{"id":31087,"date":"2015-08-07T15:20:09","date_gmt":"2015-08-07T13:20:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=31087"},"modified":"2015-08-27T20:02:46","modified_gmt":"2015-08-27T18:02:46","slug":"die-neuformierung-der-linken-in-griechenland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2015\/08\/die-neuformierung-der-linken-in-griechenland\/","title":{"rendered":"Die Neuformierung der Linken in Griechenland"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_31088\" aria-describedby=\"caption-attachment-31088\" style=\"width: 280px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/andros-e1438953517184.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-31088\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/andros-e1438953517184-280x173.jpg\" alt=\"Foto: Natalia Medina \/ Offensiv\" width=\"280\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/andros-e1438953517184-280x173.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/andros-e1438953517184-162x100.jpg 162w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/andros-e1438953517184-560x347.jpg 560w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/andros-e1438953517184-600x371.jpg 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/andros-e1438953517184-534x330.jpg 534w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/andros-e1438953517184.jpg 1807w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-31088\" class=\"wp-caption-text\">Foto: Natalia Medina \/ Offensiv<\/figcaption><\/figure>\n<p class=\"western\"><strong>Nach der Kapitulation von Syriza: Erste Schritte zu einer neuen Partei<\/strong><\/p>\n<p><em>Xekinima, die griechische Schwesterorganisation der SAV, setzt sich seit Jahren f\u00fcr eine Einheit der griechischen Linken auf Basis eines klaren sozialistischen Programms ein, unterst\u00fctzte die Wahl von Syriza bei den letzten Wahlen und hat dies jedoch mit einer Warnung vor der politischen Strategie von Alexis Tsipras verbunden. Nach der Kapitulation der Syriza-gef\u00fchrten Regierung gegen\u00fcber den Institutionen Eurogruppe, IWF und EZB ver\u00f6ffentlichte Xekinima sofort eine Stellungnahme mit dem Titel \u201eTsipras hat den Rubikon \u00fcberschritten\u201c, ruft seitdem zur Bildung einer neuen linken Massenorganisation auf und hat mit anderen linken Organisationen eine konkrete Initiative ergriffen. Lucy Redler sprach mit dem Xekinima-Sprecher Andros Payiatsos \u00fcber die Situation der griechischen Linken.<\/em><\/p>\n<h4>Wie ist die Stimmung unter griechischen ArbeiterInnen und Jugendlichen nachdem die Tsipras-Regierung dem dritten Memorandum, also K\u00fcrzungspaket, zugestimmt hat?<\/h4>\n<p>Nachdem Tsipras ein Zugest\u00e4ndnis nach dem anderen gemacht hatte, haben wir vorausgesehen, dass er das Memorandum unterzeichnen wird. Unmittelbar danach haben wir einen Aufruf zur dringenden Notwendigkeit des Aufbaus einer neuen linken Massenorganisation ver\u00f6ffentlicht. Eine solches Angebot von links ist unserer Meinung nach dringend n\u00f6tig, um das Vakuum zu f\u00fcllen, das durch den Ausverkauf des 61,5 Prozent starken Neins gegen die Forderungen der Troika im Referendum am 5. Juli durch Syriza entstanden ist.<\/p>\n<p>Es gab zwei Gr\u00fcnde f\u00fcr diesen Aufruf: Erstens um der griechischen Arbeiterklasse ein Angebot aus linker Sicht zu unterbreiten. Bleibt ein solches aus, w\u00fcrde dies zu massenhafter gesellschaftlicher Demoralisierung f\u00fchren. Zweitens w\u00fcrde ein Ausbleiben dazu f\u00fchren, dass sich die faschistische Goldene Morgenr\u00f6te als einzige vermeintliche Anti-Memorandum-Kraft pr\u00e4sentieren und zu einer extremen Gefahr f\u00fcr demokratische Rechte und Arbeiterrechte anwachsen kann.<\/p>\n<p>Bez\u00fcglich der Frage wie die Stimmung ist, m\u00fcssen wir zwischen der Stimmung der Masse der Bev\u00f6lkerung und der Stimmung und dem Bewusstsein einer fortgeschrittenen Schicht von AktivistInnen unterscheiden, also von Leuten in sozialen Bewegungen, Klassenk\u00e4mpfen und der Basis in Syriza. Die gro\u00dfe Masse der Bev\u00f6lkerung hat die Auswirkungen des neuen Memorandums noch nicht nachvollzogen, weil die Ma\u00dfnahmen noch nicht umgesetzt wurden und die Leute dies noch nicht am eigenen Leib sp\u00fcren. Deshalb gibt es bei ihnen noch eine abwartende Haltung und das Gef\u00fchl, dass Tsipras sein Bestes im Kampf gegen die Troika gegeben hat.<\/p>\n<p>Aber trotzdem geht die Unterst\u00fctzung f\u00fcr Syriza in Umfragen bereits zur\u00fcck. Einer Umfrage, die zwei Wochen nach der Unterzeichnung des Referendums erhoben wurde, hat einen Fall der Unterst\u00fctzung um fast f\u00fcnf Prozentpunkte ergeben. Die Breite der Bev\u00f6lkerung wird das Ausma\u00df und die Bedeutungen der K\u00fcrzungen im September und Oktober verstehen, wenn sie damit eigene Erfahrungen in ihrem t\u00e4glichen Leben machen werden.<\/p>\n<p>Zum selben Zeitpunkt befinden sich AktivistInnen und der linke Fl\u00fcgel von Syriza im Schockzustand. Tausende von Basismitgliedern haben niemals gedacht, dass Syriza so weit gehen w\u00fcrde, das Memorandum zu unterzeichnen. Sie haben zuvor ihren KollegInnen und Umfeld versichert, dass Syriza niemals etwas \u00c4hnliches unterzeichnen w\u00fcrde, wie PASOK und ND in der Vergangenheit. Nach Tsipras Einknicken haben sich Tausende AktivistInnen verraten und verkauft gef\u00fchlt. Viele haben sich so sehr gesch\u00e4mt, dass sie sich f\u00fcr viele Tage nicht mehr getraut haben, das Haus zu verlassen und ihren Freunden unter die Augen zu treten. Das allein genommen ist ein Verbrechen. Tausende von Basismitgliedern haben tagelang bittere Tr\u00e4nen vergossen. Wir kennen unz\u00e4hlige Beispiele von Leuten, die nicht mehr ihr Haus verlassen haben, viele tagelang, einige auch f\u00fcr bis zu zwei Wochen. Das einzige, das verhindern kann, dass diese Menschen durch die Ereignisse v\u00f6llig demoralisiert werden, ist, die richtigen Schlussfolgerungen aus der Niederlage zu ziehen und den n\u00e4chsten Schritt zu gehen und eine neue linke breite Formation aufzubauen auf der politischen Grundlage einer frontalen Konfrontation mit der Eurozone und dem kapitalistischen System.<\/p>\n<h4>Ist euer Aufruf zur Bildung einer solchen Kraft unter diesen AktivistInnen auf Zustimmung gesto\u00dfen?<\/h4>\n<p>Wir haben mit anderen GenossInnen und linken Gruppen gemeinsam die Initiative ergriffen, zu einer \u00f6ffentlichen Versammlung am 17. Juli in Athen aufzurufen. Wir hatten faktisch nur zwei Tage Mobilisierungszeit. Trotz dieser kurzen Zeit war es eine sehr erfolgreiche Versammlung, an der sich 250 bis 300 Menschen beteiligt haben \u2013 darunter mindestens ein Dutzend verschiedene linke Gruppen und die wichtigsten linken Str\u00f6mungen aus Syriza. Die Initiative nennt sich jetzt \u201eVersammlung 17. Juli\u201c.<\/p>\n<h4>Welches politische Programm hat die neue Initiative?<\/h4>\n<p>Die radikalen Teile der griechischen Linken sind durch die Erfahrungen mit der Krise und der Politik der Troika in den letzten f\u00fcnf Jahren zu sehr \u00e4hnlichen Schlussfolgerungen \u00fcber die Notwendigkeit eines \u00dcbergangsprogramms gelangt, das mit dem kapitalistischen System und der EU bricht. Es gibt weitgehende \u00dcbereinstimmung \u00fcber die folgenden f\u00fcnf programmatischen Punkte:<\/p>\n<p>Erstens m\u00fcssen die Schuldenzahlungen eingestellt, zweitens die Banken verstaatlicht und drittens Kapitalverkehrskontrollen und eine \u00f6ffentliche Kontrolle \u00fcber den Au\u00dfenhandel eingef\u00fchrt werden. Viertens muss Griechenland aus dem Euro austreten und eine nationale W\u00e4hrung einf\u00fchren. F\u00fcnftens geht es darum, all jene Betriebe, die geschlossen wurden oder deren Besitzer die Wirtschaft sabotiert haben, in \u00f6ffentliches Eigentum zu \u00fcberf\u00fchren und unter Arbeiterverwaltung zu stellen. Sechstens m\u00fcssen dar\u00fcber hinaus die Schl\u00fcsselindustrien ebenfalls verstaatlicht und der demokratischen Kontrolle und Verwaltung der Belegschaften und der Gesellschaft unterstellt werden, um den Produktionsprozess und die G\u00fcterverteilung der Wirtschaft als Ganzes zu demokratisieren. Schlussendlich ist es zentral \u2013 und das ist der achte und letzte Punkte, die K\u00e4mpfe der griechischen ArbeiterInnen mit den K\u00e4mpfen von ArbeiterInnen europaweit gegen Austerit\u00e4t und Kapitalismus zu verbinden.<\/p>\n<h4>Du hast die Schl\u00fcsselindustrien der griechischen Wirtschaft angesprochen: Wieviel ist davon denn eigentlich \u00fcbrig?<\/h4>\n<p>Es stimmt, dass Griechenland in den letzten Jahrzehnten einen Prozess der Deindustrialisierung durchlaufen hat. Aber trotzdem ist Griechenland immer noch ein Land, dessen Bruttoinlandsprodukt zu drei\u00dfig Prozent auf Exporten basiert. Nat\u00fcrlich gibt es einen gro\u00dfen Tourismussektor und auch die Agrarproduktion und Bodensch\u00e4tze haben eine hohe Bedeutung. Aber nichtsdestotrotz besteht tats\u00e4chlich der gr\u00f6\u00dfte Anteil der griechischen Exporte aus der verarbeitenden Industrie. Klar haben wir nicht die selben riesigen Firmen und gro\u00dfen Industriebetriebe, die anderswo in Europa existieren. Aber trotz der Deindustrialisierung und der Politik der EU ist und bleibt es ein zentraler Teil der griechischen Wirtschaft. Man sollte auch nicht vergessen, dass Griechenland Mitglied der OECD ist. Im Rahmen einer demokratisch geplanten Wirtschaft g\u00e4be es ein gro\u00dfes Potential.<\/p>\n<h4>Inwiefern steht die \u201eVersammlung 17. Juli\u201c in Zusammenhang mit Entwicklungen, die innerhalb der Syriza-Linken stattfinden?<\/h4>\n<p>Wir versuchen mit der Initiative des 17. Juli eine Br\u00fccke zwischen der Syriza-Linken, gro\u00dfen Teilen von Antarsya, welche die Notwendigkeit gemeinsamen Handelns und des Aufbaus einer neuen linken Massenformation verstehen, und anderen Kr\u00e4ften auf der Linken wie Xekinima und der \u201eInitiative der Eintausend\u201c (in der viele verschiedene Gruppen aktiv sind) zu bauen. Es geht um gemeinsame Treffen und Diskussionen, die das Ziel haben den Boden f\u00fcr eine solche neue linke Massenformation zu bereiten. Zum jetzigen Zeitpunkt beginnen zudem in Syriza die Debatten im Vorfeld des Parteitags. Der linke Fl\u00fcgel und vor allem die linke Plattform in Syriza, hat die F\u00fchrung aufgefordert, unmittelbar einen Parteitag einzuberufen. Unter dem Druck der Basis hat Tsipras nun einen solchen f\u00fcr September einberufen.<\/p>\n<h4>Was wird auf diesem Parteitag geschehen? Ist eine Spaltung der Partei wahrscheinlich?<\/h4>\n<p>Wir gehen davon aus, dass Syriza vor einer Spaltung steht. Unsere Position ist die folgende: Wenn Syriza nach der Kapitulation von Tsipras vereint bestehen bleibt und dies das Ergebnis der Kapitulation der Parteilinken gegen\u00fcber Tsipras im Namen der \u201eEinheit der Partei\u201c ist, w\u00e4re das eine doppelte Niederlage Die Parteilinke Syrizas bereitet sich auf den Kampf um die Mehrheit vor. Wir unterst\u00fctzen das. Wir m\u00fcssen aber auch sehen, dass die Chancen daf\u00fcr sehr gering sind. Wir schlagen vor, dass die Syriza-Linke den Kampf um die Mehrheit beim n\u00e4chsten Parteitag mit der Forderung nach einem Auswechseln der F\u00fchrung verbindet \u2013 etwas was die Parteilinke bisher noch nicht aufgeworfen hat. Sollte die Parteilinke unterliegen, was wie bereits gesagt das wahrscheinlichste Szenario ist, sind wir der Meinung, dass die Parteilinke die Partei verlassen und sich den Kr\u00e4ften au\u00dferhalb Syrizas anschlie\u00dfen sollte, die eine neue linke Partei aufbauen wollen. Eine solche h\u00e4tte das Potential, unmittelbar ins Parlament einzuziehen.<\/p>\n<h4>Aber bedeutet das, dass die Initiative \u201eVersammlung 17. Juli\u201c die Entwicklungen innerhalb von Syriza abwarten sollte?<\/h4>\n<p>Nein. Die linken Kr\u00e4fte au\u00dferhalb von Syriza, die die Bedeutung der Schaffung einer neuen linken Massenkraft sehen, k\u00f6nnen die Ereignisse in Syriza nicht abwarten. Aber wir k\u00f6nnen die Position, die wir uns in Bewegungen und der Gesellschaft aufgebaut haben und die \u00fcbrigens nicht gerade gering ist, dazu nutzen, die Entwicklungen innerhalb von Syriza zu beeinflussen. Wenn mindestens acht bis zehn relevante unabh\u00e4ngige Gruppen au\u00dferhalb Syrizas, die auch \u00fcber Verbindungen zur Parteilinken verf\u00fcgen, zur Gr\u00fcndung einer neuen linken Formation aufrufen und auf der Basis der Einheitsfrontmethode agieren, kann und wird das einen bedeutenden Effekt auf die Prozesse innerhalb von Syriza haben.<\/p>\n<p>Es gibt aber noch einen zweiten Grund, weswegen wir nicht einfach die H\u00e4nde in den Scho\u00df legen und abwarten k\u00f6nnen: Es gibt bereits jetzt viele W\u00e4hlerInnen und Unterst\u00fctzerInnen und sogar Mitglieder, die Syriza den R\u00fccken kehren. Ihnen m\u00fcssen wir dringend eine Alternative anbieten.<\/p>\n<p>Durch die Aktivit\u00e4ten von Xekinima in der letzten Periode haben wir es bereits vermocht, eine ganze Reihe von solchen lokalen Initiativen in verschiedenen St\u00e4dten und Regionen \u00fcber das Land verteilt aufzubauen.<\/p>\n<h4>Welche Erfahrungen habt ihr mit diesen lokalen linken Initiativen gesammelt?<\/h4>\n<p>Sie sind auf gro\u00dfe Zustimmung in den Nachbarschaften und Bewegungen gesto\u00dfen. Die lokalen Initiativen haben die besten AktivistInnen aus sozialen Bewegungen, Klassenk\u00e4mpfen und aus allen Teilen der Linken angezogen \u2013 das gilt f\u00fcr Kr\u00e4fte au\u00dfer- und innerhalb Syrizas. Um nur ein Beispiel zu nennen: In Volos, einer Stadt mit etwas weniger als 150.000 EinwohnerInnen, hat die Initiative all die Schichten angezogen, die ich eben erw\u00e4hnt habe. Bei jedem \u00f6ffentlichen Treffen waren jedes Mal mehr als einhundert Personen anwesend, was f\u00fcr eine Stadt dieser Gr\u00f6\u00dfe ziemlich viel ist. Zum Vergleich: An einem gew\u00f6hnlichen Treffen von Syriza (ohne Tsipras als Redner und vor dem Ausverkauf) w\u00fcrden um die 150 bis 200 Menschen teilnehmen. Wir haben \u00e4hnliche Treffen in Athen durchgef\u00fchrt in einer ganzen Reihe verschiedener Stadtteile. Bei jedem solcher Treffen in Athen waren im Durchschnitt siebzig Personen anwesend.<\/p>\n<p>Diese \u00f6rtlichen Initiativen greifen politisch in die Ereignisse ein, geben Presseerkl\u00e4rungen heraus und erkl\u00e4ren die Bedeutung des Aufbaus einer neuen Linken griechenlandweit auf der politisch-programmatischen Grundlage, die ich vorhin angesprochen habe. Alles in allem sind diese \u00f6rtlichen Initiativen und die \u201eVersammlung 17. Juli\u201c aber nicht das letzte Wort oder die schlussendliche L\u00f6sung, aber sie k\u00f6nnen ein Mittel sein, um etwas gr\u00f6\u00dferes in der nahen Zukunft aufzubauen.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte auch noch betonen, dass die Syriza-Jugend in dem ganzen Prozess eine wichtige Rolle spielen k\u00f6nnte. Sie hat eine Stellungnahme ver\u00f6ffentlicht und sich darin gegen das Memorandums ausgesprochen und war bei den Treffen der \u201eVersammlung 17. Juli\u201c anwesend. Wir sollten ihre Rolle nicht untersch\u00e4tzen, nicht zuletzt weil sie in der Vergangenheit eine wichtige Basis von Tsipras gebildet hat. Im \u00dcbrigen haben auch Unterst\u00fctzerInnen von Alavanos, der Vorg\u00e4nger von Tsipras als Syriza-Vorsitzender, an den Treffen der neuen Initiative teilgenommen.<\/p>\n<h4>Du hast Teile des antikapitalistischen B\u00fcndnisses Antarsya erw\u00e4hnt, die eine Offenheit gegen\u00fcber der Idee einer neuen politischen Kraft haben. Was ist die Position der Kommunistischen Partei KKE dazu?<\/h4>\n<p>Ungl\u00fccklicherweise ist es so, dass die KKE, die sowohl von ihrer Mitgliederzahl als auch von ihrer St\u00e4rke die M\u00f6glichkeit h\u00e4tte, die Landkarte der griechischen Linken zu ver\u00e4ndern, sich einer Beteiligung verweigert. Sie steht komplett abseits, greifen andere Linke politisch an und stellt sich selbst als die einzige wahre revolution\u00e4re Kraft dar. Sie arbeiten auf keiner Ebene und in keiner Situation mit irgendeiner linken Organisation zusammen. Aber trotzdem hat sie noch eine wichtige Basis. Aufgrund der Tatsache, dass Mitglieder der KKE, die eine abweichende Meinung zur offiziellen Parteilinie vertreten haben, aus der KKE ausgeschlossen wurden, k\u00f6nnen wir mit der neuen Initiative zum Aufbau einer linken Massenpartei nicht die organisierten Kr\u00e4fte innerhalb der KKE erreichen. Aber es ist klar, dass wir damit einen Einfluss auf die W\u00e4hlerschaft der KKE haben.<\/p>\n<p>Auch Antarsya bietet keine L\u00f6sung an, da die wichtigsten Entwicklungen in der griechischen Linken um die Kr\u00e4fte herum stattfinden, die entweder in Syriza sind oder um jene, die die Einheitsfrontmethode gegen\u00fcber der Basis von Syriza und der Syriza-Linken anwenden. In Wirklichkeit gibt es eine Krise innerhalb von Antarsya, weil ein gro\u00dfer Teil von ungef\u00e4hr vierzig Prozent mit der Position \u00fcbereinstimmt, dass eine neue Massenorganisation erforderlich ist. Aber die Mehrheit von Antarsya pusht die Idee, die Kr\u00e4fte um die \u201eNein\u201c-Komitees zu organisieren, die w\u00e4hrend des Referendums entstanden sind, um die verschiedenen Kr\u00e4fte anzuziehen, die zu einem Nein aufgerufen haben. Das ist nicht falsch, aber unzureichend angesichts des dringenden Aufbaus einer neuen politischen Kraft, die das politische Vakuum ausf\u00fcllen kann.<\/p>\n<h4>Inwiefern steht die Weiterentwicklung eurer Initiative und der Aufbau einer m\u00f6glichen neuen politischen Formation mit der M\u00f6glichkeit von Neuwahlen in Zusammenhang?<\/h4>\n<p>Wir haben nicht unbegrenzte Zeit, um die Initiative weiterzuentwickeln, weil es wahrscheinlich im Herbst zu Neuwahlen kommen wird. Eine neue linke Massenpartei m\u00fcsste dann zur Wahl antreten und mit der Syriza-Linken zusammen kommen. Es ist wichtig, dass die Syriza-Linke ein Teil davon ist. Wenn Tsipras Neuwahlen ausruft, wird er versuchen sich der linken Abgeordneten der jetzigen Syriza-Fraktion zu entledigen. Er kann das durchsetzen, da die griechische Verfassung das erm\u00f6glicht. Im Falle von Neuwahlen 18 Monate nach den letzten Wahlen, werden die KandidatInnen politischer Parteien von den Vorsitzenden dieser Parteien ausgew\u00e4hlt. Das hei\u00dft, dass Neuwahlen den Prozess einer Spaltung Syrizas wahrscheinlich beschleunigen w\u00fcrden, da die linken Abgeordneten Syrizas wissen, dass sie nicht mehr f\u00fcr aussichtsreiche Listenpl\u00e4tze aufgestellt w\u00fcrden.<\/p>\n<h4>Hat die Kapitulation von Tsipras und der Aufbau einer neuen linken Kraft Auswirkungen auf die Gefahr der Goldenen Morgenr\u00f6te?<\/h4>\n<p>Wie ich bereits sagte, war es nach der Kapitulation von Syriza so, dass die Goldene Morgenr\u00f6te als einzige Kraft erschien, die eine Anti-Memorandum-Position einnimmt. Trotz der Tatsache, dass ihre F\u00fchrung vor Gericht gestellt wurde, bleibt sie die drittst\u00e4rkste Partei im Parlament.<\/p>\n<p>Der Grund daf\u00fcr ist, dass \u2013 abgesehen vom Ausverkauf durch die F\u00fchrung von Syriza \u2013 die Lage durch die sektiererische Politik der KKE und der Mehrheit von Antarsya verschlimmert wurde, da sich diese von der allgemeinen Stimmung in der Gesellschaft isoliert haben und dabei gescheitert sind, auf die konkreten Anforderungen der Situation zu reagieren. Wegen dieser Politik k\u00f6nnen sie das Vakuum nicht f\u00fcllen, das nach dem Einknicken der Syriza-F\u00fchrung entstanden ist. Das ist der Grund, warum wir jetzt diese Initiative und damit ein Zusammenkommen mit anderen Gruppen und Str\u00f6mungen der Linken, die \u00e4hnlich denken, ben\u00f6tigen, um erfolgreich zu sein. Der Prozess kann verschiedene Stadien durchlaufen, die Formation ihren Namen \u00e4ndern, verschiedene Kr\u00e4fte zusammen bringen, aber am Ende muss es in der Schaffung einer neuen massenhaften radikal linken Formation mit einem sozialistischen Programm m\u00fcnden.<\/p>\n<p>Unser Auffassung zufolge befindet sich die Goldene Morgenr\u00f6te bereits im Aufbau. Und sie werden noch st\u00e4rker anwachsen, wenn sich die konkreten Ma\u00dfnahmen des dritten Memorandums ab September auf das Leben der ArbeiterInnen auswirken werden.<\/p>\n<h4>Gibt es Gr\u00fcnde nach der Niederlage trotzdem optimistisch zu bleiben?<\/h4>\n<p>Was wir jetzt erlebt haben, ist keine \u201eendg\u00fcltige Niederlage\u201c der griechischen Arbeiterklasse in der gegenw\u00e4rtigen Periode. Das Potential f\u00fcr Gegenwehr ist weiterhin vorhanden. Die griechische Arbeiterklasse hat bewiesen, dass sie immer wieder in den Kampf zur\u00fcckkehrt, wie wir k\u00fcrzlich bei den Ereignissen um das Referendum gesehen haben. Niemand hatte dieses fantastische Ergebnis von 61,5 Prozent Nein-Stimmen erwartet.<\/p>\n<p>Wenn wir in der n\u00e4chsten Phase in der Lage sind, eine neue linke Massenorganisation in Griechenland aufzubauen, auf der politischen Grundlage, die ich vorher erw\u00e4hnt habe \u2013 und das steht jetzt auf der Tagesordnung und hat wirkliche Erfolgsaussichten \u2013 dann k\u00f6nnen wir uns vollkommen sicher sein, dass die griechische Arbeiterklasse zur\u00fcck kommen wird und ein wirklich erstaunliches Comeback hinlegen kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach der Kapitulation von Syriza: Erste Schritte zu einer neuen Partei<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":31088,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[102,44],"tags":[275,717],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/31087"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=31087"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/31087\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":31090,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/31087\/revisions\/31090"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/31088"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=31087"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=31087"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=31087"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}