{"id":32223,"date":"2016-02-12T12:05:32","date_gmt":"2016-02-12T11:05:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=32223"},"modified":"2016-02-12T12:02:48","modified_gmt":"2016-02-12T11:02:48","slug":"die-welt-ist-instabiler-und-gefaehrlicher-geworden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2016\/02\/die-welt-ist-instabiler-und-gefaehrlicher-geworden\/","title":{"rendered":"\u201eDie Welt ist instabiler und gef\u00e4hrlicher geworden\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/wk1-e1455110902837.jpg\" rel=\"attachment wp-att-32224\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-32224\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/wk1-e1455110902837-280x169.jpg\" alt=\"wk1\" width=\"280\" height=\"169\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/wk1-e1455110902837-280x169.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/wk1-e1455110902837-560x337.jpg 560w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/wk1-e1455110902837-600x361.jpg 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/wk1-e1455110902837.jpg 729w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a>Sozialistischer Weltkongress war voller Erfolg<\/strong><\/p>\n<p>Zum elften Mal kam im Januar der Weltkongress des Komitees f\u00fcr eine Arbeiterinternationale (CWI \u2013 die internationale Organisation, der die SAV angeschlossen ist) zusammen. \u00dcber 130 TeilnehmerInnen aus allen Teilen der Welt diskutierten eine Woche lang \u00fcber die Weltlage und die sich daraus ergebenden Aufgaben f\u00fcr SozialistInnen und die Arbeiterbewegung. Einstimmig wurden drei Resolutionen verabschiedet: zur internationalen Lage, zur Situation in Afrika und zum Kampf gegen die Diskriminierung von Frauen.<\/p>\n<p><em>Von Sascha Stanicic<\/em><\/p>\n<p>Die Delegierten kamen aus S\u00fcdafrika und Schweden, Brasilien und Pakistan, Qu\u00e9bec und Griechenland, Australien und Russland und vielen weiteren L\u00e4ndern. Unter ihnen waren junge Aktive aus antirassistischen Bewegungen, gestandene GewerkschafterInnen, sozialistische FeministInnen, Abgeordnete und langj\u00e4hriger F\u00fchrungsfiguren der sozialistischen Bewegung in ihren L\u00e4ndern.<\/p>\n<p>Darunter waren Kshama Sawant, die als \u201ezweitbekannteste Sozialistin in den USA\u201c geltende Stadtr\u00e4tin aus Seattle; die sozialistischen Abgeordneten aus dem irischen Parlament, Joe Higgins und Paul Murphy; der Pr\u00e4sidentschaftskandidat der sri lankischen Vereinigten Sozialistischen Partei, Siritunga Jayasuriya; das Vorstandsmitglied der brasilianischen PSOL (Partei f\u00fcr Sozialismus und Freiheit), Jane Barros und Mametlewe Sebei, einer der Koordinatoren der Bergarbeiterstreiks in S\u00fcdafrika von 2013 und Vertreter der Workers and Socialist Party.<\/p>\n<p>Die Tagesordnung umfasste Debatten zur allgemeinen Weltlage, dem Pr\u00e4sidentschaftswahlkampf in den USA, der Situation in Europa, Afrika, Lateinamerika, S\u00fcdasien, zur Frauenunterdr\u00fcckung, dem Aufbau des CWI und Wahlen zu den Gremien der Internationale.<\/p>\n<h4>Weltlage<\/h4>\n<p>Peter Taaffe vom Internationalen Sekretariat des CWI leitete die Debatte zur Weltlage ein. Er und viele andere RednerInnen betonten, wie sehr und wie rasant sich die Situation seit dem letzten Weltkongress im Jahr 2010 ver\u00e4ndert hat. Krisen, Kriege, zunehmende Instabilit\u00e4t, aber auch die Zunahme von Massenprotesten sind diesbez\u00fcglich die entscheidenden Stichworte. Oder wie es Per Olsson aus Schweden ausdr\u00fcckte: \u201eDie Welt ist ein instabiler und gef\u00e4hrlicherer Ort geworden!\u201c<\/p>\n<p>Die \u00f6konomische Erholung seit der so genannten \u201eGro\u00dfen Rezession\u201c von 2007 bis 2009 ist die schw\u00e4chste in der Geschichte des Kapitalismus. Wie die Debatten der Wirtschaftseliten beim Weltwirtschaftsforum in Davos zum Ausdruck brachten, gibt es keine Aussicht darauf, dass die Weltwirtschaft an Fahrt aufnimmt. Im Gegenteil, deutet viel darauf hin, dass die n\u00e4chste Krise schon wieder an die T\u00fcre klopft. Daf\u00fcr spricht vor allem, dass der Abschwung in China der Weltwirtschaft seiner Lokomotive beraubt. Die Folgen dieser Entwicklung sind jetzt schon in den so genannten Schwellenl\u00e4ndern wie Brasilien und S\u00fcdafrika zu sp\u00fcren, deren Wachstumsraten vor allem von Export nach China abhingen, der nun zum Teil dramatisch einbricht bzw. aufgrund des drastischen Verfalls der Rohstoffpreise deutlich weniger Einnahmen generiert, was unmittelbar zu Arbeitsplatzvernichtung und Sozialk\u00fcrzungen f\u00fchrt. Aber auch der Einbruch des \u00d6lpreises wirkt wie ein krisenversch\u00e4rfender Schock f\u00fcr die Weltwirtschaft.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/wk4-e1455111174471.jpg\" rel=\"attachment wp-att-32228\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-32228\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/wk4-e1455111174471-160x173.jpg\" alt=\"wk4\" width=\"160\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/wk4-e1455111174471-160x173.jpg 160w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/wk4-e1455111174471-321x347.jpg 321w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/wk4-e1455111174471.jpg 386w\" sizes=\"(max-width: 160px) 100vw, 160px\" \/><\/a>Damit ist die Entwicklungsrichtung der Welt\u00f6konomie ziemlich eindeutig, wenn auch exakte Vorhersagen, insbesondere \u00fcber zeitliche Verl\u00e4ufe unm\u00f6glich sind. Einig waren sich die TeilnehmerInnen weitgehend, dass man zwar nicht ausschlie\u00dfen kann, dass gewisse staatliche Ma\u00dfnahmen den Krisenverlauf weiter verz\u00f6gern k\u00f6nnen, dass der Weltkapitalismus aber weitaus weniger Pfeile im K\u00f6cher hat, als noch vor acht Jahren. Tats\u00e4chlich haben die finanzpolitischen Ma\u00dfnahmen, wie die Niedrigzinspolitik und die \u201eQuantitative Lockerung\u201c nicht zu nachhaltigem Wachstum, sondern zum Aufbau neuer Spekulationsblasen gef\u00fchrt, deren Platzen die n\u00e4chste Krise vertiefen k\u00f6nnen. Gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, dass der aktuelle Verlauf krisenhafter Entwicklungen sich von dem Verlauf der \u201eGro\u00dfen Rezession\u201c unterscheidet. W\u00e4hrend damals eine durch den Crash beim us-amerikanischen Finanzhaus Lehmann Bros. ausgel\u00f6ste Finanzkrise auf die so genannte Realwirtschaft \u00fcbergriff, steht diese \u2013 angesichts von zunehmender \u00dcberproduktion und \u00dcberkapazit\u00e4ten &#8211; nun schon zu Beginn der kommenden Krise im Fokus.<\/p>\n<p>MarxistInnen vertreten kein simples Ursache-Wirkung-Schema, wenn es um das Verh\u00e4ltnis \u00f6konomischer und politischer Entwicklungen geht. Sie erkennen an, dass eine Wechselbeziehung zwischen Beidem besteht, verstehen aber die Wirtschaftsentwicklung als die letztliche Basis auf der sich politische und gesellschaftliche Ereignisse vollziehen. Die wirtschaftliche Krise und Schw\u00e4che des weltweiten Kapitalismus hat zu einer Kette gesellschaftlicher Krisen und Katastrophen gef\u00fchrt, insbesondere der drohenden Klimakatastrophe, der Zunahme von Kriegen und milit\u00e4rischen Auseinandersetzungen und der deutlichen Steigerung der Zahl Fl\u00fcchtender. Diese ist von 11.000 zum Verlassen ihrer Heimat gezwungener Menschen pro Tag im Jahr 2010 auf 42.500 im vergangenen Jahr gestiegen. All diese Aspekte spielten eine wichtige Rolle in den Debatten auf dem Kongress und es wurde der Zusammenhang zur kapitalistischen Wirtschaftsweise und der Notwendigkeit, diese durch eine sozialistische Demokratie zu erstezen, um diese Katastrophen zu \u00fcberwinden, betont.<\/p>\n<p>Ein weltweites Ph\u00e4nomen ist eine gro\u00dfe Legitimationskrise von pro-kapitalistischen Parteien und b\u00fcrgerlichen Institutionen, eine massive Anti-Establishment-Stimmung, die sich oftmals in einer gesellschaftlichen Polarisierung nach links und rechts ausdr\u00fcckt und Raum f\u00fcr neue politische Ph\u00e4nomene und Formationen schafft. Dies kann man zur Zeit in den USA beobachten, wo das politische System im Rahmen des Pr\u00e4sidentschaftswahlkampfs ersch\u00fcttert wird und die Kapitalisten Gefahr laufen, die Kontrolle zu verlieren, weil sowohl bei den Demokraten als auch bei den Republikanern mit Bernie Sanders und Donald Trump bzw. Ted Cruz, Kandidaten siegen k\u00f6nnten, die nicht zum Establishment dieser beiden konzernfreundlichen Parteien geh\u00f6ren.<\/p>\n<h4>USA<\/h4>\n<p>Dem Pr\u00e4sidentschaftswahlkampf in den USA und der Frage, wie SozialistInnen mit der erfolgreichen Kampagne von Bernie Sanders umgehen sollen, wurde auf dem Kongress viel Zeit und eine eigene Plenumsdiskussion gewidmet. Das allein dr\u00fcckt aus, welche internationale Bedeutung diese Entwicklungen im Herzen der Bestie haben. Lucy Redler, eine der TeilnehmerInnen der SAV aus Deutschland, brachte das in Anlehnung an ein\u00a0Frank Sinatra-Zitats zum Ausdruck: Ein Erfolg von Sanders w\u00fcrde weltweit die Stimmung \u201eIf we can make it here, we can make it anywhere!\u201c ausl\u00f6sen.<\/p>\n<p>Die durch Bernie Sanders&#8216; Kandidatur ausgel\u00f6ste gesellschaftliche Dynamik war von niemandem vorher gesehen worden. Sanders ist ein unabh\u00e4ngiger Senator aus Vermont, der mit radikalen Reformforderungen und dem Aufruf f\u00fcr eine \u201epolitische Revolution gegen die Milliard\u00e4rsklasse\u201c die Stimmung von Millionen us-amerikanischen ArbeiterInnen und Jugendlichen trifft. Seine Kandidatur zum US-Pr\u00e4sidenten hat Hunderttausende zu Kundgebungen mobilisiert. Er nimmt keine Spenden von Konzernen, hat aber schneller als jemals zuvor ein Kandidat schon \u00fcber eine Million KleinspenderInnen mobilisieren k\u00f6nnen. Er betont, dass Ver\u00e4nderungen nur durch Massenbewegungen erreicht werden k\u00f6nnen und versteht sich als \u201edemokratischer Sozialist\u201c, was ein enormes Interesse an Sozialismus ausgel\u00f6st hat. So war der Begriff \u201eSozialismus\u201c das am meisten nachgeschlagene Wort bei dem US-amerikanischen Onine-Lexikon Merriam-Webster. Auch wenn der \u201eSozialismus\u201c von Bernie Sanders eher Modellen der fr\u00fcheren europ\u00e4ischen Sozialdemokratie entsprechen und er in einigen au\u00dfenpolitischen Fragen (wie seiner Unterst\u00fctzung f\u00fcr den Staat Israel und den Afghanistan-Einsatz) sehr falsche Positionen vertritt, so repr\u00e4sentiert er doch eine enorme Herausforderung f\u00fcr den US-Kapitalismus und hat seine Kandidatur die Verbreitung von linken und sozialistischen Ideen enorm verst\u00e4rkt<\/p>\n<p>Das Problem ist, dass er im Rahmen der Vorwahlen der Demokratischen Partei kandidiert, die eine der beiden politischen S\u00e4ulen des US-Kapitalismus ist und f\u00fcr all das steht, was Sanders vorgibt, bek\u00e4mpfen zu wollen. Mitglieder von Socialist Alternative wiesen in der Kongressdebatte darauf hin, dass dies ein Widerspruch in sich ist, der den Erfolg der Kampagne gef\u00e4hrdet. Das vor allem, wenn Sanders bei seiner Haltung bleibt, im Falle einer Niederlage bei den Vorwahlen den Sieger bzw. die Siegerin aus den Reihen der Demokraten zu unterst\u00fctzen, wahrscheinlich Hillary Clinton.<\/p>\n<p>Weil sie die Gefahr erkennen, dass die Sanders-Kampagne die Radikalisierung von Jugendlichen und ArbeiterInnen, die sie selbst bef\u00f6rdert, in den \u201eruhigen Hafen\u201c der Demokratischen Partei zu kanalisieren, sprechen sich einige Linke in den USA gegen eine Unterst\u00fctzung f\u00fcr Sanders aus. Auch innerhalb von Socialist Alternative gibt es unter einer Minderheit von Mitgliedern die Sorge, dass eine Unterst\u00fctzung f\u00fcr Sanders einer Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Demokraten gleich kommt. Ein Vertreter dieser Meinung konnte sich an den Kongress wenden, fand aber keine Unterst\u00fctzung. Es bestand kein Zweifel daran, dass die Unterst\u00fctzung f\u00fcr Bernie Sanders, wie sie von Socialist Alternative konzipiert wurde (die unter anderem darin besteht, registrierte W\u00e4hlerInnen zur Wahl von Sanders aufzurufen und eine unabh\u00e4ngige Bewegung unter dem Namen #MovementForBernie ins Leben zu rufen), weder einer Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Demokraten gleich kommt, noch ein Hindernis f\u00fcr die Propagierung eines sozialistischen Programms bzw. der Idee einer neuen \u201ePartei der 99 Prozent\u201c darstellt. Entscheidend f\u00fcr SozialistInnen ist es aber in der gegenw\u00e4rtigen Situation, in den Dialog mit den vielen tausend Sanders-Unterst\u00fctzerInnen zu treten und sich in eine Position zu bringen, m\u00f6glichst viele von ihnen f\u00fcr eine von den Demokraten unabh\u00e4ngige Organisierung zu gewinnen, sollte Sanders die Vorwahlen verlieren und tats\u00e4chlich zur Wahl von Clinton aufrufen.<\/p>\n<h4>Polarisierungen<\/h4>\n<p>Eine Frage, die in den Diskussionen eine Rolle spielte, war die nach der grundlegenden Entwicklungsrichtung der Ereignisse \u2013 nach links oder nach rechts? Das ist jedoch nicht einfach mit entweder-oder zu beantworten. Tats\u00e4chlich erleben wir eine weltweite Polarisierung, die Ausschl\u00e4ge nach links und nach rechts beinhaltet, welche zu unterschiedlichen Zeitpunkten und in verschiedenen L\u00e4ndern jeweils dominant sein k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wie C\u00e9dric Gerome betonte, der f\u00fcr das CWI in den letzten Jahren viel Zeit in Tunesien verbracht hat, d\u00fcrfen MarxistInnen die Lage nicht besch\u00f6nigen. Das gilt nicht zuletzt f\u00fcr die Entwicklungen in Nordafrika und dem Nahen Osten, wo der als \u201eArabischer Fr\u00fchling\u201c bezeichnete revolution\u00e4re Prozess vor\u00fcbergehend in eine Konterrevolution umgeschlagen ist, die zu diktatorischen Regimes (\u00c4gypten), dem Auseinanderbrechen von Staaten (Libyen) und B\u00fcrgerkrieg (Syrien) gef\u00fchrt hat. Die Massenproteste vom Januar in Tunesien, die den Slogan \u201eOhne Jobs gibt es eine zweite Revolution\u201c hervorbrachten, zeigen, dass neue soziale K\u00e4mpfe m\u00f6glich sind, die die Arbeiterklasse wieder in die Offensive bringen k\u00f6nnen<\/p>\n<p>Auch in Europa gibt es eine Polarisierung nach links und nach rechts. Die Fl\u00fcchtlingsfrage konnte in einer Reihe von L\u00e4ndern von nationalistischen, rechtspopulistischen und neofaschistischen Kr\u00e4ften genutzt werden. Das gilt zweifellos f\u00fcr Deutschland, \u00d6sterreich und einige skandinavische und osteurop\u00e4ische L\u00e4nder. Hier findet die Polarisierung nach rechts zur Zeit einen deutlicheren Ausdruck, wobei Teile der Arbeiterklasse und der Jugend weiterhin auf der Suche nach Antworten auf der Linken sind, wie sich in gro\u00dfen antirassistischen Mobilisierungen, der anhaltenden Welle von Hilfsbereitschaft f\u00fcr die Gefl\u00fcchteten oder auch in der Anti-TTIP-Demo im Oktober 2015 in Berlin zeigte. Wie Hannah Sell aus Gro\u00dfbritannein sagte, kann sich die Dominanz dieses Themas in solchen L\u00e4ndern wieder \u00e4ndern, wenn es, nicht zuletzt im Gefolge von krisenbedingten Angriffen auf die Arbeiterklasse, wieder zu mehr Klassenk\u00e4mpfen kommt. Sie betonte auch, dass ArbeiterInnen und Jugendliche sich dort eher nach links wenden, wo es eine ernstzunehmende linke Alternative gibt.<\/p>\n<p>In den L\u00e4ndern der europ\u00e4ischen Peripherie, die besonders von der Euro-Krise betroffen sind (also Griechenland, Spanien, Portugal, Irland), aber auch in Gro\u00dfbritannien findet die Polarisierung und die Ablehnung des kapitalistischen Establishments zur Zeit einen st\u00e4rkeren Ausdruck nach links, was nicht zuletzt Folge der gro\u00dfen Klassenk\u00e4mpfe, Streiks und sozialen Bewegungen der letzten Jahre ist. Vertreter der CWI-Sektionen in Spanien und Portugal berichteten von den Linksentwicklungen im Zusammenhang mit den jeweiligen Wahlen, w\u00e4hrend die VertreterInnen der Socialist Party (SP) aus S\u00fcdirland berichten konnten, dass der Wahlkampf begonnen hat und dass das B\u00fcndnis aus der Anti-Austerity-Alliance (AAA, an der die SP beteiligt ist) und der Gruppe \u201ePeople Before Profit\u201c Chancen hat, ihre Vertretung im Parlament zu erh\u00f6hen.<\/p>\n<p>Vor allem aber die Wahl von Jeremy Corbyn zum Vorsitzenden der Labour Party zeigt, wie gro\u00df das Bed\u00fcrfnis nach Antworten auf und Widerstand gegen die Austerit\u00e4tspolitik ist \u2013 und dass dieses Bed\u00fcrfnis unerwartete Wege finden kann, um zum Ausdruck zu kommen. Wie britische TeilnehmerInnen berichteten, hatte niemand mit dem Erfolg Corbyns gerechnet \u2013 am wenigsten er selbst. Nur weil es f\u00fcr jeden und jede, der bzw. die drei Pfund zahlte, m\u00f6glich war, an der Wahl teilzunehmen, war die Eintrittswelle in die Labour Party m\u00f6glich, die zum Sieg des Sozialisten Corbyn f\u00fchrte. Das hat zu einer v\u00f6llig neuen Situation in der britischen Gesellschaft gef\u00fchrt, die von einer gro\u00dfen Politisierung gepr\u00e4gt ist, und die Labour Party in eine tiefe Krise gest\u00fcrzt hat. Faktisch existieren nun zwei Parteien in einer: der prokapitalistische und neoliberale Parteiapparat und die Corbyn-Partei. Die Socialist Party tritt daf\u00fcr ein, dass Corbyn und seine Unterst\u00fctzerInnen ein breites B\u00fcndnis mit allen wirklich linken und gegen Austerit\u00e4tspolitik eingestellten Kr\u00e4ften innerhalb und au\u00dferhalb von Labour bilden und die Chance zur Schaffung einer wirklichen sozialistischen Arbeiterpartei mit Massenbasis zu nutzen.<\/p>\n<h4>Krise der EU<\/h4>\n<p>Vordergr\u00fcndig hatte die Krise des Euros und der EU im letzten Jahr nachgelassen. Dabei ist sie alles andere als gel\u00f6st und kann jederzeit wieder Fahrt aufnehmen, vor allem im Falle einer weltweiten Wirtschaftsrezession. Zur Instabilit\u00e4t von Wirtschaft und Bankensystem ist mit der Fl\u00fcchtlingsfrage eine politische Instabilit\u00e4t hinzugekommen, die die zentrifugalen Kr\u00e4fte innerhalb der EU st\u00e4rkt. So ist es nicht ausgeschlossen, dass sich ein Ausscheiden Griechenlands aus der EU nicht an der Frage der Schuldenr\u00fcckzahlung, sondern der Fl\u00fcchtlingssituation entscheidet. Das Schengen-Abkommen ist faktisch au\u00dfer Kraft gesetzt, was gro\u00dfen Teilen der europ\u00e4ischen Kapitalisten enorme Sorgen macht, weil sie negative Folgen f\u00fcr den Warenverkehr, sprich: ihre Profite, f\u00fcrchten. Doch die Kapitalisten haben die Situation nicht wirklich unter Kontrolle und sind immer h\u00e4ufiger mit Regierungen konfrontiert, die nicht eins zu eins die Kapitalinteressen vertreten, sondern aus Parteiegoismen und unter dem Druck rechtspopulistischer Kr\u00e4fte agieren. Auch wenn ein unmittelbarer Zusammenbruch der EU nicht wahrscheinlich ist, stehen Fragen wie die Bildung eines Mini-Schengen-Raums oder einer kleinen Euro-Zone im Raum und nehmen die nationalen Antagonismen zu. Damit einher geht auch eine wachsende Ablehnung der EU in Teilen der Arbeiterklasse. Das wiederum macht eine klar sozialistische und internationalistische Anti-EU-Position umso wichtiger, wie sie beispielsweise von der britischen Socialist Party im Zusammenhang mit dem dort bevorstehenden Referendum formuliert wird.<\/p>\n<h4>Die neokoloniale Welt<\/h4>\n<p>Der Kongress besch\u00e4ftigte sich ausf\u00fchrlich mit den Entwicklungen in Lateinamerika, Afrika und Asien. \u00dcberall finden wichtige Entwicklungen statt, die zum Teil neue Chancen f\u00fcr den Aufbau marxistischer Kr\u00e4fte mit sich bringen. Das gilt zum Beispiel f\u00fcr Brasilien, wo eine neue Phase intensiver K\u00e4mpfe und Massenmobilisierungen eingesetzt hat und die Partei f\u00fcr Sozialismus und Freiheit (PSOL), in der die brasilianische Sektion des CWI mitarbeitet, gro\u00dfe Chancen hat, eine starke linke Alternative zur regierenden Arbeiterpartei (PT) aufzubauen. Der ganze Kontinent ist vom Ende einer Periode gepr\u00e4gt, in der es relativ stabile Regierungen in den meisten L\u00e4ndern gab. Das beinhaltet auch das Ende der Dominanz des Chavismus in Venezuela, der aufgrund seiner Weigerung mit dem Kapitalismus zu brechen in den Augen vieler ArbeiterInnen versagt hat. Der venezolanische Delegierte von Socialismo Revolucionario betonte daher auch, dass die Wahlen weniger Unterst\u00fctzung f\u00fcr die siegreiche politische Rechte, als Entt\u00e4uschung und Ablehnung der Maduro-Regierung zum Ausdruck brachten.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/wk2-e1455110963982.jpg\" rel=\"attachment wp-att-32225\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-32225\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/wk2-e1455110963982-280x173.jpg\" alt=\"wk2\" width=\"280\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/wk2-e1455110963982-280x173.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/wk2-e1455110963982-162x100.jpg 162w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/wk2-e1455110963982-560x347.jpg 560w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/wk2-e1455110963982-600x371.jpg 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/wk2-e1455110963982-534x330.jpg 534w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/wk2-e1455110963982.jpg 628w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a>Die Vertreter der Workers and Socialist Party aus S\u00fcdafrika berichteten davon, dass die Metallarbeitergewerkschaft NUMSA die Chance zur Bildung einer neuen Arbeiterpartei bisher nicht ergriffen hat und die weitere Entwicklung hinsichtlich der Neuorganisierung der Arbeiterklasse wieder offener ist. Sie berichteten auch von der Massenbewegung von Studierenden und den K\u00e4mpfen von Universit\u00e4tsbesch\u00e4ftigten, die in einem Fall unter der F\u00fchrung von WASP-Mitgliedern eine Lohnerh\u00f6hung von einhundert Prozent erk\u00e4mpfen konnten \u2013 die h\u00f6chste jemals in S\u00fcdafrika erk\u00e4mpfte Lohnsteigerung!<\/p>\n<p>Auch aus Pakistan und Sri Lanka berichteten die Delegierten von neuen M\u00f6glichkeiten f\u00fcr den Aufbau der Arbeiterbewegung und von sozialistischen Kr\u00e4ften nachdem in Sri Lanka der faktische Kriegszustand und die Familiendiktatur der Rajapakses beendet ist und in Pakistan die Sicherheitssituation sich etwas verbessert, da die rechten Islamisten etwas zur\u00fcck gedr\u00e4ngt werden.<\/p>\n<h4>Diskussion zur Unterdr\u00fcckung von Frauen<\/h4>\n<p>Dem Kampf gegen die Diskriminierung von Frauen wurde auf dem Kongress ein spezielle Plenumsdebatte gewidmet und dazu eine Resolution verabschiedet. In diese Debatte flossen die vielf\u00e4ltigen Erfahrungen der verschiedenen Sektionen im Kampf gegen Sexismus und f\u00fcr Frauenrechte ein. Auch der Umgang mit Sexismus in den Reihen der Arbeiterbewegung und die Frage der so genannten \u201eIdentity Politics\u201c und Intersektionalit\u00e4t spielte eine Rolle.<\/p>\n<p>Betont wurde unter anderem die Bedeutung, das Selbstbewusstsein und die Aktivit\u00e4t von Frauen, auch durch die Bildung von Frauenkommissionen, -seminaren und anderen Ma\u00dfnahmen, zu f\u00f6rdern, aber gleichzeitig davor gewarnt, politischen Konzepten nachzugeben, die die Diskriminierung der Frau nicht als Produkt der Klassengesellschaft betrachten und den gemeinsamen Kampf von M\u00e4nnern und Frauen der Arbeiterklasse gegen Kapitalismus und alle Formen von Unterdr\u00fcckung nicht f\u00f6rdern.<\/p>\n<p>Besonders viel Applaus erhielt Hamid aus der Provinz Sindh in Pakistan, der von der erfolgreichen Organisierung von Textilarbeiterinnen durch die Sozialistische Bewegung Pakistan berichtete. Er f\u00fchrte auch aus, welche Opfer Sozialistinnen und Aktivistinnen in dieser stark patriarchal gepr\u00e4gten Gesellschaft bringen m\u00fcssen, um f\u00fcr ihre eigene Befreiung \u00fcberhaupt k\u00e4mpfen zu k\u00f6nnen. So wurde eine f\u00fchrende Aktivistin der Organisation von ihrer gesamten Familie versto\u00dfen und dementsprechend obdachlos, um selbstbestimmt den Kampf gegen Kapitalismus und Patriarchat f\u00fchren zu k\u00f6nnen. Mit Stolz berichtete er, dass die Textilarbeiterinnen bei den ersten Demonstrationen vor zwei Jahren ihre Gesichter noch verschleierten und bei den diesj\u00e4hrigen Demonstrationen selbstbewusst den Schleier abgelegt hatten.<\/p>\n<h4>Die Internationale aufbauen<\/h4>\n<p>Das CWI arbeitet zur Zeit mit Gruppen und Sektionen in 45 L\u00e4ndern auf allen Kontinenten. Der Kongress erkannte die Gruppen in Qu\u00e9bec, Portugal, Spanien, Malaysia und die Workers and Socialist Party in S\u00fcdafrika als neue Sektionen an. Gleichzeitig wurde von der Bildung neuer Gruppen in Neuseeland und der T\u00fcrkei und von Diskussionen mit interessierten Gruppen im Sudan, der Elfenbeink\u00fcste, Rum\u00e4nien und anderen L\u00e4ndern berichtet.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/wk3-e1455111012645.jpg\" rel=\"attachment wp-att-32226\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-32226\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/wk3-e1455111012645-280x173.jpg\" alt=\"wk3\" width=\"280\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/wk3-e1455111012645-280x173.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/wk3-e1455111012645-162x100.jpg 162w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/wk3-e1455111012645-534x330.jpg 534w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/wk3-e1455111012645.jpg 547w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a>Die Aktivit\u00e4ten der verschiedenen Organisationen und Gruppen sind so vielf\u00e4ltig, dass es unm\u00f6glich ist, diese wiederzugeben. Sie reichen von der Organisierung massenhaften zivilen Ungehorsams (Massenboykott der Wassergeb\u00fchren in Irland), dem Kampf f\u00fcr einen Mindestlohn von 15 Dollar (USA, Kanada) und antirassistischen Kampagnen (Deutschland, \u00d6sterreich, Schweden) \u00fcber den Versuch neue sozialistische Parteien zu etablieren (Nigeria, S\u00fcdafrika) und den Kampf gegen nationale Unterdr\u00fcckung (Israel\/Pal\u00e4stina, Sri Lanka) bis zum Kampf f\u00fcr neue, breite Arbeiterparteien und k\u00e4mpferische und demokratische Gewerkschaften.<\/p>\n<h5><em>Sascha Stanicic ist Bundessprecher der SAV und Mitglied im Internationalen Vorstand des Komitees f\u00fcr eine Arbeiterinternationale. <\/em><\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sozialistischer Weltkongress war voller Erfolg<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":32224,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[103,35],"tags":[753],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/32223"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=32223"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/32223\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":32259,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/32223\/revisions\/32259"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/32224"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=32223"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=32223"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=32223"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}