{"id":30909,"date":"2015-07-12T19:45:31","date_gmt":"2015-07-12T17:45:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=30909"},"modified":"2015-07-12T19:45:31","modified_gmt":"2015-07-12T17:45:31","slug":"boersencrash-in-china","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2015\/07\/boersencrash-in-china\/","title":{"rendered":"B\u00f6rsencrash in China"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ausweitung zur politischen Krise m\u00f6glich<\/strong><\/p>\n<p><em>Interview mit Vincent Kolo, leitender Redakteur von chinaworker.info, dem Internetportal f\u00fcr China des \u201eCommittee for a Workers\u00b4 International\u201c \/\/ \u201eKomitee f\u00fcr eine Arbeiterinternationale\u201c (CWI), dessen Sektion in Detschland die SAV ist<\/em><\/p>\n<h4>Wie schwerwiegend ist der B\u00f6rsencrash und wie reagiert die Regierung?<\/h4>\n<p>Vincent Kolo: Die riesige Blase, die \u00fcber das vergangene Jahr aufgebl\u00e4ht worden ist, ist implodiert. Ausma\u00df und Tempo des Crashs waren dramatisch. Das Regime in China ist zutiefst ersch\u00fcttert, weil es diese Entwicklung nicht vorausgesehen hat. Das mag verr\u00fcckt klingen \u2013 denn alle anderen haben es vorausgesehen. \u201ePanik\u201c ist der am h\u00e4ufigsten benutzte Begriff, mit dem die Auslandsmedien die nun folgenden Ma\u00dfnahmen der Regierung beschreiben \u2013 und mit diesem Wort trifft man es eigentlich ziemlich gut.<\/p>\n<p>Anfang Juni hat sich die B\u00f6rse auf einen Wert von 10 Billionen US-Dollar (gesamte Marktkapitalisierung) aufgebl\u00e4ht. Das ist eine Zunahme von 6,7 Billionen Dollar in nur einem Jahr. In Dollar gerechnet hat es so eine Zunahme in so kurzer Zeit an noch keiner B\u00f6rse der Welt gegeben. Der Wertzuwachs entsprach der gesamten B\u00f6rsenkapitalisierung der Tokioter B\u00f6rse, und das ist das gr\u00f6\u00dfte Handelsparkett nach New York und Shanghai-Shenzhen. In den ersten Monaten dieses Jahres sind in China zu den Dollar-Milliard\u00e4ren (es geht um Dollar, nicht um chinesische Yuan!) jede Woche vier neue hinzugekommen. Zur\u00fcckzuf\u00fchren war dies auf den dortigen B\u00f6rsenboom. In den letzten drei Wochen sind auf dem Parkett jedoch drei Billionen Dollar verloren gegangen. Seit dem 15. Juni ist der Handel somit um ein Drittel eingebrochen. Diese Summe entspricht sechs Mal dem gesamten Wert der Auslandsschulden Griechenlands. Sie entspricht elf Mal der Gesamt-Jahreswirtschaftsleistung Griechenlands. Die Zeitung \u201eSecurities Times\u201c, die in Shenzhen herausgebracht wird, berichtet, dass 760 Unternehmen, was mehr als ein Viertel aller Firmen ausmacht, die an den B\u00f6rsen von Shanghai und Shenzhen gelistet sind, in der vergangenen Woche den Handel ausgesetzt haben. Das ist wie eine schleichende \u201eStilllegung\u201c der B\u00f6rsen, was in der Tat gar keine schlechte Sache w\u00e4re.<\/p>\n<p>Die Kleinanleger z\u00e4hlen mittlerweile rund 90 Millionen. Das sind zum ersten Mal mehr als die sogenannte \u201eKommunistische Partei Chinas\u201c (KPCh) Mitglieder hat. Millionen von Menschen (rund 40 Millionen an der Zahl) sind seit Anfang dieses Jahres an die B\u00f6rse gegangen und die meisten von ihnen haben Geld verloren. Sie beschweren sich, dass sie nicht mehr rauskommen, weil viele Aktien um zehn Prozent im Wert fallen. Das ist der Tages-Maximalwert, bei dem der Handel ausgesetzt wird. F\u00fcr diejenigen, die umfangreiche Schulden gemacht haben, um sich mittels des sogenannten \u201emargin trading\u201c (Aktienk\u00e4ufe auf Kredit) am Gl\u00fccksspiel beteiligen zu k\u00f6nnen, bedeutet das nicht weniger als den Ruin. Und dabei sprechen wir von einer nicht unwesentlichen gesellschaftlichen Schicht, die in erster Linie aus der st\u00e4dtischen Mittelschicht besteht. Auf diese Schicht ist das KPCh-Regime als soziale Basis angewiesen, weil sie durch sie ihre Herrschaft aufrechtzuerhalten imstande ist. Diese Schichten wurden vom Abschwung auf dem Immobilienmarkt getroffen, was ein Grund f\u00fcr den Entschluss des Regimes war, den B\u00f6rsenboom anzuheizen. Auf diese Weise wollte man dieser gesellschaftlichen Schicht eine Alternative bieten, um ihren Reichtum zu vergr\u00f6\u00dfern und die Verbrauchernachfrage auf hohem Niveau zu halten. Damit sollte der Gefahr sozialer Unruhen vorgebeugt werden. Das ist der \u201echinesische Traum\u201c von Xi Jinping, der innerhalb von drei Wochen bis auf die Grundmauern ersch\u00fcttert wurde.<\/p>\n<h4>Gehst du davon aus, dass die Ma\u00dfnahmen, die die Regierung ergriffen hat, Erfolg haben und die B\u00f6rse dadurch gerettet wird?<\/h4>\n<p>Das bleibt abzuwarten. Bemerkenswert ist zun\u00e4chst, wie die Ma\u00dfnahmen der Regierung bisher gescheitert sind. Sie sind durch den Verkaufsansturm sozusagen \u00fcberrannt worden. Wir k\u00f6nnen davon ausgehen, dass es weitere Ma\u00dfnahmen geben wird, weil auf t\u00e4glicher Basis neue politische Vorgaben verlautbart werden. Seit dem 27. Juni sind die Zinsen gesenkt worden, es ist immer mehr Kapital an die Banken gegangen, neue Aktienemissionen (IPOs) sind blockiert worden, Makler, Rentenfonds und Staatseigene Betriebe wurden angehalten, Aktien zu kaufen und es wurde ein \u201eFonds zur Stabilisierung der M\u00e4rkte\u201c aufgelegt. Peking beschie\u00dft den Markt mit seiner Artillerie als ob man die Wolken bombardieren w\u00fcrde, um damit Regen zu erzeugen. Sie haben das staatliche Finanzsystem mobilisiert und damit in dieser Woche ein umfassendes Rettungspaket geschn\u00fcrt (am Sonnntag, dem 5. Juli). Dies ging mit der Ank\u00fcndigung einher, dass die Zentralbank als \u201eAufk\u00e4ufer der letzten Instanz\u201c agieren wird, um das Abrutschen der M\u00e4rkte zu stoppen. Von einigen WirtschaftsjournalistInnen wird dies als die \u201echinesische Variante der quantitativen Lockerung\u201c beschrieben. Doch das Bankensystem in China steht nach einer massiven Anh\u00e4ufung von Schulden in den letzten f\u00fcnf Jahren bereits unter enormem Druck. Von daher lautet die Frage nicht, ob die Banken die B\u00f6rsen retten k\u00f6nnen sondern vielmehr, ob es die Regierung hinbekommt, sowohl die Banken als auch die B\u00f6rsen zu retten.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist das Regime vollkommen konsterniert und in Panik geraten, als diese Politik, die in fr\u00fcheren Jahren noch einen gewissen Effekt hatte, pl\u00f6tzlich folgenlos blieb. Aber das spiegelt die allgemeine wirtschaftliche Malaise wider. Schlie\u00dflich haben wir es in China mit dem langsamsten Wachstum seit einem Vierteljahrhundert zu tun. Das reale Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) liegt bei h\u00f6chstens drei bis vier Prozent, ein Drittel der chinesischen Provinzen befinden sich in der Rezession und die verarbeitende Industrie baut Arbeitspl\u00e4tze ab. Die Menschen wussten, dass es sich beim B\u00f6rsenboom um eine Fehlentwicklung gehandelt hat. Sie glaubten aber, dass die B\u00f6rse weiter boomen w\u00fcrde, weil Peking wollte, dass die B\u00f6rse weiter boomen sollte. Genau dieser Glaube ist durch den Einbruch der letzten Wochen nun zerst\u00f6rt worden. Dies kann einen massiven psychologischen Effekt haben und dazu f\u00fchren, dass der Mythos von der allm\u00e4chtigen Regierung zerbr\u00f6ckelt, die der Wirtschaft \u201ebefehlen\u201c kann, was immer sie will.<\/p>\n<p>Es handelt sich hierbei nicht nur um ein \u00f6konomisches Problem, denn auch das Image von der \u201estarken\u201c Regierung wurde ersch\u00fcttert. In der \u201eNew York Times\u201c von heute steht, dass das Scheitern der Regierung, den Aufruhr auf den M\u00e4rkten zu beenden, der \u201eAura der Unbesiegbarkeit\u201c, die Xi Jinping umgab, schweren Schaden zugef\u00fcgt hat. Bei einem Analysten von \u201eFitch\u201c habe ich die Warnung gelesen, dass dies zu einer \u201eVertrauenskrise in den Staatsapparat\u201c f\u00fchren k\u00f6nne. Das Magazin \u201eThe Economist\u201c nennt dies die \u201eerste gro\u00dfe Besch\u00e4digung des \u00f6ffentlichen Ansehens des Teams Xi-Li\u201c. Davor, dass das Potential f\u00fcr eine politische Krise in China aufkommt, f\u00fcrchtet sich die Bourgeoisie weltweit. Trotz ihres \u201edemokratischen\u201c Anspruchs haben sie hinter diesem Staat, einer Ein-Parteien-Diktatur, gestanden, damit er in Wirtschaftsfragen seinen Job f\u00fcr den Kapitalismus macht.<\/p>\n<p>Die j\u00fcngsten Ma\u00dfnahmen zur St\u00fctzung der M\u00e4rkte sind ohne Beispiel. Das schreibt sogar die staatliche Nachrichtenagentur \u201eXinhua\u201c. Aber sie riechen stark nach Verzweiflung. Vielleicht ist es m\u00f6glich, auf diese Weise dem Abw\u00e4rtstrend Einhalt zu gebieten (es ist viel schwerer als DissidentInnen Einhalt zu gebieten) \u2013 es ist aber genauso gut m\u00f6glich, dass das die M\u00e4rkte \u00e4u\u00dferst unberechenbar bleiben. Das ist so, obwohl die Regierung als eine Diktatur viele Dinge tun kann, auf die \u201edemokratische\u201c Regierungen nicht so wirkungsvoll zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen. Da w\u00e4re zun\u00e4chst die Mobilisierung des Finanzsektors, den man f\u00fcr dieses Rettungspaket heranzieht. Zweitens, das ist ebenfalls von besonderer Bedeutung, kann sie schlechte Nachrichten quasi per Gesetz verbieten. Den Medien ist mitgeteilt worden, dass sie Begriffe wie \u201eAktien-Katastrophe\u201c (engl.: \u201eequity disaster\u201c) und \u201eMarktrettung\u201c (engl.: \u201erescue the market\u201c) nicht benutzen d\u00fcrfen. Berichte \u00fcber Selbstmorde, die mit dem Markt-Chaos in Zusammenhang stehen, sind verboten. Die Polizei hat schon die ersten Personen mit der Begr\u00fcndung verhaftet, sie h\u00e4tten \u201eGer\u00fcchte verbreitet\u201c. Gleichzeitig singt die Zeitung \u201ePeople\u2019s Daily\u201c das Hohelied auf die M\u00e4rkte und erz\u00e4hlt uns, dass \u201enach dem Regen immer ein Regenbogen am Himmel erscheint\u201c! Nichts von alldem stellt jedoch den Erfolg sicher. Das gilt vor allem, wenn die Regierung der realen \u00f6konomische Situation hinterherhinkt, wie es momentan der Fall ist.<\/p>\n<p>Wenn das umfassende Eingreifen der Regierung darin Erfolg haben sollte, wieder f\u00fcr Ruhe zu sorgen, dann wird das nur bedeuten, dass die Blase von neuem aufgebl\u00e4ht wird. In diesem Fall wird es allerdings eine noch gr\u00f6\u00dfere Blase werden, weil Spekulanten bereit sein werden, noch gr\u00f6\u00dfere Risiken einzugehen \u2013 im Glauben, eine Unterst\u00fctzungsgarantie der Regierung zu haben. Das ist es, was liberale \u00d6konomen als moralischen Hazard bezeichnen. Der boomende Aktienmarkt ist v\u00f6llig abgehoben von der d\u00fcsteren Lage der chinesischen Wirtschaft, und das zwangsl\u00e4ufige Ergebnis wird ein noch gr\u00f6\u00dferer Crash in der Zukunft sein.<\/p>\n<h4>Warum h\u00e4ngt sich das Regime der KPCh so sehr rein, um die B\u00f6rse zu retten?<\/h4>\n<p>Im Moment ist es eine Prestigefrage f\u00fcr das Regime. Wenn sie den Aktienmarkt nicht retten k\u00f6nnen, wird das als eine sehr dem\u00fctigende Niederlage in aller \u00d6ffentlichkeit gesehen werden. Und es wird politische Auswirkungen haben. Es gibt Berichte von den ersten Protesten von w\u00fctenden Aktienh\u00e4ndlern, und das ist etwas was die KPCh um jeden Preis verhindern will. Wenn die Ma\u00dfnahmen nicht wirken, wird das einen enormen Verlust von politischer Autorit\u00e4t bedeuten, was f\u00fcr eine Diktatur fatal sein kann. Au\u00dferdem besteht die Gefahr, dass die ohnehin schon schwere Wirtschaftskrise noch versch\u00e4rft wird.<\/p>\n<p>Die Ursache daf\u00fcr, dass die KPCh die vorherigen Kurssteigerungen mit in die Wege geleitet hat, liegt in der Macht\u00fcbernahme des heutigen F\u00fchrung Ende 2012. F\u00fcr Xi Jinpings Reformstrategie war es von zentraler Bedeutung, den M\u00e4rkten eine \u201eentscheidende Rolle\u201c zu \u00fcbergeben. Das klingt heute sehr ironisch. Das Wirtschaftsmodell des Chinesischen Staatskapitalismus und des schuldenbasierten Wachstum sind jetzt ersch\u00f6pft und tritt in eine Deflationskrise. Deshalb will das Regime mit einem regen Aktienmarkt eine Rettungsleine f\u00fcr die Wirtschaft schaffen, um den Druck von dem Bankensystem zu nehmen, das in faulen Krediten ertrinkt. Vor allem sollen verschuldete Firmen gerettet werden, indem ihnen eine Chance gegeben wird, mehr Aktien auszugeben und die so freigemachten Gelder f\u00fcr die Schuldentilgung auszugeben. Chinas Anteil der Verschuldung am BIP liegt bei 280 Prozent, das ist fast das Doppelte von Griechenland. Die meisten Schulden sind bei staatseigenen Betrieben (SOEs) und den Kommunen.<\/p>\n<p>Jetzt scheint ihnen diese Strategie um die Ohren zu fliegen. Die Banken und SOEs sitzen auf den riesigen Verlusten der Kursschmelze. Das Ziel des gegenw\u00e4rtigen Trommelfeuers von Rettungsma\u00dfnahmen ist vielleicht nur kurzfristig: diesen Unternehmen eine Atempause zu g\u00f6nnen, damit sie ihre faulen Investments abladen k\u00f6nnen, bevor der Markt wieder abst\u00fcrzt. Das Regime hat ein anderes, genaueres Bild von der Lage, und das k\u00f6nnte deutlich h\u00e4sslicher sein als das, was die \u00d6ffentlichkeit zu Gesicht bekommt.<\/p>\n<p>Das Wall Street Journal hat Pekings Notfallma\u00dfnahmen mit der \u201egro\u00dfen Bazooka\u201c von US-Finanzminister Hank Paulson verglichen, mit denen 2008 die Wall Street gerettet wurde. Es ist wichtig festzuhalten, dass China nicht die einzige Regierung ist, die solche Schritte ergreift. Japan macht im Moment genau das gleiche: Sie manipulieren den Aktienmarkt. Das Entscheidende bei China ist, dass die Kursmanipulationen der Regierung gr\u00f6\u00dfer und auch kontinuierlich sind \u2013 sie haben den Boom auf dem Aktienmarkt erst geschaffen. Jetzt haben sie doch die Kontrolle verloren und zahlen einen enormen \u00f6konomischen und auch politischen Preis, vor allem wenn das Ausma\u00df der Turbulenzen anh\u00e4lt.<\/p>\n<p>Die Regierung hat die Panikverk\u00e4ufe ausgel\u00f6st, die sowieso fr\u00fcher oder sp\u00e4ter passiert w\u00e4ren, als sie sogenannte Aktienk\u00e4ufe auf Kredit st\u00e4rker regulierte. Der riesige Umfang von Aktienk\u00e4ufen auf Kredit, die in den letzten zwei Jahren um das neunfache gestiegen sind auf sechs Billionen Yuan (eine Billion Dollar) wenn man offizielle und inoffizielle Kredite mitrechnet, ist ein zus\u00e4tzliches massives Risiko in der ohnehin schon riskanten Finanzspekulation, weil die Gl\u00e4ubiger ihre Kredite zur\u00fcck haben wollen, wenn die Verluste des Spielers sich anh\u00e4ufen. Das f\u00fchrt wiederrum dazu, dass mehr Aktien verkauft werden, und das f\u00fchrt dann zu Panikverk\u00e4ufen. Laut Citigroup ist nur ein Viertel der kreditfinanzierten Aktiengesch\u00e4fte in den letzten drei Wochen abgewickelt worden. Drei Viertel sind also immer noch am Laufen und warten darauf, beendet zu werden. Das deutet an, dass die Turbulenzen noch eine ganze Weile anhalten k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Ein \u201enormaler\u201c Aktienmarkt ist ein verherrlichtes Kasino, aber das Ausma\u00df von Aktienk\u00e4ufen auf Kredit, die den Anstieg der Aktienwerte befeuert haben, macht Chinas B\u00f6rsen mehr zu einem \u201eSpiel russisches Roulette\u201c, um die \u00d6konomin Anne Stevenson-Yang zu zitieren. Jetzt, nur drei Wochen nach dem sie durchgreifen wollte, macht die Regierung einen R\u00fcckzieher aus Angst vor dem Marktkollaps. Sie hat die Regulierungsma\u00dfnahmen wieder zur\u00fcckgenommen und es noch einfacher gemacht, auf Kredit zu spekulieren. Sie erlaubt jetzt Spekulanten sogar, ihre Wohnungen als Pfand einzusetzen, um Kredite zu bekommen, was offensichtlich nicht so schlau ist.<\/p>\n<h4>Welche Folge kann dies auf die Wirtschaft ganz allgemein haben?<\/h4>\n<p>Die Verzweiflung in den Ma\u00dfnahmen, zu denen die KPCh gezwungen ist, zeigt uns, dass die Sachen schlimmer sind als sie aussehen (also noch schlimmer als ein 30-prozentiger Zusammenbruch im Aktienmarkt). Es kann zu einer Kettenreaktion kommen, wenn Firmen, deren Aktien oft als Pfand dienen f\u00fcr Bankkredite, pl\u00f6tzlich in der Kreditklemme stecken. Wie sehr die Banken den Aktienmarktschulden ausgesetzt sind ist die eine Frage. Kann es eine finanzielle Ansteckung geben, vor allem durch den Schattenbanksektor? China hat den zweitgr\u00f6\u00dften Schattebanksektor der Welt nach den USA, aber die inoffiziellen Kreditgeber und Investmentgesellschaften sind ein Anh\u00e4ngsel der Staatseigenen Banken. Sie steckten total in der kreditfinanzierten Aktienrally drin und haben ein ganz neues Sortiment von Verm\u00f6gensverwaltungsprodukten entwickelt um die Markteuphorie aufrecht zu halten. Die verzweifelten Ma\u00dfnahmen der letzten Tage lassen sich wohl auch darauf zur\u00fcck f\u00fchren, dass das chinesische Regime eine Bedrohung f\u00fcr das komplette Finanzsystem gesehen hat, und darum werfen sie alles in die Waagschale um eine weitere Marktimplosion zu verhindern.<\/p>\n<p>Viele internationale Kommentatoren sagen, dass die Griechenlandkrise schlimm ist, aber diese schlimmer ist, weil China einen viel gr\u00f6\u00dferen Einfluss auf die globale Wirtschaft hat. Schon jetzt taumeln die Rohstoffm\u00e4rkte, nach einer Stabilisierung sind die Preise f\u00fcr Kupfer, \u00d6l und Metalle wieder gefallen, weil es \u00c4ngste um die chinesische Wirtschaft und eine verringerte Nachfrage gibt. China ist mit Abstand der gr\u00f6\u00dfte Importeuer der meisten Rohstoffe. Und es gibt noch weitere Auswirkungen, die eine Krise in China auf die Weltwirtschaft h\u00e4tte. Darum warnten nicht nur wir als SozialistInnen, dass eine Vertiefung der Krise in China, von denen der Aktiencrash nur ein weiterer Ausdruck ist, eine neue Runde von globalen kapitalistischen Unruhen ausl\u00f6sen kann, die in die Fu\u00dfstapfen der Wall-Street-Krise 2008 und die aktuelle Krise in der Eurozone treten wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ausweitung zur politischen Krise m\u00f6glich &#8211; Interview mit Vincent Kolo<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":25268,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[38,127],"tags":[345],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/30909"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=30909"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/30909\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":30910,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/30909\/revisions\/30910"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/25268"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=30909"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=30909"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=30909"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}