{"id":30700,"date":"2015-07-09T17:00:49","date_gmt":"2015-07-09T15:00:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=30700"},"modified":"2015-07-06T17:06:58","modified_gmt":"2015-07-06T15:06:58","slug":"oelpreis-und-weltwirtschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2015\/07\/oelpreis-und-weltwirtschaft\/","title":{"rendered":"\u00d6lpreis und Weltwirtschaft"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_30701\" aria-describedby=\"caption-attachment-30701\" style=\"width: 280px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/l-e1433421169583.png\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-30701\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/l-e1433421169583-280x173.png\" alt=\"Foto: CC0 Public Domain\" width=\"280\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/l-e1433421169583-280x173.png 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/l-e1433421169583-162x100.png 162w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/l-e1433421169583-560x347.png 560w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/l-e1433421169583-600x371.png 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/l-e1433421169583-534x330.png 534w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/l-e1433421169583.png 614w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-30701\" class=\"wp-caption-text\">Foto: CC0 Public Domain<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Instabilit\u00e4t des Kapitalismus w\u00e4chst<\/strong><\/p>\n<p align=\"LEFT\">Die Schiefer-\u00d6l-Revolution in den USA und Kanada hat zu einer weltweiten \u00d6l-Schwemme gef\u00fchrt \u2013 und zu einem R\u00fcckgang der Investitionen in kostenintensive \u00d6lfelder. Der niedrige \u00d6lpreis hat dem Wirtschaftswachstum in den USA und bei \u00d6limporteuren wie der EU, Indien und Japan zwar Auftrieb gegeben, \u00d6lproduzenten wie Russland, Nigeria und Venezuela aber in die Krise gerissen. Die OPEC hat sich dar\u00fcber gespalten und den Wettbewerb zwischen \u00d6limporteuren und -exporteuren gesteigert. Weit davon entfernt, einfach nur als \u201ezus\u00e4tzliches Plus\u201c verbucht werden zu k\u00f6nnen, hat der daraufhin einsetzende pl\u00f6tzliche Preisverfall beim \u00d6l und Gas best\u00e4tigt, wie anf\u00e4llig die kapitalistische Weltwirtschaft ist.<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><em>Von Lynn Walsh<\/em><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Der Preis f\u00fcr das Barrel \u00d6l ist seit vergangenem Sommer von \u00fcber einhundert US-Dollar auf rund f\u00fcnfzig Dollar zur\u00fcckgegangen. Fr\u00fcher w\u00e4re das f\u00fcr die Kapitalisten ein Grund zum Jubeln gewesen. In der Vergangenheit stand billiges \u00d6l und Gas f\u00fcr eine Phase des Wachstums der Weltwirtschaft. Und tats\u00e4chlich hat das g\u00fcnstige \u00d6l in den letzten Monaten den gro\u00dfen Volkswirtschaften einen Auftrieb beschert, vor allem den USA. Die kraftlose Wiederbelebung seit der Finanzkrise von 2007 bzw. 2009 kam dadurch etwas mehr in Schwung.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Doch nun sind die Freudenges\u00e4nge wieder verstummt. W\u00e4hrend die Importeure ihren Nutzen aus den niedrigen \u00d6l- und Gaspreisen ziehen (vor allem, wenn sich diese \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum auf niedrigem Niveau halten), so treiben sie Staaten, die von den Einnahmen aus dem \u00d6l- und Gasgesch\u00e4ft abh\u00e4ngen (wie z.B. Russland, Venezuela, Nigeria, der Iran etc.) in die Krise. Alles in allem k\u00f6nnten die sinkenden \u00d6lpreise zu einem Kapitaltransfer in H\u00f6he von 1,5 bis zwei Billionen Dollar von den \u00d6lexporteuren zu den Importl\u00e4ndern f\u00fchren. Der Fall der \u00d6lpreise schw\u00e4cht die Stellung einiger Exportl\u00e4nder, was die geopolitischen Beziehungen der Staaten untereinander ver\u00e4ndert und unvorhersehbare Folgen nach sich ziehen kann.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Wenn der US-amerikanische Imperialismus wieder \u00d6l importieren muss, so wird seine Machtposition im internationalen Ma\u00dfstab geschw\u00e4cht. Unter den \u00f6lexportierenden Staaten wird es zu verst\u00e4rktem Wettbewerb kommen. Sinkende \u00d6lpreise bedeuten auch, dass die \u00d6lf\u00f6rderung gedrosselt wird und Investitionen in kostenintensiven Bereichen (wie beim US-amerikanischen Schiefer\u00f6l oder den britischen \u00d6lfeldern in der Nordsee) zur\u00fcckgefahren werden. Abh\u00e4ngig von den \u00f6rtlichen Gegebenheiten kann es sein, dass die \u00d6lf\u00f6rderung in kostenintensiven Bereichen nicht mehr profitabel ist, sobald der \u00d6lpreis unter die Marke von achtzig Dollar pro Barrel f\u00e4llt.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Das hat bereits zu weniger Investitionen gef\u00fchrt, dazu, dass die Erwerbslosigkeit in der Energiebranche gestiegen ist und zu einer Verlangsamung des Wachstums im Bereich der vor kurzem noch boomenden \u00d6lfelder. Per saldo, so meint Janet Yellen, die Chefin der US-amerikanischen Notenbank \u201eFederal Reserve\u201c, bedeuten niedrigere \u00d6lpreise \u201eein merkliches allgemeines Plus\u201c f\u00fcr die US-Wirtschaft. Ein Durchschnittshaushalt in den USA wird 2015 im Gegensatz zu 2014 rund 750 Dollar an Energiekosten einsparen, was eine Folge des g\u00fcnstigen \u00d6lpreises ist. Diese Summe steht somit f\u00fcr andere Dinge zur Verf\u00fcgung. Die unvorhersehbaren Effekte, die diese Entwicklung auf dem Weltmarkt mit sich bringt, sorgen allerdings bei vielen f\u00fchrenden Vertretern des Kapitalismus und seinen Strategen f\u00fcr Unbehagen.<\/p>\n<h4 align=\"LEFT\">Angebot und Nachfrage<\/h4>\n<p align=\"JUSTIFY\">Weshalb ist der \u00d6lpreis so drastisch gesunken? Das liegt an einer Kombination aus gestiegenem Angebot und geringerer Nachfrage. Der IWF sch\u00e4tzt in seiner aktualisierten Fassung der \u201eWEO\u201c (dt.: \u201eweltweite Konjunkturaussichten\u201c) vom Januar 2015, dass sechzig Prozent der Preisentwicklung auf ein gestiegenes Angebot und vierzig Prozent auf eine gesunkene Nachfrage zur\u00fcckzuf\u00fchren sind.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">F\u00fcr das gestiegene Angebot sorgen vor allem die USA und Kanada mit ihrer Entwicklung von Schiefer-\u00d6l-F\u00f6rderung. Dies war aufgrund neuer Technologien, dem Bohrsp\u00fclverfahren und der Technik namens Fracking, m\u00f6glich. Zum Fracking oder \u201ehydraulic fracturing\u201c (dt.: \u201ehydraulische Rissbildung\u201c) geh\u00f6rt das Einschie\u00dfen eines Gemischs aus Wasser und Chemikalien unter hohem Druck in unterirdische Gesteinsschichten, um auf diese Weise \u00d6l und Gas herauszupressen. Ein gro\u00dfer Teil der neuen Techniken ist von langer Hand und mit langfristigen Investitionen in Forschung und Entwicklung durch das US-amerikanische Energieministerium entwickelt worden (vgl.: \u201eBehind the Drop in Oil Prices, the Hand of Washington\u201c, International New York Times, 22. Januar 2015). Als Reaktion auf die Restriktionen, die die Mitglieder der \u201eOrganisation \u00d6l-exportierenden Staaten\u201c (OPEC) im Jahre 1973 bzw. 1979 \u00fcber die US-amerikanische \u00d6lversorgung verh\u00e4ngt haben, betrachteten es die USA als das Gebot der Stunde, den Energiebedarf eigenst\u00e4ndig decken zu k\u00f6nnen. Einw\u00e4nde, dass das Fracking und andere destruktive F\u00f6rdertechniken verheerende Folgen f\u00fcr die Umwelt nach sich ziehen k\u00f6nnten, wurden von den USA und den gro\u00dfen \u00d6lkonzernen, die zu diesen Techniken \u00fcbergegangen waren, einfach beiseite gewischt.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Massive Investitionen im Bereich des Schiefer-\u00d6ls f\u00fchrten zu einem Produktionsanstieg in den USA und in Kanada. Die Ausbeutung des Schiefer-\u00d6ls f\u00fchrte dazu, dass die F\u00f6rdermenge der USA seit 2012 um drei Millionen Barrel pro Tag angestiegen ist. Im Falle Kanadas kam noch einmal eine Million Barrel pro Tag hinzu. Ende des Jahres 2014 wurde in den USA achtig Prozent mehr \u00d6l produziert als noch im Jahr 2008 der Fall.<\/p>\n<h4 align=\"LEFT\">Investitionsr\u00fcckgang<\/h4>\n<p align=\"JUSTIFY\">Aufgrund des aktuellen Falls des \u00d6lpreises wird es aller Voraussicht nach nun aber zu einem drastischen Investitionsr\u00fcckgang in diesem Bereich kommen. In US-Bundesstaaten wie Texas, North Dakota und South Dakota hat das bereits zur Schlie\u00dfung von \u00d6lfeldern und Arbeitsplatzabbau gef\u00fchrt. In den Anlagen, die bereits vollst\u00e4ndig ausgebaut sind, wird es noch einige Jahre so weitergehen. In vier oder vielleicht auch f\u00fcnf Jahren wird der derzeitige R\u00fcckgang bei der Schiefer-\u00d6l-F\u00f6rderung allerdings erneut zu steigenden \u00d6lpreisen f\u00fchren.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Vor einigen Jahren noch haben etliche KommentatorInnen behauptet, dass die \u201eFracking Revolution\u201c zu einem neuen Boom in den USA f\u00fchren w\u00fcrde. Charles Morris ver\u00f6ffentlichte zum Beispiel das Buch mit dem Titel: \u201eComeback: America\u2019s New Economic Boom\u201c (2013). Jedoch hat das Fracking nicht viel mehr bewirkt, als eine schwache und uneinheitliche \u201ewirtschaftliche Erholung\u201c zu unterst\u00fctzen. Dar\u00fcber hinaus gilt: konjunkturelle Trends sind nie von Dauer. Jetzt sind wir an dem Punkt angekommen, an dem die Ausbeutung des Schiefer-\u00d6ls zumindest f\u00fcr die n\u00e4chste Zeit an seine Grenzen gesto\u00dfen ist. Der Investitionszyklus im Bereich der \u00d6l- und Gasf\u00f6rderung und der allgemeine Investitionszyklus in der Gesamtwirtschaft, stehen in einem Missverh\u00e4ltnis zueinander. Das ist ein Widerspruch, der in der Anarchie der kapitalistischen \u00d6konomie niemals aufgehoben werden kann.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Der R\u00fcckgang der \u00d6lf\u00f6rderung fiel mit einem drastischen Nachfrager\u00fcckgang zusammen. Dies liegt vor allem an der verlangsamten wirtschaftlichen Entwicklung in L\u00e4ndern, die Gro\u00dfabnehmer von \u00d6l sind. Nat\u00fcrlich ist damit in erster Linie China gemeint. Ein weiterer Grund findet sich aber auch in der schlechteren Fortentwicklung der sogenannten \u201eWachstumsm\u00e4rkte\u201c (gemeint sind die schlechter entwickelten Volkswirtschaften). F\u00fcr dieses Jahr geht der IWF beispielsweise im Falle Chinas von einem Wachstum unterhalb der Sieben-Prozent-Marke aus \u2013 verglichen mit zehn bis zw\u00f6lf Prozent pro Jahr in den vorangegangenen Jahren. Ein gegen Null gehendes Wachstum in Japan, der EU und in anderen Staaten hat ebenfalls dazu gef\u00fchrt, dass die Nachfrage nach \u00d6l zur\u00fcckgeht. (Im Gegensatz dazu hat das billigere \u00d6l das Wachstum in Indien, einem Gro\u00dfabnehmer, angefacht. Dort wird erwartet, dass das BIP in diesem Jahr \u00fcber sechs Prozent zulegen wird, verglichen mit f\u00fcnf Prozent im vergangenen Jahr.)<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Diese Verbindung aus hohen \u00d6l-F\u00f6rdermengen und sinkender Nachfrage hat zu einer Schwemme auf dem internationalen \u00d6lmarkt gef\u00fchrt, die mit 1,5 bis zwei Millionen Barrel pro Tag beziffert wird.<\/p>\n<h4 align=\"LEFT\">\u00d6l-Multis senken Investitionst\u00e4tigkeit<\/h4>\n<p align=\"JUSTIFY\">\u201e\u00dcberall auf der Welt k\u00fcrzen die \u00d6lkonzerne ihre Ausgaben, senken Kosten, verz\u00f6gern Projekte und verschieben neue Projekte in die Zukunft.\u201c (Daniel Yergin: \u201eWho Will Sink the Oil Market?\u201c, New York Times, 23. Januar 2015). Als der \u00d6lpreis bei \u00fcber 100 Dollar pro Barrel lag, haben die \u00d6l-Multis Mega-Profite eingefahren. Jetzt, da die Profite unter Druck geraten, streichen sie r\u00fccksichtslos Investitionen zusammen und bauen Arbeitskr\u00e4fte ab. Dabei r\u00fcckt man nicht nur von den Bohrarbeiten ab, sondern f\u00e4hrt auch neue Investitionen in anderen kostenintensiven Bereichen herunter (z.B. beim Tiefenwasser und den arktischen Feldern). Yellen sagt, dass billigeres \u00d6l ein \u201edeutliches Plus\u201c f\u00fcr die US-Wirtschaft darstellt, doch die damit einhergehenden K\u00fcrzungen und Streichungen haben verheerende Folgen f\u00fcr Bundesstaaten (vor allem Texas und die beiden Dakotas), in denen zuvor vornehmlich das Schiefer-\u00d6l gef\u00f6rdert wurde. Insgesamt nimmt die Erwerbst\u00e4tigkeit in den USA langsam wieder zu. Doch in der Energiebranche kommt es zu umfassenden Arbeitsplatzverlusten: allein 20.193 Streichungen im Januar und 16.339 im Februar dieses Jahres.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Ganz \u00e4hnlich verh\u00e4lt es sich in Gro\u00dfbritannien. Schon vor dem R\u00fcckgang des \u00d6lpreises gingen sowohl die F\u00f6rdermengen als auch die Investitionen beim Nordsee-\u00d6l zur\u00fcck. Laut \u201eOil and Gas UK\u201c, einem Unternehmen, das seine Gesch\u00e4fte mit Hochsee-F\u00f6rderanlagen macht, sind \u201eein F\u00fcnftel der Produktion bzw. ein Drittel der \u00d6lfelder nun nicht mehr profitabel. Die Geldmengenverluste bzw. das Defizit nach Abzug der Kosten von den Einnahmen \u00fcbertraf im vergangenen Jahr die F\u00fcnf-Milliarden-Pfund-Marke. Das war der gr\u00f6\u00dfte Fehlbetrag seit den 1970ern.\u201c (vgl.: Financial Times, 25. Februar 2015). Es wird erwartet, dass die Investitionen beim britischen Nordsee-\u00d6l von 19,2 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr auf 10,8 Milliarden Dollar im n\u00e4chsten Jahr zur\u00fcckgehen werden. In der Energiebranche in Gro\u00dfbritannien sind rund 450.000 Menschen besch\u00e4ftigt und tausende von ihnen laufen nun Gefahr entlassen zu werden.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">BP und \u201eConoco\u201c haben in den letzten Wochen bereits Entlassungen angek\u00fcndigt, und wir m\u00fcssen damit rechnen, dass es zu weiteren kommen wird. Der britisch-niederl\u00e4ndische \u201eShell\u201c-Konzern hat j\u00fcngst bekanntgegeben, dass man die Investitionen in den n\u00e4chsten drei Jahren um f\u00fcnfzig Milliarden Dollar zur\u00fcckfahren wird.<\/p>\n<h4 align=\"LEFT\">Spaltung der OPEC<\/h4>\n<p align=\"JUSTIFY\">In der OPEC gibt es (vor allem von Seiten Russlands, Nigerias und Venezuelas) Druck zur Senkung der F\u00f6rdermengen (indem die Mitgliedsstaaten sich auf niedrigere F\u00f6rderquoten einigen) und somit zur Stabilisierung der Preise. Das ist traditionell die Politik der OPEC gewesen. 1973 f\u00fchrte die OPEC beispielsweise ein \u00d6l-Embargo gegen die gro\u00dfen kapitalistischen Volkswirtschaften ein, was zur Vervierfachung des \u00d6lpreises f\u00fchrte. Teilweise handelte es sich dabei nat\u00fcrlich um eine Protestaktion gegen die westlichen Staaten, die Israel im arabisch-israelischen Krieg vom 6. bis zum 25. Oktober 1973 unterst\u00fctzt hatten (auch bekannt als \u201eJom-Kippur-Krieg\u201c; Erg. d. \u00dcbers.). Effektiv war das in einer Zeit, in der die Einnahmen aus dem \u00d6lgesch\u00e4ft von der hohen Inflation drastisch geschm\u00e4lert wurden, aber auch ein Schritt zur Erholung der \u00d6lreserven. Das galt vor allem f\u00fcr die Zeit des Wertverfalls des Dollar (in dem \u00d6lpreise angegeben werden). In der j\u00fcngeren Vergangenheit hat die OPEC im Allgemeinen jedoch mit den USA und anderen kapitalistischen Gro\u00dfm\u00e4chten zusammengearbeitet und f\u00fcr einen Preis gesorgt, mit dem es zum Interessenausgleich zwischen Produzenten und Konsumentenseite kommen sollte. Damit sollte f\u00fcr ein stetiges Wachstum der Weltwirtschaft gesorgt werden.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Nun ist es allerdings zu einem tiefen Riss innerhalb der OPEC gekommen, die nicht l\u00e4nger als einheitliches Kartell fungiert. Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Kuwait, die gemeinsam f\u00fcr rund die H\u00e4lfte des von allen OPEC-Staaten gef\u00f6rderten \u00d6ls stehen, lehnen eine Reduzierung der F\u00f6rdermengen ab. Das markiert einen drastischen Wandel in der grunds\u00e4tzlichen Politik, wie sie von der OPEC in der Vergangenheit praktiziert worden ist. Die Produktionskosten des arabischen \u00d6ls sind niedriger als die der meisten anderen F\u00f6rderl\u00e4nder. Um ein Barrel saudisches \u00d6l zu f\u00f6rdern sind weniger als zehn Dollar n\u00f6tig, wohingegen das Schiefer-\u00d6l \u2013 je nach \u00f6rtlichen Gegebenheiten \u2013 Kosten in H\u00f6he von drei\u00dfig bis neunzig Dollar je Barrel verursacht. Das saudische Regime ist auf einen Preis von achtzig Dollar angewiesen, um den derzeitigen Staatshaushalt ausgleichen zu k\u00f6nnen. Die Regierung sitzt hingegen auf Reserven in H\u00f6he von 750 Milliarden Dollar, auf die sie zur\u00fcckgreifen wird, um mit ihrer Preispolitik fortzufahren. Wenn Saudi-Arabien und seine Verb\u00fcndeten die Produktion drosseln und die Preise steigen, so w\u00fcrden sie damit f\u00fcr anhaltende F\u00f6rdermengen in Regionen sorgen, in denen die Produktionskosten h\u00f6her sind. F\u00fcr diesen Fall w\u00fcrden sie gezwungenerma\u00dfen Marktanteile einb\u00fc\u00dfen. Deshalb ziehen sie es lieber vor, eine Zeitlang Verluste in Kauf zu nehmen, um die Preise niedrig und somit ihren Anteil am Weltmarkt hoch zu halten.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Der saudische \u00d6l-Minister Ali al-Naimi bezog dazu ziemlich eindeutig Stellung: \u201eEs ist nicht im Interesse der OPEC-F\u00f6rderl\u00e4nder, die eigene Produktion zu drosseln \u2013 egal, wie der Preis steht. Wenn ich reduziere, was geschieht dann mit meinen Marktanteilen? Der Preis wird hochgehen und die Russen, die Brasilianer, die US-amerikanischen Schiefer-\u00d6l-Poduzenten werden meine Anteile \u00fcbernehmen.\u201c<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Dies ist eine Politik f\u00fcr F\u00f6rderl\u00e4nder mit niedrigen Produktionskosten wie Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Kuwait. Sie haben enorme Reserven, mit denen sie m\u00fchelos \u00fcber eine Niedrig-Preis-Phase hinweg kommen. Bleiben die Preise allerdings \u00fcber einige Jahre hinweg im Keller, so w\u00e4re das f\u00fcr Exportl\u00e4nder wie Russland, wo viel h\u00f6here Kosten zu Buche schlagen und der Staatshaushalt von einem hohen \u00d6lpreis abh\u00e4ngt, ein Desaster.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Die russische Volkswirtschaft ist durch den Fall des \u00d6lpreises in die Krise geraten. Gro\u00dfkonzerne (und allen voran die \u00d6l- und Gas-Multis) stehen Schlange und warten auf Rettungspakete von Seiten des Staates. Letzterem stehen zwei Fonds zur Verf\u00fcgung, die sich insgesamt auf 150 Milliarden Dollar belaufen. Hinzu kommen Reserven in ausl\u00e4ndischer W\u00e4hrung im Umfang von 360 Milliarden Dollar. Doch diese rasch dahin schmelzenden Kapitalst\u00f6cke werden ben\u00f6tigt, um den an Wert verlierenden Rubel zu st\u00fctzen, ins Trudeln geratene Konzerne zu retten, den Staatshaushalt aufzustocken (inklusive der Rentenzahlungen) und gro\u00dfe Infrastrukturprojekte vor dem Aus zu bewahren. Eine zus\u00e4tzliche Belastung f\u00fcr die Wirtschaft bedeuten die von den westlichen M\u00e4chten aufgrund der Ukraine-Krise auferlegten Sanktionen. Allem Anschein nach steht also eine weitere Krise bevor.<\/p>\n<h4 align=\"LEFT\">Aussichten<\/h4>\n<p align=\"JUSTIFY\">Billiges \u00d6l wird die Weltwirtschaft nicht aus der Flaute holen und zu beschleunigtem Wachstum f\u00fchren. Billiges \u00d6l hat den \u00d6l-importierenden L\u00e4ndern einen leichten Aufschwung beschert. Doch selbst der fallende \u00d6lpreis wurde abgefedert durch den Wertanstieg des Dollars gegen\u00fcber schw\u00e4cheren W\u00e4hrungen vieler Importl\u00e4nder. \u201eF\u00fcr viele Importeure wird der auf den niedrigen \u00d6lpreis zur\u00fcckzuf\u00fchrende Auftrieb etwas ged\u00e4mpft\u2013 auch, wenn er betr\u00e4chtlich ausfallen mag. Der Grund daf\u00fcr sind die j\u00fcngsten W\u00e4hrungsabwertungen gegen\u00fcber dem US-Dollar, was einen niedrigeren \u00d6lpreisverfall in der Eigenw\u00e4hrung nach sich zieht.\u201c (IWF, aktualisierte Fassung des WEO, Januar 2015).<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Dar\u00fcber hinaus haben niedrigere \u00d6l- und Gaspreise (die wegen der Transportkosten, Kosten f\u00fcr Lagerung u.\u00e4 den Preis einer breiten Waren-Palette wie z.B. Lebensmittel beeinflussen) den Trend zur Disinflation (Verringerung des Preisanstiegsniveaus) und Deflation (Sinken des Preisniveaus) erneut verst\u00e4rkt. Dieser Trend, den die gro\u00dfen Zentralbanken ziemlich erfolglos umzukehren versuchen, dr\u00fcckt auf die Investitionst\u00e4tigkeit und die Konsumentennachfrage. Die Tatsache, dass die US-Notenbank \u201eFederal Reserve\u201c schon wieder eine Zinsanhebung verschoben hat, zeigt, dass die US-Beh\u00f6rden alles andere als \u00fcberzeugt davon sind, dass es zu einer sich selbst tragenden Wiederbelebung in den USA gekommen ist.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Die weltweiten Finanzm\u00e4rkte sind weiterhin von Sprunghaftigkeit gekennzeichnet. Vor allem das Mittel des \u201equantitative easing\u201c hat in den USA, Gro\u00dfbritannien und andernorts Immobilien- und Verm\u00f6gensblasen entstehen lassen. Jetzt werden auch noch die Ma\u00dfnahmen des \u201eQuantitative Easing\u201c durch die Europ\u00e4ische Zentralbank, die kaum zur Belebung der Wirtschaft beitragen werden, erneut die Gefahr von Finanzblasen mit sich bringen. Der Einbruch des \u00d6lpreises bereitet den Kapitalisten weltweit ganz offenbar ein \u00e4u\u00dferst zweifelhaftes Vergn\u00fcgen. Seinen Ausdruck findet dies in der aktualisierten Fassung der \u201eWEO\u201c des IWF vom Januar 2015: \u201eBetr\u00e4chtliche Unsicherheit hinsichtlich der weiteren Entwicklung des \u00d6lpreises und die zugrunde liegenden Ursachen f\u00fcr den Preisverfall haben, was die weltweiten Wachstumsaussichten betrifft, zu einer neuen Risikodimension gef\u00fchrt.\u201c<\/p>\n<h5 align=\"LEFT\"><em>Der Artikel erschien im englischen Original in der April-Ausgabe des britischen Monatsmagazins Socialism Today.<\/em><\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Instabilit\u00e4t des Kapitalismus w\u00e4chst<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":30701,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[125,127],"tags":[713,687],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/30700"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=30700"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/30700\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":30702,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/30700\/revisions\/30702"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/30701"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=30700"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=30700"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=30700"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}