{"id":32099,"date":"2016-02-06T12:00:19","date_gmt":"2016-02-06T11:00:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=32099"},"modified":"2016-02-11T09:49:29","modified_gmt":"2016-02-11T08:49:29","slug":"pegida-wird-von-dienstag-bis-sonntag-geschlagen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2016\/02\/pegida-wird-von-dienstag-bis-sonntag-geschlagen\/","title":{"rendered":"PEGIDA wird von Dienstag bis Sonntag geschlagen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Interview mit Dorit und Steve Hollasky \u00fcber den Widerstand gegen PEGIDA<\/strong><\/p>\n<p><em>Seit \u00fcber einem Jahr geht PEGIDA nun in Dresden allmont\u00e4glich auf die Stra\u00dfe. Nach einer zwischenzeitlichen Flaute sind nun Teilnehmerzahlen von 6 bis 8000 Menschen keine Seltenheit. Hat das Dresden ver\u00e4ndert?<\/em><\/p>\n<p>Steve: Na klar. Laut einer Umfrage des Instituts f\u00fcr Kommunikationswissenschaften, hat sich die allgemeine Stimmungslage in Dresden durch die PEGIDA-Demonstrationen deutlich verschlechtert. Etwa 57 Prozent der Befragten geben die Stimmung als \u201egar nicht gut\u201c oder \u201eeher nicht gut an\u201c. F\u00fcr Fl\u00fcchtlinge, Fl\u00fcchtlingshelferInnen und AntifaschistInnen ist die Risikolage deutlich angestiegen.<\/p>\n<p>Dorit: Das Problem ist, dass Rassisten, aber auch hart gesottene Nazis sehr viel offener agieren als noch vor eineinhalb Jahren. Es ist auch be\u00e4ngstigend, dass sie vor kaum noch einem Verbrechen zur\u00fcckschrecken. Da gibt es Nazi-Hooligans, die von einem Fu\u00dfballspiel kommend versuchen mit Pyro-Technik Asylsuchendenunterk\u00fcnfte anzuz\u00fcnden. Einen Tag vor Weihnachten wurde ein Somalier in der Stra\u00dfenbahn angegriffen und mit einem Messer an der Hand verletzt. Im Dresdner Stadtteil Laubegast haben Unbekannte Fl\u00fcchtlingsunterst\u00fctzer auf einem Flugblatt mit Namen und Adresse geoutet, um so ein Bedrohungsszenario aufzubauen. Am 30. Dezember rief die NPD im selben Stadtteil zu einer Demonstration gegen eine zuk\u00fcnftige Unterkunft f\u00fcr Gefl\u00fcchtete. Dabei flogen auch B\u00f6ller. Die ganze rechte Hetze im Netz ist extrem bedr\u00fcckend.<\/p>\n<p>Steve: Im Grunde kannst Du in Sachsen beinahe t\u00e4glich auf eine rassistische Demonstration oder Kundgebung gehen. Die Polizei hat sich angesichts dessen vor Kurzem \u00fcber \u00dcberbelastungserscheinungen beschwert.<\/p>\n<p><em>Apropos Polizei. Von Seiten des LKA Sachsen wurde ja mehrfach vor den Gefahren angesichts der rassistischen Erscheinungen gewarnt. Sie drohten unsere Gesellschaft dauerhaft zu ver\u00e4ndern. Tritt die Polizei Euch gegen\u00fcber als Partnerin im Kampf gegen PEGIDA auf?<\/em><\/p>\n<p>Steve: Es gibt nat\u00fcrlich nicht \u201cdie\u201d Polizisten. Insgesamt aber sind wir immer wieder erschrocken wie die Polizei mit uns und mit PEGIDA umgeht. W\u00e4hrend von PEGIDA andauernd die erteilten Auflagen verletzt werden, JournalistInnen wiederholt angegriffen wurden, rechte und rassistische Hetze betrieben wird, dass inzwischen der Staatsanwalt in einigen F\u00e4llen ermittelt, und all das durch geht; hat man den Eindruck, dass bei unseren Demos ganz genau hingeschaut wird.<\/p>\n<p><em>Wie sieht das aus?<\/em><\/p>\n<p>Steve: In einem Fall wurde ein 16-j\u00e4hriger angezeigt, weil er Aufkleber mit der Losung: \u201eLasst uns mit PEGIDA Schluss machen, damit wir uns wieder den sch\u00f6nen Dingen des Lebens zuwenden k\u00f6nnen\u201c verteilt hat und auf dem Aufkleber war kein Impressum. Wann gibt es schon einmal Aufkleber mit Impressum? Ein paar Wochen sp\u00e4ter hat man Leute, die auf unserer Demo waren wegen gerufener Demo-Spr\u00fcche angezeigt, weil sie angeblich damit zu Gewalt aufgerufen h\u00e4tten. Die Parolen sind altbekannt, \u00c4rger gab es deswegen noch nie. Auf der anderen Seite erm\u00f6glichte am 30.November die Polizei den PEGIDA-Anh\u00e4ngern uns mit Steinen zu bewerfen, weil sie eine Postenkette entgegen allen Absprachen viel zu fr\u00fch \u00f6ffnete.<\/p>\n<p><em>Wie will man denn in so einer Situation \u00fcberhaupt mit w\u00f6chentlichen Demos in der St\u00e4rke von mehreren Tausend Teilnehmern fertig werden?<\/em><\/p>\n<p>Dorit: Bei allen Bem\u00fchungen um den w\u00f6chentlichen Gegenprotest, den Mitglieder der SAV mitorganisiseren, den wir also unerl\u00e4sslich finden: PEGIDA wird von Dienstag bis Sonntag geschlagen.<\/p>\n<p>Wir brauchen eine breite Kampagne mit Flugbl\u00e4ttern, Zeitungen und \u00f6ffentlichkeitswirksamen Aktionen, die die rechte Propaganda entlarvt und f\u00fcr die Proteste gegen PEGIDA am Montag wirbt. Immerhin, laut der von Steve eingangs genannten Umfrage, sind 98 Prozent der DresdnerInnen der Meinung, dass die Demonstrationen dem Ansehen der Stadt schaden.<\/p>\n<p>Wer so etwas sagt, der ist kein Freund von PEGIDA und den kann man eventuell f\u00fcr Aktionen gewinnen. Vor allem brauchen wir eine Aussicht daf\u00fcr, wo wir hin wollen.<\/p>\n<p><em>Was soll das f\u00fcr eine Aussicht sein?<\/em><\/p>\n<p>Dorit: PEGIDA entwickelt jeden Montag das Bild einer Gesellschaft, in der sie leben wollen. Wir lehnen dieses Bild aus tiefstem Innern ab, aber dadurch tun sie so, als w\u00e4ren sie Rebellen, die gegen die herrschende Ordnung aufstehen. Nicht wenige Anh\u00e4nger sehen in PEGIDA eine M\u00f6glichkeit gegen das, was wir kapitalistischen Irrsinn nennen, aufzubegehren. Der Wunsch ist sogar verst\u00e4ndlich: Schauen wir uns mal in Deutschland, in Europa und der Welt um: Kriege, Armut und Elend nehmen zu. Wir d\u00fcrfen nicht so tun, als w\u00fcrden wir mit unseren Protesten gegen PEGIDA die herrschenden Verh\u00e4ltnisse verteidigen. Wir sollten den Menschen einen Weg zeigen wie sie, gemeinsam mit den Menschen die hier her fliehen m\u00fcssen, ihre Interessen verteidigen k\u00f6nnen, wie sie gegen zu hohe Mieten, Armut, Stellenabbau und Privatisierungen k\u00e4mpfen k\u00f6nnen. Erfolg h\u00e4tten solche K\u00e4mpfe sowieso nur, wenn Deutsche und Gefl\u00fcchtete sie zusammen f\u00fchren w\u00fcrden. PEGIDA will genau das verhindern, deshalb verteidigen sie im Grunde die kapitalistische Misere.<\/p>\n<p><em>Aufkl\u00e4rung in gro\u00dfem Ma\u00dfe, soziale K\u00e4mpfe organisieren und damit und mit regelm\u00e4\u00dfigen Protesten gegen Rassismus und Sozialabbau PEGIDA in die Knie zwingen. Klingt eigentlich nach einem Job f\u00fcr DIE LINKE&#8230;<\/em><\/p>\n<p>Steve: Ja, das denkt man eigentlich&#8230;<\/p>\n<p>Dorit: DIE LINKE ist \u00fcberraschend zur\u00fcckhaltend. Ebenso wie die Gewerkschaften.<\/p>\n<p><em>Warum tun die denn nichts?<\/em><\/p>\n<p>Dorit: Bei den Gewerkschaften hat das, wie hinter vorgehaltener Hand ab und an zugegeben wird, mit der Angst zu tun, dass eine bestimmte Anzahl von Mitgliedern ganz oder teilweise mit PEGIDA \u00fcbereinstimmen. Das Problem ist ernst zu nehmen, man l\u00f6st es nur eben nicht durch Nichtstun.<\/p>\n<p>Steve: Viele der aktiven PEGIDA-GegnerInnen sind LINKE-Mitglieder aber die Partei macht viel zu wenig. Ab und an ruft sie zu gr\u00f6\u00dferen Protesten mit auf und gibt da und dort etwas Geld, aber sie initiiert keine Aktionen. Ich glaube, eines der Hauptprobleme der LINKEN ist die einseitige Festlegung auf rot-rot-gr\u00fcne Regierungstr\u00e4ume. das verhindert, dass sie aktiv an K\u00e4mpfen teilnimmt. Dabei m\u00fcsste sich DIE LINKE gerade jetzt als Partei pr\u00e4sentieren, die wirklich gegen den ganzen kapitalistischen Irrsinn angeht und damit auch rassistische S\u00fcndenbockpolitik bek\u00e4mpft.<\/p>\n<p>Dorit: Eine Sache hat der regelm\u00e4\u00dfige mont\u00e4gliche Protest \u00fcbrigens bewirkt: F\u00fcr den 6. Februar haben DGB und LINKE endlich Proteste gegen PEGIDA angemeldet.<\/p>\n<p><em>Dorit und Steve Hollasky sind gewerkschaftlich aktiv und Teil der Proteste gegen Pegida<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Interview mit Dorit und Steve Hollasky \u00fcber den Widerstand gegen PEGIDA<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":31491,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[5],"tags":[751],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/32099"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=32099"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/32099\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":32242,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/32099\/revisions\/32242"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/31491"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=32099"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=32099"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=32099"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}