{"id":30066,"date":"2015-02-26T09:57:03","date_gmt":"2015-02-26T08:57:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=30066"},"modified":"2015-02-26T09:58:21","modified_gmt":"2015-02-26T08:58:21","slug":"tarifrunde-sozial-und-erziehungsdienste-streiken-fuer-mehr-geld-und-personal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2015\/02\/tarifrunde-sozial-und-erziehungsdienste-streiken-fuer-mehr-geld-und-personal\/","title":{"rendered":"Tarifrunde Sozial- und Erziehungsdienste &#8211; Streiken f\u00fcr mehr Geld und Personal!"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_30067\" aria-describedby=\"caption-attachment-30067\" style=\"width: 280px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/8534014272_33b81952fc_k-e1424940769605.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-30067\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/8534014272_33b81952fc_k-e1424940769605-280x173.jpg\" alt=\"Foto: https:\/\/www.flickr.com\/photos\/uwehiksch\/ CC BY-NC-SA 2.0\" width=\"280\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/8534014272_33b81952fc_k-e1424940769605-280x173.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/8534014272_33b81952fc_k-e1424940769605-162x100.jpg 162w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/8534014272_33b81952fc_k-e1424940769605-560x347.jpg 560w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/8534014272_33b81952fc_k-e1424940769605-600x370.jpg 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/8534014272_33b81952fc_k-e1424940769605-534x330.jpg 534w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/8534014272_33b81952fc_k-e1424940769605.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-30067\" class=\"wp-caption-text\">Foto: https:\/\/www.flickr.com\/photos\/uwehiksch\/ CC BY-NC-SA 2.0<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Ende letzten Jahres haben die Gewerkschaften ver.di und GEW die Eingruppierungsvorschriften und Entgeltordnungen f\u00fcr den Bereich Sozial- und Erziehungsdienst gegen\u00fcber der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverb\u00e4nde (VKA) gek\u00fcndigt.<\/strong><\/p>\n<p>Gefordert wird eine deutliche Verbesserung bei der Eingruppierung der verschiedenen Berufsgruppen. Im Durchschnitt geht es um eine Anhebung der Geh\u00e4lter um etwa 10 Prozent.<\/p>\n<p><em>von Angelika Teweleit<\/em><\/p>\n<p>Unter dem Motto \u201eRichtig gut \u2013 Aufwerten jetzt\u201c laufen Vorbereitungen f\u00fcr einen Arbeitskampf. Der ver.di Vorsitzende Frank Bsirske \u00e4u\u00dferte bereits im Dezember gegen\u00fcber der Presse, dass es \u201eohne Streiks kaum Ergebnisse geben werde.\u201c<\/p>\n<p>Die Auseinandersetzung hat auch eine wichtige strategische Bedeutung. Seit der Abschaffung des BAT (Bundesangestelltentarifvertrag) und Einf\u00fchrung des TV\u00d6D (Tarifvertrag \u00f6ffentlicher Dienst, Bund und Kommunen) im Jahr 2005 gibt es noch immer keine neue Entgeltordnung f\u00fcr die verschiedenen Berufe im kommunalen Bereich. Hier blockieren die Arbeitgeber nunmehr seit zehn Jahren. Ein Durchbruch bei den Sozial- und Erziehungsdiensten w\u00fcrde auch die Ausgangsposition f\u00fcr das Erreichen einer besseren Entgeltordnung in anderen Bereiche verbessern.<\/p>\n<h4>F\u00fcr die Kleinsten nur das Beste?<\/h4>\n<p>Wie sehr Schein und Wirklichkeit in unserer Gesellschaft auseinander gehen, wird an der Situation der J\u00fcngsten deutlich. Es wird wohl kaum PolitikerInnen geben, die nicht sagen w\u00fcrden, das Wohl der Kinder stehe ganz oben. Aber wenn Forderungen nach besserer Ausstattung \u2013 von der Kita bis zur Uni \u2013 gestellt werden, fehlt es angeblich immer am Geld.<\/p>\n<p>Das gr\u00f6\u00dfte Problem stellt der eklatante Personalmangel dar. Sogar die Bertelsmann-Stiftung, die nicht unbedingt durch Fortschrittlichkeit auff\u00e4llt, kommt in einer Studie zu dem Ergebnis, dass 120.000 ErzieherInnen in ganz Deutschland fehlen.<\/p>\n<p>Eine von der Unfallkasse Nordrhein-Westfalen in Auftrag gegebene Studie von 2012 (durchgef\u00fchrt durch die Alice-Salomon Universit\u00e4t Berlin) kam zu dem Ergebnis, dass p\u00e4dagogische Fach- und Leitungskr\u00e4fte im Vergleich zu gleichaltrigen Frauen mit gleicher Bildung eine deutlich schlechtere subjektive Gesundheit aufweisen. Bei jeder zehnten Fach- oder Leitungskraft in NRW wurde innerhalb der letzten 12 Monate ein Burnout \u00e4rztlich diagnostiziert.<\/p>\n<p>Als \u201ebesondere Beanspruchungen am Arbeitsplatz in der Kita\u201c wurden benannt: \u201eChronischer Zeitdruck mit zu wenig Zeit f\u00fcr die Kinder, f\u00fcr mittelbare p\u00e4dagogische Arbeit oder f\u00fcr Pausen mit der Folge h\u00e4ufiger \u00dcberstunden.\u201c \u201eMangelnde Anerkennung in Form von zu geringer Bezahlung, wenig Aufstiegsm\u00f6glichkeiten oder geringer gesellschaftlicher Reputation\u201c st\u00fcnden f\u00fcr eine Mehrheit der Befragten in einem \u201eUngleichgewicht mit den sehr hohen Arbeitsanforderungen\u201c. Das alles zeigt den Leidensdruck der Besch\u00e4ftigten, der sicher zu einer besonderen Bereitschaft zum K\u00e4mpfen beitr\u00e4gt.<\/p>\n<h4>Politischer Druck<\/h4>\n<p>Streiks in den Sozial- und Erziehungsberufen stellen eine besondere Herausforderung dar. Anders als in Industriebetrieben kann man die \u00f6ffentlichen Arbeitgeber nicht mit finanziellen Verlusten treffen. Der Druck muss politisch aufgebaut werden.<\/p>\n<p>Dabei ist essentiell, das Verst\u00e4ndnis der Eltern so weit zu verst\u00e4rken, dass auch sie f\u00fcr eine l\u00e4ngere Auseinandersetzung bereit sind. Daher ist ein zentraler Bestandteil dieser Auseinandersetzung eine \u00f6ffentliche Kampagne f\u00fcr die Anliegen der Besch\u00e4ftigten sowie aktive Solidarit\u00e4tsarbeit.<\/p>\n<h4>Aufbau von Unterst\u00fctzung und Solidarit\u00e4t<\/h4>\n<p>Hierf\u00fcr w\u00e4re wichtig, die Eltern fr\u00fchzeitig \u00fcber die Arbeitssituation und die Ziele des Tarifkampfs aufzukl\u00e4ren und sie aktiv in die Vorbereitung der Streiks einzubeziehen. Den Eltern muss vermittelt werden, dass die Ziele des Arbeitskampfes mit ihren eigenen Interessen f\u00fcr eine qualitativ gute Betreuung ihrer Kinder verbunden ist. F\u00fcr sie ist der Wunsch nach mehr Personal am meisten nachvollziehbar. F\u00fcr einen Zuwachs an qualifiziertem Personal ist \u2013 neben der politischen Entscheidung f\u00fcr mehr Stellen \u2013 auch die Aufwertung der Berufe eine wichtige Voraussetzung.<\/p>\n<p>Die LINKE kann eine wichtige Rolle spielen, um durch \u00d6ffentlichkeitsarbeit den Tarifkampf zu unterst\u00fctzen. So k\u00f6nnen Plakate, das Verteilen von Flugbl\u00e4ttern, Informationsst\u00e4nde, \u00f6ffentliche Veranstaltungen und Soli-Aktionen helfen, das Thema ins Bewusstsein zu bringen und die \u00f6ffentliche Wahrnehmung zu verst\u00e4rken.<\/p>\n<p>Gerade die Forderung nach einem Investitionsprogramm im Bereich Sozial- und Erziehungsdienste, finanziert durch Million\u00e4rs- und Verm\u00f6genssteuer kann dabei auf gro\u00dfe Resonanz bei den Besch\u00e4ftigten wie auch bei betroffenen Eltern sto\u00dfen.<\/p>\n<h4>Tarifk\u00e4mpfe zusammen f\u00fchren<\/h4>\n<p><span lang=\"de-DE\">Im ersten Halbjahr 2015 stehen insgesamt f\u00fcnf Millionen Besch\u00e4ftigte in Tarifauseinandersetzungen. In der L\u00e4ndertarifrunde beispielsweise sind ErzieherInnen einbezogen, die nicht unter den TV\u00d6D, sondern den TV-L (Tarifvertrag der L\u00e4nder) fallen. Au\u00dferdem fordern hier die angestellten LehrerInnen die l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llige tarifliche Regelung ihrer Entgelte (L-EGO). Gemeinsame Proteste der kommunalen ErzieherInnen mit den L\u00e4nderbesch\u00e4ftigten sind in Planung. Diese sollten genutzt werden, sich gegenseitig zu best\u00e4rken, um f\u00fcr die volle Durchsetzung ihrer Forderungen zu k\u00e4mpfen.<\/span><\/p>\n<p>Auch f\u00fcr die Besch\u00e4ftigten im Einzelhandel steht wieder eine Tarifrunde an. Mit ihrem monatelangen Arbeitskampf, bei dem einzelne KollegInnen bis zu 80 Tage streikten, wurde in diesem (ebenfalls frauen-dominierten) Bereich viel Kampferfahrung gesammelt. Gemeinsame Demonstrationen und Protestaktionen w\u00fcrden sicher von allen Beteiligten als enorme St\u00e4rkung gesehen.<\/p>\n<p>Weitere M\u00f6glichkeiten der gemeinsamen Proteste bieten sich auch mit den Kolleg-Innen der IG Metall in der anstehenden Metalltarifrunde. Mit solchen gemeinsamen Aktionen w\u00fcrde die Solidarit\u00e4t der Eltern best\u00e4rkt, von denen auch viele im Einzelhandel, im \u00f6ffentlichen Dienst, in Schulen oder in den gro\u00dfen Metallbetrieben arbeiten. Es w\u00e4re die Aufgabe des DGB, solidarische Unterst\u00fctzung durch die anderen DGB-Gewerkschaften sowie eine Koordination von Tarifk\u00e4mpfen zu organisieren. Auch eine fachbereichs-\u00fcbergreifende Koordinierung innerhalb ver.di w\u00e4re schon ein gro\u00dfer Fortschritt.<\/p>\n<p>Leider kommt die F\u00fchrung des DGB und auch ihrer Einzelgewerkschaften dieser Aufgabe nicht nach. Es gab aber in den letzten Jahren in einzelnen Orten und Bezirken (wie Stuttgart, Berlin) Ans\u00e4tze daf\u00fcr. Das sollte wieder aufgegriffen und ausgebaut werden. Mit positiven Beispielen kann der Druck auf die F\u00fchrung verst\u00e4rkt werden.<\/p>\n<h4>Partizipation und Streikdemokratie<\/h4>\n<p>Alle Erfahrungen in den letzten Streiks haben gezeigt: Erfolg ist abh\u00e4ngig von der aktiven Beteiligung der Streikenden. Es reicht nicht aus, die KollegInnen in einem \u201etop-down\u201c Verfahren zu informieren, wann sie zum Streik aufgerufen werden und f\u00fcr welche Forderungen. Ein aktiver Streik sieht anders aus. Die KollegInnen selbst sollten \u00fcber jeden Schritt im Arbeitskampf selbst bestimmen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">Daf\u00fcr sollten in der Vorbereitung \u00f6rtliche Streikleitungen gew\u00e4hlt werden, die das Vertrauen der KollegInnen genie\u00dfen und rechenschaftspflichtig sind. Diese sollten regional und bundesweit zusammen kommen, um \u00fcber das weitere Vorgehen zu entscheiden. Wichtig ist, dass auch \u00fcber die Beendigung von Streikma\u00dfnahmen von den Streikenden selbst diskutiert und abgestimmt wird. Denn ist der Streik einmal ausgesetzt, ist es schwierig, wieder zu starten. Unter diesen Umst\u00e4nden wird ein Ergebnis oft angenommen, auch wenn viele eigentlich der Meinung sind, dass man h\u00e4tte weiter streiken m\u00fcssen. Auf der Grundlage einer demokratisch gew\u00e4hlten Streik-Delegierten-Konferenz, die verpflichtet wird, sich mit den \u00f6rtlichen Versammlungen und Streikleitungen r\u00fcckzukoppeln, kann so etwas verhindert werden.<\/span><\/p>\n<h4>F\u00fcr eine kinderfreundliche Welt!<\/h4>\n<p>Kapitalismus bedeutet Konkurrenz, Leistungsdruck, Stress ohne Ende. Schon die Kleinsten werden mit den Folgen konfrontiert. Auch sie w\u00fcnschen sich ein bisschen weniger L\u00e4rm in der Kita. Auch sie w\u00fcnschen sich mehr Aufmerksamkeit von ihren ErzieherInnen. Auch sie wollen nicht in gestresste Gesichter blicken. Auch ihnen tut es leid, wenn ihre ErzieherInnen von der Arbeit krank werden.<\/p>\n<p>Wollen wir wirklich weiterhin eine Welt, in der Stress und Zeitmangel den Alltag bestimmen? Und welche M\u00f6glichkeiten haben ErzieherInnen unter solchen Voraussetzungen zum Beispiel f\u00fcr die von der Politik geforderte Sprachf\u00f6rderung von migrantischen Kindern? Wie sollen die Ziele der Inklusion entsprechend umgesetzt werden? Welche M\u00f6glichkeiten haben SozialarbeiterInnen, Kinder und Jugendliche in einer Welt von wachsender Armut zu unterst\u00fctzen, wenn gleichzeitig auch noch die Mittel gek\u00fcrzt werden?<\/p>\n<p>Im Zuge der Auseinandersetzung um die Aufwertung der Berufe im Sozial- und Erziehungsdienst sollte deshalb auch die Diskussion um eine g\u00e4nzlich andere Gesellschaft eine Rolle spielen: F\u00fcr eine Gesellschaft, in der nicht nur davon geredet wird, dass das Wohl der Kinder ganz oben steht, sondern in der diese Maxime Wirklichkeit werden kann. F\u00fcr eine Gesellschaft, in der Arbeit nicht krank macht, wo der Beruf erf\u00fcllend ist, weil Anspruch und Wirklichkeit miteinander \u00fcbereinstimmen. Daf\u00fcr m\u00fcssen wir mit dem Kapitalismus brechen.<\/p>\n<p><em>Angelika Teweleit ist Sprecherin des Netzwerks f\u00fcr eine k\u00e4mpferische und demokratische ver.di und Mitglied der SAV-Bundesleitung.<\/em><\/p>\n<div style=\"margin: 0; margin-right: 10px; border: 2px solid #000000; padding: 0em 1em 1em 1em; background-color: #c0c0c0;\">\n<h2>2009: Elf Wochen Kita-Streik<\/h2>\n<p>Es war ein Streik in einem der Bereiche, die nicht gerade zu den \u201eschweren Bataillonen\u201c der Gewerkschaftsbewegung geh\u00f6rte. Dennoch legten die Besch\u00e4ftigten gerade hier ein besonderes Durchhalteverm\u00f6gen und gro\u00dfe Entschlossenheit an den Tag. Insgesamt beteiligten sich 130.000 von damals 220.000 Besch\u00e4ftigten an den Streiks. An bundesweiten Streiktagen waren 30.000 bis 40.000 Besch\u00e4ftigte auf der Stra\u00dfe. Bei einer bundesweiten Demonstration in K\u00f6ln fanden sich 30.000 Streikende ein.<\/p>\n<h4>Aktiver Streik<\/h4>\n<p><span lang=\"de-DE\">W\u00e4hrend des Arbeitskampfes wurden \u2013 besonders in fortschrittlichen ver.di-Bezirken wie zum Beispiel Stuttgart \u2013 Anstrengungen gemacht, die Streikenden aktiv zu beteiligen. In einer ersten Bilanz kurz nach der Beendigung des Arbeitskampfs schrieben Bernd Riexinger (ehemaliger ver.di- Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Stuttgart, jetziger LINKE-Vorsitzender) und Cuno H\u00e4gele (jetziger ver.di-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer in Stuttgart) \u00fcber die Streikpraxis in Stuttgart: \u201eJeden Tag wurde eine gemeinsame Streikversammlung mit zirka 1.200 bis 1.500, in den H\u00f6hepunkten 2.000 TeilnehmerInnen durchgef\u00fchrt, auf der Bilanz gezogen und die weitere Vorgehensweise besprochen wurde. Das Mikrophon war f\u00fcr alle offen. Die Besch\u00e4ftigten haben somit den Arbeitskampf als ihre eigene Sache wahrgenommen und gestaltet. &#8230; Die Besch\u00e4ftigten f\u00fchrten eigene Sketche auf, arbeiteten gemeinsame Redebeitr\u00e4ge aus, malten viele Plakate und Transparente. Auch \u00f6ffentliche Performances mit Musik gaben den Aktionen etwas Lebendiges, Buntes und weckten Sympathie bei gro\u00dfen Teilen der Bev\u00f6lkerung.\u201c (\u201eStreik trotz Krise\u201c, ver\u00f6ffentlicht in junge welt 14.08.2009)<\/span><\/p>\n<h4>Streikdemokratie<\/h4>\n<p>Es wurde sogar eine bundesweite Streikdelegiertenkonferenz eingef\u00fchrt, was ein Fortschritt war. Dennoch kam es zu einem Abschluss, der an der Basis und unter einigen Delegierten der Streikleitungen auf Kritik stie\u00df. Die VertreterInnen aus Baden-W\u00fcrttemberg stimmten gegen den Abschluss. Riexinger und H\u00e4gele bilanzierten: \u201eDie Zustimmung zu dem Verhandlungsergebnis erfolgte unter dem Eindruck eines wenige Stunden zuvor zu Ende gegangenen Verhandlungsmarathons. Die Entscheidungen wurden in wenigen Stunden getroffen, ohne vorherige R\u00fcckkopplung zu den Streikenden oder einem nennenswerten Teilen von ihnen.\u201c<\/p>\n<p>Hier ist also zum einen die M\u00f6glichkeit, positiv am Konzept einer Streikdelegiertenkonferenz anzukn\u00fcpfen, und gleichzeitig von vornherein festzuhalten, dass die Entscheidung \u00fcber Beendigung, Aussetzung oder Fortf\u00fchrung des Arbeitskampfes immer nur nach ausreichend Diskussion und R\u00fcckkopplung mit den Streikenden vor Ort erfolgen sollte.<\/p>\n<h4>Mehr w\u00e4re drin gewesen<\/h4>\n<p>Mit dem Abschluss erreichte man einen gewissen Ausgleich f\u00fcr die Verluste, die durch die Einf\u00fchrung des TV\u00f6D nach Abschaffung des Bundesangestelltentarifvertrages (BAT) 2005 entstanden waren. Denn mit dem TV\u00f6D, der fatalerweise von der ver.di-F\u00fchrung damals als Jahrhundertwerk gefeiert wurde, waren die Einkommen der ErzieherInnen um rund zwanzig Prozent abgesenkt worden.<\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">Vor allem vor dem Hintergrund der im September 2009 stattfindenden Bundestagswahl h\u00e4tte durch eine Fortf\u00fchrung des Arbeitskampfs, mit massiver Ausweitung von \u00f6ffentlichkeitswirksamen Aktionen und Demonstrationen, die M\u00f6glichkeit bestanden, den politischen Druck zu erh\u00f6hen. Gerade vor einer solchen Zuspitzung schreckte die Gewerkschaftsb\u00fcrokratie, von denen sich gro\u00dfe Teile noch immer der SPD (bzw. im Fall von Frank Bsirske den Gr\u00fcnen) verbunden sieht, zur\u00fcck. Gerade deshalb muss sicher gestellt werden, dass die Streikenden selbst die Kontrolle \u00fcber den Arbeitskampf haben.<\/span><\/p>\n<p>Sowohl aus den negativen als auch den positiven Erfahrungen sollten Lehren gezogen werden, um den Arbeitskampf 2015 zum Erfolg zu f\u00fchren.<\/p>\n<p>Die Streikenden selbst m\u00fcssen die Kontrolle \u00fcber ihren Arbeitskampf erlangen.<\/p>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div style=\"margin: 0; margin-right: 10px; border: 2px solid #000000; padding: 0em 1em 1em 1em; background-color: #c0c0c0;\">\n<h2>\u201eMit alten Klischees aufr\u00e4umen\u201c &#8211; Interview mit Julian Koll, Erzieher und ver.di-Mitglied in Dortmund<\/h2>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/Lieblingsplatz_Linksjugend.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-30069\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/Lieblingsplatz_Linksjugend-162x100.jpg\" alt=\"Lieblingsplatz_Linksjugend\" width=\"162\" height=\"100\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/Lieblingsplatz_Linksjugend-162x100.jpg 162w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/Lieblingsplatz_Linksjugend-280x173.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/Lieblingsplatz_Linksjugend-262x160.jpg 262w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/Lieblingsplatz_Linksjugend.jpg 368w\" sizes=\"(max-width: 162px) 100vw, 162px\" \/><\/a>Worum geht es in der anstehenden Auseinandersetzung im Sozial- und Erziehungsdienst f\u00fcr die Besch\u00e4ftigten in den Kitas?<\/strong><\/p>\n<p>Als Erzieher werde ich nach dem TV\u00f6D \u2013 Sozial- und Erziehungsdienst bezahlt und bin in der Entgeltstufe 6 Grundentgelt Stufe 2 (2 Jahre) und bekomme 2528,98 Euro Brutto, woraus ich 1622,26 Euro Netto raus habe.<\/p>\n<p>Vom dritten bis f\u00fcnften Jahr der Berufst\u00e4tigkeit erh\u00f6ht sich das Brutto jeweils durch h\u00f6here Entwicklungsstufen. In Anbetracht der gesellschaftlichen Aufgaben und der Herausforderungen, die sich in unserem Beruf stellen, brauchen wir eine deutliche Erh\u00f6hung. Die Forderung ist eine Erh\u00f6hung des Gehalts um vier Entgeltstufen (also von S 6 auf S 10 usw.), im Schnitt also zehn Prozent mehr Geld f\u00fcr ErzieherInnen. Das ist nur angemessen. Ich w\u00e4re gegen einen faulen Kompromiss ohne Not, bei dem zum Beispiel S8 herauskommt, also f\u00fcnf Prozent mehr und das dann als Aufwertung verkauft werden soll.<\/p>\n<p><strong>Wie stellt sich die Situation f\u00fcr die Besch\u00e4ftigten in den Kitas dar?<\/strong><\/p>\n<p>Neben der schlechten Bezahlung ist das Hauptproblem der Personalmangel. Im Durchschnitt fehlen in meiner Kita jeden Tag drei ErzieherInnen aufgrund von Urlaub, Fortbildungen, Krankheit, MitarbeiterInnen mit kleinen Kindern. Wenn eine Erzieherin l\u00e4nger krank ist, bekommt man erst nach drei Wochen Ersatz, auch wenn bekannt ist, das z.B. wegen einer OP mit einem l\u00e4ngeren Ausfall zu rechnen ist.<\/p>\n<p>Dieser Personalmangel wird in NRW durch das KiBiz (Kinderbildungsgesetz) zementiert, in dem ein viel zu hoher Personalschl\u00fcssel festgelegt ist. Die beste Betreuungsrelation w\u00e4re f\u00fcr mich im Bereich von drei bis sechs Jahren f\u00fcnf Kinder auf eine Erzieherin und im Bereich der unter Dreij\u00e4hrigen drei Kinder auf eine Erzieherin.<\/p>\n<p>Eine erfolgreicher Kampf f\u00fcr Aufwertung ist auch eine notwendige Voraussetzung f\u00fcr Personalaufbau, um \u00fcberhaupt gen\u00fcgend Fachkr\u00e4fte rekrutieren zu k\u00f6nnen. Ver.di muss aber auch einen Kampf f\u00fcr die Einstellung f\u00fcr mehr Personal aufnehmen. Schon in dieser Tarifrunde muss deshalb die Forderung nach mehr Personal breit in die \u00d6ffentlichkeit getragen werden.<\/p>\n<p><strong>Wie kann der Arbeitskampf erfolgreich sein?<\/strong><\/p>\n<p>Indem wir es schaffen, eine breite \u00d6ffentlichkeit und Solidarit\u00e4t zu organisieren. Wir werden streiken und unsere ganze St\u00e4rke, Entschlossenheit und Kampfkraft zeigen m\u00fcssen. Aber alleine durch den Streik wird nichts gewonnen. Wir m\u00fcssen es schaffen, eine Stimmung f\u00fcr die Aufwertung zu erzeugen, wobei es dabei viel Aufkl\u00e4rungsarbeit bedarf, auch durch Solidarit\u00e4t von au\u00dfen. Mit uralten Klischees von der Spieltante, die nur Kaffee trinkt, muss aufger\u00e4umt werden. Mein Lieblingssatz ist \u201eMit Kindern spielen kann ich auch\u201c.<\/p>\n<p>In Gro\u00dfst\u00e4dten ist die Kampfkraft und Solidarit\u00e4t unter den Kolleginnen gr\u00f6\u00dfer als in l\u00e4ndlichen Kommunen, da dort der Anteil an Organisierten nicht sehr hoch ist. Hier m\u00fcssen wir Unterst\u00fctzung vor Ort leisten. Wir m\u00fcssen auch die KollegInnen von kirchlichen oder freien Tr\u00e4gern auf die Stra\u00dfe kriegen, zum Beispiel bei einer Gro\u00dfdemo am Wochenende, da wir f\u00fcr sie eine Art Leitw\u00e4hrung sind und sie nicht streiken d\u00fcrfen.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unter dem Motto \u201eRichtig gut \u2013 Aufwerten jetzt\u201c laufen Vorbereitungen f\u00fcr einen Arbeitskampf. <\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":30067,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[110,17],"tags":[665],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/30066"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=30066"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/30066\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/30067"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=30066"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=30066"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=30066"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}