{"id":32290,"date":"2016-02-22T10:00:40","date_gmt":"2016-02-22T09:00:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=32290"},"modified":"2016-02-17T11:43:36","modified_gmt":"2016-02-17T10:43:36","slug":"aktiv-gegen-campusrassismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2016\/02\/aktiv-gegen-campusrassismus\/","title":{"rendered":"Aktiv gegen #campusrassismus"},"content":{"rendered":"<p align=\"JUSTIFY\"><strong><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/campusrassismus.png\" rel=\"attachment wp-att-32291\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-32291\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/campusrassismus-280x173.png\" alt=\"campusrassismus\" width=\"280\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/campusrassismus-280x173.png 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/campusrassismus-162x100.png 162w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/campusrassismus.png 515w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a>\u201eIch erkenne schon am Nachnamen, ob jemand durchf\u00e4llt\u201c<\/strong><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><em>von Junias Omollo und Janne Wellner, Kassel<\/em><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Im Rahmen der #campusrassismus-Kampagne im Dezember 2015 machte die \u201ePeople of Color Hochschulgruppe Mainz\u201c auf den allt\u00e4glichen Rassismus im Campusleben aufmerksam und rief Studierende auf, ihre Erfahrungen \u00fcber Twitter, Facebook, Instagram \u00f6ffentlich zu teilen. Die Aktion hatte zum Ziel, den Austausch \u00fcber rassistische Argumentationsmuster und Strukturen anzuregen. Dabei handelt es sich um offen diskriminierende Aussagen von DozentInnen: \u201e[\u2026] Ich erkenne schon am Nachnamen, ob jemand durchf\u00e4llt oder nicht. [\u2026]\u201c oder um Vorw\u00fcrfe von KommilitonInnen, man habe \u201eden Medizin-Studienplatz nur bekommen, weil man in die Ausl\u00e4nderquote f\u00e4llt\u201c.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Hochschulen werden oft als vermeintliche Orte der Objektivit\u00e4t und sachlicher Diskussion wahrgenommen, ihnen wie auch anderen Bildungsinstitutionen rechnet man einen reflektierten Umgang mit Rassismus zu. Wie wenig sich der Uni-Campus als sozialer Raum von anderen unterscheidet, zeigt die #campusrassismus-Kampagne anhand von unz\u00e4hligen Beispielen. Ob zum Beispiel in B\u00fcchern der Islamwissenschaften, von westeurop\u00e4ischen wei\u00dfen christlichen M\u00e4nnern geschrieben, ob durch die Unterrepr\u00e4sentation von \u201ePeople of Color\u201c in der Besetzung von Lehrst\u00fchlen oder mittels Beleidigungen durch DozentInnen in Veranstaltungen \u2013 die strukturelle Diskriminierung spiegelt sich im universit\u00e4ren Leben in vielen Bereichen wieder.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Auch unter Studierenden gibt es diskriminierende Verhaltensweisen, nicht selten werden sie als subjektive (Fehl)Empfindung der Unterdr\u00fcckten deklariert. Au\u00dferdem kann auch die Konkurrenz zwischen den Studierenden, welche in bestimmten Studieng\u00e4ngen besonders ausgepr\u00e4gt ist, Diskriminierung beg\u00fcnstigen und verschleiern.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Wie kommt es, dass es institutionellen Rassismus an den Unis gibt? Das Bildungswesen, welches im Kapitalismus im Wesentlichen einer \u00f6konomischen Verwertungslogik unterworfen ist und zudem ins Besondere b\u00fcrgerliche Werte und systemkonforme Inhalte vermittelt, dient gr\u00f6\u00dftenteils als Herrschaftserhaltungsapparat. Auch der besonders selektive Charakter des deutschen Bildungswesens, welcher bspw. durch das dreigliedrige Schulsystem, die Folgen des Bologna Prozesses, Zulassungsbeschr\u00e4nkungen, sogenannte \u201eSprachkompetenzen\u201c oder das verk\u00fcrzte Abitur (G8) gepr\u00e4gt ist, bef\u00f6rdert eine \u00f6konomische Ausrichtung und reduziert Bildung auf ein \u201eMittel zum Zweck\u201c. Weiterhin ist das momentane Bildungswesen hierarchisch und autorit\u00e4r gepr\u00e4gt, verwehrt Sch\u00fclerInnen und Studierenden also demokratische Mitbestimmungsrechte auf vielen Ebenen. Diese Faktoren tragen dazu bei, dass der gleichberechtigte, kritische und reflektierte Anspruch von Bildung verloren geht, und damit einerseits Gleichg\u00fcltigkeit gegen\u00fcber den Unterdr\u00fcckungsmechanismen entsteht, und andererseits eine starke Obrigkeitsh\u00f6rigkeit und Konformit\u00e4t erlernt wird.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Universit\u00e4ten haben den Auftrag, zu gesellschaftlichen Fragen zu forschen und Ergebnisse zu ver\u00f6ffentlichen. Wie ungern jedoch die im Elfenbeinturm sitzenden WissenschaftlerInnen ihren eigenen akademischen Rassismus hinterfragen, ist an der geringen Anzahl von Studien erkennbar. Zu den Ausnahmen geh\u00f6rt Emily Ngubia Kuria (Humboldt-Universit\u00e4t Berlin). Sie befragte in vielen Interviews Studierende zu diesem Thema und bescheinigt mit ihrem Buch \u201eeingeschrieben\u201c deutschen Universit\u00e4ten \u201edie Gegenw\u00e4rtigkeit eines tief verwurzelten Rassismus\u201c. Wassilis Kassis (Universit\u00e4t Osnabr\u00fcck) formulierte mit seinem Forscherteam Vorurteile im Rahmen von Ausl\u00e4nderfeindlichkeit, Antisemitismus und Islamophobie und fragten Studierende nach der Zustimmung bzw. Ablehnung. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass Studierende in einem \u00e4hnlichen Ausma\u00df Vorurteile vertreten wie eine allgemeine Bev\u00f6lkerungsstichprobe.<a href=\"#sdfootnote1sym\" name=\"sdfootnote1anc\">1<\/a> Michael Hartmann (ehemals TU Darmstadt) beforschte neben anderen sogenannten Eliten auch deutsche Universit\u00e4tselite und kommt auch f\u00fcr diese Gruppe zu dem Ergebnis \u201eDie Elite hier ist deutsch und m\u00e4nnlich.\u201c<a href=\"#sdfootnote2sym\" name=\"sdfootnote2anc\">2<\/a><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Der Rassismus an Hochschulen hat wie in allen anderen Bereichen der kapitalistischen Klassengesellschaft System. So f\u00fchren beispielsweise das teilweise unn\u00f6tige Verlangen sogenannter \u201eSprachkompetenzen\u201c zum Beispiel in der Mathematik dazu, dass der Zugang zu Bildung tendenziell erschwert wird, da eben diese erst durch finanziellen und zeitlichen Aufwand erworben werden m\u00fcssen. In vielen Seminaren wird wenig moderierend eingegriffen, so etwa wie Redelisten selten gef\u00fchrt, so dass sich M\u00e4nner und MuttersprachlerInnen gegen Nicht-MuttersprachlerInnen eher behaupten k\u00f6nnen und so f\u00fcr letztere m\u00f6glicherweise eine gr\u00f6\u00dfere Barriere entsteht, sich aktiv zu beteiligen und einzubringen.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Auf gesamtgesellschaftlicher Ebene dient der strukturelle Rassismus, wie auch Sexismus und andere Formen der Unterdr\u00fcckung, der Spaltung der arbeitenden Bev\u00f6lkerung, verhindert einen solidarischen Kampf um gemeinsame Ziele und erm\u00f6glicht der herrschenden Klasse das Weiterbetreiben von Sozialabbau, Privatisierung und Profitmaximierung. Rassismus f\u00fchrt auch dazu, dass das Klassenbewusstsein geschw\u00e4cht und eine Identifikation mit \u201eVolk\u201c oder \u201eNation\u201c gef\u00f6rdert wird. Wut und Entsetzen \u00fcber soziale Missst\u00e4nde und Krisen werden dadurch auf Minderheiten gerichtet, die keine Schuld daran tragen. Die Teile der Arbeiterklasse, die von strukturellem Rassismus betroffen sind, erfahren Benachteiligung und Ausgrenzung auf allen gesellschaftlichen Ebenen: geringerer Lohn f\u00fcr gleiche Arbeit, h\u00f6here Barrieren im Bildungswesen und verst\u00e4rkte Repression durch Polizei, Justiz und Beh\u00f6rden.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><a name=\"_GoBack\"><\/a>Letztlich ist klar, dass wir nur durch einen gemeinsamen und solidarischen Kampf, jenseits aller Ausgrenzungen, Unterdr\u00fcckungsmechanismen und Spaltungsversuchen, gleiche Chancen f\u00fcr jedeN in einem inkludierenden, emanzipatorischen Bildungswesen erreichen k\u00f6nnen. Zwar bietet nur eine sozialistische Gesellschaft, d.h. eine Gesellschaft, in der die Klassengegens\u00e4tze \u00fcberwunden wurden, die grunds\u00e4tzliche Basis zur \u00dcberwindung jeglicher Unterdr\u00fcckungsmechanismen, jedoch liegt hier kein Automatismus vor und wir m\u00fcssen auch im hier und jetzt daran arbeiten, das Klassenbewusstsein der Unterdr\u00fcckten zu st\u00e4rken und allen zu zeigen, dass die Grenzen nicht zwischen Nationen, V\u00f6lkern oder Geschlechtern, sondern zwischen oben und unten verlaufen!<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Um strukturellen Rassismus entgegen zu treten und mit Vielfalt einen reflektierten Umgang im Campusalltag zu unterst\u00fctzen, fordern wir unter anderem:<\/p>\n<ul>\n<li>Keine Zulassungsbeschr\u00e4nkungen! F\u00fcr jedeN einen Ausbildungs- bzw. Studienplatz nach Wahl und die Abschaffung des Bachelor\/Master Systems.<\/li>\n<li>Einf\u00fchrung einer elternunabh\u00e4ngigen Grundsicherung f\u00fcr Sch\u00fclerInnen und Studierende ab 16 Jahren von 500 \u20ac plus Kaltmiete.<\/li>\n<li>Abschaffung von jeglichen Studiengeb\u00fchren, Bildung muss f\u00fcr jedeN zug\u00e4nglich sein!<\/li>\n<li>Finanzierung durch eine Million\u00e4rssteuer und eine drastische Besteuerung von Unternehmensgewinnen<\/li>\n<li>Verwaltung von Schulen und Hochschulen sowie die Gestaltung der Lehrinhalte durch demokratisch gew\u00e4hlte Komitees von Lernenden und Lehrenden<\/li>\n<li>\u00dcberf\u00fchrung von Banken und Konzernen in \u00f6ffentliches Eigentum unter demokratischer Kontrolle und Verwaltung durch die arbeitende Bev\u00f6lkerung<\/li>\n<li>F\u00fcr sozialistische Demokratie weltweit!<\/li>\n<\/ul>\n<div id=\"sdfootnote1\">\n<p><a href=\"#sdfootnote1anc\" name=\"sdfootnote1sym\">1<\/a>http:\/\/www.ramsa-deutschland.org\/themen\/studie-zu-islamophobie-deutschen-hochschulen-prof-wassilis-kassis-im-interview<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote2\">\n<p><a href=\"#sdfootnote2anc\" name=\"sdfootnote2sym\">2<\/a><a href=\"http:\/\/www.migazin.de\/2013\/01\/22\/die-elite-hier-ist-deutsch-und-mannlich\/\">http:\/\/www.migazin.de\/2013\/01\/22\/die-elite-hier-ist-deutsch-und-mannlich\/<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eIch erkenne schon am Nachnamen, ob jemand durchf\u00e4llt\u201c<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":32291,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[49,50,6],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/32290"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=32290"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/32290\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":32292,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/32290\/revisions\/32292"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/32291"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=32290"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=32290"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=32290"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}