{"id":31514,"date":"2015-10-25T10:00:05","date_gmt":"2015-10-25T09:00:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=31514"},"modified":"2015-10-23T16:49:02","modified_gmt":"2015-10-23T14:49:02","slug":"shell-studie-der-schnitt-heiligt-die-klassenspaltung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2015\/10\/shell-studie-der-schnitt-heiligt-die-klassenspaltung\/","title":{"rendered":"Shell-Studie: Arme Jugendliche ticken anders"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/22281_778808268882813_3217923836727961290_n-e1445516575447.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-31515\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/22281_778808268882813_3217923836727961290_n-e1445516575447-280x173.jpg\" alt=\"Jugend\" width=\"280\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/22281_778808268882813_3217923836727961290_n-e1445516575447-280x173.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/22281_778808268882813_3217923836727961290_n-e1445516575447-162x100.jpg 162w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/22281_778808268882813_3217923836727961290_n-e1445516575447-560x347.jpg 560w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/22281_778808268882813_3217923836727961290_n-e1445516575447-600x371.jpg 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/22281_778808268882813_3217923836727961290_n-e1445516575447-534x330.jpg 534w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/22281_778808268882813_3217923836727961290_n-e1445516575447.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a>Ergebnisse verdeutlichen soziale Kluft unter Jugendlichen<\/strong><\/p>\n<p>Wie tickt die Jugend? Einen groben Gradmesser \u00fcber aktuelle Stimmungsbilder bietet die nun erschienene Shell-Studie, die sich im F\u00fcnfjahrestakt mit Einstellungen und Meinungen von Zw\u00f6lf- bis 25-J\u00e4hrigen auseinandersetzt.<\/p>\n<p><em>von Yannic Dyck, G\u00f6ttingen<\/em><\/p>\n<p>Die herrschende Klasse und ihre Medien nehmen die Shell-Studie zum Anlass, eine wahre Lobeshymne auf die Jugend von heute anzustimmen: \u201eDie Jugend in Deutschland blickt positiv in die eigene Zukunft und in die Zukunft der Gesellschaft, ist mehrheitlich stolz auf das Land, in dem sie aufw\u00e4chst, h\u00e4lt Familienwerte hoch und bejaht mehrheitlich auch Leistungswerte wie Flei\u00df und Ehrgeiz\u201c, erfreut sich die konservative FAZ \u00fcber eine scheinbar zufriedene, gl\u00fcckliche Generation, der alle T\u00fcren offen zu stehen scheinen. Besonders gehypt wird dabei der Befund, dass 61 Prozent der Befragten positiv in die Zukunft blicken. Viel interessanter ist jedoch, was WELT, FAZ und Co. uns hierbei verschweigen. Tats\u00e4chlich kommt der hohe durchschnittliche Optimismus dadurch zustande, dass vor allem Jugendliche aus privilegierten, b\u00fcrgerlichen Elternh\u00e4usern zu gro\u00dfen Teilen einer rosigen Zukunft entgegenblicken. So stimmten ganze 74 Prozent der Kinder und Jugendlichen aus der Oberschicht der Aussage zu. Von den Befragten aus der sozial \u201eschw\u00e4chsten\u201c Schicht hingegen blickt lediglich ein Drittel optimistisch in die Zukunft. Hinsichtlich der Realisierbarkeit beruflicher Ziele zeigen sich 81 Prozent der Eliten zuversichtlich, w\u00e4hrend es bei den Kindern und Jugendlichen, die in der Studie zur untersten Schicht gez\u00e4hlt werden, gerade einmal 46 Prozent sind. Hier wird die Klassenspaltung der Gesellschaft sichtbar, zu der die b\u00fcrgerlichen Medien schweigen.<\/p>\n<h4>Die Klassengegens\u00e4tze haben System<\/h4>\n<p>Diese Ergebnisse sind weder eine \u00dcberraschung noch Zeugnis einzelner politischer Fehlentwicklungen, sondern logische Folge eines Systems, das auf Leistungszwang, Gewinnstreben, Konkurrenz und wirtschaftlicher Verwertung basiert. Den Kindern wird schnell klar gemacht, dass es nicht darum geht, sich mit sich und der Welt auseinanderzusetzen, Kreativit\u00e4t und Neugier auszuleben und frei nach ihren Bed\u00fcrfnissen und Interessen zu lernen, sondern darum, im brutalen Selektionsapparat Schule mitzuhalten, besser als andere zu sein. Die Belohnung daf\u00fcr ist dann die Aussicht auf eine Ausbildung, auf einen Studienplatz, auf einen gut bezahlten Job. Kinder aus privilegierten Elternh\u00e4usern k\u00f6nnen sich dabei meist auf die Unterst\u00fctzung von zu Hause verlassen, sie bekommen die M\u00f6glichkeit sich Nachhilfe finanzieren zu lassen oder teure Privatschulen zu besuchen. Diese Chance haben die meisten Kinder der Arbeiterklasse, von Sozialhilfeempf\u00e4ngerInnen oder prek\u00e4r Besch\u00e4ftigen nicht. Dass Jugendliche aus diesen Schichten da nicht positiv in die private und berufliche Zukunft blicken, verwundert nicht.<\/p>\n<h4>Jugendliche lehnen die herrschende prokapitalistische Politik ab!<\/h4>\n<p>Ein weiterer Befund aus der Shell-Studie der medial besonders herausgegriffen wurde, ist das steigende politische Interesse der Mehrheit der Jugendlichen (41 Prozent gaben an sich f\u00fcr Politik zu interessieren). Doch auch hier werden die Klassengegens\u00e4tze verschwiegen. Denn w\u00e4hrend die Kinder aus dem Gro\u00dfb\u00fcrgertum zu 54 Prozent an Politik interessiert sind, liegt der Wert in den sogenannten \u201eunteren Schichten\u201c bei gerade einmal 24 Prozent. Hinzu kommt, dass der herrschenden Politik seitens der Jugendlichen keinerlei Vertrauen entgegengebracht wird. Die \u00fcberw\u00e4ltigende Mehrheit ist laut Studie der Meinung, dass sich die PolitikerInnen nicht darum k\u00fcmmern, was die ganz normalen Leute denken. Diese Ablehnung des b\u00fcrgerlichen Parteienkartells und ihrer Politik im Interesse der Banken und Konzerne kommt nicht von ungef\u00e4hr. W\u00e4hrend SPD, CDU, Gr\u00fcne und FDP mit ihrer Politik aus Sozialk\u00fcrzungen, Stellenabbau, Privatisierungen und Lohndumping das Leben f\u00fcr die Mehrheit der Menschen systematisch verschlechtern, sozialen Abstieg, wachsende Armut und immer st\u00e4rkere Ausbeutung f\u00f6rdern, profitieren von dieser Politik die Superreichen.<\/p>\n<h4>Potenzial der Jugend<\/h4>\n<p>Was f\u00fcr ein unglaubliches Potenzial in der Jugend steckt, zeigen dagegen Aktionen in denen Sch\u00fclerInnen sich vernetzen und politische K\u00e4mpfe auf die Stra\u00dfe tragen. Auch die mehr als 250.000 DemonstrantInnen gegen einen vergleichsweise abstrakten Angriff wie das TTIP-Abkommen beweisen das ungeheure Widerstandspotenzial in der Bev\u00f6lkerung, sobald die gewerkschaftlichen und politischen Massenorganisationen auch nur ansatzweise ihren Aufgaben gerecht werden. Die Shell-Studie belegt unter anderem, dass die Beteiligung von Jugendlichen an Demonstrationen stark zugenommen hat, w\u00e4hrend der b\u00fcrgerliche Parlamentarismus sie gr\u00f6\u00dftenteils abschreckt.<\/p>\n<p>Zwar bereiten einige Befunde der Shell-Studie durchaus Sorgen. So spricht sich die Mehrheit der Befragten daf\u00fcr aus, dass die BRD eine F\u00fchrungsrolle in Europa innehaben solle und gibt an, stolz auf Deutschland und die deutsche Geschichte zu sein. Doch sind solche Ergebnisse auch immer im Kontext einer breiten Perspektivlosigkeit und Unsicherheit zu betrachten. Einerseits werden die herrschende Politik und das kapitalistische System mehrheitlich abgelehnt, andererseits bleiben die Spaltungsmechanismen der Herrschenden entlang nationaler Kriterien f\u00fcr die Arbeiterklasse und die Jugend nicht ohne Wirkung. Hier m\u00fcssen wir ansetzen, Antworten geben und der falschen Identifikation entlang nationaler Linien eine wirkliche Klassensolidarit\u00e4t entgegensetzen. Die M\u00f6glichkeiten daf\u00fcr sind gegeben. Denn die Mehrheit der Jugendlichen ist, wie die Studie zeigt, f\u00fcr Einwanderung, f\u00fcr die Aufnahme von Gefl\u00fcchteten und gegen Kriegseins\u00e4tze der Bundeswehr.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ergebnisse verdeutlichen soziale Kluft unter Jugendlichen<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":31515,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[53],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/31514"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=31514"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/31514\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":31522,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/31514\/revisions\/31522"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/31515"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=31514"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=31514"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=31514"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}