf\u00fchrung der Fallpauschalen (DRGs) 2014 wird in Deutschlands Krankenh\u00e4usern der Preis der Gesundheit eines Menschen mehr als jemals zuvor als eine Ware behandelt.<\/p>\n<p><em>von Sebastian F\u00f6rster, Dortmund<\/em><\/p>\n<p>Bekamen Kliniken fr\u00fcher Geld f\u00fcr jeden Behandlungstag, so bekommen sie heute je nach Diagnose und Schweregrad der Erkrankung pauschal eine bestimmte Summe zur Behandlung der betroffenen PatientInnen \u2013 die sogenannte Fallpauschale.<\/p>\n<p>Die Pauschalen haben zu einem versch\u00e4rften Wettbewerb zwischen den Kliniken um finanziell lukrative Diagnosen gef\u00fchrt. Das Ergebnis sind immer k\u00fcrzere Behandlungszeitr\u00e4ume, die dann als neue Standards den Behandlungspreis auf dem Markt bestimmten. Umso k\u00fcrzer die Verweildauer, umso mehr F\u00e4lle kann ein Krankenhaus behandeln und abrechnen. Auf Kosten der PatientInnen nat\u00fcrlich.<\/p>\n<h4>Entgeltpauschalen auch in der Psychiatrie?<\/h4>\n<p>Das System der DRGs sollte nach einem Beschluss der Bundesregierung von 2009 auch auf den Bereich Psychiatrie und Psychosomatik \u00fcbertragen werden.<\/p>\n<p>Ein neues Entgeltsystem wurde entwickelt, das sogenannte &#8222;Pauschalierende Entgeltsystem fu\u0308r Psychiatrie und Psychosomatik&#8220; (PEPP). Ab 2013 konnte PEPP auf freiwilliger Basis eingefu\u0308hrt werden, ab 2017 w\u00e4re es Pflicht gewesen.<\/p>\n<p>Bisher gilt mit der Psychiatrie-Personalverordnung (PsychPV) eine gesetzliche Personalbemessung \u2013 etwas, dass von GewerkschafterInnen grunds\u00e4tzlich auch f\u00fcr andere Bereiche der Pflege gefordert wird.<\/p>\n<p>Die Einf\u00fchrung von PEPP h\u00e4tte hier einen R\u00fcckschritt in der psychiatrischen Therapie und Versorgung bedeutet. Jede erbrachte Leistung, die nicht mit den festen diagnosebezogenen Entgelten codiert werden kann, wird auch nicht abgerechnet und in Folge auch nicht mehr erbracht. Erwartet wurde ein Abbau von Leistungen und Personal sowie ein sch\u00e4rferer Wettbewerb zwischen den Kliniken.<\/p>\n<p>Dagegen liefen Berufsverb\u00e4nde und ver.di Sturm. Nicht zuletzt auch die katastrophalen Folgen der Umsetzung der DRGs waren den Aktiven eine Warnung, in welche Richtung es gehen kann.<\/p>\n<h4>Widerstand lohnt sich!<\/h4>\n<p>Die geplante Einfu\u0308hrung hat zu massiven Protesten, zu Petitionen und zahlreichen Demonstrationen gegen die Bundesregierung gef\u00fchrt. Auch Fachverba\u0308nde, etliche Klinikleitungen und Psychiatrieerfahrene brachten sich in die Diskussion ein und forderten die Bundesregierung auf, PEPP zu stoppen. ver.di beispielsweise verlangte, stattdessen die Psych-PV beizubehalten und zugunsten des festzustellenden Bedarfs von PatientInnen und Pflegepersonal zu optimieren.<\/p>\n<p>Am 18. Februar 2016 schlie\u00dflich konnte erreicht werden, dass das Bundesministerium f\u00fcr Gesundheit einen Gro\u00dfteil der Forderungen der Fachverb\u00e4nde in ein Eckpunktepapier f\u00fcr ein neues Entgeltsystem aufnimmt.<\/p>\n<p>Statt einem Preissystem soll nun ein Budgetsystem in einem neuen Gesetz verankert werden. Die Eckpunkte beinhalten auch eine Umsetzung verbindlicher Mindestvorgaben zur Personalausstattung der Kliniken. Das B\u00fcndnis &#8222;PEPP muss weg\u201c warnt jedoch, dass im Zeitraum vom 1.1.2019 bis zum 1.1.2020, also wenn die PsychPV abgeschafft wird und der Nachfolger in Kraft tritt, die Gefahr besteht, dass die bisherigen Vorgaben unterschritten werden und es wieder zu Personalabbau kommt.<\/p>\n<p>Die sogenannten Kalkulationsh\u00e4user sollen die Psychiatrie-Personalverordnung zu hundert Prozent umsetzen. Dies ist nur in den wenigsten Einrichtungen gegeben. Richtig w\u00e4re zu fordern, dass alle Kliniken die Personalvorgaben zu hundert Prozent einhalten und entsprechend mehr Personal f\u00fcr eine bessere Behandlung, Pflege und Versorgung einstellen.<\/p>\n<p>\u00d6konomisierung, K\u00fcrzungen und Privatisierungen, Outsourcing und der Personalmangel in Kliniken treffen alle in der Pflege Arbeitenden hart. So ist es kein Wunder, dass es ausgerechnet die Besch\u00e4ftigten im Gesundheitswesen sind, die aufgrund der Verschlechterungen und der emotionaler Belastung, am ha\u0308ufigsten selber psychisch erkranken.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist Geld und mehr Personal nicht alles und das psychiatrische Versorgungssystem noch weit entfernt davon, angemessene Hilfen f\u00fcr all die psychisch erkrankten Menschen bereitzustellen, die diese ben\u00f6tigen.<\/p>\n<p>Nichtsdestotrotz ist die Verhinderung von PEPP als Preissystem ein wichtiger Erfolg, an dem es in Zukunft anzukn\u00fcpfen gilt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geplantes Entgeltsystem zur\u00fcckgezogen<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":32606,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[14],"tags":[762],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/32605"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=32605"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/32605\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":32607,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/32605\/revisions\/32607"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/32606"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=32605"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=32605"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=32605"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}