{"id":32358,"date":"2016-03-08T11:16:06","date_gmt":"2016-03-08T10:16:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=32358"},"modified":"2016-03-02T14:02:42","modified_gmt":"2016-03-02T13:02:42","slug":"lute-como-uma-menina","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2016\/03\/lute-como-uma-menina\/","title":{"rendered":"\u201eLute como uma menina\u201c"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/jane2.jpg\" rel=\"attachment wp-att-32359\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-32359\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/jane2-280x158.jpg\" alt=\"jane brasilien\" width=\"280\" height=\"158\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/jane2-280x158.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/jane2-768x432.jpg 768w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/jane2-560x315.jpg 560w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/jane2-600x338.jpg 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/jane2.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a><strong>\u201eK\u00e4mpfen wie ein M\u00e4dchen!\u201c \u2013 Interview zu Frauenk\u00e4mpfen in Brasilien<\/strong><\/p>\n<p>Proteste gegen die WM, Geb\u00fchren im Nahverkehr, LGBT-Proteste, Streikbewegungen, Schulproteste, Massenbesetzungen und R\u00e4tebildung durch landlose Arbeiter, der \u201eBrasilianische Fr\u00fchling\u201c 2013 &#8211; in Brasilien fanden in den letzten Jahren die gr\u00f6\u00dften Massenbewegungen seit Jahrzehnten statt. An den Protesten beteiligten sich besonders viele Frauen. Es entwickelten sich Bewegungen wie \u201eMulheres em Luta\u201c (Frauen im Kampf), die den Kampf gegen die Unterdr\u00fcckung der Frau und gegen den Kapitalismus verbinden.<\/p>\n<p>Auch in der PSOL (Partei Sozialismus und Freiheit) gab es Auseinandersetzungen um die politische Rolle der Frauen, der linke Fl\u00fcgel der Partei erk\u00e4mpfte eine Frauenkommission, die eng verbunden ist mit den K\u00e4mpfen der Frauen auf der Stra\u00dfe. Wir sprachen mit Jane Barros. Sie ist Mitglied im Bundesvorstand der PSOL und der nationalen Frauenkommission der Partei.<\/p>\n<p><strong>Du bist aktiv in der Frauenkommission der PSOL. Was macht diese Kommission?<\/strong><\/p>\n<p>Dass es die Frauenkommission in der PSOL gibt, war ein Erfolg der Parteilinken. Die jetzige F\u00fchrung versucht mit allen Mitteln diese Anstrengungen zu deckeln. In der Kommission diskutieren und organisieren wir die Frauenarbeit der PSOL. Wir ver\u00f6ffentlichen Material, aber vor allem greifen wir in Klassenk\u00e4mpfe ein und bringen uns aktiv in die politische Schulung ein. In dem Zusammenhang spielen wir eine gro\u00dfe politische Rolle f\u00fcr die ganze Partei.<\/p>\n<p><strong>Wieso ist eine Frauenkommission in der jetzigen Phase wichtig f\u00fcr die Arbeit der Partei?<\/strong><\/p>\n<p>In der brasilianischen Gesellschaft ist die Unterdr\u00fcckung der Frau sehr ausgepr\u00e4gt. Sexismus und Machismus nehmen brutale Formen an. Alle zwei Stunden wird eine Frau umgebracht. Der Lohnunterschied ist noch h\u00f6her als in Europa, dazu kommt die rassistische Diskriminierung bei der Bezahlung. Eine schwarze Frau verdient im Durchschnitt siebzig Prozent weniger als ein wei\u00dfer Mann. Generell haben Frauen mit allen ihren Aufgaben im Job und Zuhause den doppelten oder dreifachen Arbeitstag im Vergleich zu M\u00e4nnern. Ein anderes Beispiel sind die Gewerkschaften. In manchen Gewerkschaften, wie die der Lehrer oder Krankenhausbesch\u00e4ftigten sind bis zu neunzig Prozent der Mitglieder weiblich. Trotzdem besteht die F\u00fchrung oftmals nur aus M\u00e4nnern. Auf all das wollen wir politische Antworten geben und dagegen Widerstand organisieren. Dazu geh\u00f6rt auch, ein Bewusstsein unter Frauen daf\u00fcr zu schaffen, die eigene Unterdr\u00fcckung nicht mehr als \u201enormal\u201c zu betrachten, sondern dagegen anzuk\u00e4mpfen.<\/p>\n<p><strong>In Deutschland verbreiten Politik und Medien gerade die fremdenfeindliche Einstellung, Religion und vor allem der Islam und seine spezifischen Eigenschaften seien der Grund f\u00fcr Frauenunterdr\u00fcckung. Nun ist Brasilien kein muslimisches Land, sondern katholisch &#8230;<\/strong><\/p>\n<p>\u2026 tats\u00e4chlich ist Brasilien kein haupts\u00e4chlich katholisches Land mehr. Die zumeist evangelikalen Pfingstkirchen haben sehr viel Einfluss gewonnen.<\/p>\n<p><strong>Gut, auch diese verstehen sich ja als Vertreter des Christentums. Aber trotzdem: was ist der eigentliche Grund f\u00fcr die Unterdr\u00fcckung der Frau in Brasilien?<\/strong><\/p>\n<p>Die Unterdr\u00fcckung der Frau ist untrennbar verkn\u00fcpft mit dem Entwicklungsstadium des brasilianischen Kapitalismus. Brasilien ist ein \u00f6konomisch abh\u00e4ngiges und peripheres Land und braucht eine Schicht besonders ausgebeuteter Arbeiterinnen und Arbeiter, um seine Profitrate beizubehalten. Die schw\u00e4chsten Schichten der Arbeiterklasse werden unter dem Mindestlohn bezahlt und die Frauenunterdr\u00fcckung wird genutzt, um Frauen in dieser Position zu halten.<\/p>\n<p><strong>Was sind wichtige Kampagnen die ihr in eurer Frauenarbeit gemacht habt?<\/strong><\/p>\n<p>Eine sehr wichtige Kampagne der PSOL ist der Kampf gegen den Abbau von Krippenpl\u00e4tzen. Au\u00dferdem haben wir uns an einer gro\u00dfen landesweiten Kampagne beteiligt um das Recht auf Abtreibung zu verteidigen. Unser Abgeordneter Jean Wyllys hat einen Gesetzentwurf eingebracht, um Abtreibung zu legalisieren. Gerade ist Abtreibung nur in spezifischen F\u00e4llen legal, beispielsweise bei Vergewaltigungen. Wir organisieren Proteste wie Stra\u00dfenblockaden oder beteiligten uns 2015 an den Gro\u00dfprotesten in Sao Paolo, Rio und weiteren Gro\u00df- und Provinzhauptst\u00e4dten, in denen oft \u00fcber 10.000 Menschen aktiv waren. Das sind die gr\u00f6\u00dften Proteste f\u00fcr das Recht auf Abtreibung, die es in Brasilien je gab. Die K\u00e4mpfe um das Recht auf Abtreibung tragen zwar auch den Charakter von Verteidigungsk\u00e4mpfen, werden von uns aber offensiv gef\u00fchrt. Wir k\u00e4mpfen um eine allgemeine Legalisierung und bringen gleichzeitig den Kampf gegen die brasilianische \u201erape culture\u201c wieder auf die Tagesordnung.<\/p>\n<p><strong>Neben den K\u00e4mpfen um ein allgemeines Abtreibungsrecht \u2013 welche Rolle spielen Frauen in sozialen K\u00e4mpfen in Brasilien?<\/strong><\/p>\n<p>Generell stellen sie bei fast jeder Bewegung die Mehrheit der Beteiligten. Aktuell gibt es Auseinandersetzungen an den Sekundarschulen, wo auch vor allem Sch\u00fclerinnen aktiv sind. Der Slogan der Bewegung ist \u201eK\u00e4mpfe wie ein M\u00e4dchen\u201c, weil in Brasilien sonst immer nur gesagt wird \u201eK\u00e4mpfe wie ein Mann\u201c oder \u201eHeul&#8216; doch wie ein M\u00e4dchen\u201c. Der Slogan ist so popul\u00e4r, dass er von allen Medien aufgegriffen wurde. Die wichtigste Bewegung zur Zeit ist MTSI, die Bewegung der Arbeiter in Obdachlosigkeit. Auch hier sind die Mehrheit der Aktiven selbst in den F\u00fchrungsstrukturen weiblich.<\/p>\n<p>Generell kann man wirklich von einer Protagonistenrolle der Frauen in den wichtigsten K\u00e4mpfen der letzten Jahre sprechen. Das hat nichts damit zu tun, dass M\u00e4nner in den Hintergrund gedr\u00e4ngt werden, nur werden sich immer mehr Frauen ihrer Rolle in K\u00e4mpfen bewusst und gewinnen so Selbstbewusstsein. Ein Kampf f\u00fcr die revolution\u00e4re Ver\u00e4nderung der Gesellschaft muss immer ein gemeinsamer Kampf von Frauen und M\u00e4nnern sein, aber das ist auch nur m\u00f6glich wenn Frauen in diesem Prozess eine wichtige Rolle spielen.<\/p>\n<p><em>Das Interview f\u00fchrte Katharina Doll<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eK\u00e4mpfen wie ein M\u00e4dchen!\u201c \u2013 Interview zu Frauenk\u00e4mpfen in Brasilien<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":32359,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[32,41],"tags":[313,759],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/32358"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=32358"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/32358\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":32360,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/32358\/revisions\/32360"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/32359"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=32358"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=32358"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=32358"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}