{"id":29829,"date":"2015-02-05T17:00:07","date_gmt":"2015-02-05T16:00:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=29829"},"modified":"2015-02-04T15:20:02","modified_gmt":"2015-02-04T14:20:02","slug":"wir-sind-guten-mutes-pegida-in-die-schranken-zu-weisen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2015\/02\/wir-sind-guten-mutes-pegida-in-die-schranken-zu-weisen\/","title":{"rendered":"\u201eWir sind guten Mutes, Pegida in die Schranken zu weisen!\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/antirabanner.png\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-29777\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/antirabanner-280x120.png\" alt=\"antirabanner\" width=\"280\" height=\"120\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/antirabanner-280x120.png 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/antirabanner-560x240.png 560w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/antirabanner-600x257.png 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/01\/antirabanner.png 1102w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a>Interview mit zwei Dresdner AktivistInnen<\/strong><\/p>\n<p><em>sozialismus.info sprach mit Steve und Dorit Hollasky, die beide seit vielen Jahren in SAV, Gewerkschaften und der Partei DIE LINKE in Dresden aktiv sind und vom ersten Tag an bei Protesten gegen die Pegida-Demonstrationen dabei waren. Das Interview wurde vor dem R\u00fccktritt Lutz Bachmanns von seinen Pegida-Funktionen und der Spaltung von Pegida gef\u00fchrt.<\/em><\/p>\n<h4>Ihr erlebt jetzt seit gut einem Viertel Jahr die immer noch anwachsenden Pegida-Demonstrationen in Dresden mit und seid aktiver Teil der Gegenproteste. Wie ist die Stimmung bei Euch und in der Gegen-Bewegung insgesamt?<\/h4>\n<p><span lang=\"de-DE\"><strong>Dorit:<\/strong> Das ist schwer in einigen S\u00e4tzen zu beschreiben. Die Stimmung ist sehr differenziert und man hat manchmal das Gef\u00fchl, sie schwankt so wie die Teilnehmerzahlen der Gegenproteste. Sie liegt irgendwo zwischen Entsetzen, Wut, Ratlosigkeit und manchmal auch Katerstimmung, wenn der Montag gerade vorbei ist. Gleichzeitig sind die Erfolge gegen Pegida in anderen St\u00e4dten immer wieder eine Ermutigung f\u00fcr diejenigen in Dresden, die Widerstand gegen die Pegida-Proteste leisten.<\/span><\/p>\n<p><strong>Steve:<\/strong> Beispielhaft f\u00fcr die ganzen Widerspr\u00fcchlichkeiten ist der 12. Januar. W\u00e4hrend wir diesen Montag zwar als Niederlage von \u201eDresden nazifrei\u201c, aber insgesamt als Erfolg der Gegenproteste gewertet haben, gab es nicht wenige, die in den immerhin insgesamt 9.000 GegendemonstrantInnen dennoch keinen Erfolg gesehen haben.<\/p>\n<p><strong>Dorit:<\/strong> Das hat wahrscheinlich auch damit zu tun, dass man trotz aller Anstrengungen wieder kleiner als der Pegida-Zug war. Dennoch, wir waren doppelt so viele wie am vorangegangenen Montag. Nun geht es vor allem darum all die organisatorischen Halbheiten und Unterlassungen zu beenden!<\/p>\n<h4>Zu der Frage der Organisation der Gegenproteste kommen wir sicherlich sp\u00e4ter noch. Vielleicht sollten wir zun\u00e4chst noch einmal einen Schritt zur\u00fcckgehen und kurz darstellen wie dieser Spuk bei Euch begonnen hat.<\/h4>\n<p><strong>Steve:<\/strong> Mitte Oktober marschierten 500 Leute durch Dresden unter dem Motto \u201egegen Glaubenskriege auf deutschem Boden\u201c. Der Veranstalter nannte sich Pegida: Patriotische Europ\u00e4er gegen die Islamisierung des Abendlandes. Der Anmelder, Lutz Bachmann, reagierte damit in seiner Darstellung auf eine Demonstration, die Solidarit\u00e4t mit den Verteidigern von Kobane zum Ausdruck bringen wollte. Bachmann filmte diese Demo und stellte das Video auf youtube. Dabei kommentierte er es eindeutig rassistisch. Youtube hat den Beitrag sp\u00e4ter gel\u00f6scht.<\/p>\n<h4>Aber Pegida demonstriert doch gegen die angebliche \u201eIslamisierung des Abendlandes\u201c. Was haben die VerteidigerInnen von Kobane mit der Islamisierung des Abendlandes zu tun? Das sind doch jene, die in vorderster Front im Kampf gegen den Terror des so genannten \u201eIslamischen Staats\u201c stehen?<\/h4>\n<p><strong>Dorit:<\/strong> Mit Logik ist das nicht zu verstehen. Bachmann warnte in einer Rede vor PKK, IS und Al Quaida \u201eund wie sie alle hei\u00dfen\u201c und setzte damit jene, die Kobane gegen den rechten politischen Islam verteidigen mit diesem gleich. Das ist v\u00f6lliger Irrsinn, hat aber Methode \u2013 vielleicht \u00e4hnlich, wie wenn bei uns Links- und Rechtsextreme gleichgesetzt werden.<\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\"><strong>Steve:<\/strong> So bl\u00f6d es klingen mag, von da an war die Geschichte von Pegida-Dresden eine Erfolgsgeschichte: Die Teilnehmerzahlen stiegen immer weiter, bis auf 7.500 am 1. Dezember des letzten Jahres. An diesem Tag gl\u00fcckte es 500 GegendemonstrantInnen den Zug der Pegida zu stoppen. Die Woche drauf gingen erstmals 9.000 Leute gegen Pegida in Dresden auf die Stra\u00dfe, w\u00e4hrend bei Pegida etwa 11.000 Leute waren. Aber dann verloren die Gegenproteste wieder an St\u00e4rke. Der vorl\u00e4ufige H\u00f6hepunkt f\u00fcr Pegida war sicher der 22.12.2014, als sie zum Weihnachtsliedersingen auf dem Dresdner Theaterplatz 17.500 Leute zusammenholten.<\/span><\/p>\n<p><strong>Dorit:<\/strong> Sie wollten das deutsche Weihnachtsliedgut sch\u00fctzen, brauchten aber einen Textansager vor jedem Lied, um sich an die Texte zu erinnern.<\/p>\n<h4>Aber nun wird es Pegida ja bestimmt nicht nur um die Bewahrung des deutschen Liedguts gehen&#8230;<\/h4>\n<p><strong>Dorit:<\/strong> Pegida ist ein Gemischtwarenladen&#8230;<\/p>\n<h4>Das hat Leo Trotzki auch \u00fcber den Faschismus gesagt.<\/h4>\n<p><strong>Dorit:<\/strong> Ja, wobei man mit dem Wort Faschismus in Bezug auf Pegida vorsichtig sein sollte. Da laufen viele Nazis mit, aber diese sind schon eine Minderheit und dominieren Pegida nicht. Und nicht jeder Rassist ist ein Nazi. Das vielleicht viel Schlimmere daran ist ja, dass auf den Pegida-Demos eine Menge wirklicher Probleme angesprochen werden: Die dramatische Wohnungssituation in Dresden, die ganzen Sozialabbau-Ma\u00dfnahmen der letzten Jahre, die zu niedrigen Renten, die untragbare Situation von Hartz-IV-Empf\u00e4ngerInnen usw.<\/p>\n<p>Ich berate Hartz-IV-Empf\u00e4ngerInnen, mir ist klar, wie es denen geht. Das Schlimme ist nicht, diese Probleme zu \u00e4u\u00dfern, schlimm ist nur, dass Pegida die Menschen, die bei den Demos mitlaufen, gegen MigrantInnen und Fl\u00fcchtlinge in Stellung bringen, indem sie denen die Schuld f\u00fcr die Ergebnisse kapitalistischer Politik in die Schuhe schieben. Dabei leiden Migrantinnen und Migranten genauso darunter wie die Hiergeborenen und nicht selten noch mehr. Ich glaube, dass es f\u00fcr viele so leicht ist, dort mitzugehen, weil sie sich nicht wirklich in Gefahr bringen mit ihren Protesten, weil sie gegen die wirklich Verantwortlichen der furchtbaren Zust\u00e4nde gar nichts planen. Ein Arbeitgeber w\u00e4re gereizt, wenn sich jemand in der Gewerkschaft aktiv engagiert. Solange er \u201enur\u201c montags spazieren geht, auf die da oben meckert und Forderungen gegen Wirtschaftsfl\u00fcchtlinge propagiert, macht das kaum einen Chef nerv\u00f6s.<\/p>\n<h4>K\u00f6nnt Ihr das genauer erkl\u00e4ren?<\/h4>\n<p><span lang=\"de-DE\"><strong>Steve:<\/strong> Als im gr\u00f6\u00dften Dresdner Plattenbauviertel im letzten Jahr MigrantInnen in einen der Bl\u00f6cke einzogen, dauerte es nicht lange bis AnwohnerInnen Unterschriften gegen die Zugezogenen sammelten. Die Forderung war klar, sie sollten verschwinden. Das Fatale daran ist, dass sich ja an der Situation der dort lebenden MieterInnen nichts verbessern wird, wenn die MigrantInnen wirklich ausziehen w\u00fcrden. Auch dann w\u00fcrden die privaten Vermieter die Mieten weiterhin erh\u00f6hen und nichts an den H\u00e4usern machen, um sie in Schuss zu halten, denn denen geht es um maximalen Profit.<\/span><\/p>\n<p>Wer also die beschissene Situation auf dem Wohnungsmarkt \u00e4ndern will, der muss sich wohl oder \u00fcbel mit den privaten Vermietern anlegen, der muss die Rekommunalisierung privatisierter Wohnungen verlangen und mit einer Kampagne durchsetzen. Um daf\u00fcr erfolgreich zu k\u00e4mpfen m\u00fcssen wir alle zusammenhalten, egal ob Hiergeborene oder Zugewanderte. Die Grenzen verlaufen eben nicht zwischen den Nationalit\u00e4ten, sondern \u2013 in diesem Fall \u2013 zwischen den MieterInnen, wobei ganz egal ist wo sie herkommen, einerseits und den Vermietern andererseits.<\/p>\n<p>Rassismus \u00fcbert\u00fcncht diese Zusammenh\u00e4nge mit einem ganz absurden \u201eWir-Gef\u00fchl\u201c zwischen deutschen Vermietern und deutschen MieterInnen und die rassistische Propaganda von Pegida hilft dabei, indem sie pausenlos daher plappern: Wir Deutschen m\u00fcssten uns gegen die \u201eIslamisierung\u201c zur Wehr setzen. Sie argumentieren eben rassistisch und helfen im Grunde damit den Vermietern, ihre schmutzigen Spielchen zu treiben.<\/p>\n<h4>Also ist das Ph\u00e4nomen Pegida ein Unterschichtenprotest?<\/h4>\n<p><strong>Dorit:<\/strong> Nein, auch was das betrifft, ist die Zusammensetzung von Pegida viel gemischter. Dresden ist, wenn man so will, eine ostdeutsche \u201eBoom-Town\u201c. Wir haben viel Zuzug aus dem Umland und eine steigende Geburtenrate. Es gibt in Dresden gewachsene Mittelschichten, kleine Handwerker, Einzelh\u00e4ndler, kleine Unternehmer, manchmal nur mit einem oder zwei Angestellten. Einige von ihnen sind weniger erfolgreich, andere mehr. Was sie gemeinsam haben, ist die Angst vor dem sozialen Abstieg.<\/p>\n<p>Ein Teil von denen l\u00e4uft bei Pegida mit. Damit br\u00fcstet sich der Pegida-Frontmann auch schon mal ganz gern. Lutz Bachmann ist ja selbst Unternehmer, \u00e4hnlich wie sein Kompagnon Siegfried D\u00e4britz. Und nat\u00fcrlich erw\u00e4hnen sie h\u00e4ufiger, dass mit ihnen der \u201eMittelstand\u201c auf die Stra\u00dfe geht.<\/p>\n<p>Dabei ist es auch an dieser Stelle nicht so ganz einfach, das Ph\u00e4nomen Pegida Dresden zu begreifen. Denn es ist auch kein reiner Mittelschichten-Protest, weil auch viele Leute mitlaufen, die der Kapitalismus schon hat sozial absteigen lassen.<\/p>\n<p>Im Grunde also eine reaktion\u00e4re Bewegung mit \u2013 das kann man schon sagen \u2013 der sozialen Basis des Faschismus der 20er und 30er Jahre.<\/p>\n<h4>Auf Transparenten und Schildern von Pegida-Dresden habe ich Forderungen wie \u201eKein Krieg mit Russland\u201c gesehen. Welche Rolle spielt bei diesen Demos die Kriegsfrage?<\/h4>\n<p><span lang=\"de-DE\"><strong>Dorit:<\/strong> Das ist auch so eine Masche des Herrn Bachmann. Auf einer dieser Demos hat er eine Rede gehalten, in der er die Kriege der USA aufgez\u00e4hlt hat und dann hat er sich zu der dummdreisten Aussage verstiegen, Obama zettele Krieg in dem Wissen an, dass Deutschland die so entstehenden Fl\u00fcchtlinge aufnehmen w\u00fcrde. Als w\u00fcrde der deutsche Imperialismus nicht selbst weltweit Soldaten in den Einsatz schicken. Au\u00dferdem sind die Hauptaufnahmel\u00e4nder von Fl\u00fcchtlingen der Libanon und Pakistan und nicht Deutschland. Dar\u00fcber verliert Lutz Bachmann keinen Ton! Genauso wenig wie dar\u00fcber, dass Deutschland drittgr\u00f6\u00dfter Waffenexporteur ist. Und zwar nach den USA und Russland.<\/span><\/p>\n<p>Und deutsche R\u00fcstungsunternehmen liefern selbstverst\u00e4ndlich auch in Krisenregionen und verdienen dabei Millionen. Davon h\u00f6rt man bei Bachmann nichts! Aber so etwas produziert doch Fluchtursachen.<\/p>\n<p><strong>Steve:<\/strong> Auf der anderen Seite hat er mit seiner Argumentation auch einen gewissen Erfolg. Ich hatte k\u00fcrzlich am Rande einer Anti-Pegida-Demo eine l\u00e4ngere Diskussion mit einem Pegida-Anh\u00e4nger, der mir erz\u00e4hlte, er habe 1989 mit auf der Stra\u00dfe gestanden und w\u00e4hle seitdem immer DIE LINKE. Und nach 25 Jahren Kapitalismus habe er nun vor allem Angst. Angst vor sozialem Abstieg und Angst vor Krieg. Na klar, wenn man die Nachrichten sieht, dann bietet die kapitalistische Welt einen Anblick des Jammers. Wer macht sich denn da keine Sorgen, wenn er den Ukraine-Konflikt oder die Lage im Nahen Osten sieht? Diese Probleme wird man aber erst l\u00f6sen, wenn man verhindert, dass jemand an Kriegen verdienen kann. Man muss also die Heilige Kuh des Kapitalismus schlachten: Das Privateigentum an den Produktionsmitteln. Wie gesagt, Bachmann ist Unternehmer, der hat nichts gegen das Privateigentum an Produktionsmitteln, nichts gegen Profite, nichts gegen Kapitalismus. Doch bl\u00f6der Weise wirkt er auf einige gerade wie ein Messias.<\/p>\n<p>\u00c1 propos der Kriege der USA: Wir beide haben Proteste gegen den Afghanistan- und gegen den Irakkrieg organisiert. Da haben sich Gestalten wie Bachmann oder D\u00e4britz nicht blicken lassen. Aber auf einmal haben sie ihre Friedensliebe entdeckt.<\/p>\n<h4>Wie sieht es eigentlich mit der Gef\u00e4hrdungslage f\u00fcr Pegida-GegnerInnen aus. Mit anderen Worten: Kommt es zu \u00dcbergriffen?<\/h4>\n<p><strong>Dorit:<\/strong> Also, bedroht wurden wir auch schon. Das passiert vielen aktiven Pegida-GegnerInnen. Den Pressesprecher des B\u00fcndnisses \u201eDresden nazifrei\u201c, Silvio Lang, versucht Pegida ebenso unter Druck zu setzen, wie Eric Hattke vom Studierendenrat. Es gibt wirklich angst machende Drohungen gegen Journalisten, die Pegida-kritische Artikel ver\u00f6ffentlicht und \u00fcber gewaltt\u00e4tige \u00dcbergriffe durch Pegida-Anh\u00e4nger berichtet haben.<\/p>\n<p>Aber im Moment stechen vor allem zwei Vorf\u00e4lle heraus: Am 22. 12., nach der Pegida-Demo, haben etwa f\u00fcnfzig Pegida-Anh\u00e4nger, bewaffnet mit Pfefferspray, Schlagst\u00f6cken, abgebrochenen Flaschen, und Elektroschockern etwa drei\u00dfig migrantische Jugendliche durch ein Einkaufszentrum gejagt. Dabei haben sie \u201eWir sind das Volk\u201c gebr\u00fcllt.<\/p>\n<p>Es sollen sogar Umstehende applaudiert haben. Ein M\u00e4dchen kam zu Fall und wurde misshandelt. Als sie bei der Polizei eine Anzeige aufgeben wollte, lehnte der Beamte die Aufnahme der Anzeige mit der Begr\u00fcndung ab, sie habe sich selbst verletzt! Inzwischen wird gegen den Beamten ermittelt.<\/p>\n<p>Und im Zusammenhang mit dem Tod des Asylbewerbers Khaled Bahray wurde bekannt, dass Faschisten die Fl\u00fcchtlinge bedrohen und Hakenkreuze an die T\u00fcren der Asylbewerberunterkunft geschmiert haben.<\/p>\n<p>Denn die Nazis f\u00fchlen sich durch das Anwachsen der Proteste ermutigt.<\/p>\n<h4>Viele fragen sich, wieso die Gegenproteste in Dresden, im Vergleich zu den Pegida-Demos, so klein bleiben&#8230;<\/h4>\n<p><strong>Steve:<\/strong> Naja, so klein sind die Gegenproteste gar nicht, aber eben immer kleiner als der Pegida-Aufmarsch. Aber obwohl das Thema die Stadt beherrscht, wird eben nur mit angezogener Handbremse mobilisiert. Nur mal ein Beispiel: Ich bin an meiner Schule Vertrauensmann der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Ja klar, die Gewerkschaft h\u00e4tte ein Treffen anbieten m\u00fcssen, auf dem man h\u00e4tte beraten k\u00f6nnen, was die n\u00e4chsten Schritte im Kampf gegen Pegida sein m\u00fcssten. Das w\u00e4re noch nicht einmal sehr viel gewesen. Aber gemacht haben sie nichts.<\/p>\n<p>Bis heute, nach einem Vierteljahr, habe ich noch nicht einmal eine Email erhalten, in der ich aufgefordert werde mich auf den entsprechenden Seiten im Internet \u00fcber Gegenproteste zu informieren. Geschweige denn, dass die GEW ihren Mitgliedern, die ja vor allem LehrerInnen sind, inhaltliches Material zur Verf\u00fcgung stellt mit der Aufforderung die Fragen Flucht, Migration, Sozialabbau usw. im Unterricht mit Sch\u00fcler-Innen zu diskutieren.<\/p>\n<p>Nichts von GEW-Dresden, nichts von ver.di-Dresden, nichts vom DGB-Dresden! Kein Material, kein Angebot f\u00fcr Treffen, kein Brief, keine Email, keine Hilfe bei der Mobilisierung f\u00fcr die Gegenproteste.<\/p>\n<h4>Und wie agiert DIE LINKE?<\/h4>\n<p><strong>Dorit:<\/strong> Ganz \u00e4hnlich: Auf den Gegenprotesten sieht man nur \u00e4u\u00dferst selten LINKE- oder Linksjugend-Fahnen. Am 5. 1. sah man die gar nicht. Das steht stellvertretend f\u00fcr den Umgang mit der ganzen Situation.<\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">Wir haben als Mitglieder der Partei gefordert, dass es einen Sonderparteitag gibt, auf dem die gesamte Dresdner Partei M\u00f6glichkeiten hat Informationen auszutauschen, Proteste zu planen und zu \u00fcberlegen welches inhaltliche Material erstellt werden soll und was da drin stehen soll. Die Reaktionen darauf waren sehr unterschiedlich. Vom Stadtvorstand kam die Information, dass man eine Plakataktion macht, die wir auf alle F\u00e4lle begr\u00fc\u00dfen, und die vage Bereitschaft zu einer Basisaktivenkonferenz, wenn es die Zeit dazu g\u00e4be. Andere GenossInnen lehnten den Vorschlag ab, weil man damit Pegida zu viel Beachtung beimessen w\u00fcrde, wieder andere fanden ihn gut. In unserer LINKE-Gruppe wurde dar\u00fcber diskutiert und wenigstens soll es jetzt dort eine Veranstaltung zu Pegida geben. Das ist schon mal ein Fortschritt. Vor einigen Wochen wurden noch Pegida-Unterst\u00fctzer zur Diskussion eingeladen &#8230;<\/span><\/p>\n<h4>Aber geht es nicht eigentlich um mehr als nur um einen Parteitag? M\u00fcsste DIE LINKE nicht zu einer breiten Konferenz einladen, auf der soziale Probleme und der Kampf dagegen diskutiert werden. Und auf der besprochen wird, wie man das mit dem Kampf gegen Pegida verbinden k\u00f6nnte?<\/h4>\n<p><strong>Dorit:<\/strong> Ja, das w\u00e4re der richtige Weg. Allerdings ist die parteiinterne Diskussion trotzdem dringend n\u00f6tig! W\u00e4hrend einige GenossInnen jede Woche versuchen, etwas gegen Pegida auf die Beine zu stellen, werden andere nicht einmal dar\u00fcber informiert, wie und wo sie sich gegen Pegida engagieren k\u00f6nnen. Viele haben sich auch inhaltlich noch kaum damit auseinandergesetzt, so dass es auch gro\u00dfe Fragen \u00fcber den Umgang mit Pegida innerhalb der Partei gibt. All das muss besprochen werden. Aber nat\u00fcrlich, so ein Kongress, den Du angesprochen hast, m\u00fcsste unmittelbar folgen. Die Linke muss beides organisieren und dazu einladen. So schnell wie m\u00f6glich!<\/p>\n<h4>Wie begr\u00fcndet DIE LINKE ihre Unt\u00e4tigkeit?<\/h4>\n<p><strong>Steve:<\/strong> Der Stadtvorstand sagt dazu, dass DIE LINKE ja eine \u201eAntisystempartei\u201c sei, (warum sie dann trotzdem hier in Dresden mit Sozialabbauparteien wie SPD und Gr\u00fcnen im Stadtrat ein Kooperationsabkommen unterschrieben hat, ist mir schleierhaft). Aber weil sie das ist und weil bei Pegida ja auch Systemkritik laut wird, sollte man als LINKE lieber beim Organisieren von Gegenprotesten nicht in der ersten Reihe stehen. Sonst laufe man Gefahr, doch als Systemkraft wahrgenommen zu werden. Das wolle man lieber nicht riskieren.<\/p>\n<h4>Wie geht es jetzt f\u00fcr Euch weiter?<\/h4>\n<p><span lang=\"de-DE\"><strong>Dorit:<\/strong> Na, erst mal wie bisher. Wir werden mobilisieren und an den Protesten teilnehmen. Au\u00dferdem werden wir in Gewerkschaften und vor allem der LINKEN f\u00fcr unsere Ideen werben. Zudem wollen wir jetzt ein Massenflugblatt gegen Pegida vor Schulen und gro\u00dfen Einkaufszentren und in Briefk\u00e4sten verteilen. Dass uns hier SAV Mitglieder aus anderen St\u00e4dten unterst\u00fctzen, hilft uns sehr, aber wir k\u00f6nnen nat\u00fcrlich noch mehr Hilfe gebrauchen. Wer das hier also liest und spontan Lust bekommt, der sollte sich melden. Au\u00dferdem wollen wir kleine Aktionen auf der Stra\u00dfe machen, mit denen wir einen Teil dazu beitragen wollen, die Stimmung in der Stadt zu kippen und mehr Menschen zu den Protesten zu mobilisieren. Und dann hoffen wir nat\u00fcrlich auf eine gro\u00dfe bundesweite Demonstration am 28. Februar.<\/span><\/p>\n<h4>Also keine Spur von aufgeben?<\/h4>\n<p><span lang=\"de-DE\"><strong>Steve:<\/strong> Wir sind eher guten Mutes. Die Teilnehmerzahlen der Gegenproteste nehmen wieder zu. Wir sind \u00fcberzeugt, dass auch in Dresden die Mehrheit der Menschen eigentlich gegen Pegida ist. Wenn Gewerkschaften und LINKE diese endlich ordentlich mobilisieren, dan<\/span><span lang=\"de-DE\">n<\/span><span lang=\"de-DE\"> werden wir Pegida auch in Dresden in ihre Schranken verweisen!<\/span><\/p>\n<h5><em>Steve Hollasky ist Lehrer in Mei\u00dfen und Vertrauensmann der GEW. Dorit Hollasky ist ver.-di Vertrauensfrau in einem Dresdner Krankenhaus. Beide sind in der LINKEN aktiv und Mitglieder im SAV Bundesvorstand. Das Gespr\u00e4ch f\u00fcr sozialismus.info f\u00fchrte Sascha Stanicic.<\/em><\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Interview mit zwei Dresdner AktivistInnen<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":29777,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[5,6],"tags":[665],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/29829"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=29829"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/29829\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/29777"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=29829"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=29829"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=29829"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}