{"id":31334,"date":"2015-10-12T09:54:06","date_gmt":"2015-10-12T07:54:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=31334"},"modified":"2015-09-30T09:21:26","modified_gmt":"2015-09-30T07:21:26","slug":"brics-staaten-heftiger-abschwung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2015\/10\/brics-staaten-heftiger-abschwung\/","title":{"rendered":"BRICS-Staaten: Heftiger Abschwung"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_31355\" aria-describedby=\"caption-attachment-31355\" style=\"width: 260px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/2012_BRICS_Summit.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-31355\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/2012_BRICS_Summit-260x173.jpg\" alt=\"\u201e2012 BRICS Summit\u201c von Roberto Stuckert Filho - Presidency of the Republic (Brazil) - Ag\u00eancia Brasil. Lizenziert unter CC BY 3.0 br \u00fcber Wikimedia Commons - https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:2012_BRICS_Summit.jpg#\/media\/File:2012_BRICS_Summit.jpg\" width=\"260\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/2012_BRICS_Summit-260x173.jpg 260w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/2012_BRICS_Summit-521x347.jpg 521w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/2012_BRICS_Summit-600x400.jpg 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/2012_BRICS_Summit.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 260px) 100vw, 260px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-31355\" class=\"wp-caption-text\">\u201e2012 BRICS Summit\u201c von Roberto Stuckert Filho &#8211; Presidency of the Republic (Brazil) &#8211; Ag\u00eancia Brasil. Lizenziert unter CC BY 3.0 br \u00fcber Wikimedia Commons &#8211; https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:2012_BRICS_Summit.jpg#\/media\/File:2012_BRICS_Summit.jpg<\/figcaption><\/figure>\n<p class=\"western\"><strong>Die Wachstumsmaschine ger\u00e4t ins Stocken<\/strong><\/p>\n<p>Zuletzt galten die BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China und \u2013 seit einiger Zeit auch noch \u2013 S\u00fcdafrika) als die Motoren der Weltwirtschaft. Jetzt scheint bei ihnen nicht nur Sand ins Getriebe geraten zu sein, sie drohen auch zu neuen Krisenherden zu werden.<\/p>\n<p><i>von Per-\u00c5ke Westerlund<\/i><\/p>\n<p>Die Hauptsorge gilt dabei China, dem wichtigsten der BRICS-Staaten. Diese f\u00fcnf L\u00e4nder dominieren die sogenannten \u201eemerging markets\u201c (\u201eaufstrebenden M\u00e4rkte\u201c), und die meisten von ihnen sind aufgrund erheblicher Kapitalflucht sowie des Preissturzes auf den Rohstoffm\u00e4rkten schwer gezeichnet.<\/p>\n<p><b>Wachstumsmotoren stottern<\/b><\/p>\n<p>In den vergangenen 15 Jahren hatten die sogenannten \u201eemerging markets\u201c ein Wirtschaftswachstum vorzuweisen, das doppelt so schnell wuchs wie das der entwickelten kapitalistischen L\u00e4nder. Das galt sowohl vor wie auch nach der Wirtschaftskrise von 2008\/09.<\/p>\n<p>Es wird davon ausgegangen, dass die Wachstumsrate in diesen L\u00e4ndern dieses Jahr zum sechsten Mal in Folge sinken und bei 3,6 Prozent rangieren wird.<\/p>\n<p>Innerhalb der Gruppe der \u201eSchwellenl\u00e4nder\u201c haben gerade auch die BRICS-Staaten einen heftigen Abschwung erlebt. Die urspr\u00fcnglichen vier BRICS-Staaten (ein Begriff \u00fcbrigens, der von \u201eGoldman Sachs\u201c erst im Jahre 2001 gepr\u00e4gt worden ist) stehen f\u00fcr 23 Prozent des weltweiten Wirtschaftswachstums zwischen 2000 und 2014 mit einem Gesamt-BIP von 20 Prozent am globalen Bruttoinlandsprodukt.<\/p>\n<p>Vergleicht man die Jahre 2006 und 2010 mit 2015, so zeigt sich, wie stark die Abw\u00e4rtsentwicklung ausf\u00e4llt. Im Falle Brasiliens liegen die entsprechenden Wachstumsraten bei sechs Prozent, 7,6 Prozent beziehungsweise minus 2,61 Prozent (im zweiten Quartal 2015). Die Krise spitzt sich weiter zu. Der Export von Eisenerz von Brasilien nach China ist im ersten Quartal dieses Jahres um 47 Prozent zur\u00fcckgegangen. Prognosen gehen davon aus, dass es zu einem weiteren R\u00fcckgang von zwei oder mehr Prozent in diesem Jahr kommen wird. Die brasilianische W\u00e4hrung namens \u201eReal\u201c hat in nur zwei Jahren die H\u00e4lfte ihres Wertes verloren. Der ehemalige Export-Champion verzeichnet nun ein Handelsdefizit.<\/p>\n<p>In Russland f\u00e4llt der R\u00fcckgang \u00e4hnlich aus. Dort lag das Wachstum im Jahr 2006 noch bei 8,5 Prozent, 2010 rangierte es bei 4,5 Prozent und im zweiten Quartal dieses Jahres liegt es bei minus 4,6 Prozent. F\u00fcr Indien galten 2006 noch 10,1 Prozent und aktuell 7,5 Prozent. China rutschte vom H\u00f6chstwert 10,7 Prozent auf sieben Prozent ab. Dabei handelt es sich allerdings nur um die offiziellen Zahlen. Andere Daten, die den R\u00fcckgang beim Stromverbrauch, G\u00fctertransport und den Erzeugerpreisen mit einbeziehen, weisen darauf hin, dass das chinesische Wachstum bei vier Prozent oder weniger anzusiedeln ist.<\/p>\n<p><b>Enorme Schuldenlast<\/b><\/p>\n<p>In schnellerem Tempo als das jeweilige BIP-Wachstum sind die Schulden der Schwellenl\u00e4nder gestiegen. Durch das \u201equantitative easing\u201c (Erh\u00f6hung der Geldmenge) in den USA und in anderen L\u00e4ndern ist Kapital ins Kreditwesen, den Aktienhandel, Direktinvestitionen sowie Staatsanleihen geflossen. (Der Aktienmarkt in den Schwellenl\u00e4nder hat sich von 2010 bis 2014 verdoppelt.)<\/p>\n<p>Jetzt hat sich die Flie\u00dfrichtung umgekehrt. Bis August 2015 sind 40 Milliarden US-Dollar vom Aktienmarkt in den Schwellenl\u00e4ndern abgezogen worden. Das sind 40 Prozent des Zustroms der Jahre 2009 bis 2013.<\/p>\n<p>Die Gesamtschulden der Haushalte, Unternehmen au\u00dferhalb der Finanzm\u00e4rkte und des Staates sind im Vergleich zum jeweiligen BIP dieser L\u00e4nder auf dramatische Weise gestiegen. In Malaysia stieg das Verh\u00e4ltnis von 49 Prozent auf 222 Prozent und in Thailand von 43 Prozent auf nun 187 Prozent. In Taiwan ist dieser Wert um mehr als das Zehnfache von 16 Prozent auf 178 Prozent angestiegen, in S\u00fcdkorea von 45 Prozent auf 231 Prozent und in Brasilien von 27 Prozent auf 128 Prozent des BIP. (Alle Zahlen aus \u201eFinancial Times\u201c, 2. April 2015). Chinas Schulden sind im Verh\u00e4ltnis zum BIP von 83 Prozent auf 250 Prozent angestiegen, nach einigen Sch\u00e4tzungen sogar noch mehr.<\/p>\n<p><b>W\u00e4hrungsabwertungen<\/b><\/p>\n<p>Es ist in diesem Jahr bereits zu einer ganzen Welle von W\u00e4hrungsabwertungen gekommen. Nach der \u00fcberraschenden Abwertung des Yuan in China im August, haben acht andere L\u00e4nder ihre W\u00e4hrungen nach unten korrigiert, darunter Indonesien, Thailand, Vietnam (zum dritten Mal in diesem Jahr) und Kasachstan.<\/p>\n<p>Der erhoffte Effekt, ein Anschub f\u00fcr die Exportwirtschaft, ist allerdings ausgeblieben. Stattdessen haben die schw\u00e4cheren W\u00e4hrungen zu R\u00fcckg\u00e4ngen bei den Importen gef\u00fchrt und demzufolge den Welthandel abflauen lassen.<\/p>\n<p><b>H\u00f6here Zinsen?<\/b><\/p>\n<p>Die Tatsache, dass seit 2008 ein unglaubliches Gemisch an finanzpolitischen Ma\u00dfnahmen zur Anwendung gekommen ist (vom \u201equantitative easing\u201c \u00fcber Zinsen bei oder gar unter null und Ma\u00dfnahmen zur Rettung von Bankh\u00e4usern etc.) hat vermutlich dazu gef\u00fchrt, dass die schwerwiegende Krise nicht wie in den 1930er Jahren in einer Depression sondern in einer \u201eGro\u00dfen Rezession\u201c gem\u00fcndet ist.<\/p>\n<p>Seit 2006 hat die US-Notenbank \u201eFed\u201c den Leitzins nicht mehr erh\u00f6ht und ihn in den letzten sieben Jahren zwischen null und 0,25 Prozent hin- und herbewegt. Das Hauptargument f\u00fcr eine Anhebung ist die Angst vor neuen, m\u00f6glicherweise noch gr\u00f6\u00dferen Finanzblasen und die Notwendigkeit, zur \u201eNormalit\u00e4t\u201c zur\u00fcckkehren zu m\u00fcssen. Doch der j\u00fcngste Tumult \u2013 vor allem die immensen Verluste auf den chinesischen B\u00f6rsen und die dortige W\u00e4hrungsabwertung \u2013 l\u00e4sst eine Zinserh\u00f6hung in den USA erneut unwahrscheinlich werden.<\/p>\n<p><b>Politische Folgen<\/b><\/p>\n<p>In bis zu neunzig L\u00e4ndern ist es in den vergangenen f\u00fcnf Jahren zu Protestwellen und Revolten gekommen, die Massen-Charakter hatten, darunter Tunesien, \u00c4gypten, die T\u00fcrkei, Brasilien etc.<\/p>\n<p>Die Massen haben gezeigt, dass sie zu k\u00e4mpfen bereit sind. Dar\u00fcber hinaus sind auch neue Kr\u00e4fte und Str\u00f6mungen entstanden, die darauf hindeuten, wie stark der Wille ist, eine neue linke politische Alternative zu finden. Von diesen neuen Ans\u00e4tzen haben allerdings nur wenige eine echte Alternative zum Kapitalismus anzubieten oder machen den Versuch, die Arbeiterklasse zu organisieren.<\/p>\n<p>M\u00f6gliche neue Wendungen in der Weltwirtschaft werden neue politische Folgen haben. Eine gr\u00f6\u00dfere Schicht als vorher wird den Kapitalismus als Ursache f\u00fcr Krisen begreifen und verstehen, dass es n\u00f6tig ist zu einer sozialistischen Alternative zu kommen.<\/p>\n<p><em>Per-\u00c5ke Westerlund ist Sprecher der Sozialistischen Gerechtigkeitspartei in Schweden<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Wachstumsmaschine ger\u00e4t ins Stocken<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":31355,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[127],"tags":[737],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/31334"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=31334"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/31334\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":31356,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/31334\/revisions\/31356"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/31355"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=31334"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=31334"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=31334"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}