{"id":31977,"date":"2016-01-05T17:05:19","date_gmt":"2016-01-05T16:05:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=31977"},"modified":"2016-01-07T09:48:11","modified_gmt":"2016-01-07T08:48:11","slug":"koeln-gegen-sexuelle-gewalt-und-rassismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2016\/01\/koeln-gegen-sexuelle-gewalt-und-rassismus\/","title":{"rendered":"K\u00f6ln: Gegen sexuelle Gewalt und Rassismus"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/feminismus.png\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-31978\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/feminismus-280x173.png\" alt=\"Feminismus gegen Rassismus\" width=\"280\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/feminismus-280x173.png 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/feminismus-162x100.png 162w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/feminismus.png 400w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a>Stellungnahme der Sozialistischen Alternative K\u00f6ln zu den sexistischen \u00dcbergriffen am K\u00f6lner Hauptbahnhof in der Silvester-Nacht.<\/strong><\/p>\n<p>In der Silvesternacht hat es rund um den K\u00f6lner Hauptbahnhof eine gro\u00dfe Zahl gewaltt\u00e4tiger sexueller \u00dcbergriffe auf Frauen gegeben, oft verbunden mit anderen kriminellen Aktivit\u00e4ten wie Taschendiebstahl. Nach den Schilderungen der Frauen, die Opfer dieser sexistischen Gewalt wurden, war es ein Alptraum. Bisher sollen 60 Strafanzeigen vorliegen, davon rund ein Viertel wegen der sexuellen \u00dcbergriffe. Da mutma\u00dflich viele M\u00e4nner arabischer Herkunft an diesen Straftaten beteiligt waren, wittern rechtsextreme Gruppen ihre Chancen und nutzen die Situation, um gegen alle Fl\u00fcchtlinge und Muslime zu hetzen. Es ist n\u00f6tig, gegen Sexismus und Gewalt Stellung zu beziehen. Genauso ist jede Form von rassistischer Hetze abzulehnen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Presse und Polizei am 1. und 2. Januar nur wenig berichteten, gab es am dem 3. Januar Schlagzeilen, die immer rei\u00dferischer wurden und wenig zur Kl\u00e4rung beitrugen.<\/p>\n<h4>Was ist passiert?<\/h4>\n<p>Vor Mitternacht, das belegen Augenzeugenberichte und Videos, hielt sich eine Menschenmenge auf dem Bahnhofsvorplatz auf, in Pulks zusammenstehend. Aus diesen Pulks heraus wurden B\u00f6ller und Raketen in andere Gruppen oder auf PassantInnen abgeschlossen, eine Situation, wie es sie schon h\u00e4ufiger im Umfeld der Deutzer Br\u00fccke gab. Die Zahl von 1.000 scheint angesichts des Bildmaterials \u00fcbertrieben.<\/p>\n<p>In der Menge hatten sich anscheinend mehrere Gruppen von Kleinkriminellen aufgehalten, aus dem Milieu der sogenannten \u201eAnt\u00e4nzer\u201c, die vorwiegend auf den Ringen Taschendiebst\u00e4hle begehen. Nach Angaben der Polizei stammen viele davon aus Marokko, Algerien oder Tunesien. Diese h\u00e4tten sich, so Presse- und Augenzeugenberichte, nach Mitternacht zu Trupps zusammengefunden, um \u00fcberwiegend Frauen auszurauben. Die sexuellen \u00dcbergriffe waren zun\u00e4chst wohl Mittel, um von den Diebst\u00e4hlen abzulenken.<\/p>\n<p>Innerhalb kurzer Zeit wurden die \u00dcbergriffe immer heftiger, Kleidungsst\u00fccke wurden Frauen vom K\u00f6rper gerissen, sie wurden \u00fcberall angefasst, massiv bedr\u00e4ngt, laut Polizei soll es zu einer Vergewaltigung gekommen sein. Inwieweit s\u00e4mtliche T\u00e4ter organisierte Kriminelle waren oder ob sich auch andere alkoholisierte M\u00e4nner an den sexuellen \u00dcbergriffen beteiligt haben, ist nicht klar.<\/p>\n<p>In der Silvester-Nacht ist anscheinend der organisierte Stra\u00dfenraub zusammengetroffen mit einer\u00a0 durchaus \u201edeutschen\u201c Tradition, dem Massensaufen und dem massenhaften M\u00e4nnerp\u00f6beln, welches den Sexismus schon beinhaltet.<\/p>\n<p>Erschreckend war allerdings auch die Rolle der Polizei, die zun\u00e4chst so tat, als h\u00e4tte sie nichts mitbekommen.<\/p>\n<h4>Widerspr\u00fcche bei der Polizei<\/h4>\n<p>Die Polizei-Meldungen sind widerspr\u00fcchlich. Sie verwirren mehr als dass sie Klarheit schaffen. Am 1. Januar berichtete die Polizei zun\u00e4chst von \u201eausgelassenen Feiern\u201c und \u201eweitgehend friedlichen\u201c Feiern. Am 4. Januar redete Polizeipr\u00e4sident Albers von \u201e1.000 Verd\u00e4chtigen\u201c. Er sagt es nicht, aber er implizierte, als w\u00e4re die gesamte Menge vor dem Hauptbahnhof an den sexuellen \u00dcbergriffen und Raub\u00fcberf\u00e4llen beteiligt gewesen und als w\u00e4ren all als diese Leute nordafrikanischer Herkunft, was offensichtlich nicht stimmen kann.<\/p>\n<p>\u00dcbertreibt die Polizei im Nachhinein die Gr\u00f6\u00dfe der Menge, um ihr Versagen zu rechtfertigen? Der Stuhl von Albers wackelt ohnehin, denn er hatte im Oktober 2014 zu verantworten, dass die Polizei 4.000 Nazis und Hooligans rund um den Bahnhof randalieren lie\u00df.<\/p>\n<p>Der Polizeipr\u00e4sident muss beantworten, warum die Polizeieinheiten wieder abr\u00fcckten, nachdem sie vor Mitternacht die Menge zerstreut hatte, aus der B\u00f6ller geworfen wurden. Wenn die BeamtInnen auf dem Platz geblieben w\u00e4ren, h\u00e4tten die \u00dcbergriffe so nicht stattfinden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wenn auch nur ein paar Nazis eine Kundgebung in einem K\u00f6lner Stadtteil machen, bereitet sich die Polizei massiv vor, stellt ein oder mehrere Hundertschaften bereit, geht gegen AntifaschistInnen vor, nur damit die Rassisten ihre Hetzreden halten k\u00f6nnen.\u00a0 An einem Tag wie Silvester, an dem Tausende alkoholisiert durch die Stra\u00dfen ziehen und das Risiko von Straftaten massiv ansteigt, ist die Polizei anscheinend nicht in der Lage oder nicht willens, Pr\u00e4senz zu zeigen.<\/p>\n<h4>Rassistische Trittbrettfahrer<\/h4>\n<p>Faschistische Gruppen wie ProNRW und rechte Hooligans rufen zu Demonstrationen auf, angeblich, um die Frauen zu sch\u00fctzen. Teilweise wird in der rechten Szene unverhohlen eine Jagd auf migrantisch aussehende Jugendliche angek\u00fcndigt. Nazis uns Rassisten wollen ausnutzen, dass viele der Gewaltt\u00e4ter mutma\u00dflich aus arabischen L\u00e4ndern kommen und wollen suggerieren, dass sexuelle Gewalt vor allem von MigrantInnen ausgeht.<\/p>\n<p>Das ist schlicht bizarr. Nazis und Hooligans sind oft eng mit der organisierten Kriminalit\u00e4t, mit Prostitution und Drogenhandel verbunden. Sie profitieren davon, dass Frauen systematisch entrechtet, ausgebeutet und gedem\u00fctigt werden. Sie vertreten zudem eine Ideologie, die Frauen lediglich als M\u00fctter oder Hausfrauen definiert, sie verweigern gleiche Rechte f\u00fcr Frauen. Faschisten diskriminieren Menschen auf der Grundlage ihres Geschlechtes oder ihrer sexuellen Orientierung.<\/p>\n<p>Die Rechten wollen auch Frauen und Kindern, die Opfer von Kriegen und oftmals damit einhergehender sexualisierter Gewalt sind, das Asylrecht in Deutschland und eine gute Unterbringung und Betreuung verweigern.<\/p>\n<h4>Die allt\u00e4gliche sexualisierte Gewalt<\/h4>\n<p>Wer nur gegen sexuelle Gewalt gegen Frauen auftritt, wenn sie von Nicht-Deutschen begangen wird, ist ein Rassist, ohne Wenn und Aber. Wir verurteilen Sexismus und sexistische Gewalt, egal von wem und egal in welcher Form. Sexuelle Gewalt wird nicht von au\u00dfen nach Deutschland hinein getragen. Sexismus und Gewalt ist Teil jeder hierarchischen Gesellschaft, auch in Europa, auch hierzulande.<\/p>\n<p>Das Ausma\u00df der \u00dcbergriffe in der Silvester-Nacht ist schockierend. Dabei ist nicht einmal die Stra\u00dfe der gef\u00e4hrlichste Platz f\u00fcr Frauen, nicht Attacken durch Fremde sind das gr\u00f6\u00dfte Problem. Gewalt gegen Frauen ist in Deutschland vor allem h\u00e4usliche Gewalt, oftmals ausge\u00fcbt von den eigenen Partnern oder anderen nahestehenden Personen. 25% aller Frauen haben mindestens einmal in ihrem Leben Gewalt durch den eigenen Partner erlebt. 47% der von sexueller Gewalt Betroffenen haben mit niemandem dar\u00fcber gesprochen.<\/p>\n<p>Frauen werden am Arbeitsplatz durch ihre Chefs unter Ausnutzung eines wirtschaftlichen Abh\u00e4ngigkeitsverh\u00e4ltnisses sexuell bel\u00e4stigt. \u00dcberall prangt die sexistische Werbung auf Gro\u00dffl\u00e4chenplakaten, auf denen f\u00fcr Bordelle und \u201eFlatrate-Sex\u201c geworben wird. Die Frau wird zur Ware, jederzeit verf\u00fcgbar, wenn man Geld oder Macht hat.<\/p>\n<p>Mit dem allt\u00e4glichen, allgegenw\u00e4rtigen Sexismus haben viele der selbsternannten Frauenfreunde aus der rechten und rechtsextremen Ecke offensichtlich keine Probleme.<\/p>\n<p>Sexualisierte Gewalt hat wenig mit Sex im eigentlichen Sinne zu tun, aber viel mit Gewalt und Macht. Sie ist das Produkt einer Gesellschaft, in der die Spaltung zwischen M\u00e4nnern und Frauen, aber auch zwischen Deutschen und Nicht-Deutschen, zu den Grundpfeilern der Herrschaft einer reichen Minderheit geh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Wir k\u00e4mpfen gegen jede Form von Sexismus und Rassismus, f\u00fcr gleiche Rechte f\u00fcr alle Menschen. Wir rufen dazu auf, sich an den Protesten gegen sexistische Gewalt und gegen Rassismus zu beteiligen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stellungnahme der SAV K\u00f6ln zu den sexistischen \u00dcbergriffen am K\u00f6lner Hauptbahnhof in der Silvester-Nacht.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":31978,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[32,31,6],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/31977"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=31977"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/31977\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":31982,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/31977\/revisions\/31982"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/31978"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=31977"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=31977"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=31977"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}