{"id":30619,"date":"2015-05-29T17:00:08","date_gmt":"2015-05-29T15:00:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=30619"},"modified":"2015-05-28T16:15:50","modified_gmt":"2015-05-28T14:15:50","slug":"autoindustrie-immer-schneller-immer-mehr-auf-kosten-der-beschaeftigten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2015\/05\/autoindustrie-immer-schneller-immer-mehr-auf-kosten-der-beschaeftigten\/","title":{"rendered":"Autoindustrie: \u201eImmer schneller, immer mehr\u201c auf Kosten der Besch\u00e4ftigten"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_22766\" aria-describedby=\"caption-attachment-22766\" style=\"width: 277px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/1491366554_2b9079df03_o-e1352290845859.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-22766\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/1491366554_2b9079df03_o-e1352290845859-277x173.jpg\" alt=\"Foto: http:\/\/www.flickr.com\/photos\/pansonaut\/ CC BY-NC-SA 2.0\" width=\"277\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/1491366554_2b9079df03_o-e1352290845859-277x173.jpg 277w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/1491366554_2b9079df03_o-e1352290845859-162x100.jpg 162w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/1491366554_2b9079df03_o-e1352290845859.jpg 492w\" sizes=\"(max-width: 277px) 100vw, 277px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-22766\" class=\"wp-caption-text\">Foto: http:\/\/www.flickr.com\/photos\/pansonaut\/ CC BY-NC-SA 2.0ler<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Neue Brosch\u00fcre von Lunapark21, Daimler-Koordination und TIE: \u201eDaimlerWelt \u2013 AutoWelt\u201c<\/strong><\/p>\n<p>In den letzten Wochen sorgte der \u00f6ffentlich ausgetragene F\u00fchrungsstreit bei Deutschlands gr\u00f6\u00dftem Autokonzern Volkswagen immer wieder f\u00fcr Schlagzeilen. Begr\u00fcndet wird dieser Konflikt nicht prim\u00e4r, wie man uns glauben machen will, durch die \u201eBefindlichkeiten\u201c von Alphatieren, sondern durch den mit harten Bandagen ausgetragenen Konkurrenzkampf in der Automobilbranche. Erinnert sei daran, dass Daimler-Chef Dieter Zetsche vor zwei Jahren ebenso in der Schusslinie stand wie derzeit VW-Boss Martin Winterkorn. Zwar produziert Volkswagen fast so viele Autos wie Weltmarktf\u00fchrer Toyota &#8211; \u201eleistet\u201c sich aber 600.000 Besch\u00e4ftigte, w\u00e4hrend bei Toyota circa 350.000 KollegInnen t\u00e4tig sind. Wie beim Zetsche-Bashing vor 24 Monaten geht es bei VW also um die Steigerung der Ausbeutungsrate. Ein Warnzeichen f\u00fcr alle ArbeiterInnen in der Autobranche, bei den Zulieferern und dar\u00fcber hinaus \u2013 in Deutschland wie international.<\/p>\n<p><em>von Aron Amm, Berlin<\/em><\/p>\n<p>Vordergr\u00fcndig betrachtet scheinen die Autounternehmen von Rekord zu Rekord zu eilen. Das war die Botschaft, die von der Detroiter Auto-Messe im Januar und von den Aktion\u00e4rsversammlungen in diesem Fr\u00fchjahr &#8211; ob bei Daimler, BMW oder VW \u2013 ausging. F\u00fcr die abh\u00e4ngig Besch\u00e4ftigten stellt sich die Lage jedoch v\u00f6llig anders dar.<br \/>\nDamit kommt die im April ver\u00f6ffentlichte 62 Seiten starke Brosch\u00fcre \u201eDaimlerWelt \u2013 AutoWelt\u201c (die zum Preis von f\u00fcnf Euro bestellt werden kann \u2013 Kontakt siehe unten oder \u00fcber die SAV-Bundeszentrale) genau zum richtigen Zeitpunkt. Der Impetus dazu kam vom bundesweiten Treffen der Daimler-Koordination (nach eigenem Verst\u00e4ndnis ein \u201eArbeitsforum linker, demokratischer Betriebsgruppen und Einzelpersonen aus den Werken und der Zentrale\u201c des Daimler-Konzerns) in Berlin Anfang 2013. Seit den achtziger Jahren arbeitet die Daimler-Koordination eng mit dem internationalen gewerkschaftlichen Basisnetzwerk TIE zusammen. Bei dem besagten Treffen im Fr\u00fchjahr 2013 referierte Winfried Wolf, Chefredaktuer der Lunapark21. Gemeinsam heckte man den Plan aus, im Rahmen einer Lunapark21-Extra die \u00f6konomische Lage, die Arbeitsbedingungen, K\u00fcrzungsvorhaben des Kapitals und M\u00f6glichkeiten zur Gegenwehr in der Autoindustrie sowie die Frage von gesellschaftlichen Alternativen zu beleuchten.<\/p>\n<h4>\u201eNichts ist in Butter\u201c<\/h4>\n<p>Mit diesen Worten ist das Vorwort der Brosch\u00fcre \u00fcberschrieben. Aus gutem Grund: Zwar konnten die Autokonzerne weltweit scheinbar die Krise von 2007-2009 absch\u00fctteln (heute werden 50 Prozent mehr Autos als vor f\u00fcnf Jahren hergestellt) und die Autoproduktion 2015 auf 95 Millionen Kfz steigern. Aber das wurde und wird auf dem R\u00fccken der arbeitenden Bev\u00f6lkerung ausgetragen.<br \/>\nErstens: Arbeitshetze \u2013 In der Brosch\u00fcre kommen KollegInnen und kritische IG-Metall-Vertrauensleute wie Betriebsr\u00e4te zu Wort, die aufzeigen, wie dramatisch psychische und physische Erkrankungen, Burn-Out, Fr\u00fchverrentung et cetera, et cetera zugenommen haben.<br \/>\nZweitens: Flexibilisierung \u2013 Sonderschichten und Wochenendarbeit, wenn der Laden \u201ebrummt\u201c, Freischichten, Politik mit Arbeitszeitkonten und Kurzarbeit, \u201ewenn es nicht l\u00e4uft\u201c.<br \/>\nDrittens: Billigjobs \u2013 Mehr und mehr T\u00e4tigkeiten werden outgesourct und an vermeintlich billigere \u201eDienstleister\u201c vergeben. Ziel ist eine \u201eVerringerung der Fertigungstiefe\u201c. Leiharbeit und Werkvertr\u00e4ge florieren \u2013 zum Nachteil von Billigjobbern und Stammbesch\u00e4ftigten.<br \/>\nViertens: \u201eProduktion in die M\u00e4rkte\u201c &#8211; Neue Arbeitspl\u00e4tze entstehen kurzfristig vor allem in China, Indien und den USA. Mittels Standortpolitik sollen Belegschaften gegeneinander ausgespielt und die Spirale (in Sachen L\u00f6hne und Arbeitsbedingungen) nach unten forciert werden.<\/p>\n<h4>Nach der Krise ist vor der Krise<\/h4>\n<p>Die Belegschaften sind indes nicht \u201enur\u201c mit Stress, Flexibilisierung, Prekarisierung und Verlagerungen konfrontiert. In der tiefen Rezession 2007-2009 wurden in den USA bereits Dutzende Fabriken geschlossen und Zehntausende auf die Stra\u00dfe gesetzt. In Detroit verkauft die Stadt inzwischen Picassos, um wenigstens jede zweite Stra\u00dfenlaterne mit Strom zu versorgen &#8230; In Italien, einem Land, das f\u00fcr so ber\u00fchmte Marken wie Fiat, Alfa, Ferrari und Massarati steht, ist die Fertigung in den letzten 15 Jahren um zwei Drittel gesunken. Selbst in der BRD ist mit Opel Bochum ein Autowerk dichtgemacht worden.<br \/>\nAngesichts aktuell dennoch bestehender \u00dcberkapazit\u00e4ten weltweit von etwa 30 Prozent wird sich diese Kahlschlagspolitik international, aber auch in Deutschland noch versch\u00e4rfen. Erst recht, wenn der gegenw\u00e4rtige an\u00e4mische Konjunkturaufschwung zu einem Ende kommt. Alarmierend sind bereits die verlangsamten Wachstumszahlen f\u00fcr China (das 2014 schon das schw\u00e4chste Wachstum seit 20 Jahren zu verzeichnen hatte), aber auch f\u00fcr Brasilien und andere sogenannte \u201eSchwellenstaaten\u201c.<br \/>\n20 Konzerne beherrschen 90 Prozent des Autosektors. Es droht ein Hauen und Stechen, wohingegen sich die derzeitigen Reibereien bei VW und zuvor bei Daimler ausnehmen werden wie Schattenboxen zu einer beinharten Pr\u00fcgelei.<br \/>\nBelegschaften, Betriebsr\u00e4te und Gewerkschaften mussen sich warm anziehen.<\/p>\n<h4>F\u00fcr eine programmatische und personelle Erneuerung der IG Metall<\/h4>\n<p>Die IG-Metall-F\u00fchrung hatte der Vernichtung des traditionsreichen Opel-Werks in Bochum nichts entgegenzusetzen. Auch in der letzten Rezession sorgten sie mit ihrer Zustimmung zur Kurzarbeitspolitik mit daf\u00fcr, dass die Vorst\u00e4nde sich auf Kosten der Belegschaften sanieren konnten. Auch Leiharbeit wird aktiv mitgetragen. So stimmten die Spitzen von Gewerkschaft und Konzernbetriebsrat bei Daimler Leiharbeitsquoten von erst vier, sp\u00e4ter acht Prozent zu \u2013 die unter Duldung der IGM-Oberen in mehreren Werken weiter unterlaufen werden.<br \/>\nN\u00f6tig ist ein grundlegender Kurswechsel: Gegenwehr statt Verzicht. Die Daimler-Koordniation ist, wie der Name sagt, ein Netzwerk. Hier haben sich aktive Gruppen von Betriebsr\u00e4ten, Vertrauensleuten und KollegeInnen, die in Stuttgart, Berlin, Kassel, Bremen, Hamburg (und von Zeit zu Zeit auch in weiteren Betrieben) eigene Betriebszeitungen herausgeben. Es gibt sicherlich in einzelnen Fragen unterschiedliche Ansichten, \u00fcber die man sich offen austauscht. \u00dcbereinstimmung besteht jedoch in der Notwendigkeit, die IG Metall wieder zu einer echten Kampforganisation zu machen.<br \/>\nAuch in inhaltlichen Fragen gibt es zum Teil unterschiedliche Diskussionsst\u00e4nde und Gedanken. Aber einige Eckpunkte stehen fest: \u201eSolidarit\u00e4t. Zwischen den deutschen Werken und international\u201c, \u201eradikale Verk\u00fcrzung der Arbeitszeiten bei vollem Lohn- und Personalausgleich\u201c, \u201eUmbau der Autobranche \u2013 orientiert an gesellschaftlichen und \u00f6kologischen Bed\u00fcrfnissen bei Absicherung der Lohn- und Lebensbedingungen der Besch\u00e4ftigten\u201c (alle Zitate aus der Einleitung der vorliegenden Brosch\u00fcre).<\/p>\n<h4>Inhalt der Brosch\u00fcre<\/h4>\n<p>\u00dcber Leiharbeit finden sich Beitr\u00e4ge von Christa Hourani (VKL Daimler-Zentrale), Gerd Kupfer (Daimler Bremen) und Waldemar Derda (BR, Daimler Berlin). Gerwin Goldstein (VL und BR, Daimler Bremen) schreibt \u00fcber das \u201eStrategiepapier 2020\u201c. Heiner K\u00f6hnen von TIE schildert die Lage in Daimler-Werken in Brasilien und Indien. Winfried Wolf analysiert die Lage der weltweiten Autobranche 2015 im Allgemeinen sowie China im Besonderen und nimmt die \u201ewechselvolle Geschichte des Daimler-Imperiums\u201c unter die Lupe. Dies sind nur ein paar der vielen Themen, die in der Brosch\u00fcre behandelt werden.<\/p>\n<h4>Daimler-Koordination<\/h4>\n<p>Die Daimler-Koordination besteht seit \u00fcber 30 Jahren. Dazu geh\u00f6ren die heutigen \u201eAlternative\u201c-Gruppen in Stuttgart-Untert\u00fcrkheim, Berlin-Marienfelde und anderswo.<br \/>\nIn der Regel kommen VertreterInnen dieser Gruppen zweimal im Jahr auf einem bundesweiten Treffen zusammen. Dort wie zwischen diesen Treffen gibt es einen Austausch von Erfahrungen, Ideen et cetera. In den letzten Jahren wurde mehrfach ein Protest, zum Beispiel gegen Leiharbeit, vor der Hauptversammlung von Daimler organisiert. Beim letzten Treffen im Oktober 2014 wurden monatliche Aktionen in den verschiedenen Werken gegen Arbeitshetze, Leiharbeit und anderen Fragen verabredet.<br \/>\nDas internationale gewerkschaftliche Basisnetzwerk TIE arbeitet seit den achtziger Jahren mit der Daimler-Koordination zusammen. TIE steht f\u00fcr Transnational Information Exchange:<br \/>\nEs besteht ein enger Kontakt zu kritischen, k\u00e4mpferischen Gruppen von Besch\u00e4ftigten in Brasilien, Indien und anderen L\u00e4ndern.<\/p>\n<h4>Mitarbeit der SAV<\/h4>\n<p>Mitglieder der SAV Berlin unterst\u00fctzen aktiv die \u201eAlternative\u201c-Gruppe in Berlin-Marienfelde. \u00dcber diese Zusammenarbeit beteiligen sich SAVler auch an der Daimler-Koordination. Mehrere Mitglieder von SAV\/CWI haben an der Brosch\u00fcre \u201eDaimlerWelt \u2013 AutoWelt\u201c mitgewirkt und Artikel beigesteuert, zum Beispiel \u201eVon Plakat zur Alternative\u201c (Daniel Behruzi), \u201eArbeitsk\u00e4mpfe in den USA\u201c (Stephan Kimmerle) und zu \u201eLeiharbeit\u201c (Aron Amm).<br \/>\nKontakt<br \/>\nzur Daimler-Koordination: dcexchange@gmx.de<br \/>\nzu TIE: www.tie-germany.org<br \/>\nzu Lunapark21: www.lunapark21.net<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neue Brosch\u00fcre von Lunapark21, Daimler-Koordination und TIE: \u201eDaimlerWelt \u2013 AutoWelt\u201c <\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":22766,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[10,121],"tags":[708,654],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/30619"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=30619"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/30619\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":30621,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/30619\/revisions\/30621"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/22766"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=30619"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=30619"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=30619"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}