{"id":31608,"date":"2015-11-07T19:44:34","date_gmt":"2015-11-07T18:44:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=31608"},"modified":"2015-11-04T20:02:53","modified_gmt":"2015-11-04T19:02:53","slug":"unsichere-aussichten-fuer-die-weltwirtschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2015\/11\/unsichere-aussichten-fuer-die-weltwirtschaft\/","title":{"rendered":"Unsichere Aussichten f\u00fcr die Weltwirtschaft"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_31610\" aria-describedby=\"caption-attachment-31610\" style=\"width: 231px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/krise.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-31610\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/krise-231x173.jpg\" alt=\"CC0 Public Domain\" width=\"231\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/krise-231x173.jpg 231w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/krise-463x347.jpg 463w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/krise-600x450.jpg 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/krise.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 231px) 100vw, 231px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-31610\" class=\"wp-caption-text\">CC0 Public Domain<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Stahlwerke schlie\u00dfen, die Rohstoffpreise kollabieren, die Wirtschaft in China ger\u00e4t ins Stocken, die Euro-Krise h\u00e4lt an \u2026<\/strong><\/p>\n<p><em>von Robin Clapp, \u201eSocialist Party\u201c (Schwesterorganisation der SAV und Sektion des CWI in England &amp; Wales)<\/em><\/p>\n<p>Acht Jahre nach dem Crash, der zur \u201eGro\u00dfen Rezession\u201c gef\u00fchrt hat, bleibt das weltweite W\u00e4hrungssystem ohne Reformen und labil. Gemessen an den historischen Standards bleibt die Erholung \u00e4u\u00dferst schwach.<\/p>\n<p>Doch trotz Eurokrise, zunehmender Instabilit\u00e4t im Nahen Osten und nun auch noch der aufkommenden Panik in den entwickelten L\u00e4ndern in Folge der wirtschaftlichen Verlangsamung in China sind die B\u00f6rsenkurse unter\u00b4m Strich weiterhin im Steigen begriffen.<\/p>\n<p>Die Begr\u00fcndung daf\u00fcr ist einfach: Die wichtigsten M\u00e4rkte der Welt sind mit Stimulanzen in Form des \u201equantitative easing\u201c (QE; = Erh\u00f6hung der Geldmenge) vollgepumpt worden, mit Geldsch\u00f6pfungsprogrammen, die von den Zentralbanken durchgef\u00fchrt wurden.<\/p>\n<p>In Kombination mit niedrigen Zinsraten haben derlei Programme wie eine Sauerstoffmaske gewirkt, die es dem Patienten m\u00f6glich gemacht haben, sich eine Erholungsphase vorzustellen. In Wirklichkeit drohen diese Ma\u00dfnahmen nun zu Ausl\u00f6sern der n\u00e4chsten Wirtschaftskrise zu werden.<\/p>\n<p>Ein Versuch, die wesentlichen strukturellen Probleme der letzten drei Jahrzehnte zu beseitigen, wurde an keiner Stelle unternommen. Als sich die US-amerikanische Wirtschaft zwischen 2009 und 2012 erholte, haben die reichsten zehn Prozent der Haushalte in den USA fast die gesamten Zugewinne eingeheimst. Die anderen 90 Prozent mussten erleben, wie ihre Lebensstandards gesunken sind.<\/p>\n<p>Der Produktivit\u00e4tszuwachs in Gro\u00dfbritannien bleibt desolat, wie die j\u00fcngste Rede von Jon Cunliffe, dem Vize-Pr\u00e4sidenten der \u201eBank of England, belegt: \u201eIn den zehn Jahren, bevor die Krise einsetzte, gingen 23 Prozent des gesamten Wirtschaftswachstums auf das Wachstum pro Arbeitsstunde in der Volkswirtschaft Gro\u00dfbritanniens zur\u00fcck.<\/p>\n<h4>IWF<\/h4>\n<p>\u201eDie Hauptst\u00fctze des Wirtschaftswachstums, die anderen 77 Prozent, resultierten aus dem Produktivit\u00e4tsanstieg. Seit 2013 gehen nur neun Prozent des j\u00e4hrlichen Wirtschaftswachstums Gro\u00dfbritanniens auf die Produktivit\u00e4tszuw\u00e4chse zur\u00fcck. Die verbleibenden 91 Prozent stammen aus einer Zunahme der geleisteten Gesamtarbeitszeit\u201c.<\/p>\n<p>Jetzt warnt der IWF vor einem gestiegenen Risiko eines erneuten weltweiten Finanzcrash aufgrund der globalen Folgen, die die Verlangsamung in China und der dramatische R\u00fcckgang im Welthandel hat, der in der ersten H\u00e4lfte 2015 um acht Prozent zur\u00fcckgegangen ist.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem weist der W\u00e4hrungsfonds auf eine instabile Lage und Rezession hin, von denen L\u00e4nder wie Brasilien, die T\u00fcrkei, Australien und Malaysia betroffen sind. Dies k\u00f6nnte drei Prozent des weltweiten BIP (Gesamtleistung) kosten, womit die bisherigen Wachstumsprognosen f\u00fcr die Weltwirtschaft im Jahr 2015 auf 3,1 Prozent abgesenkt w\u00e4ren. Das ist das schw\u00e4chste Abschneiden seit sechs Jahren.<\/p>\n<p>Sollte es in den USA tats\u00e4chlich zur Zinsanhebung kommen, so werden Haushalte und Unternehmen von Indonesien bis in die T\u00fcrkei, die Billionen an US-Dollar an Krediten aufgenommen haben, heftige Kostensteigerungen bei Zins und Tilgung erleben, was das Verh\u00e4ltnis zur jeweils eigenen W\u00e4hrung angeht.<\/p>\n<h4>Sturzflug<\/h4>\n<p>Bedenklich ist, dass die Zahlen auf Folgendes hindeuten: Aus den 19 gr\u00f6\u00dften Volkswirtschaften, die zu den sogenannten \u201cSchwellenl\u00e4ndern\u201d gerechnet werden, wurde in den 13 Monaten bis Juli bereinigt fast doppelt so viel Kapital abgezogen als in den neun Monaten nach dem Banken-Kollaps von 2008.<\/p>\n<p>Der gro\u00dfe Crash von 2007\/-09, die immer noch ungel\u00f6ste Eurokrise und nun der Sturzflug der entwickelten Volkswirtschaften aufgrund der in Stottern geratenen Zugmaschine namens China &#8230; \u2013 all diese Aspekte befeuern sich gegenseitig und offenbaren die Sackgasse, in der sich der Kapitalismus befindet.<\/p>\n<p>Diese \u00f6konomischen Unsicherheiten haben die USA bislang dazu gezwungen, selbst die kleinste Zinserhebung weiter zu verschieben. Der Grund daf\u00fcr ist die Sorge vor einer gef\u00e4hrlichen Kombination aus deflation\u00e4rem Druck, einer Kette von W\u00e4hrungsabwertungen und einer L\u00e4hmung der Weltwirtschaft.<\/p>\n<p>Selten zuvor waren so viele Zentralbanken derart schlecht aufgestellt, um mit einer weitere Rezession zurecht zu kommen. Fast alle Notenbanken haben weniger Spielraum f\u00fcr finanzpolitische Man\u00f6ver als noch im Jahr 2007.<\/p>\n<h4>Sozialismus<\/h4>\n<p>Im August sind die Auftragszahlen der US-amerikanischen Konzerne st\u00e4rker als erwartet zur\u00fcckgegangen, und zum ersten Mal seit acht Monaten ist die Wirtschaftst\u00e4tigkeit in New York im vergangenen Monat zur\u00fcckgegangen. Das sind Belege daf\u00fcr, dass die Schw\u00e4che der Weltwirtschaft auch die USA nicht au\u00dfer Acht l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Seinen Widerhall fand dies in der Warnung der \u201eWeltbank\u201c, dass ein schwacher Konsum, blutarme Investitionst\u00e4tigkeiten und eine niedrige Inflation sich gegenseitig verst\u00e4rken und so zu einer Spirale der Deflation werden k\u00f6nnten. Das kann zu einer fest verwurzelten globalen Stagnation f\u00fchren.<\/p>\n<p>Kein Wunder, dass der Vorstandsvorsitzende von \u201eUnilever\u201c (einer der gr\u00f6\u00dften Hersteller von Verbrauchsg\u00fctern weltweit; Erg. D. \u00dcbers.) davor gewarnt hat, dass \u201edie gr\u00f6\u00dfte Gefahr f\u00fcr den Kapitalismus im kapitalistischen Vorgehen selbst besteht\u201c.<\/p>\n<p>Wenn die Produktion nur nach dem Profit ausgerichtet ist, so kann sie niemals f\u00fcr langfristige Stabilit\u00e4t sorgen. Krisen wie diese sind keine Ausnahme im Kapitalismus, sie sind einfach nur Ausdruck daf\u00fcr, wie das anarchische Profitsystem funktioniert.<\/p>\n<p>Der einzige Ausweg ist die sozialistische Alternative. Die Wirtschaft darf nicht in den H\u00e4nden der Gro\u00dfkonzerne bleiben, die nur f\u00fcr Profite existieren.<\/p>\n<p>Stattdessen sollten die Besch\u00e4ftigten den Reichtum besitzen und kontrollieren, den sie produziert haben. Nur demokratische sozialistische Planung kann zu einer stabilen Wirtschaft f\u00fchren, in der die Produktion darauf ausgerichtet ist, den Bed\u00fcrfnissen der Menschen gerecht zu werden.<\/p>\n<h4>Chinesischer Tiger wirkt zahnlos<\/h4>\n<p>Die Verlangsamung in China lehrt die Kapitalisten das F\u00fcrchten. Es ist klar, dass der R\u00fcckgang an den B\u00f6rsen f\u00fcr eine umfassendere wirtschaftliche Zuspitzung steht. Das offizielle BIP-Wachstum hat sich seit 2007 auf 7,4 Prozent halbiert.<\/p>\n<p>Die Importe sind zur\u00fcckgegangen, w\u00e4hrend die Exporte ebenfalls weniger geworden sind. Und das trotz der Konjunkturma\u00dfnahmen, mit denen das Wachstum stimuliert werden sollte. Im August ist die wirtschaftliche T\u00e4tigkeit in Chinas Fabriken so schnell zur\u00fcckgegangen wie in fast sieben Jahren nicht mehr.<\/p>\n<p>Mit vier Billionen Dollar an Reserven in ausl\u00e4ndischer W\u00e4hrung und Zinsraten, die weiterhin \u00fcber der Vier-Prozent-Marke liegen, hat Peking mehr \u00f6konomischen Spielraum f\u00fcr Man\u00f6ver als seine westlichen Kontrahenten.<\/p>\n<p>Doch Chinas Verlangsamung sorgt f\u00fcr Chaos in der Weltwirtschaft. Das liegt an dem bis dato unstillbaren Hunger auf Rohstoffe, der die H\u00e4lfte der weltweiten Nachfrage nach Nickel, Aluminium und Kupfer ausmachte.<\/p>\n<p>Die Folgen sind \u00fcberall zu sp\u00fcren, und der Rohstoffh\u00e4ndler \u201eGlencore\u201c aus der Schweiz, der im entsprechenden Leitindex FTSE gelistet ist und Bergwerke von Chile bis Norwegen besitzt, musste miterleben, wie sein B\u00f6rsenkurs seit Mai um 40 Prozent gesunken ist.<\/p>\n<h4>USA<\/h4>\n<p>Sinkende Preise aufgrund zur\u00fcckgehender Nachfrage nach \u00d6l und anderen Wirtschaftsg\u00fctern haben den \u00d6l- und Rohstoff-reichen L\u00e4ndern bereits herbe Schl\u00e4ge versetzt. Diese sind abh\u00e4ngig von den Einnahmen aus dem Rohstoffhandel. Ihre Lage hat sich wegen der Stagnation in China drastisch versch\u00e4rft.<\/p>\n<p>Die Preise am Fabriktor sind in ganz Asien gesunken, was auf \u00dcberkapazit\u00e4ten in der Industrie hinweist und es f\u00fcr Unternehmen schwieriger macht, die Schulden zu bedienen, die sie in den Jahren des Aufschwungs angeh\u00e4uft haben.<\/p>\n<p>J\u00fcngste Erhebungen des \u201eInternationalen W\u00e4hrungsfonds\u201c (IWF) kommen zu dem Ergebnis, dass eine Vervierfachung der Unternehmenskredite in den Volkswirtschaften der \u201eSchwellenl\u00e4nder\u201c in den zehn Jahren bis 2014 vor allem auf eine Flut billigen Geldes aus dem \u201equantitative easing\u201c zur\u00fcckgehen, das den J\u00e4gern nach schnellen Renditen durch die Zentralbanken der westlichen L\u00e4nder zur Verf\u00fcgung gestellt wurde.<\/p>\n<p>Geld wurde in die rasch wachsenden \u201eSchwellenl\u00e4nder\u201c gepumpt, w\u00e4hrend die Zinsraten in den westlichen Staaten auf Tiefstst\u00e4nde abgesenkt wurden. Die M\u00f6glichkeit einer bevorstehenden Zinserh\u00f6hung in den USA hat dazu gef\u00fchrt, dass jene Gelder allm\u00e4hlich abgezogen werden, da die Investoren nach ertragreicheren US-Anleihen Ausschau halten. Die Folge davon ist, dass f\u00fcr die M\u00e4rkte der \u201eSchwellenl\u00e4nder\u201c in diesem Jahr eine Netto-Kapitalflucht erwartet wird \u2013 zum ersten Mal seit 1988.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stahlwerke schlie\u00dfen, die Rohstoffpreise kollabieren, die Wirtschaft in China ger\u00e4t ins Stocken, die Euro-Krise h\u00e4lt an \u2026<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":31610,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[127],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/31608"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=31608"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/31608\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":31611,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/31608\/revisions\/31611"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/31610"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=31608"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=31608"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=31608"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}