{"id":30359,"date":"2015-04-26T17:00:20","date_gmt":"2015-04-26T15:00:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=30359"},"modified":"2015-04-24T21:31:46","modified_gmt":"2015-04-24T19:31:46","slug":"lohnerhoehung-fuer-40-000-arbeiterinnen-in-seattle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2015\/04\/lohnerhoehung-fuer-40-000-arbeiterinnen-in-seattle\/","title":{"rendered":"Lohnerh\u00f6hung f\u00fcr 40.000 ArbeiterInnen in Seattle"},"content":{"rendered":"<p><strong>Studierende und Besch\u00e4ftigte der \u201eUniversity of Washington\u201c fordern Mindestlohn von 15 Dollar<\/strong><\/p>\n<p>40.000 abh\u00e4ngig Besch\u00e4ftigte im US-amerikanischen Seattle haben am 1. April eine Lohnerh\u00f6hung bekommen. Wer zuvor 9,47 Dollar Stundenlohn bekam, erh\u00e4lt nun 11,- Dollar. Besch\u00e4ftigte in Kleinbetrieben, in denen Trinkgelder \u00fcblich und\/oder wo Zusch\u00fcsse zur Gesundheitsversorgung \u00fcblich sind, bekommen jetzt 10,- Dollar. Dem gegen\u00fcber meint die Verwaltung der \u201eUniversity of Washington\u201c (UW), dass f\u00fcr sie eine Ausnahmeregelung vom neuen st\u00e4dtischen Mindestlohn zu gelten habe.<\/p>\n<p><em>von Kailyn Nicholson<\/em><\/p>\n<p>Ein Sprecher der UW erkl\u00e4rte, dass die Hochschule eine Einrichtung des Bundesstaates sei und somit nicht unter das \u201emunicipal wage law\u201c (dt.: \u201est\u00e4dtisches Lohngesetz\u201c) falle. Dar\u00fcber hinaus wurde angedeutet, dass die Kosten, die die Lohnerh\u00f6hung f\u00fcr schlecht bezahlte Besch\u00e4ftigte an der Uni auf das Niveau des neuen Mindestlohns verursachen w\u00fcrden, ansonsten \u00fcber die Studierenden abzudecken seien, die ja ohnehin schon mit immensen Studiengeb\u00fchren und Kosten f\u00fcr ihre Unterbringung zu k\u00e4mpfen h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Am 1. April wurde jedoch deutlich, dass die Studierenden wie auch die Besch\u00e4ftigten selbst diese Argumente nicht teilen. Studierende, Hochschulbesch\u00e4ftigte und AktivistInnen der Kampagne f\u00fcr einen h\u00f6heren Mindestlohn arbeiten gerade an einer Kampagne, um alle, die zur Hochschule geh\u00f6ren, hinter der Forderung nach einem Mindestlohn von 15 Dollar zu vereinen. Entsprechend haben die Aktiven vor Ort eine Kundgebung und einen Protestzug organisiert, um ihrer Emp\u00f6rung Ausdruck zu verleihen und von der Universit\u00e4t einzufordern, dass auch sie all ihren Besch\u00e4ftigten (seien es Studierende oder abh\u00e4ngig Besch\u00e4ftigte) den Mindestlohn zu bezahlen hat. Gleich zu Beginn der Kundgebung stellte ein Student ein Papier vor, auf dem er alle Verwaltungsangestellte der UW aufgelistet hatte, die mehr als 150.000 Dollar im Jahr verdienen. Diese Liste war \u00fcber vier Meter lang! Der Knackpunkt dabei wurde sehr gut herausgearbeitet: F\u00fcr die Uni ist es kein Problem, die L\u00f6hne ihrer am schlechtesten bezahlten Besch\u00e4ftigten anzuheben, ohne die entstehenden Mehrkosten dabei den Studierenden aufzub\u00fcrden.<\/p>\n<p>Bald wurde die Kundgebung dann zu einem Protestzug, der an mehreren Stellen auf dem Unigel\u00e4nde Halt machte: \u00fcberall dort, wo Niedriglohn-Jobs existieren. Dort informierte man die Besch\u00e4ftigten \u00fcber die Entscheidung der Hochschule, sie von der stadtweit geltenden Lohnerh\u00f6hung ausschlie\u00dfen zu wollen. Erg\u00e4nzt wurden die Beitr\u00e4ge durch KollegInnen, die beschrieben wie schwer es ist, mit weniger als 15 Dollar Stundelohn \u00fcber die Runden zu kommen. Das gelte sowohl f\u00fcr Hochschulbesch\u00e4ftigte wie auch f\u00fcr alle anderen ArbeiterInnen des Niedriglohnsektors. Am Ende wendete sich dann noch Kshama Sawant, Stadtr\u00e4tin in Seattle und Mitglied der \u201eSocialist Alternative\u201c an die Anwesenden. Sie betonte, dass \u201eunser Erfolg nur ein halber [ist], wenn wir nicht jede und jeden mitnehmen!\u201c. Sie lobte das B\u00fcndnis aus Studierenden und abh\u00e4ngig Besch\u00e4ftigten daf\u00fcr, dass es die Entscheidung der Hochschulverwaltung \u00f6ffentlich bekannt macht. Au\u00dferdem ermutigte sie die AktivistInnen, den Druck so lange aufrecht zu erhalten, bis die UW-MitarbeiterInnen die Lohnerh\u00f6hung erhalten, die ihnen zusteht.<\/p>\n<h4>Nahverkehrsunternehmen geht gegen Kampagne vor <a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/996031_672591842751569_1575549769_n-e1381739213522.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-28309\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/996031_672591842751569_1575549769_n-e1381739213522-280x173.jpg\" alt=\"USA\" width=\"280\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/996031_672591842751569_1575549769_n-e1381739213522-280x173.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/996031_672591842751569_1575549769_n-e1381739213522-162x100.jpg 162w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/996031_672591842751569_1575549769_n-e1381739213522-560x347.jpg 560w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/996031_672591842751569_1575549769_n-e1381739213522-534x330.jpg 534w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/996031_672591842751569_1575549769_n-e1381739213522.jpg 952w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a><\/h4>\n<p>Etwas fr\u00fcher am selben Tag war die Kampagne \u201e15 Now\u201c dar\u00fcber informiert worden, dass die Informationsbl\u00e4tter, die wir im Namen eines B\u00fcndnisses aus Gewerkschaften, der Stadtr\u00e4tin Sawant und der Kampagne \u201e15 Now\u201c in den Nahverkehrslinien ausgelegt hatte, vom kommunalen Nahverkehrsunternehmen \u201eMetro\u201c als nicht hinnehmbar erachtet worden sind. Mit diesen Materialien informieren wir die Besch\u00e4ftigten \u00fcber die Anhebung des Mindestlohns und bieten eine Hotline an, \u00fcber die sich Besch\u00e4ftigte melden k\u00f6nnen, wenn sie den neuen Mindestlohn nicht bekommen. \u201eMetro\u201c lehnt diese Infobl\u00e4tter deshalb ab, weil auch der Name der Stadtr\u00e4tin Sawant darin genannt wird (neben unserer Kampagne \u201e15 Now\u201c und den Gewerkschaften wird sie als Unterst\u00fctzerin dieser Infomaterialien aufgef\u00fchrt). \u201eMetro\u201c betrachtet dies als Wahlwerbung f\u00fcr die Kampagne zur Wiederwahl von Sawant, was vom Unternehmen nicht unterst\u00fctzt wird. Das B\u00fcndnis druckte eine Neuauflage ohne Sawants Namen, doch die Entscheidung von \u201eMetro\u201c sorgte daf\u00fcr, dass unsere Informationskampagne damit um mindestens eine Woche verz\u00f6gert wurde.<\/p>\n<p>Abgesehen davon hat die Entscheidung von \u201eMetro\u201c den AktivistInnen f\u00fcr einen h\u00f6heren Mindestlohn eine M\u00f6glichkeit gegeben hervorzuheben, wie wichtig es ist, noch breiter \u00fcber den Mindestlohn zu informieren, um vor Lohnraub zu sch\u00fctzen, der schon fast epidemische Z\u00fcge angenommen hat. Am 2. April wurde eine Pressekonferenz anberaumt, auf der die Koordinatorin von \u201e15 Now\u201c in Seattle, Jess Spear, Stadtr\u00e4tin Sawant sowie VertreterInnen der Mechanikergewerkschaft bei \u201eBoeing\u201c (\u201eIAM Local 751\u201c) und der Gewerkschaft der Gastro-Besch\u00e4ftigten (\u201eUnite HERE Local 8\u201c) zu den anwesenden Presse- und MedienvertreterInnen sprachen. Dabei ging es um die Unzul\u00e4nglichkeit mit der die Stadt in puncto Mindestlohn ber\u00e4t und informiert sowie darum, dass h\u00f6chste Anstrengungen unternommen werden, damit sich daran etwas verbessert. Es kam auch zur Sprache, wie dringend n\u00f6tig es sei, gegen Lohnraub vorzugehen, nachdem der Mindestlohn bereits in Kraft getreten ist. Stefan Moritz von \u201eUnite HERE local 8\u201c \u00e4u\u00dferte sich zum Kampf gegen den Lohnraub in der Nachbarstadt SeaTac. Dieser sei ein Beispiel daf\u00fcr, dass es offenbar nicht ausreiche, einfach nur ein Gesetz durchzubekommen, wenn es nicht auch tats\u00e4chlich umgesetzt wird.<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend stattete man verschiedenen Betrieben im Zentrum von Seattle einen Besuch ab, in denen Niedrigl\u00f6hne \u00fcblich sind. Dort sprach man mit den Besch\u00e4ftigten \u00fcber die Lohnerh\u00f6hung, die sie in ihrer n\u00e4chsten Gehaltsabrechnung eigentlich wiederfinden m\u00fcssten. Es war nicht besonders \u00fcberraschend, dass die meisten Besch\u00e4ftigten sehr interessiert waren, \u00fcber die Lohnerh\u00f6hung zu diskutieren. Die Reaktionen lassen sich insgesamt auf eine Formel bringen: \u201eDas wurde aber auch Zeit!\u201c.<\/p>\n<p>In den kommenden Wochen werden \u201e15 Now\u201c und die Gewerkschaften damit fortfahren, sich an Besch\u00e4ftigte im Niedriglohnsektor Seattles zu wenden, um sicherzustellen, dass sie \u00fcber ihre Rechte informiert sind. Am 15. April hat \u201e15 Now\u201c zusammen mit 60.000 ArbeiterInnen in mehr als 200 St\u00e4dten der Forderung nach 15 Dollar Mindestlohn und dem Recht, sich gewerkschaftlich organisieren zu d\u00fcrfen, Ausdruck verliehen. Unser Erfolg von Seattle kann am besten verteidigt werden, wenn dieser im ganzen Land NachahmerInnen findet.<\/p>\n<p><em>Der Artikel erschien im Original auf der Internetseite <a href=\"http:\/\/www.15now.org\/\">www.15Now.org<\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Studierende und Besch\u00e4ftigte der \u201eUniversity of Washington\u201c fordern Mindestlohn von 15 Dollar<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":28309,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[42],"tags":[630,692,691,300],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/30359"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=30359"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/30359\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/28309"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=30359"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=30359"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=30359"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}