{"id":32287,"date":"2016-02-17T11:30:20","date_gmt":"2016-02-17T10:30:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=32287"},"modified":"2016-02-17T11:30:20","modified_gmt":"2016-02-17T10:30:20","slug":"zika-offenbart-eklatante-ungleichheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2016\/02\/zika-offenbart-eklatante-ungleichheit\/","title":{"rendered":"Zika offenbart eklatante Ungleichheit"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_32288\" aria-describedby=\"caption-attachment-32288\" style=\"width: 280px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Zika_EM_CDC_280116.jpg\" rel=\"attachment wp-att-32288\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-32288\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Zika_EM_CDC_280116-280x173.jpg\" alt=\"Foto: Von CDC\/ Cynthia Goldsmith - http:\/\/phil.cdc.gov\/phil\/details.asp?pid=20487, Gemeinfrei, https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=46647793\" width=\"280\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Zika_EM_CDC_280116-280x173.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Zika_EM_CDC_280116-162x100.jpg 162w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Zika_EM_CDC_280116-768x475.jpg 768w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Zika_EM_CDC_280116-560x347.jpg 560w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Zika_EM_CDC_280116-600x371.jpg 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Zika_EM_CDC_280116-534x330.jpg 534w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Zika_EM_CDC_280116.jpg 1576w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-32288\" class=\"wp-caption-text\">Foto: Von CDC\/ Cynthia Goldsmith &#8211; http:\/\/phil.cdc.gov\/phil\/details.asp?pid=20487, Gemeinfrei, https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=46647793<\/figcaption><\/figure>\n<p><em>Wir ver\u00f6ffentlichen hier zwei \u00dcbersetzungen von Artikeln zur Ausbreitung des Zika-Virus. Sie wurden von der brasilianischen und der britischen Schwesterorganisation der SAV geschrieben und erschienen zuerst am 4. Februar auf der englischsprachigen Webseite socialistworld.net<\/em><\/p>\n<p><strong>Unzul\u00e4ngliche \u00f6ffentliche Gesundheitsversorgung im Kapitalismus<\/strong><\/p>\n<p><em>von Dr. Jon Dale, Mediziner und Mitglied der \u201eSocialist Party\u201c (Schwesterorganisation der SAV und Sektion des CWI in England &amp; Wales)<\/em><\/p>\n<p>Die Ebola-Epidemie in Westafrika ist noch nicht als offiziell beendet erkl\u00e4rt worden, da bricht schon die n\u00e4chste Virus-Epidemie aus.<\/p>\n<p>Zuerst wurde Zika im M\u00e4rz 2015 in Brasilien diagnostiziert. Seither haben sich bis zu 1,5 Millionen BrasilianerInnen infiziert. Das Virus breitet sich in S\u00fcd- und Mittelamerika aus und hat bereits die Karibik sowie s\u00fcdliche Teile der USA erreicht.<\/p>\n<p>\u00dcblicherweise verl\u00e4uft die Erkrankung unspektakul\u00e4r. Bei schwangeren Frauen kann sie allerdings verheerende Folgen haben. Es besteht die Gefahr, dass Babys mit zu kleinen Sch\u00e4deln \u2013 der sogenannten Mikrozephalie \u2013 geboren werden. Die Wahrscheinlichkeit dieses Symptoms ist zwischen 2014 und 2015 in Brasilien von 5,7 F\u00e4llen auf 99,7 F\u00e4lle je 100.000 Lebendgeburten angestiegen.<\/p>\n<p>Abgesehen davon scheint Zika auch mit einer Zunahme von F\u00e4llen des Guilain-Barr\u00e9-Syndroms in Zusammenhang zu stehen. L\u00e4hmungserscheinungen bei Erwachsenen geh\u00f6ren zu den \u00e4u\u00dferen Symptomen dieser Krankheit. Obwohl der Verlauf normalerweise tempor\u00e4r ist, kann die Krankheit \u00fcber mehrere Monate andauern und erfordert eine intensive station\u00e4re Behandlung.<\/p>\n<p>Regierungen haben Frauen dazu geraten, in den n\u00e4chsten sechs Monaten bis zwei Jahren nicht schwanger zu werden. Dazu w\u00e4re es sinnvoll, wenn Verh\u00fctungsmittel kostenlos und einfach zu haben sind. Das ist jedoch nicht der Fall.<\/p>\n<p>Auch ist die Schwangerenf\u00fcrsorge essentiell, um m\u00f6gliche Geburtssch\u00e4den fr\u00fchzeitig beheben zu k\u00f6nnen. Doch selbst dort, wo Abtreibungen legal sind (was in den meisten betroffenen L\u00e4ndern nicht der Fall ist) weisen die Einrichtungen gro\u00dfe M\u00e4ngel auf. Das f\u00fchrt darauf hinaus, dass nur die Institutionen, die Geld haben, entsprechenden Zugang haben. Die Folge wird sein, dass die Zahl an unsicheren und illegalen Abtreibungen zunehmen wird.<\/p>\n<p>Betroffene Neugeborene k\u00f6nnen lebenslange physische Folgen wie z.B. Lernschwierigkeiten davontragen. Manche brauchen ein Betreuung rund um die Uhr. Die meisten Eltern sind arm. F\u00fcr die Menschen, die es sich nicht leisten k\u00f6nnen, ist die medizinische und die soziale Versorgung h\u00e4ufig oft nur einfach oder gar nicht vorhanden.<\/p>\n<h4>Die Armen sind am schwersten betroffen<\/h4>\n<p>L\u00e4nder deren Volkswirtschaften in erster Linie auf dem Absatz von Lebensmitteln, Metall und \u00d6l \u2013 vor allem in Richtung China \u2013 basieren, haben vor Ausbruch dieser j\u00fcngsten Katastrophe eine Rezession durchgemacht. Wie immer sind die Menschen aus der Arbeiterklasse und den verarmten Schichten am schwersten betroffen.<\/p>\n<p>Die \u201eWeltbank\u201c fasste es 2013 wie folgt zusammen: \u201eGeht es um die Haupttodesursache f\u00fcr M\u00fctter und Kinder, so steht der ungleiche Zugang zur Gesundheitsversorgung weiterhin an Platz eins\u201c. Die Zika-Epidemie ist ein weiterer Beleg daf\u00fcr, dass der Kapitalismus und seine Institutionen daran nichts \u00e4ndern k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>F\u00fcr eine Infektion mit schwachem Verlauf schien ein Impfstoff nicht notwendig zu sein. Doch die Warnsignale, dass eine Zika-Pr\u00e4vention n\u00f6tig werden k\u00f6nnte, h\u00e4tte nach dem Ausbruch von 2013 erkannt werden m\u00fcssen. Profitorientierte Pharmakonzerne haben kein Interesse, nach Impfstoffen zu forschen, die vielleicht nie verkauft werden.<\/p>\n<p>Die ersten gr\u00f6\u00dferen Ausbr\u00fcche des Zika-Virus wurden 2007 und 2013 auf pazifischen Inseln festgestellt. Es ist m\u00f6glich, dass es w\u00e4hrend der Fu\u00dfballweltmeisterschaft 2014 nach Brasilien gekommen ist.<\/p>\n<p>Diese M\u00fccke kann nur 100 Meter bis 200 Meter zur\u00fccklegen. Doch Plastikt\u00fcten, alte Gummireifen und \u00e4hnlicher st\u00e4dtischer Abfall sind ideale Orte f\u00fcr die Eiablage. Alles, was dieser Moskito braucht, sind etwas Regen oder Wasseransammlungen.<\/p>\n<p>Zwischen den 1950er und 1970er Jahren gab es umfassende Initiativen zur Ausrottung der Aedes aegypti auf den amerikanischen Kontinenten, die von \u00f6ffentlich-rechtlichen Gesundheitsorganisationen und Regierungen durchgef\u00fchrt worden sind. In einer Zeit, in der Kunststoff und Gummi-M\u00fcll noch nicht so weit verbreitet waren, war man damit beinahe erfolgreich. Dann wurden die Programme eingestellt, um Geld zu sparen.<\/p>\n<p>Untersuchungen im Labor haben gezeigt, dass eine andere Stechm\u00fccke, die Aedes albopictus, ebenfalls zum \u00dcbertr\u00e4ger des Zika-Virus werden k\u00f6nnte. Dieser Moskito hat sich in den letzten Jahrzehnten in weiten Teilen verbreitet, weshalb der Zika-Virus nun noch rascher um sich greifen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Zur Ausrottung von Moskitos in der N\u00e4he von Wohngebieten braucht es umfassende und miteinander koordinierte Anstrengungen. Stehende Wasseransammlungen m\u00fcssen verschwinden, Gummireste m\u00fcssen entfernt und ein funktionierendes Wasser- und Abwassersystem m\u00fcssen bereitgestellt werden.<\/p>\n<h2>Gravierende Ausbreitung des Zika-Virus<\/h2>\n<p><strong>Das Gesundheitssystem versagt erneut<\/strong><\/p>\n<p><em>von Isabel Keppler, LSR (Schwesterorganisation der SAV und Sektion des CWI in Brasilien)<\/em><\/p>\n<p>Der schwerwiegende Ausbruch des von Stechm\u00fccken \u00fcbertragenen Zika-Virus auf den amerikanischen Kontinenten nur sechs Monate vor den Olympischen Spielen in Brasilien ist ein erneuter Beleg f\u00fcr das Versagen der Regierungen und der gro\u00dfen Pharmakonzerne, die eigentlich f\u00fcr Gesundheitsschutz zust\u00e4ndig sein sollten.<\/p>\n<p>Am 28. Oktober 2015 hat das brasilianische Gesundheitsministerium best\u00e4tigt, dass es einen Kausalzusammenhang zwischen Zika und der Mikrozephalie gibt. Im Bundesstaat Pernambuco im Nordosten des Landes wurde nach \u00fcber 500 registrierten F\u00e4llen der Ausnahmezustand verh\u00e4ngt. Begr\u00fcndet wird dies mit der \u00dcbertragbarkeit von Krankheiten durch die Aedes aegypti-M\u00fccke, die nicht nur Zika sondern auch Dengue- und das Chikungunyafieber \u00fcbertr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Auch die Dengue-F\u00e4lle haben in diesem Jahr um 176 Prozent zugenommen! Zu Beginn des Jahres 2015 stieg die Anzahl der Dengue-PatientInnen in S\u00e3o Paulo, wo es zum \u201eWasser-Chaos\u201c (der Krise um die Wasserversorgung) kam, pl\u00f6tzlich um 57 Prozent an.<\/p>\n<p>Ob Zika ausschlie\u00dflich f\u00fcr die F\u00e4lle von Mikrozephalie verantwortlich ist, wei\u00df man bisher noch nicht mit Sicherheit. Von daher ist es lebensnotwendig, rasch in die Forschung zu investieren.<\/p>\n<p>Als der Sommer begann, wurden dann F\u00e4lle von Dengue-Fieber festgestellt. Es ist notwendig, die weitere Vermehrung der Aedes aegypti zu bek\u00e4mpfen und die entsprechenden sanit\u00e4ren Anlagen bereitzustellen. Das erfordert neue \u00f6ffentliche Ausgaben.<\/p>\n<h4>Haushaltsk\u00fcrzungen<\/h4>\n<p>Allerdings haben die Haushaltsk\u00fcrzungen im Umfang von beinahe 70 Milliarden bras. Real (~ 16 Mrd. Euro) zu problematischen Folgen f\u00fcr die Gesundheitsversorgung, den Bildungsbereich und die kommunalen Kassen gef\u00fchrt. So kostet das Bedienen der \u00f6ffentlichen Schulden, das den Bankiers die Taschen f\u00fcllt, etwa 13 Mal mehr als der Anteil des Gesamthaushalts, der f\u00fcr Gesundheit zur Verf\u00fcgung gestellt wird.<\/p>\n<p>Claudio Maierovitch, Staatssekret\u00e4r im Gesundheitsministerium erkl\u00e4rte, dass die beste Pr\u00e4vention im Moment darin besteht, Schwangerschaften zu vermeiden! Selbst wenn das Ministerium hinterhergeschickt hat, dass dies nicht die offizielle Position der Beh\u00f6rde sei, so ist sie es wohl eher doch. Unter dem Strich kann man die bisher angewandten Ma\u00dfnahmen zur Ausrottung der von Stechm\u00fccken \u00fcbertragenen Krankheiten nur als schlechten Witz bezeichnen.<\/p>\n<p>Selbst vor dem Ausbruch von Zika hat das brasilianische Gesundheitssystem SUS darin versagt, den Gemeinden entsprechend unter die Arme zu greifen, um schwangere Frauen ad\u00e4quat versorgen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<h4>Kein Witz mehr \u2026<\/h4>\n<p>Die Bev\u00f6lkerung muss sich organisieren und der herrschenden Klasse zeigen, dass es beim Thema Gesundheit nicht um einen Bereich geht, in dem man Witze machen sollte.<\/p>\n<p>Wir fordern eine umfassende Informationskampagne unter der Bev\u00f6lkerung. Die Regierung muss garantieren, dass die Mainstream-Medien nur noch korrekte Informationen verbreiten, was die differenzierte Betrachtung der Symptome jedes einzelnen Virus angeht. Der Fokus muss auf der Pr\u00e4vention liegen und darauf, was bei Verdachtsf\u00e4llen zu tun ist.<\/p>\n<p>Wir brauchen auch dringend mehr Personal im Gesundheitssektor. Dasselbe gilt f\u00fcr diagnostische Schnelltests. Das gilt nicht nur f\u00fcr die Einrichtungen des SUS sondern auch f\u00fcr die abgelegeneren Gebiete.<\/p>\n<p>Die aktuelle Epidemie deutet auf die dringende Notwendigkeit hin, dass die Menschen massenweise gegen die K\u00fcrzungen von Pr\u00e4sidentin Rousseff und Finanzminister Levy vorgehen m\u00fcssen. Wir brauchen gr\u00f6\u00dfere Investitionen im Gesundheitssystem. An die Bankiers und die Arbeitgeber d\u00fcrfen keine weiteren Gewinne abgef\u00fchrt werden! Es darf keine weiteren Gehaltserh\u00f6hungen und Privilegien mehr f\u00fcr Politiker geben!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unzul\u00e4ngliche \u00f6ffentliche Gesundheitsversorgung im Kapitalismus<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":32288,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[111,41],"tags":[313],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/32287"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=32287"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/32287\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":32289,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/32287\/revisions\/32289"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/32288"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=32287"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=32287"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=32287"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}