{"id":30341,"date":"2015-04-23T13:28:52","date_gmt":"2015-04-23T11:28:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=30341"},"modified":"2015-04-23T15:19:17","modified_gmt":"2015-04-23T13:19:17","slug":"11-000-beschaeftigte-aus-dem-sozial-und-erziehungsdienst-demonstrierten-in-stuttgart","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2015\/04\/11-000-beschaeftigte-aus-dem-sozial-und-erziehungsdienst-demonstrierten-in-stuttgart\/","title":{"rendered":"11.000 im Streik"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/streik_stuttgart.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-30342\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/streik_stuttgart-231x173.jpg\" alt=\"streik_stuttgart\" width=\"231\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/streik_stuttgart-231x173.jpg 231w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/streik_stuttgart-463x347.jpg 463w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/streik_stuttgart.jpg 480w\" sizes=\"(max-width: 231px) 100vw, 231px\" \/><\/a><strong>Besch\u00e4ftigte aus dem Sozial- und Erziehungsdienst demonstrierten in Stuttgart<\/strong><\/p>\n<p>Am Montag, den 20.April,hatten sich in Stuttgart 11 000 Streikende aus Baden-W\u00fcrttemberg und Bayern eingefunden, um vor der 5. Verhandlungsrunde in Offenbach weiter Druck auf die Arbeitgeber auszu\u00fcben. Auch in einigen anderen St\u00e4dten waren die Besch\u00e4ftigten der Sozial- und Erziehungsberufe an diesem Tag zu Streiks und Demonstrationen aufgerufen. Insgesamt beteiligten sich laut Angaben von ver.di 24.000. Bis dato hatten die Arbeitgeber weder ein Angebot vorgelegt, noch die Bereitschaft gezeigt, sich auch nur ann\u00e4hernd mit dem Thema einer Aufwertung der Sozialen Berufe ernsthaft zu befassen. Es zeigt sich nur allzu offensichtlich, dass sie die, in ihren Augen l\u00e4stige Angelegenheit aussitzen m\u00f6chten und auf Zeit spielen, um die KollegInnen zu zerm\u00fcrben und \u00fcber die mediale \u00d6ffentlichkeit zu diskreditieren.<\/p>\n<p>Doch das ging an diesem Tag gr\u00fcndlich daneben! Allein im \u201eL\u00e4ndle\u201c legten in 700 Einrichtungen 9 000 KollegInnen die Arbeit nieder.<\/p>\n<p>Ver.di hatte im Vorfeld ernsthaft in den Betrieben mobilisiert, zudem k\u00fcndigte sich auch Frank Bsirske an, so dass statt der erhofften 8 000 Teilnehmer zu Demo und Kundgebung, dann auf dem Schlo\u00dfplatz, bis zu 11.000 TeilnehmerInnen gez\u00e4hlt wurden. Dabei mu\u00df auch erw\u00e4hnt werden, dass viele KollegInnen und Azubis aus diakonischen Einrichtungen, die von der SuE-Aufwertung ebenso profitieren w\u00fcrden, aber nicht direkt zum Streik aufgerufen waren, aus ihrem Frei teilgenommen haben, um so direkte Solidarit\u00e4t und Partizipation in einem gro\u00dfen Block gut sicht- und h\u00f6rbar zu zeigen.<\/p>\n<p>Hansi Weber, eine Erzieherin die schon am 2009er Streik \u00fcber zehn Wochen teilgenommen hatte, machte den Anwesenden noch einmal Mut und hob hervor, dass wenn man gemeinsam standhaft bleibt und sich nicht einsch\u00fcchtern l\u00e4sst, am Ende ein Erfolg zu Buche steht.<\/p>\n<p>Der Demonstrationszug durch Stuttgart war dann lang, bunt und laut. Viele hatten, neben den vielen Gewerkschaftsfahnen von vor allem ver.di aber auch der GEW, selber entworfene Schilder und Transparente dabei, um ihren Forderungen gegen Arbeitshetze und miserablen p\u00e4dagogischen Arbeitsbedingungen bei zu niederem Stellenschl\u00fcssel, so wie f\u00fcr mehr Anerkennung und deutlich besserer Bezahlung, Nachdruck nach au\u00dfen zu verhelfen. Immer wieder schallten die Rufe nach \u201eAufwertung jetzt\u201c durch den nicht enden wollenden Demonstrationszug, der dann auch mit fast 45 Minuten Versp\u00e4tung auf dem Schlo\u00dfplatz ankam.<\/p>\n<p>Dort wurden erst bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen auf der Rednertrib\u00fcne zwei KollegInnen \u00fcber ihre allt\u00e4glichen Bedingungen auf Arbeit interviewt. Das Berufsbild der ErzieherIn hat sich in den letzten Jahren, durch andere Bildungsaufgaben, Dokumentationen und erweiterte Arbeitszeiten so sehr gewandelt, jedoch blieb die Bezahlung auf dem Niveau der 1970er Jahre. Auch in den verschiedenen Behinderteneinrichtungen und Behindertenwerkst\u00e4tten gab es einen enormen Wandel, der heutzutage klar \u00fcber die Anforderungen von Betreuung und aufpassen hinausgeht. Zudem wird in beiden Bereichen oft von der Bereitschaft zu verschiedenen Schichtmodellen, h\u00e4ufig rund um die Uhr sowie an 365 Tagen, ausgegangen, welche, im Gegensatz zu anderen Berufen erb\u00e4rmlich schlecht verg\u00fctet werden.<\/p>\n<p>Daran kn\u00fcpfte auch Frank Bsirske in seiner folgenden sehr langen, aber den Nerv aller Streikenden treffenden Hauptrede an. In vielen Bereichen der Auto-, Metall- und Chemieindustrie w\u00fcrden die KollegInnen oft das doppelte einer Erzieherin verdienen und f\u00fcr deren Gehalt wohl kaum morgens aufstehen. Bsirske wies darauf hin, dass ein Besch\u00e4ftigter in der bayrischen Metallindustrie, dessen Aufgabe es sei, den Hof zu kehren, 2.194 Euro im Monat verdiene und ein Metaller nach abgeschlossener Berufsausbildung mit mindestens 2.800 Euro Tariflohn in seinen Beruf einsteige. Ein Streikende brachte die Unterbezahlung mit folgenden Worten auf ein Plakat: \u201eIch kann gar nicht so schlecht arbeiten, wie ich bezahlt werde\u201c. Frank Bsirske erkl\u00e4rte die miserable Bezahlung in den Sozial- und Erziehungsberufen damit, dass es Frauenberufe seien und Frauen nach wie vor unterbezahlt seien. Dies d\u00fcrfte nicht l\u00e4nger akzeptiert werden: \u201eEs geht darum, die Frauen wie p\u00e4dagogische Facharbeiterinnen zu bezahlen\u201c. Zuletzt schwor er die Anwesenden auf eine bevorstehende Urabstimmung und einen lang andauernden Streik ein, denn zum einen spielten die Arbeitgeber, wie bei Amazon oder der Post, auf Zeit, andererseits n\u00e4hmen sie diese Aufwertungsrunde auch nicht ernst, was sich darin zeigt, dass viele von den Arbeitsbedingungen und der Materie keine Ahnung h\u00e4tten und mit falschen Zahlen und Daten aufwarteten, sowie bis in die laufende f\u00fcnfte Verhandlungsrunde keinen neuen Termin f\u00fcr ein Folgetreffen vorgeschlagen h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Der Wille dazu war bei allen Streikenden auf dem Stuttgarter Schlo\u00dfplatz h\u00f6rbar und sp\u00fcrbar. Frank Bsirske vermittelte mit seiner Rede den Eindruck, als ob es ver.di Ernst meinte, zumal er den Anwesenden die Unterst\u00fctzung von ganz ver.di versicherte. Aber wie bei allen Tarifrunden z\u00e4hlen Taten, nicht Worte. Eine Koordination mit den am selben Tag streikenden Postbankbesch\u00e4ftigten blieb aus. Das muss sich in den n\u00e4chsten Wochen \u00e4ndern. Wenn Besch\u00e4ftigte der Postbetriebe, von Amazon, im Einzelhandel gemeinsam streiken und auf die Stra\u00dfe gehen, erh\u00f6ht das die Kampfkraft f\u00fcr alle. Auch mit den streikenden Lokf\u00fchrern sollte der Schulterschluss gesucht werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besch\u00e4ftigte aus dem Sozial- und Erziehungsdienst demonstrierten in Stuttgart<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":30342,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[17],"tags":[262],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/30341"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=30341"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/30341\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/30342"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=30341"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=30341"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=30341"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}