{"id":29825,"date":"2015-02-10T12:34:27","date_gmt":"2015-02-10T11:34:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=29825"},"modified":"2015-02-13T12:03:30","modified_gmt":"2015-02-13T11:03:30","slug":"china-mit-niedrigster-wachstumsrate-seit-1990","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2015\/02\/china-mit-niedrigster-wachstumsrate-seit-1990\/","title":{"rendered":"China mit niedrigster Wachstumsrate seit 1990"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_25268\" aria-describedby=\"caption-attachment-25268\" style=\"width: 280px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/china-e1373303921288.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-25268\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/china-e1373303921288-280x173.jpg\" alt=\"Foto: http:\/\/www.flickr.com\/photos\/georgebabbitt\/ CC BY-NC-SA 2.0\" width=\"280\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/china-e1373303921288-280x173.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/china-e1373303921288-162x100.jpg 162w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/china-e1373303921288-560x345.jpg 560w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/china-e1373303921288.jpg 959w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-25268\" class=\"wp-caption-text\">Foto: http:\/\/www.flickr.com\/photos\/georgebabbitt\/ CC BY-NC-SA 2.0<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Die Volkswirtschaft des Landes verlangsamt sich um 30 Prozent in f\u00fcnf Jahren<\/strong><\/p>\n<p>Die offiziellen Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Jahres 2014, die diese Woche ver\u00f6ffentlicht worden sind, best\u00e4tigen alle Erwartungen, wonach Chinas Volkswirtschaft das langsamste Wachstum seit 24 Jahren zu verzeichnen hat. Weil das Land mit einer Deflation, \u00dcberkapazit\u00e4ten, steigenden Schuldenst\u00e4nden und einer zunehmenden \u201eZombifizierung\u201c zu k\u00e4mpfen hat, gehen die meisten Analysten f\u00fcr die n\u00e4chsten Jahre von einer noch st\u00e4rkeren Verlangsamung des Wachstums aus. Mit dem Begriff \u201eZombifizierung\u201c werden all die Wirtschaftsbereiche beschrieben, in denen es zum Ph\u00e4nomen der \u00dcber-Investition gekommen ist. Dazu z\u00e4hlt unter anderem die Baubranche, die in den letzten zehn Jahren als <em>der<\/em> wesentliche Wachstumsmotor f\u00fcr die chinesische Wirtschaft galt.<\/p>\n<p><em>von RedakteurInnen der Webseite <\/em><a href=\"http:\/\/www.chinaworker.info\/\"><em><span style=\"text-decoration: underline;\">www.chinaworker.info<\/span><\/em><\/a><em>, dem S\u00fcdostasien-Portal des \u201eCommittee for a Workers\u00b4 International\u201c\/\u201eKomitee f\u00fcr eine Arbeiterinternationale\u201c (CWI), dessen Sektion in Deutschland die SAV ist<\/em><\/p>\n<p>Vom Regime in Peking wird erwartet, dass es in den kommenden Monaten erneute Ma\u00dfnahmen zur weiteren Lockerung der Geldpolitik ergreifen wird, um die Wirtschaft zu stimulieren und dem Druck der Deflation entgegenzuwirken (ganz nach der Art der Zentralbanken in Europa und Japans). Den Weg dazu sieht es in einer Erleichterung der Kreditvergabe an solche Regionalregierungen und Unternehmen, die ansonsten schwer zu k\u00e4mpfen h\u00e4tten. Will die Regierung keinen neuen Anstieg der ohnehin kaum noch zu schulternden Schuldenst\u00e4nde ausl\u00f6sen, ist jedoch ein extrem schwieriger Balanceakt n\u00f6tig.<\/p>\n<p>Im vergangenen Jahr lag das Jahreswachstum des BIP bei 7,4 Prozent, so die Verlautbarung der Statistikbeh\u00f6rde \u201eNational Bureau of Statistics\u201c (NBS) vom Dienstag. Damit ist das Ziel der Regierung, die 7,5 Prozent avisiert hatte, unterschritten worden. Abgesehen davon, dass die Latte nur knapp gerissen worden ist, war es doch das erste Mal seit 1998 (inmitten der damaligen asiatischen Finanzkrise), dass Peking sein Wachstumsziel verfehlt hat.<\/p>\n<p>Die Zahlen bedeuten, dass die ehemalige \u201eWunder-Wirtschaft\u201c sich in den letzten f\u00fcnf Jahren um 30 Prozent verlangsamt hat. 2010 hatten wir es noch mit einer Expansionsrate von 10,4 Prozent zu tun (das war das letzte Mal, dass ein zweistelliges Wachstum erreicht wurde), und 2011 war selbiges bereits auf 9,3 Prozent zur\u00fcckgegangen. F\u00fcr 2012 und 2013 verzeichnete man noch ein Wachstum von 7,7 Prozent. Die j\u00fcngsten Zahlen deuten auf \u201edas Ende der Bl\u00fctezeit horrender Wachstumsraten\u201c hin, so die Schlussfolgerung des \u201eWall Street Journal\u201c. Die chinesische staatliche Nachrichtenagentur \u201eXinhua\u201c stimmt mit dieser Sichtweise \u00fcbrigens \u00fcberein: \u201eDie Phase des wunderbar halsbrecherischen Wachstums des Landes ist vorbei \u2013 damit werden wir aber auch fertig\u201c, so deren Aussage.<\/p>\n<h4><strong>Sind schlechte Nachrichten gute Nachrichten? <\/strong><\/h4>\n<p>Bei der allgemeinen BIP-Wachstumsrate Chinas handelt es sich weiterhin um die am schnellsten wachsende der Welt. Und dennoch wird niemand, der die wahren Bedingungen der chinesischen Volkswirtschaft kennt, durch diesen Umstand beschwichtigt werden k\u00f6nnen. Der Regierung Chinas ist lange Zeit unterstellt worden, die BIP-Zahlen zu manipulieren. Sogar Premierminister Li Keqiang hatte das BIP des Landes noch vor einigen Jahren bekannterweise als \u201ehandgemacht\u201c beschrieben. Und tats\u00e4chlich gibt es Hinweise, die darauf hindeuten, dass die Wirtschaft unter einer st\u00e4rkeren Verlangsamung leidet als die offiziellen Zahlen vermuten lassen. Laut NBS ist der Bereich der Energieerzeugung in China, der landl\u00e4ufig als der bessere Gradmesser f\u00fcr das Wirtschaftswachstum betrachtet wird, 2014 insgesamt nur um 3,2 Prozent gewachsen und weist damit den langsamsten Zuwachs der letzten 16 Jahre auf. Da die endg\u00fcltigen Daten f\u00fcr alle Bereiche noch nicht vorliegen, scheint es durchaus m\u00f6glich, dass Chinas Verbrauch an Stahl im letzten Jahr zum ersten Mal seit 1995 zur\u00fcckgegangen ist. Bei der Stahlbranche handelt es sich um einen weiteren Sektor, der Aufschluss gibt \u00fcber die allgemeine wirtschaftliche Lage.<\/p>\n<p>Das Signal hingegen, das die Regierung aussendet, ist, dass die Verlangsamung der Wirtschaft eine gute Nachricht sei. Ihre Politik kann nur mit dem Begriff der Verzweiflung umschrieben werden. In den Medien wird st\u00e4ndig die Formulierung \u201eneuer Normalzustand\u201c bem\u00fcht. W\u00e4hrend ihrer Pressekonferenz, in deren Rahmen sie die BIP-Zahlen ver\u00f6ffentlichte, griff die Statistikbeh\u00f6rde NBS sage und schreibe acht Mal auf diese Umschreibung zur\u00fcck! Demgegen\u00fcber erkl\u00e4rte Jamil Anderlini in der \u201eFinancial Times\u201c: \u201eIm autorit\u00e4ren politischen System Chinas verh\u00e4lt sich die &gt;F\u00fchrung der Kommunistischen Partei&lt; immer &gt;vollkommen korrekt&lt;, weshalb schlechte Nachrichten, wie die vom langsamsten Wachstum seit beinahe einem Viertel Jahrhundert, entweder auf Fehler &gt;externer Kr\u00e4fte&lt; zur\u00fcckzuf\u00fchren sind oder es sich dabei eigentlich sogar um gute Nachrichten handelt\u201c.<\/p>\n<p>Kapitalistische WirtschaftswissenschaftlerInnen zeichnen von der chinesischen Volkswirtschaft ein in zunehmendem Ma\u00dfe d\u00fcsteres Bild. Die j\u00fcngsten Zahlen zur Entwicklung des BIP werden in diesem Zusammenhang als Zeichen f\u00fcr eine umfassende Verlangsamung betrachtet, die ernsthafte Folgen f\u00fcr die krisengesch\u00fcttelte Weltwirtschaft mit sich bringen wird.<\/p>\n<p>\u201eWir sollten von Wachstumsraten ausgehen, die ab 2015 mit einer sechs vor dem Komma beginnen. F\u00fcr dieses Jahr erwarten wir ein Wachstum von 6,8 Prozent, welches sich 2016 dann auf 6,5 Prozent drosseln wird\u201c, so die Ratingagentur \u201eFitch\u201c in einer Studie. Der \u201eInternationale W\u00e4hrungsfonds\u201c (IWF), der China normalerweise als \u201eb\u00e4renstark\u201c ansieht, hat seine Prognosen ebenfalls heruntergeschraubt und geht von einem chinesischen Wachstum in H\u00f6he von 6,8 Prozent in diesem Jahr und von 6,3 Prozent in 2016 aus. \u201eDer R\u00fcckgang auf dem Immobilienmarkt ist schwerwiegender als wir zuvor gedacht haben\u201c, r\u00e4umte Olivier Blanchard, Chef\u00f6konom des IWF, ein. Demnach wird Indien 2016 ein st\u00e4rkeres BIP-Wachstum hinlegen als China.<\/p>\n<h4><strong>Der Schatten der Deflation <\/strong><\/h4>\n<p>Wie viele andere L\u00e4nder der Weltwirtschaft auch bekommt es China nun mit dem Ph\u00e4nomen der Deflation, mit sinkenden Preisen, zu tun. Im Falle Chinas liegt das vor allem daran, dass die \u00dcberkapazit\u00e4ten ein bisher ungeahntes Ausma\u00df angenommen haben. \u201eIn vielen Bereichen (z.B. in der Stahlbranche, beim Spiegelglas, bei Baumaterialien, in der Aluminiumindustrie, in der Chemiebranche, bei den D\u00fcngemitteln, im Schiffbau und auf dem Gebiet der Herstellung von Windturbinen bzw. Solarpaneelen) hat sich das Verh\u00e4ltnis von der Produktion zum Absatz drastisch verschlechtert. Letztes Jahr lag es bei 70 Prozent bis 72 Prozent, und es ist wahrscheinlich, dass es sich seither weiter negativ entwickelt hat\u201c, so die \u201eFinancial Times\u201c (24. Dezember 2014).<\/p>\n<p>Die massive Baut\u00e4tigkeit, zu der es vor allem seit den umfangreichen Konjunkturprogrammen des Jahres 2008 gekommen ist, hat dazu gef\u00fchrt, dass es eine Unzahl an \u201eGeisterst\u00e4dten\u201c gibt und einen enormen Schulden\u00fcberhang. Chinas Inflationsrate f\u00fcr Konsumg\u00fcter ist auf 1,5 Prozent gesunken. Vor f\u00fcnf Jahren lag sie noch bei sechs Prozent. Die Herstellungskosten bewegen sich allerdings schon den 34. Monat in Folge im negativen Bereich. Sie sind seit 2011 um 10 Prozent gesunken. Die Deflation, die daf\u00fcr sorgt, dass Schuldenzahlungen bereinigt noch teurer werden, wird nun als gr\u00f6\u00dfte Gefahr f\u00fcr die kapitalistische Weltwirtschaft betrachtet. Das zeigt sich unter anderem an der formellen Ank\u00fcndigung der EZB vom 22. Januar, die ein substantielles Programm des \u201equantitative easing\u201c (Erh\u00f6hung der Geldmenge) auflegen will. Indem sie das bisherige Vorgehen der US-Notenbank nachahmt, wird die \u201eEurop\u00e4ische Zentralbank\u201c in den n\u00e4chsten zwei Jahren auf elektronischem Wege rund 60 Milliarden Euro monatlich in Umlauf bringen. Das Ziel, das sie mit dieser Politik verfolgt, besteht darin, die Wirtschaft aus der Deflation zu holen, von der momentan neun der 19 Mitglieder der Eurozone betroffen sind.<\/p>\n<p>Einer ganz \u00e4hnlichen Logik folgte die Zinssenkung Pekings von vergangenem November. Es stellte sich jedoch heraus, dass diese Ma\u00dfnahme kontraproduktiv war und nur wenig dazu beigetragen hat, die Kreditbedingungen f\u00fcr in die Klemme geratene Unternehmen zu verbessern. Stattdessen wurde eine Aktienblase aufgepumpt, und die Werte der Anteilsscheine stiegen in den acht Wochen nach der Zinssenkung um 36 Prozent an. Der Immobilienmarkt ist in der Vergangenheit stark durch die Spekulation befeuert worden. Dabei besitzt ein Prozent der Bev\u00f6lkerung mehr als ein Drittel der st\u00e4dtischen Wohneinheiten, die man in China vorfindet. Jetzt, da sich der Immobilienmarkt in der Flaute befindet, ist ein Gutteil dieses spekulativen Kapitals auf den Aktienmarkt umgeleitet worden.<\/p>\n<h4><strong>Deflation als Bedrohung f\u00fcr die Weltwirtschaft<\/strong><\/h4>\n<p>Die Regierung versucht \u201edas Schulden-Risiko zu entsch\u00e4rfen\u201c, so das Versprechen von Premier Li, das er bei der letztj\u00e4hrigen Sitzung des \u201eNationalen Volkskongresses\u201c abgegeben hat. Anfangs hat sie versucht, auf die riskantesten Formen des Schatten-Bankenwesens einzuwirken und sich auf den rapide wachsenden Investmentbereich konzentriert. Doch obwohl die neue Regierung 2014 auf die Bremse dr\u00fcckt, sind die Verm\u00f6genswerte im Bereich der Schatten-Bankenwirtschaft insgesamt um weitere 14 Prozent auf neun Billionen US-Dollar angewachsen [Quelle: \u201eNomura Securities\u201c]. Die Ausdehnung des Schatten-Bankenwesens, ein Ph\u00e4nomen, das bisher eher mit dem in hohem Ma\u00dfe deregulierten angels\u00e4chsischen Kapitalismus in Verbindung gebracht wurde, hat enge Verbindungen zu den spekulativsten Branchen der chinesischen Wirtschaft; so beispielsweise zum Immobilienmarkt, der nun unter \u00dcberkapazit\u00e4ten und einem erh\u00f6hten Ausfallrisiko zu leiden hat.<\/p>\n<p>Laut \u201eJ.P. Morgan\u201c haben sich die Schulden von Regionalregierungen bzw. -verwaltungen im Jahr 2014 auf 21 Billionen Yuan (~ 3,4 Billionen US-Dollar) nahezu vervierfacht. 2008 umfassten sie noch rund 5,6 Billionen Yuan. Diese Regionalregierungen haben sich auf Bauprogramme eingelassen, die auf unglaublichen Schuldenbergen aufgebaut sind. In Zusammenarbeit mit Bauunternehmern und Privatinvestoren wollte man benachbarte Regionen ausstechen und beeindruckende BIP-Werte erreichen. Diese Bauwut hat ganz nebenbei auch die Korruption weiter angeheizt, von der der \u201egro\u00dfe F\u00fchrer\u201c Xi Jinping mittlerweile \u00f6ffentlich behauptet, sie k\u00f6nnen zum Zerfall der Diktatur der KPC (\u201eKommunistische\u201c Partei Chinas) beitragen. Dass es im letzten Jahr zu einer Verlangsamung auf dem Immobilienmarkt gekommen ist, wobei zehn Prozent weniger Neubauten zu verzeichnen waren, hat den Druck auf die Regionalverwaltungen erh\u00f6ht, die f\u00fcr das gesamte Jahr 2014 von einem 10-prozentigen R\u00fcckgang ihrer Landverk\u00e4ufe berichten. Dabei ist der Verkauf von Bauland die wichtigste Einnahmequelle, auf die diese Regionalregierungen zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Das Dilemma Pekings besteht darin, dass weitere Konjunkturpakete die Gefahr einer neuen Kreditblase mit sich bringen. Zudem werden die H\u00fcrden gr\u00f6\u00dfer, die eine k\u00fcnftige Finanzkrise bedeuten w\u00fcrde, und ein gehemmter Kreditfluss k\u00f6nnte zu einer noch drastischeren Verlangsamung f\u00fchren &#8211; bis hin zu einer echten Rezession. Im Endergebnis w\u00fcrden die Unternehmen und Regionalregierungen nur noch gr\u00f6\u00dfere Schwierigkeiten haben, um ihre Schulden zu bedienen.<\/p>\n<p>Folgt man den Ausf\u00fchrungen von Anne Stevenson-Yang, einer b\u00fcrgerlichen \u00d6konomin, die schon seit langem vor einer m\u00f6glichen Bankenkrise in China warnt, so rutscht \u201eChina in eine deflation\u00e4re Rezession, die an Fahrt aufnimmt und eine zeitlang andauern k\u00f6nnte. Investoren haben ihren Glauben in den Immobilienmarkt verloren, der f\u00fcr sich genommen rund 20 Prozent des BIP ausmacht, wenn man den gesamten Bereich inklusive Zulieferern von der Roheisenherstellung bis zur Errichtung von Wohnraum, den Finanzdienstleistern, Hausger\u00e4telieferanten etc. mit einbezieht. Es existiert sogar die M\u00f6glichkeit, dass das chinesische Wirtschaftswunder mit einer schwerwiegenden Bruchlandung enden k\u00f6nnte, wenn ein starker Anstieg der Kreditausf\u00e4lle im Bankensystem die regulierenden Versuche der Regierung zunichte macht, mit denen sie eigentlich eine solche Kreditkrise verhindern und f\u00fcr neue Zuversicht im Finanzwesen sorgen wollte\u201c.<\/p>\n<h4><strong>Der Versuch, die Schulden-Bombe zu entsch\u00e4rfen <\/strong><\/h4>\n<p>Bislang ist die Regierung mit besonderer Vorsicht vorgegangen, um die tickende Zeitbombe namens Schuldenberg in den Griff zu bekommen. Letztes Jahr ist es zu einer Reihe von \u201eBeinahe-Ausf\u00e4llen\u201c gekommen, wobei die Zahlungsausf\u00e4lle von Unternehmen aus Angst, diese k\u00f6nnten zu einer umfassenderen Krise im ganzen Finanzsystem f\u00fchren, knapp verhindert wurden. Erwartet wird, dass Peking in den kommenden Monaten ein Kreditsicherungssystem ank\u00fcndigen wird, das f\u00fcr die Banken gelten und in der Art funktionieren soll, wie wir es aus anderen L\u00e4ndern bereits kennen. Damit, so die Hoffnung, soll im Falle individueller Pleiten bzw. von einzelnen Zahlungsausf\u00e4llen eine \u201eSchutzmauer\u201c gegen gr\u00f6\u00dfere Panik auf dem Finanzmarkt errichtet werden. Parallel dazu wurden die Regionalregierungen angewiesen, ihre Schuldenst\u00e4nde \u201eneu zu bewerten\u201c, um auf diese Weise die vorbehaltlos geltenden Regierungsgarantien aufzuheben, die heute noch f\u00fcr alle Unternehmen und Anlagevehikel gelten, die mit dem Staat in Verbindung stehen. Daran h\u00e4ngt am Ende de facto auch das Schatten-Finanzsystem. Sind diese Schritte erst einmal ausgef\u00fchrt, so wird landl\u00e4ufig angenommen, dass Peking auch bestimmte Zahlungsausf\u00e4lle und Pleiten zulassen wird. Damit soll die \u201eDisziplin\u201c auf dem Kreditmarkt wieder hergestellt und die Basis des Bankensystems vor den Exzessen ihrer eigenen Gesch\u00e4fte in der Schattenwirtschaft gesch\u00fctzt werden. Die Regierung rechnet zwar mit so etwas wie einer \u201e\u00f6rtlich begrenzten\u201c Bankenkrise, hofft aber diese eingrenzen zu k\u00f6nnen und eine Ausweitung zu verhindern. Das bringt allerdings enorme Risiken mit sich, und die Entwicklungen k\u00f6nnten der Regierung und ihren Aufsichtsbeh\u00f6rden entgleiten.<\/p>\n<p>Was das angeht betritt die chinesische Wirtschaft im Jahr 2015 absolutes Neuland. Der Mix aus neoliberalen kapitalistischen Reformen (ganz nach dem Motto: \u201eDer Markt soll die entscheidende Rolle spielen\u201c) und zunehmender staatlicher Repression bzw. politischer Kontrolle f\u00fchrt die Gesellschaft tiefer in die wirtschaftliche Krise und bringt politischen Aufruhr mit sich. Die Arbeiterklasse sich ihre eigene Alternative zu diesem bankrotten Regime aufbauen, die auf demokratischer Selbst-Organisation und internationalem Sozialismus aufbaut.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Volkswirtschaft des Landes verlangsamt sich um 30 Prozent in f\u00fcnf Jahren<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":25268,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[38],"tags":[345],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/29825"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=29825"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/29825\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/25268"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=29825"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=29825"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=29825"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}