{"id":32101,"date":"2016-03-19T15:42:06","date_gmt":"2016-03-19T14:42:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=32101"},"modified":"2016-03-17T16:07:36","modified_gmt":"2016-03-17T15:07:36","slug":"nicht-vw-die-autolobby-ist-das-problem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2016\/03\/nicht-vw-die-autolobby-ist-das-problem\/","title":{"rendered":"Nicht VW, die Autolobby ist das Problem"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_31419\" aria-describedby=\"caption-attachment-31419\" style=\"width: 280px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Nibbler-volkswagenwerkwolfsburg-e1444216523348.jpg\" rel=\"attachment wp-att-31419\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-31419\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Nibbler-volkswagenwerkwolfsburg-e1444216523348-280x173.jpg\" alt=\"CC BY-SA 2.0 de\" width=\"280\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Nibbler-volkswagenwerkwolfsburg-e1444216523348-280x173.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Nibbler-volkswagenwerkwolfsburg-e1444216523348-162x100.jpg 162w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Nibbler-volkswagenwerkwolfsburg-e1444216523348-534x330.jpg 534w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Nibbler-volkswagenwerkwolfsburg-e1444216523348.jpg 536w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-31419\" class=\"wp-caption-text\">CC BY-SA 2.0 de<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Profitmaximierung und Konzerne zerst\u00f6ren den Planeten<\/strong><\/p>\n<p>Wenn es in j\u00fcngerer Zeit um manipulierte Automotoren ging, dann ging es um VW und um Diesel-Motoren. Das ist die Nebenstory der Nebenstory.<\/p>\n<p><em>Ein Gastbeitrag von Winfried Wolf<\/em><\/p>\n<p>Dasselbe engagierte Institut ICCT (International Council on Clean Transportation), das den VW-Diesel-Betrug publik machte, deckte einen weit umfassenderen Betrug auf. Belegt wurde, dass die L\u00fccke zwischen den offiziellen Angaben und dem tats\u00e4chlichen Spritverbrauch eines Autos (egal ob Benzin- oder Diesel-Pkw) von Jahr zu Jahr gr\u00f6\u00dfer wird. Vor knapp 15 Jahren lagen der reale Verbrauch eines Pkw \u2013 und damit die realen Kohlendioxid-Emissionen (CO2) \u2013 um rund acht Prozent \u00fcber den Angaben der Hersteller. Bis 2014 stieg die Diskrepanz auf 40 Prozent. Wenn also 2001 ein Hersteller den Verbrauch eines Pkw mit 7,5 Liter Benzin je 100 km angab, so schluckte der Motor im tats\u00e4chlichen Betrieb 8,1 Liter. Wenn der gleiche Hersteller heute einen Verbrauch von 5,8 Liter auf 100 km nennt, dann liegt der reale Verbrauch ebenfalls bei 8,1 Liter.<\/p>\n<p>Wie erkl\u00e4ren die Betroffenen die Diskrepanz? Ulrich Eichhorn, Vertreter des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), \u00e4u\u00dferte dazu am 2. November 2015 im Bundestags: \u201eWer viel im Gebirge (!) unterwegs ist, \u00f6fters einmal schneller auf der Autobahn f\u00e4hrt, der verbraucht eben mehr als andere. \u00b4Den\u00b4 einen Fahrzeugverbrauch gibt es auf der Stra\u00dfe nicht.\u201c Der Mann sprach \u00fcber Deutschland, nicht \u00fcber die Schweiz oder Kaschmir.<\/p>\n<p>Das ICCT gelangte zu seinen Ergebnissen auf h\u00f6chst schlichte Art. Ausgewertet wurden die Daten, die von bekannten europ\u00e4ischen Motorzeitungen mit eigenen Testfahrten gesammelt und dokumentiert wurden (u.a. von Auto Bild oder auto motor sport). Die Studie ist damit au\u00dferordentlich glaubw\u00fcrdig (es sind Daten \u201eder Gegner\u201c) und repr\u00e4sentativ (es sind extrem viele Daten \u2013 und alle f\u00fchren zu vergleichbaren Ergebnissen).<\/p>\n<h4>Zwei Schlussfolgerungen<\/h4>\n<p>Zwischenbilanz mit zwei Schlussfolgerungen: Erstens entzieht die Autoindustrie auf diese Weise der Gesellschaft Milliarden Euro j\u00e4hrlich. Eine Steuerbelastung gem\u00e4\u00df realem Schadstoffaussto\u00df m\u00fcsste zu deutlich h\u00f6heren Kfz-Steuern f\u00fchren. Allein im Fall der Niederlande, wo es eine entsprechende Hochrechnung gibt, betr\u00e4gt der auf diese Weise zustande kommende Steuerausfall 3,4 Milliarden Euro pro Jahr. Zweitens verschwindet auf diese Weise der gesamte behauptete Beitrag zum Klimaschutz, von dem die Autoindustrie seit zwei Jahrzehnten spricht. Bislang argumentierte diese, es sei seit 2002 je Neuwagen zu einem R\u00fcckgang der CO2-Emissionen in H\u00f6he von 27 Prozent gekommen. Laut ICCT-Rechnung gab es jedoch maximal eine Reduktion von acht Prozent. Ber\u00fccksichtigt man die weiter deutlich vergr\u00f6\u00dferte Pkw-Flotte, so gab es selbst in Europa keinen R\u00fcckgang der CO2-Emissionen des Stra\u00dfenverkehrs. Weltweit gibt es einen fortgesetzten massiven Anstieg.<\/p>\n<p>Um nochmals die Zahlenverh\u00e4ltnisse ins richtige Licht zu r\u00fccken: Bei VW-Dieselgate geht es um acht Millionen Pkw einer einzelnen Automarke, produziert in einem Jahrzehnt, und um deutlich h\u00f6here \u2013 stark gesundheitssch\u00e4digende \u2013 Stickoxidemissionen als offiziell angegeben. Im Fall der von Jahr zu Jahr gr\u00f6\u00dfer werdenden Kluft zwischen dem offiziell ausgewiesenen Spritverbrauch bzw. den offiziell angegebenen CO2-Emissionen und den tats\u00e4chlichen Werten geht es um die Weltflotte Pkw, um j\u00e4hrlich rund 75 Millionen produzierte Neufahrzeuge. Und es geht um einen massiven, wachsenden Beitrag des Autoverkehrs zur Erderw\u00e4rmung. Dieser liegt um rund 50 Prozent h\u00f6her als offiziell ausgewiesen. Da die Autolobby so gut l\u00fcgt und die Medien so effizient (mit teurer PR) schmiert, war das kein Thema auf der Weltklimakonferenz in Paris.<\/p>\n<p>Das Problem ist also nicht VW. Nicht der Diesel-Pkw. Es ist das Auto als solches. Mit all seinen negativen Auswirkungen auf Mensch, Umwelt, Lebensumfeld und Klima (siehe Artikel Georg K\u00fcmmel auf sozialismus .info vom 7. Oktober 2015).<\/p>\n<h4>Alternativen der Autoindustrie?<\/h4>\n<p>Wer mit seiner Kritik so weit vordringt, wie hier skizziert, der bekommt von der Autolobby die Antwort: Aber wir arbeiten an Alternativen. Am Google Car. Am \u201evernetzten Verkehr\u201c. Vor allem kommt doch bald kommt das Elektro-Auto. Diese Propaganda-L\u00fcge wird seit vier Jahrzehnten vorgetragen. Auch heute noch kostet ein E-cars mindestens 35.000 Euro. Die Reichweite liegt im Sommer bei 150 km (im Winter bei weniger als 100 km). Alle E-car-Hersteller (bzw. alle E-car-Segmente der Konzerne) sind massiv defizit\u00e4r \u2013 trotz Milliarden Subventionen. Die \u00d6kobilanz eines Elektro-Pkw ist \u2013 \u00fcber den Produktionszyklus hinweg \u2013 \u00e4hnlich negativ wie beim konventionellen Pkw. Vor allem muss man sich die Ideologie ansehen, die der prominenteste E-car-Vorreiter verbreitet. Elon Musk von Tesla, der im Dezember vom \u201eHandelsblatt\u201c zum \u201eMann des Jahres\u201c gek\u00fcrt wurde, schw\u00e4rmt f\u00fcr Fl\u00fcge auf den Mars. Er baut auch eine Tr\u00e4gerrakete f\u00fcr Weltraumfahrten. Er vertritt die These, dass die Menschen auf andere Gestirne umsiedeln m\u00fcssten und dort \u00fcberleben w\u00fcrden. J\u00fcngst \u00e4u\u00dferte er im Gespr\u00e4ch mit Daimler-Boss Zetsche: \u201eDieter, du musst das verstehen. Die Menschheit befindet sich auf der Schwelle. Wir m\u00fcssen uns entscheiden, ob wir eine ein-planetarische Spezies bleiben oder ob wir eine multiplanetarische Spezies werden wollen. F\u00fcr mich ist die Antwort glasklar. Und deshalb gibt es [auf diesem Weg] keine Grenzen f\u00fcr den Einsatz der Mittel!\u201c (in: Bilanz, Nov. 2015).<\/p>\n<p>Das ist exakt die Theorie der Auto-Fetischisten, die zur Praxis der Auto-Konzerne passt. Man rast durch die Welt, als h\u00e4tte man eine zweite Welt im Kofferraum \u2013 oder als k\u00f6nnte man mal schnell auf Mars und Mond ausweichen, wenn der Planet Erde definitiv zerst\u00f6rt ist. Gut m\u00f6glich, dass Zyniker wie Tesla-Musk, Daimler-Zetsche und VW-M\u00fcller davon ausgehen, dass sie und Ihresgleichen einen Klima-Gau im Luxusbunker oder auf dem Mars \u00fcberleben k\u00f6nnten. F\u00fcr uns ist und bleibt es unser Planet, um den wir k\u00e4mpfen m\u00fcssen \u2013 gegen Kapitalismus und gegen Profitmaximierung mit der damit verbundenen umfassenden Destruktionstendenz.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Profitmaximierung und Konzerne zerst\u00f6ren den Planeten<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":31419,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[117,114,120],"tags":[751],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/32101"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=32101"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/32101\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":32102,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/32101\/revisions\/32102"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/31419"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=32101"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=32101"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=32101"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}