{"id":31072,"date":"2015-08-22T16:59:33","date_gmt":"2015-08-22T14:59:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=31072"},"modified":"2015-08-18T10:19:49","modified_gmt":"2015-08-18T08:19:49","slug":"gesellschaftlicher-und-politischer-aufruhr-in-irland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2015\/08\/gesellschaftlicher-und-politischer-aufruhr-in-irland\/","title":{"rendered":"Gesellschaftlicher und politischer Aufruhr in Irland"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/water-protest-620x330.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-31073\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/water-protest-620x330-280x149.jpg\" alt=\"water-protest-620x330\" width=\"280\" height=\"149\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/water-protest-620x330-280x149.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/water-protest-620x330-560x298.jpg 560w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/water-protest-620x330-600x319.jpg 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/water-protest-620x330.jpg 620w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a>SozialistInnen spielen in einer sich rasch ver\u00e4ndernden Situation eine Schl\u00fcsselrolle<\/strong><\/p>\n<p><em>von Eddie McCabe, \u201eSocialist Party\u201c (Schwesterorganisation der SAV und Sektion des CWI in Irland)<\/em><\/p>\n<p>Im Folgenden setzen wir unsere Serie an Berichten von der CWI-Sommer Schule fort, die Ende Juli in Belgien stattgefunden hat. Diesmal gibt es einen Bericht von der Diskussion des Arbeitskreises zur Lage in Irland und der bedeutenden Rolle, die das CWI bei diesen Ereignissen spielt.<\/p>\n<p>Der Arbeitskreis zu Irland bei der CWI-Summer School 2015 wurde von Kevin McLoughlin von der \u201eSocialist Party\u201c in Irland eingeleitet. Er begann damit zu erkl\u00e4ren, wie sich die politische und gesellschaftliche Lage in Irland heute ganz anders darstellt als noch vor einigen Jahren. Nachdem die Anti-Austerit\u00e4tsbewegung eine Reihe von R\u00fcckschl\u00e4gen einzustecken hatte, l\u00e4uteten die Kommunalwahlen vom Sommer 2014 die Wende ein. 2013 war es noch zum Kollaps und der Niederlage der Boykott-Bewegung gegen die Grundsteuer gekommen, und die Gewerkschaftsf\u00fchrerInnen hatten mit der Unterzeichnung der \u201eHaddington Road\u201c-Vereinbarung, das sie mit der Arbeitgeberseite und der Regierung abgeschlossen hatten und mit dem die Austerit\u00e4t im Grunde abgesegnet worden ist, einen erneuten Verrat begangen.<\/p>\n<p>Ende 2014 zeichnete sich dann aber eine eindeutige Ver\u00e4nderung der Lage ab. Die \u201eAnti Austerity Alliance\u201c (AAA; dt.: \u201eAnti-Austerit\u00e4tsb\u00fcndnis\u201c), die von der \u201eSocialist Party\u201c und vielen AktivistInnen aus der Arbeiterklasse (die auch schon an den Kampagnen gegen die Haushalts- und die Grundsteuer teilgenommen haben) initiiert wurde, wurde gegr\u00fcndet und schaffte bei den Kommunalwahlen einen bedeutsamen Durchbruch. Man errang 14 Stadtratssitze in Dublin, Cork und Limerick und im Anschluss wurden noch zwei als historisch zu bezeichnende Nachwahlen in Dublin gewonnen, wodurch die beiden \u201eSocialist Party\u201c-Mitglieder Ruth Coppinger und Paul Murphy Joe Higgins ins irische Parlament nachfolgten.<\/p>\n<p>Die Entschlossenheit, mit der die \u201eSocialist Party\u201c und die AAA ihren Ansatz vertraten, wurde von Kevin dadurch verdeutlicht, dass er beschrieb, wie die erste der o.g. Nachwahlen gewonnen werden konnte. Dies geschah im Wahlkreis Dublin West, der als Hochburg zu bezeichnen ist, und in dem Joe Higgins seit Anfang der 1990er Jahre der gew\u00e4hlte Vertreter im Parlament ist. Einige KommentatorInnen hatten uns im Vorfeld sogar als FavoritInnen bezeichnet. Landesweit befand sich allerdings die Partei \u201eSinn F\u00e9in\u201c (SF) im Aufwind, weshalb ein intensiver Verteidigungskampf gef\u00fchrt werden musste, um sich diese Partei vom Leibe zu halten.<\/p>\n<p>Die zweite Nachwahl fand dann in Dublin South-West statt. Das ist wahrscheinlich der st\u00e4rkste Wahlbezirk, den SF landesweit f\u00fcr sich in Anspruch nehmen kann. In Verbindung mit dem scheinbaren Anstieg auf Landesebene gingen die meisten KommentatorInnen davon aus, dass SF dort nicht zu bezwingen sei. Womit sie nicht gerechnet hatten, war die Offensive des heftigen, von Anfang bis Ende durchgezogenen Wahlkampf um unseren Genossen Paul Murphy, der auf Grundlage des Aufschwungs der Bewegung gegen die Wasser-Abgabe gef\u00fchrt wurde. Das hatte SF absolut nicht auf der Rechnung.<\/p>\n<p>Am Tag, an dem Paul Murphy mit einer klaren Aussage f\u00fcr den Boykott gew\u00e4hlt worden ist, so berichtete Kevin, fand in Dublin eine Demonstration f\u00fcr die Abschaffung der Wasser-Abgabe statt, an der 100.000 Menschen teilgenommen haben. Aus Angst vor dieser Kombination aus radikalen Ideen und der Unzufriedenheit der Massen haben das Establishment und die Medien versucht, unsere GenossInnen und unseren Wahlkampf mit dem mittlerweile ber\u00fcchtigten Vorfall bei einem Protest im Dubliner Vorort Jobstown zu besch\u00e4digen. Bei diesem \u201eJobstown protest\u201c war die stellvertretende Premierministerin vom 700 aufgebrachten AnwohnerInnen einige Stunden lang an der Weiterfahrt gehindert worden.<\/p>\n<p>\u00dcber Tage hinweg konnte man den herablassenden Anschuldigungen in den Medien nicht entkommen, die ihre Wirkung anfangs durchaus nicht verfehlten. Doch die standfeste Haltung der drei AAA-Abgeordneten, die den Protest kompromisslos verteidigt haben, waren f\u00fcr das Establishment ein weiterer Schock. Ruth Coppingers Antworten, die sie in einer der meistgeh\u00f6rten Radiosendungen des Landes gab, waren wie eine messerscharfe Retourkutsche vom Klassenstandpunkt aus. So stellte sie zum Beispiel die Frage, was die Ministerin denn erwarte, wenn sie in einer Gegend angetanzt kommt, die von der Arbeiterklasse bewohnt und die von der Austerit\u00e4t verw\u00fcstet worden ist \u2013 etwa \u201eBlumengirlanden\u201c?<\/p>\n<p>Diese Kampagnen, mit denen die Proteste verteufelt werden sollten, dienten dazu, die Bewegung gegen die Wasser-Abgabe zusammenzuschwei\u00dfen und machten die AAA zu einem k\u00e4mpferischen Fl\u00fcgel. Vor allem die Abgeordneten der AAA waren herausragend. Sie wurden zu den f\u00fchrenden VerfechterInnen eines Massenboykotts, und konterten die Einsch\u00fcchterungskampagne und jede Wendung der Regierung, die diese in den betreffenden Monaten hingelegt hat. Gerade erst sind vom federf\u00fchrenden Unternehmen \u201eIrish Water\u201c die Zahlen ver\u00f6ffentlicht worden, wonach sich sagenhafte 57 Prozent der Haushalte am Boykott gegen die Zahlungsaufforderung beteiligen. Kevin wendete ein, dass \u2013 selbst wenn einige derer, die bisher nicht bezahlt haben, bei der zweiten Zahlungsaufforderung in Zukunft zahlen werden \u2013 andere von der Zahl von 57 Prozent best\u00e4rkt sein werden, um sich ihrerseits dem Boykott anzuschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Wenn die Zahlen der Nicht-ZahlerInnen auf hohem Niveau bleiben, dann bedeutet das das Ende der Wasser-Abgabe, und es w\u00e4re ein schwerer Schlag f\u00fcr die Regierung und gegen die Agenda der Austerit\u00e4t des gesamten Polit-Establishments.<\/p>\n<h4>Das Referendum \u00fcber die gleichgeschlechtliche Ehe<\/h4>\n<p>Eine weitere Massenbewegung, die sich in den letzten Monaten herauskristallisiert hat, war der atemberaubende Erfolg der \u201eJa\u201c-Kampagne beim Referendum zur gleichgeschlechtlichen Ehe. Bezeichnenderweise war der Anteil der \u201eJa\u201c-Stimmen in den am meisten sozial benachteiligten Bezirken des Landes am h\u00f6chsten. In beiden F\u00e4llen, bei der Bewegung gegen die Wasser-Abgabe wie auch f\u00fcr die gleichgeschlechtliche Ehe, ist die Arbeiterklasse in den urbanen Gebieten einen Schritt vorangegangen und hat den Ereignissen ihren Stempel aufgedr\u00fcckt.<\/p>\n<h4>M\u00f6glichkeiten f\u00fcr die \u201eAnti-Austerity Alliance\u201c (AAA)<\/h4>\n<p>Diese ver\u00e4nderte Situation hat die Aktivit\u00e4ten erleichtert, zu denen wir zuvor nicht in der Lage gewesen w\u00e4ren. Dazu z\u00e4hlt auch der Protest gegen die Wasser-Abgabe, an der 5.000 Menschen in Dublin West und 10.000 in Limerick teilgenommen haben. Im ganzen Land ist es vor Ort zu Versammlungen auf der Stra\u00dfe gekommen. Im Nordosten von Dublin hat die AAA in zwei Wochen 17 Stra\u00dfenversammlungen organisiert, um dort f\u00fcr den Boykott zu mobilisieren. 800 Personen haben daran teilgenommen.<\/p>\n<p>Auch wenn die Bewegung in den letzten Monaten nicht so aktiv gewesen ist wie Ende 2014, so hat die AAA ihre Basis dennoch ausweiten k\u00f6nnen und wird in zus\u00e4tzlichen Bezirken mit eigenen KandidatInnen antreten; so z.B. in Cork East, Cork South Central, Athlone und Waterford.<\/p>\n<p>Kevin berichtete von dem Beispiel einer Umfrage, an der 2.500 Personen teilgenommen haben, die sich an Protesten gegen die Wasser-Abgabe beteiligt hatten. Bei dieser Umfrage sagten 54 Prozent, dass diese Proteste die ersten waren, an denen sie sich in ihrem Leben beteiligt h\u00e4tten. 81 Prozent der Befragten h\u00e4tten nun demnach vor, ihre Stimme den Anti-Establishment-KandidatInnen zu geben, 23,9 Prozent w\u00fcrden \u201eSinn Fein\u201c w\u00e4hlen, 27,5 Prozent f\u00fcr unabh\u00e4ngige Linke stimmen und 31,7 Prozent f\u00fcr die AAA oder das B\u00fcndnis \u201ePeople Before Profit\u201c. Kevin betonte wie bedeutsam die Tatsache ist, dass diejenigen, die aktiv geworden sind, eher f\u00fcr k\u00e4mpferische linke KandidatInnen stimmen als f\u00fcr SF. Interessanterweise haben 79,6 Prozent der Befragten ausgesagt, dass Bedarf nach einer neuen Partei f\u00fcr die \u201eeinfachen\u201c Leute bestehe.<\/p>\n<p>In den schwer gebeutelten Wohnvierteln der Arbeiterklasse, die von anderen als \u201eUnterschicht\u201c oder \u201eNo-Go\u201c-Gebiete bezeichnet werden, war die Bewegung gegen die Wasser-Abgabe am aktivsten. Diese Wohnquartiere sind vom kapitalistischen Establishment schon vor Jahren im Stich gelassen worden. Dort herrscht hohe Erwerbslosigkeit, es leben dort haupts\u00e4chlich gewerbliche ArbeiterInnen und die Bildungsabschl\u00fcsse sind eher niedrig. Diese Bedingungen k\u00f6nnen zum N\u00e4hrboden f\u00fcr ein starkes Gemeinschaftsgef\u00fchl werden, das \u2013 wenn es erst einmal aktiviert ist \u2013 im Allgemeinen sehr ernsthaften Chaarakter hat.<\/p>\n<p>Um dies zu illustrieren, kam Kevin noch einmal auf das Beispiel Jobstown zur\u00fcck, das zur Gemeinde Tallaght geh\u00f6rt. Pl\u00f6tzlich waren dort 700 Personen zusammengekommen, um die Karosse der stellvertretenden Premierministerin zu blockieren, als die Nachricht die Runde machte, dass sie vor Ort sei. Diese Wohngebiete der Arbeiterklasse haben au\u00dferdem traditionell eine gegen das Establishment gerichtete Einstellung entwickelt, so zum Beispiel mit hohen \u201eNein\u201c-Anteilen bei den diversen abstimmungen \u00fcber die EU-Vertr\u00e4ge. In Jobstown selbst haben beeindruckende 88 Prozent f\u00fcr die gleichgeschlechtliche Ehe gestimmt, was zeigt, wie die Arbeiterklasse zur f\u00fchrenden Kraft f\u00fcr den Wandel werden kann \u2013 ganz egal, um welche Fragestellung es dabei geht.<\/p>\n<p>Ein wesentliches Merkmal hinsichtlich des Aktionsgrads zum Thema gleichgeschlechtliche Ehe oder bei der Bewegung gegen die Wasser-Abgabe war, dass die Hauptakteure in den Wohnvierteln vor allem Frauen waren. Auch junge Leute haben beim Referendum eine entscheidende Rolle gespielt. Sch\u00e4tzungsweise 50.000 bis 60.000 vor allem junge Menschen, die in den letzten Jahren emigriert sind, kamen zur Abstimmung zur\u00fcck nach Irland. Viele von ihnen nahmen daf\u00fcr gar eine Anreise aus Australien oder Nordamerika auf sich.<\/p>\n<p>Was die politischen Perspektiven angeht, stellte Kevin heraus, dass SF im letzten Jahr bei den Umfragen stagniert. Die konservative \u201eFine Gael\u201c (FG) hat in den Umfragen Einbu\u00dfen hinnehmen m\u00fcssen und in den letzten beiden Erhebungen sind die Werte f\u00fcr die Unabh\u00e4ngigen und andere (darunter auch die AAA und weitere antikapitalistische Linke) nach oben gegangen. Sowohl f\u00fcr die liberale Partei \u201eFianna Fail\u201c (FF) als auch f\u00fcr die Sozialdemokraten von \u201eLabour\u201c scheint es unm\u00f6glich, sich von dem Ausverkauf und der Austerit\u00e4t zu erholen, die von ihnen durchgef\u00fchrt worden sind.<\/p>\n<p>Kevin stellte zwei m\u00f6gliche Perspektiven f\u00fcr die Zeit nach den Parlamentswahlen in Aussicht, die sp\u00e4testens im M\u00e4rz n\u00e4chsten Jahres, vielleicht aber schon Ende dieses Jahres stattfinden werden. Zuerst sei eine Regierung m\u00f6glich, an der s\u00e4mtliche gro\u00dfen Parteien des Establishments, FF, FG und vielleicht auch \u201eLabour\u201c beteiligt sind. Die zweite Variante ist eine Regierung aus SF, FF, \u201eLabour\u201c und einiger Unabh\u00e4ngiger. In diesem Kontext k\u00f6nnte es im Zeitraum von heute bis zum Wahltag im Wesentlichen auf eine Entscheidung zwischen FG und SF hinauslaufen. Dies k\u00f6nnte potentiell zu einem Schwenk hin zu SF f\u00fchren. Wenn es f\u00fcr SF gut l\u00e4uft, dann k\u00f6nnte die AAA unter Druck kommen. Wir sollten aber in der Lage sein zu k\u00e4mpfen, um den bisherigen Grad an Unterst\u00fctzung zu halten.<\/p>\n<p>\u201eSinn Fein\u201c ist in vielerlei Hinsicht anders als \u201eSyriza\u201c oder \u201ePodemos\u201c, wie Kevin erkl\u00e4rte. Die Tatsache, dass die Partei in Nordirland auch die austerit\u00e4t eingef\u00fchrt und ihre betr\u00e4chtliche Zahl an Abgeordneten im \u201eDail\u201c (Parlament der Republik Irland) nicht genutzt hat, um sich f\u00fcr den Boykott der Wasser-Abgabe auszusprechen, ist den Menschen aus der Arbeiterklasse nicht entgangen. Das gilt auch f\u00fcr die, die zu jenem Zeitpunkt zur Wahl von SF geneigt haben.<\/p>\n<p>\u201eSinn Fein\u201c auf dem Weg zur Regierungspartei?<br \/>\nWenn SF nicht in die Regierung kommt, dann wird es zu einer potentiell explosiven Situation mit einer starken Klassen-Polarisierung kommen. Die Wahrheit ist, dass die Parteien des Establishments 2007 einen Stimmenanteil von 87 Prozent hatten. 2011 waren es noch 75 Prozent. Aktuell kommen sie in Umfragen nur noch auf einen bemerkenswert niedrigen Wert von weniger als 50 Prozent. Wenn FG und FF zusammengehen, um eine Koalitionsregierung zu bilden, dann f\u00fchlen sich die Menschen durch die Bildung einer solchen rechts\u00f6astigen Koalition geprellt. Dies gilt vor allem deshalb, weil es in der Gesellschaft eine klare Tendenz nach links gibt, was die Wahrscheinlichkeit mit sich bringt, dass die Basis-Bewegungen fortgef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>In einer solchen Umgebung besteht sowohl f\u00fcr SF als auch die Linke das Potential, weiter wachsen zu k\u00f6nnen. In diesem Zusammenhang wird es auch weiterhin Raum f\u00fcr die AAA geben; vor allem, weil SF sich nicht aktiv am Kampf um bestimmte Themen (wie z.B. die Wasser-Abgabe) beteiligt.<\/p>\n<p>Kevin hob darauf ab, dass die Wahrscheinlichkeit f\u00fcr SF gro\u00df ist, Teil der n\u00e4chsten Regierung zu sein. Dies gilt vor allem dann, wenn sie als st\u00e4rkste oder zweitst\u00e4rkste Kraft aus den Wahlen hervorzugehen vermag. Dies k\u00f6nnte zu einer Situation f\u00fchren, die der in Schottland mit der \u201eScottish National Party\u201c \u00e4hnelt. Trotz der Tatsache, dass es um eine Partei geht, die ebenfalls Austerit\u00e4tsma\u00dfnahmen umsetzt, ist sie in der Lage, f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum ein ausreichendes Ma\u00df an Unterst\u00fctzung zu bekommen.<\/p>\n<p>Selbst wenn SF in eine Koalition mit FF eintritt, so h\u00e4tte diese Regierungskonstellation voraussichtlich genug Raum, um eine zeitlang ihre Man\u00f6ver aus\u00fcben zu k\u00f6nnen. Mit der Zeit wird sich das aber unweigerlich wieder \u00e4ndern, weil eine solche Regierung \u2013 die auf kapitalistischer Grundlage operiert \u2013 gezwungen sein wird, weitere Austerit\u00e4tsma\u00dfnahmen durchzuf\u00fchren. Und das w\u00fcrde das Image von SF, dass die Partei bei Menschen aus der Arbeiterklasse hat, grundlegend ver\u00e4ndern.<\/p>\n<p>Diese Realit\u00e4ten bedeuten im Einklang mit dem gewaltigen Aktionsgrad und der Politisierung unter breiten Schichten der Arbeiterklasse und junger Leute, die diese in den Bewegungen gegen die Wasser-Abgabe wie auch f\u00fcr die gleichgeschlechtliche Ehe zum Ausdruck gebracht haben, dass es f\u00fcr die Linke in den kommenden Monaten und Jahren enormes Potential gibt.<\/p>\n<p>CWI-Mitglieder aus Irland und von anderen Sektionen unserer Internationale machten in der sich anschlie\u00dfenden Diskussion wichtige Beitr\u00e4ge. Sandra Fay, eine Lehrerin, die aus Jobstown kommt und dort arbeitet und die der AAA an dem Tag beigetreten ist, an dem Joan Burton, die stellvertretende Ministerpr\u00e4sidentin ihren unr\u00fchmlichen Besuch dort abstattete, erkl\u00e4rte, wie die AAA sie weiter politisiert habe. Das hat am Ende dazu gef\u00fchrt, dass sie vor kurzem auch in die \u201eSocialist Party\u201c eingetreten ist.<\/p>\n<p>Cillian Gillespie \u00e4u\u00dferte sich zum Thema der kolonialen Beziehung zwischen EU und den L\u00e4ndern der Peripherie wie Griechenland oder Irland. Er erkl\u00e4rte, dass das Programm der \u201eTroika\u201c in Irland von Ende 2010 bis Anfang 2013 eine sp\u00fcrbare Atmosph\u00e4re aus nationaler Unterdr\u00fcckung und Dem\u00fctigung geschaffen hat. In Irland, das tats\u00e4chlich einmal Kolonie war und wo die nationale Frage immer noch nicht gel\u00f6st ist, kamen auch auf den Demonstrationen gegen die Wasser-Abgabe unweigerlich nationalistische Gef\u00fchle auf, und es wurden viele irische Fahnen gezeigt. Dies sei f\u00fcr eine Situation, in der die Wut der Arbeiterklasse hochkocht, zwar symptomatisch. Aufgrund des Umstands, dass sich der Aufstand gegen die britische Kolonialherrschaft im n\u00e4chsten Jahr zum hundertsten Mal j\u00e4hrt, so meinte Cillian, sei es auch wahrscheinlich, dass SF versucht, diese nationalistischen Gef\u00fchle zu ihren Gunsten auszunutzen und somit vom Aufbau einer Alternative f\u00fcr die Arbeiterklasse abzulenken. Cillian berichtete, dass die \u201eSocialist Party\u201c ein Buch \u00fcber die Erhebung von 1916 herausgeben wird, mit dem f\u00fcr eine sozialistische L\u00f6sung der nationalen Frage geworben werden soll.<\/p>\n<p>Unser langj\u00e4hriges Parlamentsmitglied Joe Higgins sprach \u00fcber die au\u00dfergew\u00f6hnliche Entwicklung in Irland und den Wandel auf gesellschaftlicher und auf politischer Ebene. Er erkl\u00e4rte, dass es erst 30 Jahre her ist, dass das Referendum \u00fcber den 8. Verfassungszusatz durchgekommen ist (wodurch Abtreibung per Verfassungs verboten wurde) und Kondome nur auf Rezept zu haben waren. Zum Referendum, mit dem die Scheidung der Ehe legal wurde, kam es erst 1995, und es kam nur mit sehr knapper Mehrheit durch. Joe stellte dies dem \u00fcberw\u00e4ltigenden \u201eJa\u201c bei der Abstimmung \u00fcber die gleichgeschlechtliche Ehe gegen\u00fcber, bei dem sich mehr als 60 Prozent daf\u00fcr aussprachen, und der Tatsache, dass eine erhebliche Mehrheit der Bev\u00f6lkerung in einer Umfrage nach der anderen die Aufhebung des o.g. 8. Verfassungszusatzes sowie mehr Rechte beim Thema Abtreibung bef\u00fcrwortet.<\/p>\n<p>Joe erkl\u00e4rte, dass die Parteien der Austerit\u00e4t vor 30 Jahren zusammen noch auf 90 Prozent der Stimmen gekommen sind und in den aktuellen Umfragen heute bei knapp 40 Prozent liegen. Er beschrieb den raschen Wandel im Bewusstsein der Arbeiterklasse im vergangenen Jahr. Das sogenannte \u201eRettungspaket\u201c der \u201eTroika\u201c war f\u00fcr die Moral der \u201eeinfachen Leute\u201c ein schwerer Schlag. Die Medien \u00e4u\u00dferten sich zwar lange ver\u00e4chtlich \u00fcber die \u201ek\u00e4mpferischen Iren\u201c im Gegensatz zu den Massen in Griechenland. Im letzten Jahr ist der Riese jedoch aufgewacht. Die Regierung streut die Nachricht, wonach es sich bei der Wasser-Abgabe um die letzte der Austerit\u00e4tsma\u00dfnahmen handeln w\u00fcrde und bittet die Menschen, \u201eRuhe zu bewahren\u201c und dies einfach zu akzeptieren. Doch die Arbeiterklasse reagiet darauf mit einem eindeutigen: \u201eHaut ab!\u201c.<\/p>\n<p>Die heutige Bewegung besteht zwar ebenfalls aus den drei wesentlichen Bestandteilen namens Mobilisierung, Boykott und politischer Druck, wie schon der erfolgreiche Kampf der Bewegung gegen die Wasser-Abgabe in den 1990er Jahren, die ebenfalls von der \u201eSocialist Party\u201cangef\u00fchrt worden ist. Diesmal ist die Bewegung allerdings wesentlich breiter aufgestellt. Joe wies au\u00dferdem darauf hin, dass es f\u00fcr eine kleine Partei wie unsere noch nie m\u00f6glich war, zwei Nachwahlen f\u00fcr sich zu entscheiden. Doch auch dies war nur m\u00f6glich und ist ein Beleg f\u00fcr die bessere Ausgangslage, zu der es im Laufe des letzten Jahres gekommen ist, und das sich \u00e4ndernde Klassen-Bewusstsein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>SozialistInnen spielen eine Schl\u00fcsselrolle<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":31073,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[46],"tags":[322],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/31072"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=31072"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/31072\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":31076,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/31072\/revisions\/31076"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/31073"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=31072"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=31072"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=31072"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}