{"id":31784,"date":"2016-01-08T11:10:11","date_gmt":"2016-01-08T10:10:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=31784"},"modified":"2018-11-08T11:14:13","modified_gmt":"2018-11-08T10:14:13","slug":"mit-rosa-luxemburg-und-karl-liebknecht-gegen-den-krieg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2016\/01\/mit-rosa-luxemburg-und-karl-liebknecht-gegen-den-krieg\/","title":{"rendered":"Mit Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht gegen den Krieg"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/Rosa-Luxemburg-w\u00e4hrend-einer-Rede-auf-dem-Internationalen-Sozialisten-Kongress-in-Stuttgart-August-1907-e1405690919430.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-28496\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/Rosa-Luxemburg-w\u00e4hrend-einer-Rede-auf-dem-Internationalen-Sozialisten-Kongress-in-Stuttgart-August-1907-e1405690919430-280x173.jpg\" alt=\"Rosa Luxemburg w\u00e4hrend einer Rede auf dem Internationalen Sozialisten-Kongress in Stuttgart, August 1907\" width=\"280\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/Rosa-Luxemburg-w\u00e4hrend-einer-Rede-auf-dem-Internationalen-Sozialisten-Kongress-in-Stuttgart-August-1907-e1405690919430-280x173.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/Rosa-Luxemburg-w\u00e4hrend-einer-Rede-auf-dem-Internationalen-Sozialisten-Kongress-in-Stuttgart-August-1907-e1405690919430-162x100.jpg 162w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/Rosa-Luxemburg-w\u00e4hrend-einer-Rede-auf-dem-Internationalen-Sozialisten-Kongress-in-Stuttgart-August-1907-e1405690919430-560x347.jpg 560w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/Rosa-Luxemburg-w\u00e4hrend-einer-Rede-auf-dem-Internationalen-Sozialisten-Kongress-in-Stuttgart-August-1907-e1405690919430-534x330.jpg 534w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/Rosa-Luxemburg-w\u00e4hrend-einer-Rede-auf-dem-Internationalen-Sozialisten-Kongress-in-Stuttgart-August-1907-e1405690919430.jpg 622w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a>Massenwiderstand statt Diplomatie<\/strong><\/p>\n<p>Als \u201eUr-Katastrophe des zwanzigsten Jahrhunderts\u201c bezeichnen manche b\u00fcrgerliche Historiker den Ersten Weltkrieg. Doch Kriege passieren nicht einfach, sie sind Ausdruck der kapitalistischen Konkurrenz \u2013 \u201eDer Kapitalismus tr\u00e4gt den Krieg in sich wie die Wolke den Regen\u201c, so Jean Jaur\u00e8s, damals Vorsitzender der franz\u00f6sischen Sozialistischen Partei.<\/p>\n<p><em>von Marc Treude, Aachen<\/em><\/p>\n<p>Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts hatten sich die f\u00fchrenden imperialistischen M\u00e4chte die Welt unter sich aufgeteilt und riesige Kolonialreiche in Afrika und Asien geschaffen. Das Deutsche Reich war nach seiner Gr\u00fcndung 1871 zu sp\u00e4t dran, um einen gr\u00f6\u00dferen Teil vom Kuchen abzubekommen. Das deutsche Kapital dr\u00e4ngte zur weiteren Expansion. Gleichzeitig war in Deutschland durch die Industrialisierung des 19. Jahrhunderts die m\u00e4chtigste Arbeiterklasse der Welt entstanden \u2013 und hatte sich mit der SPD die st\u00e4rkste Partei geschaffen.<\/p>\n<h4>SozialistInnen gegen Krieg<\/h4>\n<p>Zu den Gr\u00fcndern der SPD geh\u00f6rte Wilhelm Liebknecht (1826-1900). Sein Sohn Karl wurde zur Personifizierung des Protests gegen den Weltkrieg. Als Autor der Schrift \u201eMilitarismus und Antimilitarismus\u201c wurde er 1907 wegen Hochverrats zu eineinhalb Jahren Haft verurteilt, aber trotzdem 1908 zum Landtagsabgeordneten in Preu\u00dfen gew\u00e4hlt. Seine Verteidigungsreden vor Gericht griffen die Kriegstreiberei des Kaisers scharf an und machten ihn \u00fcber Nacht in ganz Deutschland ber\u00fchmt. Ab Januar 1912 in den Reichstag gew\u00e4hlt, machte sich Liebknecht erneut einen Namen, als er Verbindungen zwischen Regierung und R\u00fcstungskonzernen wie Krupp aufdeckte und anklagte.<\/p>\n<p>Rosa Luxemburg wurde 1871 in Polen geboren, und beteiligte sich am Aufbau der polnischen Sozialdemokratie, bevor sie 1898 nach Berlin zog und der SPD beitrat. Nach der ersten russischen Revolution 1905 setzte sich Rosa st\u00e4rker mit Aktionen gegen den drohenden Krieg auseinander, und betonte die Notwendigkeit von Generalstreik.<\/p>\n<h4>Neuaufteilung der Welt<\/h4>\n<p>Zu Beginn des 20. Jahrhunderts f\u00fchrten wachsende Spannungen zu einer enormen Aufr\u00fcstung vor allem von Frankreich, England und dem deutschen Kaiserreich. Die Welt war unter den M\u00e4chten aufgeteilt, und das deutsche Kapital wollte mehr an Rohstoffen, Kolonien und Absatzm\u00e4rkten. Dazu mussten andere Kolonialisten vertrieben werden. Es lief auf eine kriegerische Auseinandersetzung hinaus, die notwendigerweise nicht auf Europa beschr\u00e4nkt bleiben konnte. Es ging um die Neuaufteilung der Welt, bei der das deutsche Kapital gewinnen und die wirtschaftliche und politische Vorherrschaft in Europa wollte. Das f\u00fchrte zum Krieg \u2013 das Attentat auf den \u00f6sterreichischen Thronfolger im Juli 1914 diente nur als Vorwand, den Krieg zu beginnen.<\/p>\n<h4>Aktivit\u00e4ten gegen das Schlachten<\/h4>\n<p>Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg beteiligten sich an vielen Konferenzen gegen die drohende Kriegsgefahr und beide vertraten einen internationalistischen Standpunkt gegen die zunehmende Anpassung der SPD.<\/p>\n<p>1914 wird Rosa zu vierzehn Monaten Haft verurteilt. Sie hatte auf einer Demonstration vor hunderttausenden Menschen gefordert, im Falle des Krieges die Befehle zu verweigern und nicht auf die Klassenbr\u00fcder der anderen Armeen zu schie\u00dfen.<\/p>\n<p>Karl war als Reichstagsabgeordneter sicher, dass sich die SPD-Fraktion nicht auf die Seite von Kaiser und Kapital stellen w\u00fcrde, musste sich am 4. August aber eines Besseren belehren lassen. Die SPD und die von ihr kontrollierten Gewerkschaften stimmten der sogenannten \u201eBurgfriedenspolitik\u201c zu und erkl\u00e4rten Zustimmung zu den Kriegskrediten und den Verzicht auf Streiks und Demonstrationen. Liebknecht hatte sich der Fraktionsdisziplin gebeugt, da er noch davon ausging, dass dies ein einmaliger Fehler sein w\u00fcrde. Im Dezember verweigerte er dann weitere Kredite und wurde dadurch auch international ber\u00fchmt.<\/p>\n<p>Am Tag nach dem verheerenden Einknicken der SPD-Fraktion gr\u00fcndete Rosa mit anderen radikalen Linken in der SPD die \u201eGruppe Internationale\u201c, der sich sehr bald auch Liebknecht anschloss. Mit dieser kleinen Gruppe aufrechter SozialistInnen begann die organisierte Arbeit gegen den Krieg: Diskussionen mit Reichstagsabgeordneten, um diese davon zu \u00fcberzeugen gegen weitere Kriegskredite zu stimmen, vor allem aber Auftritte auf unz\u00e4hligen Versammlungen.<\/p>\n<h4>Streiks und Revolution<\/h4>\n<p>Erst im Sommer 1916 kam es zu ersten gr\u00f6\u00dferen Streiks gegen den Krieg, organisiert von den Revolution\u00e4ren Obleuten, einer gut aufgestellten Gruppe von Vertrauensleuten in den Berliner Gro\u00dfbetrieben. Auf einer dieser Demonstrationen hielt Liebknecht seine ber\u00fchmte Rede, in der er erkl\u00e4rte, dass der Hauptfeind im eigenen Land steht. Arbeiter d\u00fcrften nicht weiter auf andere Arbeiter schie\u00dfen, die Verantwortung f\u00fcr den Krieg l\u00e4ge bei Kaiser und Kapital. Daf\u00fcr musste er erneut wegen Hochverrats ins Gef\u00e4ngnis, das er erst im Oktober 1918 verlassen konnte: aufgrund von Streiks und Massendemonstrationen hatte die Reichsregierung politische Gefangene amnestiert.<\/p>\n<p>Anfang November begann mit den Matrosenaufst\u00e4nden in norddeutschen H\u00e4fen die Revolution, die schnell auf die Arbeiterklasse und ganz Deutschland \u00fcbersprang. Der Kaiser musste abdanken und fliehen, der Krieg wurde beendet.<\/p>\n<h4>Lehren f\u00fcr heute<\/h4>\n<p>Die eigentliche Katastrophe war, dass die SPD ihre Anh\u00e4ngerschaft verraten hatte und den Krieg erst erm\u00f6glichte. Umso wichtiger war eine organisierte Opposition, die aber mit der \u201eGruppe Internationale\u201c viel zu sp\u00e4t gegr\u00fcndet worden war. Gemeinsam mit den Internationalen Kommunisten wurde zwar am 31. Dezember 1918 die Kommunistische Partei Deutschlands gegr\u00fcndet, aber diese war zu schwach und unerfahren, um der Revolution zum Sieg zu verhelfen. Rosa und Karl bezahlten daf\u00fcr mit ihrem Leben. Sie wurden am 15. Januar 1919 von rechtsradikalen Freikorps ermordet.<\/p>\n<p>Keine Diplomatie hatte den Krieg stoppen k\u00f6nnen, sondern nur eine Revolution, die Massen mobilisierte. Das ist die zentrale Lehre f\u00fcr heute. Nicht die Vereinten Nationen, nicht Gespr\u00e4che auf h\u00f6chster Ebene, nicht Appelle an die Regierenden k\u00f6nnen die vor unseren Augen stattfindende Zunahme von Krieg und Militarismus stoppen. Damals wie heute ist das wirkungsvollste Mittel gegen den Krieg der Aufbau von Massenbewegungen und von einer sozialistischen Alternative zum kapitalistischen System.<\/p>\n<p><em>Marc Treude ist Sprecher des LINKE Ortsverbandes Aachen<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Massenwiderstand statt Diplomatie<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":28496,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[86],"tags":[1469,742],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/31784"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=31784"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/31784\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":31879,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/31784\/revisions\/31879"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/28496"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=31784"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=31784"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=31784"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}