{"id":31833,"date":"2015-12-04T10:00:08","date_gmt":"2015-12-04T09:00:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=31833"},"modified":"2015-12-03T15:06:16","modified_gmt":"2015-12-03T14:06:16","slug":"150-ausgabe-der-solidaritaet-ein-rueckblick-nach-vorne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2015\/12\/150-ausgabe-der-solidaritaet-ein-rueckblick-nach-vorne\/","title":{"rendered":"150. Ausgabe der \u201eSolidarit\u00e4t\u201c \u2013 Ein R\u00fcckblick nach vorne"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Beilage_cover-e1449151356288.png\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-31834\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Beilage_cover-e1449151356288-280x173.png\" alt=\"Beilage_cover\" width=\"280\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Beilage_cover-e1449151356288-280x173.png 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Beilage_cover-e1449151356288-162x100.png 162w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Beilage_cover-e1449151356288-560x347.png 560w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Beilage_cover-e1449151356288-600x371.png 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Beilage_cover-e1449151356288-534x330.png 534w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Beilage_cover-e1449151356288.png 923w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a>Interview mit \u201eSolidarit\u00e4t\u201c-Redakteur Sascha Stanicic<\/strong><\/p>\n<p>Download der Beilage als PDF: [wpfilebase tag=file id=2046 tpl=simple \/]<\/p>\n<h4>Was f\u00fchrte im M\u00e4rz 2002 zur ersten Ausgabe der \u201eSolidarit\u00e4t \u2013 Sozialistische Zeitung\u201c?<\/h4>\n<p>Der Start der \u201eSolidarit\u00e4t\u201c war nicht die Neugr\u00fcndung einer Zeitung. Seit 1973 erschien in der Bundesrepublik die marxistische Zeitung VORAN, deren Unterst\u00fctzerInnen viele Jahre eine Gruppe in SPD und Jungsozialisten gebildet hatten und 1994 als Schlussfolgerung aus dem weitgehenden Rechtsruck der Sozialdemokratie die SAV gr\u00fcndeten. Das \u201eV\u201c in SAV stammt noch aus dieser Zeit, denn um die historische Kontinuit\u00e4t zum Ausdruck zu bringen, nannten wir die Organisation zuerst \u201eSozialistische Alternative Voran\u201c.<\/p>\n<p>Die 1990er Jahre waren gepr\u00e4gt von dem Triumphalismus der Kapitalisten und ihrer Vertreter in Politik und Medien angesichts des Zusammenbruchs der stalinistischen Staaten und der Wiederherstellung kapitalistischer Ausbeutungsverh\u00e4ltnisse in diesen L\u00e4ndern. Die Linke und die Arbeiterbewegung befanden sich in einer ideologisch-politischen Defensive. Wir schwammen gegen den Strom und eine sozialistische Ver\u00e4nderung der Gesellschaft erschien vielen als entweder unm\u00f6glich angesichts der Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse oder nicht erstrebenswert, weil der Stalinismus die sozialistische Idee diskreditiert hatte bzw. das Versprechen der bl\u00fchenden Landschaften geglaubt wurde.<\/p>\n<p>Aber zum Ende der 1990er Jahre entwickelten sich die ersten Risse in der kapitalistischen Globalisierung und ihrer ideologischen Dominanz. Eine neue Generation von jungen Menschen begann sich politisch nach links zu orientieren. Der Name \u201eVORAN\u201c erschien uns altbacken und f\u00fcr die neue Generation, denen die Begriffe der alten Arbeiterbewegung unbekannt waren, auch inhaltslos.<\/p>\n<figure id=\"attachment_22502\" aria-describedby=\"caption-attachment-22502\" style=\"width: 280px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/Sascha-e1350915072923.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-22502\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/Sascha-e1350915072923-280x173.jpg\" alt=\"Sascha Stanicic\" width=\"280\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/Sascha-e1350915072923-280x173.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/Sascha-e1350915072923-162x100.jpg 162w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/Sascha-e1350915072923-560x347.jpg 560w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/Sascha-e1350915072923.jpg 1191w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-22502\" class=\"wp-caption-text\">Sascha Stanicic<\/figcaption><\/figure>\n<h4>Also war der Schritt mehr als nur eine Namens\u00e4nderung. Welche politischen Perspektiven dr\u00fcckte das aus?<\/h4>\n<p>1999 gab es \u201eThe Battle of Seattle\u201c \u2013 die ersten Massenproteste gegen ein Gipfeltreffen der imperialistischen M\u00e4chte. Damals gegen die WTO. Erstmals kamen junge Aktivistinnen und Aktivisten zum Beispiel der Umweltbewegung mit Gewerkschaftsaktiven im Protest zusammen. Das war ein Wendepunkt und die Geburtsstunde der so genannten Antiglobalisierungsbewegung, die ja tats\u00e4chlich eine Bewegung gegen internationalen Neoliberalismus und kapitalistische Profitgier, gegen die Aufhebung von Handelshemmnissen im Interesse der gro\u00dfen Banken und Konzerne war. Wenn man sich alte Ausgaben der \u201eSolidarit\u00e4t\u201c anschaut, meint man die Zeit sei stehen geblieben. Zum Beispiel findet man in der ersten Ausgabe Argumente gegen das GATS-Abkommen, was sehr an die heutige Bewegung gegen TTIP erinnert.<\/p>\n<p>Jedenfalls wollten wir mit der Namens\u00e4nderung unserer Zeitung einen Schritt in Richtung dieser Bewegungen machen. Damals wurde attac gegr\u00fcndet und hatte tausende aktive Mitglieder. Auch SAV-Mitglieder engagierten sich bei attac und trieben dort die Diskussion voran, dass eine Kritik an neoliberaler Politik nicht ausreicht, sondern das kapitalistische Wirtschaftssystem selbst in Frage gestellt werden muss. Ich selbst war aktiv in der Berliner attac-Gruppe gegen den Krieg.<\/p>\n<p>\u201eSolidarit\u00e4t\u201c war aus unserer Sicht ein Begriff, der dem Bewusstsein dieser neuen Generation von Aktiven entsprach, aber auch von denen, die nach 1989\/90 sozusagen nicht von Bord gegangen waren und in gewerkschaftlichen und linken Strukturen aktiv geblieben waren. \u201eSolidarit\u00e4t\u201c ist aber auch ein Begriff der alten sozialistischen Arbeiterbewegung und dr\u00fcckte unserer Meinung nach die Verbindung zwischen neuer Antiglobalisierungsbewegung und \u201ealter\u201c Gewerkschaftsbewegung aus, die wir als n\u00f6tig betrachteten. Aber auch \u201eSozialistische Zeitung\u201c geh\u00f6rt zum Namen. Es war und ist uns auch wichtig, die Idee des Sozialismus offensiv zu propagieren und zu rehabilitieren.<\/p>\n<h4>Was ist denn die Rolle einer Zeitung in der heutigen Zeit?<\/h4>\n<p>Eine Zeitung ist f\u00fcr eine linke Organisation sehr wichtig. Wir f\u00fchren auch den Kampf um die K\u00f6pfe und die Kapitalisten haben eine ganze Armee von Propagandawaffen in ihren H\u00e4nden \u2013 und nat\u00fcrlich das Geld diese einzusetzen. Schauen wir uns die Situation nach dem Terroranschlag von Paris an. Alle gro\u00dfen Medien blasen in dasselbe Horn, weil sie letztlich auch interessegeleitet sind. Mit Informationen oder dem zur\u00fcckhalten von solchen wird Politik gemacht. Ein Beispiel: Wladimir Putin, der ja nun selber die russischen Medien in seinem Interesse beeinflusst, hat auf dem G20-Gipfel offenbart, welche Staaten mit dem so genannten Islamischen Staat Gesch\u00e4fte machen. Das wird in den Massenmedien aber so gut wie gar nicht berichtet. \u00c4hnliches gilt f\u00fcr die Massenproteste in Afghanistan gegen die Taliban und die Regierung.<\/p>\n<h4>Eine linke Gegen\u00f6ffentlichkeit, Gegeninformation ist dringend n\u00f6tig. Erkl\u00e4rungen f\u00fcr das Chaos in der Welt m\u00fcssen verbreitet werden.<\/h4>\n<p>Aber die \u201eSolidarit\u00e4t\u201c ist mehr, sie ist Handelnde, kann Kampagnen voran treiben, zur Aktion aufrufen und sie spielt eine wichtige Rolle f\u00fcr die Meinungsbildungsprozesse und die Aktivit\u00e4ten der SAV. Fr\u00fcher hie\u00df es in der revolution\u00e4ren Bewegung immer, dass eine Zeitung \u201ekollektiver Agitator und kollektiver Organisator\u201c ist. Da ist immer noch viel dran. Aber heute ist die Zeitung nat\u00fcrlich nur eines von vielen publizistischen Mitteln f\u00fcr eine sozialistische Organisation. Wir geben von der SAV zus\u00e4tzlich das viertelj\u00e4hrlich erscheinende Magazin sozialismus.info heraus und betreiben die gleichnamige Webseite, die t\u00e4glich aktualisiert wird. Heute sprechen wir mit unterschiedlichen Publikationen auch unterschiedliche Schichten an. Die Zeitung richtet sich mehr an den Erstleser und die Erstleserin, die wir auf Demonstrationen, auf der Stra\u00dfe oder vor Betriebstoren treffen und denen wir die SAV vorstellen wollen. Wir gehen davon aus, dass linke Aktivistinnen und Aktivisten heute st\u00e4rker das Internet nutzen und unsere Webseite f\u00fcr sie wichtiger ist. Nat\u00fcrlich sind auch die M\u00f6glichkeiten einer Monatszeitung sehr begrenzt. Darum sollten wir alles daran setzen, m\u00f6glichst bald zu einer 14-t\u00e4gigen oder sogar w\u00f6chentlichen Erscheinungsweise \u00fcberzugehen. Das w\u00fcrde den Wirkungsgrad der \u201eSolidarit\u00e4t\u201c enorm steigern.<\/p>\n<h4>Warum findet man keine Anzeigen in der \u201eSolidarit\u00e4t\u201c?<\/h4>\n<p>Finanzielle Unabh\u00e4ngigkeit ist uns wichtig. das hei\u00dft wir wollen nur von unseren Leserinnen und Lesern abh\u00e4ngig sein und unsere Inhalte nicht nach den Interessen von Anzeigenkunden ausrichten m\u00fcssen. Deshalb verkaufen wir die \u201eSolidarit\u00e4t\u201c und verteilen sie nicht kostenlos, wie das manche Parteien oder Organisationen machen, die entweder durch Anzeigen, Stiftungsgelder oder staatliche Zusch\u00fcsse ihre Publikationen finanzieren lassen.<\/p>\n<h4>Wenn Du auf die letzten 150 Ausgaben zur\u00fcck blickst, was war dann der wichtigste Beitrag, den die \u201eSolidarit\u00e4t\u201c geleistet hat?<\/h4>\n<p>Der wichtigste Beitrag ist politisch. Eine, einfach verst\u00e4ndliche, marxistische Erkl\u00e4rung f\u00fcr die Ereignisse in der Welt geben, daraus politische Perspektiven ableiten und Alternativen zu den Krisen, den Kriegen und dem ganzen kapitalistischen System zu formulieren. Nat\u00fcrlich auch die konkreten Vorschl\u00e4ge f\u00fcr Bewegungen und K\u00e4mpfe zu verbreiten. In den letzten 13 Jahren geh\u00f6rten dazu zweifellos eine Erkl\u00e4rung der kapitalistischen Globalisierung und nach 2007 der so genannten Gro\u00dfen Rezession bzw. der neuen Krisenperiode, in die der weltweite Kapitalismus eingetreten ist. Aber auch die Debatte dar\u00fcber, wie eine neue Linke aussehen sollte. SAV-Mitglieder waren ja von Anfang an bei der WASG dabei und haben dort f\u00fcr antikapitalistische Positionen gerungen. Wir sind aber schon in den Jahren zuvor f\u00fcr eine neue Arbeiterpartei eingetreten, haben vor Ort linke B\u00fcndnisse ins Leben gerufen und so den Boden f\u00fcr die WASG und sp\u00e4ter DIE LINKE mit gelegt. Die \u201eSolidarit\u00e4t\u201c hat hier einen wichtigen Beitrag geleistet, die innerparteilichen Debatten zu dokumentieren und von einem sozialistischen Standpunkt zu beeinflussen.<\/p>\n<h4>Welche Rolle spielt die Berichterstattung \u00fcber internationale Entwicklungen?<\/h4>\n<p>Eine ganz besonders gro\u00dfe. Zum einen nat\u00fcrlich weil internationale Entwicklungen objektiv von gro\u00dfer Bedeutung sind. Zum anderen aber auch, weil sie gerade auf die Entwicklung der Linken und Arbeiterbewegung in Deutschland stark zur\u00fcck wirken. Wir haben, weil die SAV Teil der weltweiten Organisation Komitee f\u00fcr eine Arbeiterinternationale ist, den gro\u00dfen Vorteil \u00fcber Korrespondenten in \u00fcber vierzig L\u00e4ndern auf der Welt zu verf\u00fcgen. So sind wir gerade bei internationalen Themen in der Lage, Ereignisse und Sichtweisen zu berichten, die niemand anders ver\u00f6ffentlicht. Ob \u00fcber Klassenk\u00e4mpfe in China, den Kampf gegen die Nazerbajew-Diktatur in Kasachstan oder die Bergarbeiterstreiks in S\u00fcdafrika 2013. Aber die \u201eSolidarit\u00e4t\u201c berichtet nicht nur, sondern wird ihrem Namen hier gerecht und organisiert auch praktische Unterst\u00fctzung.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Debatten innerhalb der Linken k\u00f6nnen wir zudem einen besonderen Beitrag leisten, weil wir durch unsere internationale Organisation mittendrin stecken in der Bewegung in anderen L\u00e4ndern. So haben wir fr\u00fcher als andere auf die b\u00fcrokratischen Entwicklungen in Venezuela und Bolivien unter Chav\u00e9z und Morales hingewiesen und diejenigen zu Wort kommen lassen, die dort f\u00fcr Selbstorganisation und sozialistische Demokratie k\u00e4mpfen. Oder wir haben in den letzten Jahren die Entwicklung von Syriza in Griechenland kritisch kommentiert und \u00fcber die Anstrengungen von SozialistInnen eine vereinigte und revolution\u00e4re Linke zu bilden, berichtet.<\/p>\n<h4>Was waren die wichtigsten Aktivit\u00e4ten der SAV, die von der \u201eSolidarit\u00e4t\u201c begleitet wurden?<\/h4>\n<p>Das sind so viele, dass es unm\u00f6glich ist, alle aufzuz\u00e4hlen. Wir haben einen wichtigen Beitrag im Kampf gegen die Agenda 2010 geleistet. Die SAV hat damals als erste Gruppe die Initiative zu der bundesweiten Gro\u00dfdemonstration am 1. November 2003 ergriffen, die mit 100.000 Menschen der Startpunkt f\u00fcr die weiteren Massenproteste gegen Agenda 2010 und Hartz IV war und die \u201eSolidarit\u00e4t\u201c hat diese Idee nat\u00fcrlich propagiert. Wir haben die jungen SAV-Mitglieder unterst\u00fctzt und zu Wort kommen lassen, die eine f\u00fchrende Rolle bei den riesigen Sch\u00fclerstreiks gegen den Irak-Krieg gespielt haben. Wir haben ganz viele lokale Kampagnen gef\u00fchrt, zum Beispiel haben SAV-Mitglieder in Dresden einen wichtigen Beitrag geleistet, die Privatisierung des Klinikums zu verhindern. In K\u00f6ln haben wir die Schlie\u00dfung von Schwimmb\u00e4dern verhindert. In Stuttgart haben wir eine wichtige Rolle beim Kampf gegen Stuttgart 21 gespielt und den Sch\u00fclerstreik am so genannten \u201eSchwarzen Donnerstag\u201c gemeinsam mit anderen organisiert, der dann zu dem Polizeieinsatz f\u00fchrte, der im November von einem Gericht als rechtswidrig verurteilt wurde. Die \u201eSolidarit\u00e4t\u201c hat auch immer sehr ausf\u00fchrlich \u00fcber gewerkschaftliche und betriebliche K\u00e4mpfe berichtet und die Solidarit\u00e4tsarbeit der SAV dokumentiert. Da fallen mir aus den letzten Jahren vor allem der wilde Streik bei Opel Bochum 2004, der Streik gegen die Schlie\u00dfung des Bosch-Siemens-Hausger\u00e4tewerks in Berlin 2006, die Streiks der GDL 2007 und 2014\/15 und die Streiks an der Berliner Charit\u00e9 ein.<\/p>\n<h4>Du hast ja schon auf die Aktivit\u00e4ten in WASG und LINKE hingewiesen. Wenn man die Ausgaben der \u201eSolidarit\u00e4t\u201c durchbl\u00e4ttert, f\u00e4llt die sehr ausf\u00fchrliche Berichterstattung dazu tats\u00e4chlich auf.<\/h4>\n<p>Das war und ist sicher von besonderer Bedeutung, der Aufbau der WASG und die politischen Auseinandersetzungen um den Kurs dieser neuen Partei bzw. heute von der LINKEN. Auch wenn die WASG gar nicht explizit antikapitalistisch war, hatte sie aus den Erfahrungen mit SPD, Gr\u00fcnen und PDS eine wichtige Schlussfolgerung gezogen: sie sprach sich deutlich gegen Regierungsbeteiligungen aus, die zu Sozialabbau, Privatisierungen und \u00e4hnlichem f\u00fchren. Damit stand die WASG faktisch links von der PDS, die ja im Berliner rot-roten Senat seit dem Jahr 2001 f\u00fcr eine solche Politik mitverantwortlich war. Der Berliner WASG war klar, dass eine linke Kandidatur gegen diesen Senat aus SPD und PDS dringend n\u00f6tig war und auf viel Resonanz sto\u00dfen w\u00fcrde. Damals kam dann nur der R\u00fccktritt der Schr\u00f6derregierung und die Neuwahlen 2005 \u201edazwischen\u201c und die Initiative von Oskar Lafontaine ein politisches Comeback zu machen unter der Bedingung, dass WASG und PDS zusammen gehen. Das f\u00fchrte zu der absurden Situation, dass Lafontaine und die bundesweite F\u00fchrung der WASG vom Berliner Landesverband forderten, bei den Abgeordnetenhauswahlen auf die eigene Kandidatur zu verzichten und stattdessen die PDS zu unterst\u00fctzen, also zur Wahl der Politik aufzurufen, die man bek\u00e4mpfte. SAV-Mitglieder waren damals ein wichtiger Teil der Berliner WASG und auch stark im Landesvorstand vertreten und haben sich dieser G\u00e4ngelung von oben widersetzt. Unsere Genossin Lucy Redler wurde zur Spitzenkandidatin der Berliner WASG gew\u00e4hlt. Leider hat die WASG- und PDS-F\u00fchrung und auch so manche im Berliner Landesverband dann mehr Kraft in die Verhinderung eines Wahlerfolgs der WASG als in den Kampf gegen die pro-kapitalistischen Parteien gelegt und so dazu beigetragen, dass die WASG an der F\u00fcnf-Prozent-H\u00fcrde scheiterte. Wobei das Ergebnis von 50.000 Stimmen eigentlich ein Erfolg war.<\/p>\n<h4>W\u00fcrdest Du sagen, dass Ihr im Hinblick auf Partei DIE LINKE mit Eurer Einsch\u00e4tzung richtig lagt?<\/h4>\n<p>Zu 95 Prozent ja. Es war ein Fehler, dass SAV-Mitglieder in Ostdeutschland und Berlin bei der Fusion von WASG und PDS nicht in die neue Partei gegangen sind. Diesen Fehler haben wir schnell korrigiert und sind nach einem Jahr beigetreten. F\u00fcr Fehler wird man aber bestraft und die F\u00fchrung der LINKEN hat gegen die Mitgliedschaft von Lucy Redler, mir und anderen Einspruch erhoben und unseren Beitritt in einem b\u00fcrokratischen Verfahren zwei Jahre hinausz\u00f6gern und so unsere Mitarbeit f\u00fcr diesen Zeitraum verhindern k\u00f6nnen, weil wir unsere Kritik an der Politik der Koalitionsbildung mit SPD und Gr\u00fcnen ja nicht eingestellt hatten. Aber das war ein taktischer Fehler. Unsere Einsch\u00e4tzung, dass DIE LINKE, wenn sie den Kurs der alten PDS wesentlich fortsetzt, keine massenwirksame Alternative wird, best\u00e4tigt sich \u2013 leider. Aber wir sind auch der Meinung, dass DIE LINKE in vielen gesellschaftlichen Auseinandersetzungen tats\u00e4chlich links wirkt und bei K\u00e4mpfen zwischen Kapital und Arbeit oder gegen Rassismus hilft. Vor allem aber ist der Kampf um die Ausrichtung der Partei noch nicht beendet und findet die Auseinandersetzung um die Frage, wie eine neue Linke aussehen soll, nicht zuletzt in der Partei und in ihrem Umfeld statt. SAV-Mitglieder sind deshalb aktiv in der Antikapitalistischen Linken (AKL) und dem BAK Revolution\u00e4re Linke (RL) im Jugendverband, um gemeinsam mit anderen einen starken sozialistischen und k\u00e4mpferischen Fl\u00fcgel in der Partei zu bilden.<\/p>\n<h4>Wo steht die \u201eSolidarit\u00e4t\u201c heute und was liegt vor uns?<\/h4>\n<p>Die 150. Ausgabe erscheint zu einer Zeit, in der die Welt aus den Fugen ger\u00e4t und immer mehr Menschen das auch so empfinden. Das f\u00fchrt zu einer v\u00f6llig neuen Qualit\u00e4t von Zukunfts\u00e4ngsten, wie wir sie vielleicht seit den Zeiten des Wettr\u00fcstens in den 1980er Jahren nicht mehr kannten. Das beinhaltet die Gefahr der St\u00e4rkung rechtspopulistischer und faschistischer Kr\u00e4fte und des weiteren Abbaus demokratischer Rechte. Beides m\u00fcssen wir leider beobachten. Aber auf der anderen Seite sehen wir auch das Potenzial f\u00fcr soziale und gewerkschaftliche K\u00e4mpfe, Massenbewegungen und dass viele Menschen auf der Suche nach Antworten und Erkl\u00e4rungen sich nach links orientieren. Hier kann und wird die \u201eSolidarit\u00e4t\u201c eine wichtige Rolle spielen, wie auch unsere Webseite und das Magazin sozialismus.info.<\/p>\n<p>Unsere M\u00f6glichkeiten sind noch eingeschr\u00e4nkt aufgrund der monatlichen Erscheinungsweise und dem begrenzten Umfang. Trotzdem sind wir \u00fcberzeugt, dass wir auch heute schon die beste sozialistische Zeitung in diesem Land machen. Die SAV hat gerade im letzten Jahr durch unseren entschlossenen Kampf gegen Pegida, AfD und Rassismus, durch unsere Aktivit\u00e4ten bei den Streiks der Lokf\u00fchrerInnen, an der Charit\u00e9 und im Sozial- und Erziehungsdienst neue Unterst\u00fctzerInnen und Mitglieder gewonnen. Vor allem konnten wir viele Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler und Jugendliche ansprechen. Das wird uns die M\u00f6glichkeit geben, auch unsere publizistische Arbeit in den n\u00e4chsten Jahren auszuweiten. Wie genau dies aussehen wird, welche Rolle dabei die \u201eSolidarit\u00e4t\u201c, welche Rolle Webseite, Magazin, B\u00fccher und Brosch\u00fcren spielen werden, werden unsere Mitglieder demokratisch entscheiden. Aber sicher ist, dass wir jeden Tag und jede Woche mehr und mehr sozialistische Ideen f\u00fcr den Widerstand gegen den Kapitalismus in die Welt setzen werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Interview mit \u201eSolidarit\u00e4t\u201c-Redakteur Sascha Stanicic<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":31834,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[104],"tags":[742],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/31833"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=31833"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/31833\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":31836,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/31833\/revisions\/31836"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/31834"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=31833"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=31833"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=31833"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}