{"id":31428,"date":"2015-10-14T19:19:50","date_gmt":"2015-10-14T17:19:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=31428"},"modified":"2015-10-08T19:22:16","modified_gmt":"2015-10-08T17:22:16","slug":"ist-prostitution-ein-menschenrecht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2015\/10\/ist-prostitution-ein-menschenrecht\/","title":{"rendered":"Ist Prostitution ein Menschenrecht?"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/amsterdam-prostitution-public-domain.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-31429\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/amsterdam-prostitution-public-domain-260x173.jpg\" alt=\"amsterdam-prostitution-public-domain\" width=\"260\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/amsterdam-prostitution-public-domain-260x173.jpg 260w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/amsterdam-prostitution-public-domain-521x347.jpg 521w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/amsterdam-prostitution-public-domain-600x400.jpg 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/amsterdam-prostitution-public-domain.jpg 1280w\" sizes=\"(max-width: 260px) 100vw, 260px\" \/><\/a>In Deutschland kaufen sich eine Million M\u00e4nner jeden Tag Sex<\/strong><\/p>\n<p><em>von Katia Hancke, \u201eSocialist Party\u201c (Schwesterorganisation der SAV und Sektion des CWI in Irland)<\/em><\/p>\n<p>Vor kurzem hat \u201eAmnesty International\u201c erkl\u00e4rt, dass \u201eProstitution ein Menschenrecht\u201c ist. \u201eAmnesty\u201c reiht sich dabei lediglich in eine ganze Reihe von Institutionen, prominenten Einzelpersonen und sogar Regierungen ein, die von dem Druck beeinflusst sind, die Sex-Industrie in den Rang der Normalit\u00e4t zu erheben. Es handelt sich hierbei um eine Agenda, die von den Zuh\u00e4ltern und einer wachsenden, weltweiten, mehrere Milliarden Dollar schweren Branche gepusht wird \u2013 schlie\u00dflich ist sie es, die Ende davon profitiert.<\/p>\n<p>Mit dem postmodernen Dogma, das die Prostitution ihres realen Kontextes enthebt, wird versucht, die damit verbundenen komplizierten Zusammenh\u00e4nge zu einer abstrakten Frage umzuformulieren, die da lautet: Wer sind wir denn, dass wir den Menschen vorschreiben k\u00f6nnten, was sie mit ihrem K\u00f6rper anstellen d\u00fcrfen? Oder (noch schlimmer): Was f\u00e4llt uns eigentlich ein, \u00fcberhaupt eine Meinung zu diesem Thema zu haben? Sind wir, die wir gegen Prostitution als Form der Unterdr\u00fcckung der Frau sind, zu Opfern der viktorianischen Moralvorstellungen geworden, die mit den liberalen Ansichten der 21. Jahrhunderts nichts mehr zu tun haben?<\/p>\n<h4>Die Sex-Industrie macht die Frau zum Objekt<\/h4>\n<p>Wir orientieren uns an der traurigen Realit\u00e4t. Und Fakt ist, dass die Ausbeutung mittels Sex und aufgrund des Geschlechts in einer Gesellschaft zunimmt, in der die Degradierung der Frau zum Objekt mittlerweile ein Riesengesch\u00e4ft darstellt und Gewalt gegen Frauen von einer Milliarden Dollar schweren Pornoindustrie mit entsprechenden Videospielen, Medien und dergleichen nicht nur gerechtfertigt sondern auch noch vorangetrieben wird. In diesem Kontext muss die Prostitution betrachtet werden. Denn was sonst ist der Verkauf des K\u00f6rpers eines Menschen als die Endg\u00fcltige Degradierung des Menschen zum Objekt? &#8211; Ob es sich dabei um den K\u00f6rper der Frau oder des Mannes handelt, ist letztlich egal. Wir m\u00fcssen uns aber im Klaren dar\u00fcber sein, dass die \u00fcberw\u00e4ltigende Mehrheit derer, die sich prostituieren, M\u00e4dchen und Frauen sind, darunter auch transsexuelle Frauen.<\/p>\n<p>Wenn dieser Degradierung der Frau und ihrer Herabw\u00fcrdigung zum Objekt kein Ende gesetzt wird, dann werden wir alle davon betroffen sein, da auf diese Weise die Ungleichbehandlung der Geschlechter verst\u00e4rkt wird. Wir m\u00fcssen ja auch nicht Teil der LGBTQ-Community sein, um f\u00fcr die gleichgeschlechtliche Ehe zu stimmen, oder Trans, um Gesetze zu unterst\u00fctzen, die Transsexuellen das Recht auf Selbstbestimmung einr\u00e4umen. In Irland sind gerade die Menschen aus den Arbeitervierteln in Scharen in die Wahllokale gestr\u00f6mt, um mit \u201eja\u201c zu stimmen. Das war ein Akt der Solidarit\u00e4t mit der LGBTQ-Community. Abgesehen davon ist uns nat\u00fcrlich klar, dass es sich beim Kapitalismus um eine System handelt, in dem Spaltung und Diskriminierung ganz hervorragend gedeihen.<\/p>\n<h4>Wie stark wird Prostitution akzeptiert?<\/h4>\n<p>Ebenso sollten wir \u00fcber die krasse Realit\u00e4t sprechen, die hinter dem Diskurs von der \u201egl\u00fccklichen und befreiten Sex-Arbeit\u201c steht. Folgt man der Erkl\u00e4rung von \u201eAmnesty\u201c, so bedeutet \u201eSex-Arbeit per Definition, dass Sex-ArbeiterInnen, die kommerziell Sex betreiben, eingewilligt haben, dies zu tun\u201c. Doch wie einvernehmlich findet Prostitution tats\u00e4chlich statt? Eine aktuelle Metaanalyse, die sich mit den Erfahrungen von Sex-ArbeiterInnen in neun L\u00e4ndern befasst und auf den Aussagen von 845 Untersuchungspersonen basiert, zeichnet das folgende Bild: 60 Prozent der Prostituierten arbeiten unter Bedingungen, die als Sklaverei zu bezeichnen sind. Weitere 38 Prozent sind der Ansicht, dass es f\u00fcr sie keinen Ausweg gibt, weil sie in einem komplizierten Netz aus Armut, Rassismus, Mangel an M\u00f6glichkeiten und Sexismus stecken. Nur zwei Prozent der Befragten gaben an, dass sie sich in der Lage s\u00e4hen die Branche zu verlassen, wenn sie den Wunsch danach versp\u00fcren w\u00fcrden. Der Grad der Freiwilligkeit scheint demnach nicht besonders hoch zu sein.<\/p>\n<h4>Ein Menschenrecht, Sex zu kaufen?<\/h4>\n<p>Entkriminalisierung der Sex-Arbeit sollte unterst\u00fctzt werden. Das schw\u00e4chste Glied, die Prostituierten, in einer ganzen Kette namens Sex-Industrie zu kriminalisieren, gibt den Zuh\u00e4ltern nur noch mehr Macht \u00fcber diejenigen, die von ihnen ausgebeutet werden, und ist in keinem Fall hinzunehmen. Eine Menschenrechtsorganisation, die verk\u00fcndet, dass es sich bei der Prostitution um ein Menschenrecht handelt, vermittelt den Eindruck, dass Prostitution heute ohne Ausbeutung auskommen k\u00f6nnte. Tats\u00e4chlich ist die Positionierung von \u201eAmnesty International\u201c unter dem Strich zu sagen, dass es um ein Menschenrecht f\u00fcr M\u00e4nner geht, Sex zu kaufen. Schlie\u00dflich sind die Freier fast immer M\u00e4nner, was allgemein in der Gesellschaft symptomatisch f\u00fcr die Unterdr\u00fcckung der Frau ist. Demnach w\u00e4re es in Ordnung, die Unterdr\u00fcckung der Frau zu einem profitablen Gesch\u00e4ft zu machen.<\/p>\n<p>Die Forschung in Deutschland und den Niederlanden zeigt, dass diejenigen, die davon profitieren, dass andere Menschen ihren K\u00f6rper verkaufen, die Zuh\u00e4lter, am meisten von der Legalisierung der Sex-Industrie profitieren. Der Handel mit Sex hat in diesen L\u00e4ndern in der Tat zugenommen. Die Mehrheit der Prostituierten lebt weiterhin unter illegalen Bedingungen und ist so gef\u00e4hrdet wie eh und je, was sexuelle und k\u00f6rperliche Gewalt sowie andere Formen des Missbrauchs angeht. Allein im Rotlichtviertel von Amsterdam arbeiten 7.200 Sex-ArbeiterInnen unter illegalen Bedingungen, unter der Knute eines Zuh\u00e4lters. Trotz der Tatsache, dass dort jedes Jahr mehr als 220.000 \u201eGesch\u00e4ftsabwicklungen\u201c stattfinden, sind davon weniger als 100 Berichte in den Polizeiakten zu finden.<\/p>\n<p>Handelt es sich bei Sex also um ein Menschenrecht? Ja, das ist es, wenn es um Sex unter Gleichberechtigten geht. M\u00f6glicherweise w\u00fcrden wir die n\u00e4chste Generation weniger verwirrt und frustriert zur\u00fccklassen, wenn wir in Bildung und Erziehung ein wenig offener mit den Themen Masturbation und Sex im Allgemeinen umgehen w\u00fcrden. Doch wenn man Sex mit jemanden haben m\u00f6chte, dann sollte dies im Einklang mit dem eigentlichen Sinn des Begriffs geschehen: zwischen zwei Gleichberechtigten, die einander in beiderseitigem Respekt verbunden sind. Nicht in dem Sinn, dass dieses System mit seinem wilden Streben nach Profit selbst dieses menschliche Grundbed\u00fcrfnis in ein \u201eprofitables Gesch\u00e4ft\u201c verwandelt.<\/p>\n<h4>Fakten zum Thema Prostitution<\/h4>\n<ul>\n<li>71 Prozent der Prostituierten haben in der Prostitution physische Gewalt erlebt.<\/li>\n<li>62 Prozent sind vergewaltigt worden.<\/li>\n<li>89 Prozent wollen raus aus der Prostitution, sehen aber keinen Ausweg oder eine andere M\u00f6glichkeit zu \u00fcberleben.<\/li>\n<li>65 Prozent bis 95 Prozent derjenigen, die sich prostituieren, sind als Kind Opfer sexueller \u00dcbergriffe geworden<\/li>\n<li>Mehr als 50 Prozent sind als Minderj\u00e4hrige in die Prostitution geraten.<\/li>\n<\/ul>\n<p>(Quelle: Metaanalysen zur Prostitution weltweit von Melissa McFarley: https:\/\/linksfeminisme.wordpress.com\/2014\/03\/21\/prostitution-the-swedish-or-the-dutch-model\/)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Deutschland kaufen sich eine Million M\u00e4nner jeden Tag Sex<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":31429,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[32],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/31428"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=31428"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/31428\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":31430,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/31428\/revisions\/31430"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/31429"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=31428"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=31428"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=31428"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}