{"id":30407,"date":"2015-05-02T11:52:20","date_gmt":"2015-05-02T09:52:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=30407"},"modified":"2015-05-02T11:52:20","modified_gmt":"2015-05-02T09:52:20","slug":"weimar-nazis-greifen-dgb-kundgebung-an","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2015\/05\/weimar-nazis-greifen-dgb-kundgebung-an\/","title":{"rendered":"Weimar: Nazis greifen DGB Kundgebung an"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/11169936_905037416203945_5793137795018352216_n.png\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-30408\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/11169936_905037416203945_5793137795018352216_n-280x104.png\" alt=\"11169936_905037416203945_5793137795018352216_n\" width=\"280\" height=\"104\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/11169936_905037416203945_5793137795018352216_n-280x104.png 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/11169936_905037416203945_5793137795018352216_n-560x207.png 560w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/11169936_905037416203945_5793137795018352216_n-600x222.png 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/11169936_905037416203945_5793137795018352216_n.png 851w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a>Die letzten Monate waren bundesweit nicht nur von K\u00e4mpfen gegen PEGIDA und einer Welle von Solidart\u00e4t gegen\u00fcber Fl\u00fcchtlingen gekennzeichnet &#8211; in Berlin streikten beispielsweise 4.000 Sch\u00fclerInnen gegen das rassistische Zuwanderungsgesetz der Bundesregierung &#8211; sondern eben auch von gro\u00dfen PEGIDA-Demos in Sachsen und vor allem in Dresden, einem Anstieg rechter Gewalt und \u00dcbergriffen auf Fl\u00fcchtlinge. Militante Rechte f\u00fchlen sich scheinbar sicher und agieren zusehends frecher.<\/p>\n<p>Eine neue Stufe der Eskalation wurde nun in Weimar erreicht. In der th\u00fcringischen Stadt griffen 50 Nazis, teilweise offenbar aus Sachsen zugereist, die TeilnehmerInnen einer DGB-Kundgebung an. Sie entrissen dem Redner der SPD Carsten Schneider, der f\u00fcr seine Partei auch im Bundestag sitzt, das Mikrofon und br\u00fcllten Nazi-Parolen. Wer sich ihnen in den Weg stellte, auf den pr\u00fcgelten die braunen Schl\u00e4ger ein. Vier Versammlungsteilnehmer wurden von ihnen verletzt, teilweise so schwer, dass sie im Krankenhaus behandelt werden mussten.<\/p>\n<p>Die 50 jugendlichen Angreifer waren meist schwarz gekleidet und trugen Fahnen der &#8222;JN &#8211; &#8222;Junge Nationaldemokraten&#8220; mit sich, der Jugendorganisation der NPD. Der Angriff war extrem massiv und erinnerte Zeugen an die Aktionen von SA-Rollkommandos in der Weimarer Republik. Da in der th\u00fcringischen Stadt nur gut 60.000 Menschen leben, war die DGB-Kundgebung auch nur von 200 Leuten besucht. So war es f\u00fcr die Nazis ein leichtes die kleine Kundgebung schnell komplett zu sprengen.<\/p>\n<p>Die erst nach Ende der Attacke eintreffende Polizei nahm 29 Nazis fest. Sie hatten sich in eine nahe gelegene Tiefgarage zur\u00fcckgezogen. Ein weiterer Beleg daf\u00fcr, dass die ganze Aktion, samt R\u00fcckzug, von langer Hand geplant war.<\/p>\n<p>Es war beileibe nicht der erste Angriff von Nazis auf den 1.Mai: 2009 griffen 300 &#8222;Autonome Nationalisten&#8220; GewerkschafterInnen in Dortmund an, 2011 attackierten Nazis eine Mai-Kundgebung in Husum.<\/p>\n<h4>Nazis und erster Mai<\/h4>\n<p>Dreister Weise schrieb einer der Nazis in Weimar auf sein Schild: &#8222;1.Mai seit 33 arbeitsfrei!&#8220; Eine Anspielung darauf, dass die Nazis 1933 den internationalen Aktionstag der Arbeiterbewegung missbrauchten. Vielleicht sollte man ihn daran erinnern, dass es die Arbeiterbewegung war, die in Erinnerung an Arbeitsk\u00e4mpfe in den USA, die von der Polizei brutal \u00fcberfallen wurden, und in Solidarit\u00e4t mit mehreren im Zuge dieser Auseinandersetzungen zum Tode verurteilter Anarchisten, den 1.Mai seit 1889 weltweit beging. Die Nazis hingegen griffen seit ihrem Entstehen nach dem ersten Weltkrieg die Maiaktionen immer wieder an. Es war Adolf Hitler pers\u00f6nlich, der 1922 versuchte eine KPD-SPD-Demo zum ersten Mai mit bewaffneten Horden zu \u00fcberfallen. Eine Tat \u00fcbrigens, die nie ges\u00fchnt wurden, obwohl Hitler damals nur auf Bew\u00e4hrung in Freiheit war. Seine braunen Banden agierten seit Ende der 20er Jahre h\u00e4ufig als Streikbrecher im Namen der Gro\u00dfunternehmen.<\/p>\n<p>Und es waren die national-&#8222;sozialistischen&#8220; Sturmabteilungen, die seit M\u00e4rz 1933 Gewerkschaftsh\u00e4user reihenweise besetzten, nicht selten nach harten Stra\u00dfenschlachten. Stra\u00dfenschlachten \u00fcbrigens, in denen die Verteidiger nicht selten von SPD- und Gewerkschaftsf\u00fchrung im Stich gelassen wurden, so beispielsweise in M\u00fcnchen. Die F\u00fchrung des ADGB rief ihre Mitglieder sogar dazu auf den 1. Mai 1933 mit den Nazis gemeinsam zu begehen, nur, um dann einen Tag sp\u00e4ter von der Regierung unter Hitler liquidiert zu werden. Die Arbeiterbewegung, die den 1.mai erschaffen hatte, wurde zerschlagen.<\/p>\n<p>Die Nazis privatisierten kr\u00e4ftig, senkten die L\u00f6hne, f\u00fchrten fl\u00e4chendeckend die Samstagarbeit und sogar in vielen F\u00e4llen die Sonntagsarbeit ein. Die H\u00e4ftlinge in den KZ`s wurden von ihnen als billige Arbeitssklaven missbraucht. Die Gewinner waren die gro\u00dfen Konzerne, deren Profite wurden gesichert und mit allen Mitteln, ja durch den schlimmsten Krieg der Menschheitsgeschichte, erh\u00f6ht.<\/p>\n<p>Wer sich in die Tradition der Nazis stellt, der steht ganz gewiss nicht auf der Seite der lohnabh\u00e4ngig Besch\u00e4ftigten! Wer, wie die SA in den 20er und 39er Jahren, GewerkschafterInnen angreift, der hat sich f\u00fcr eine Seite entschieden &#8211; f\u00fcr die Seite der Kapitalisten!<\/p>\n<h4>Gegen Nazis und Rassisten k\u00e4mpfen!<\/h4>\n<p>Aus den Reihen der Partei DIE LINKE und vom Weimaraner DGB-Chef Sandro Witt kommt nach dem Angriff in Weimar Kritik an der Polizei. Nur ein Streifenwagen sei zur Absicherung der Veranstaltung anwesend gewesen und das obwohl die Gef\u00e4hrdungslage bekannt gewesen sei. Der Staat ist eben keine Hilfe im Kampf gegen Nazis und Rassisten. Diesen Kampf k\u00f6nnen nur die lohnabh\u00e4ngig Besch\u00e4ftigten, MigrantInnen, Jugendlichen, Arbeitslosen und RentnerInnen selbst f\u00fchren. Dabei gilt weiterhin der beste Kampf gegen Nazis und Rassisten ist sozial: K\u00e4mpfe gegen Entlassungen, Werksschlie\u00dfungen, gegen zu hohe Mieten und f\u00fcr Rekommunalisierungen von Wohnungen helfen rassistische Spaltungen zu \u00fcberwinden. daf\u00fcr w\u00e4ren k\u00e4mpferische und demokratische Gewerkschaften wichtig, doch stattdessen sind die DGB-Gewerkschaften b\u00fcrokratisiert und oft genug zu wenig kampfentschlossen. Allerdings zeigt die Basis der Gewerkschaften oft genug ihre Bereitschaft f\u00fcr Verbesserungen zu k\u00e4mpfen. Die aktuelle Auseinandersetzung an der Charit\u00e9 in Berlin um mehr Personal f\u00fcr das Krankenhaus zeigt die Kampfbereitschaft von Gewerkschaftsmitgliedern.<\/p>\n<p>Im Angesicht des \u00dcberfalls in Weimar w\u00e4re der DGB in der Pflicht selbst f\u00fcr den Schutz von Gewerkschaftsveranstaltungen und -Aktionen Sorge zu tragen. Auch dabei wird der Staat kaum helfen, um das zu belegen muss man nicht einmal weit in der Geschichte zur\u00fcckgehen. Gewiss, Hitler lie\u00df man nach all den, teilweise von ihm pers\u00f6nlich angef\u00fchrten \u00dcberf\u00e4llen auf die Arbeiterbewegung, vor Gericht immer wieder laufen. Aber auch in j\u00fcngerer Zeit ist das ein bekanntes Muster. Nach dem Angriff der &#8222;Autonomen Nationalisten&#8220; auf den DGB 2009 lie\u00df das Gericht die Drahtzieher laufen, grotesker Weise mit der haarstr\u00e4ubenden Begr\u00fcndung man wisse nicht recht, wer angefangen habe die extra angereisten &#8222;Autonomen Nationalisten&#8220; oder die TeilnehmerInnen der DGB-Kundgebung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nazis und 1.Mai: gewaltt\u00e4tig und arbeiterfeindlich<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":30279,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[5],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/30407"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=30407"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/30407\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/30279"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=30407"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=30407"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=30407"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}