{"id":29779,"date":"2015-01-17T16:30:08","date_gmt":"2015-01-17T15:30:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=29779"},"modified":"2015-01-17T16:33:02","modified_gmt":"2015-01-17T15:33:02","slug":"wir-haben-den-kapitalismus-satt-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2015\/01\/wir-haben-den-kapitalismus-satt-2\/","title":{"rendered":"Wir haben den Kapitalismus satt!"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/IMG_6201-e1421508419392.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-29780\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/IMG_6201-e1421508419392-280x173.jpg\" alt=\"Wir haben es satt\" width=\"280\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/IMG_6201-e1421508419392-280x173.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/IMG_6201-e1421508419392-162x100.jpg 162w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/IMG_6201-e1421508419392-560x347.jpg 560w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/IMG_6201-e1421508419392-600x370.jpg 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/IMG_6201-e1421508419392-534x330.jpg 534w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/IMG_6201-e1421508419392.jpg 1632w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a><em>Heute demonstrierten in Berlin mehrere zehntausend Menschen gegen TTIP und die Machenschaften der Agrarindustrie. Die SAV war wie in den letzten Jahren bei der Wir haben es satt Demonstration dabei und verteilte folgendes Flugblatt.\u00a0 Am kommenden Dienstag findet eine Veranstaltung zum Thema statt (siehe unten):<\/em><\/p>\n<p>[wpfilebase tag=file id=1996 tpl=simple \/]<\/p>\n<h2>Wir haben den Kapitalismus satt!<\/h2>\n<h4>Es gibt kein richtiges Essen in der falschen K\u00fcche<\/h4>\n<p>Pestizide auf dem Blattsalat, G\u00fclle im Grundwasser, EHEC, Gen-Mais, Biosprit, Bienensterben, Robbent\u00f6tung, Hungersn\u00f6te, Landgrabbing, Monokulturen, Eutrophierung, Glyphosat, Klimaerw\u00e4rmung, Bodenerosion&#8230; Du w\u00e4rst nicht hier, wenn du das alles (und mehr) nicht kennen w\u00fcrdest.<\/p>\n<p>Wenig kulinarische Zutaten im Essen sind ein alter Hut. Wir erinnern uns noch alle an den Hamburger S\u00fclzeaufstand anno 1919. Seitdem die Menschen aufh\u00f6rten ihr Futter selbst anzubauen\u00a0 und ihre Nahrungsmittel von anderen bezogen, wurde Essen zur Ware mit der, wie mit allen anderen auch, von anderen Profit gemacht werden wollte. Wollte? Nee, musste. Kann man Nestle\u00a0 vorwerfen, dass sie uns vergiften? Selbstverst\u00e4ndlich! Aber im Prinzip tun die nur das, was erlaubt ist und alle Unternehmen machen \u2013 sie wirtschaften, sie machen Profit. Und alles was diesen\u00a0 gr\u00f6\u00dfer macht, ist gut.<\/p>\n<h4>Die kleine Raupe Nimmersatt<\/h4>\n<p>Circa 50% der hiesigen Bev\u00f6lkerung sind \u00fcbergewichtig, gut ein Viertel davon sind adip\u00f6s. Zwei Drittel aller Krankheiten sind ern\u00e4hrungsbedingt. Das liegt nicht nur an der Menge, sondern auch an dem was gegessen wird. Gesundes Essen muss man aber nicht nur essen wollen \u2013 man muss es sich auch leisten k\u00f6nnen. Im Land der Hartz IV Empf\u00e4nger, des Niedriglohns und der Aufstocker keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit. Denen wiederum, die Geld f\u00fcr halbwegs gute Nahrung h\u00e4tten, fehlt oft die Zeit. L\u00e4ngere Arbeitszeiten und viel Stress f\u00fchren oft dazu, dass mal schnell was reingefuttert wird.<\/p>\n<p>Nur gut, dass es Pharmakonzerne gibt, die f\u00fcr jede Krankheit eine mehr oder weniger wirksame Medizin anbieten \u2013 zumindest f\u00fcr jene, die es sich leisten k\u00f6nnen. Woanders sind die Leute auf Grund von zu wenig Nahrung krank. Oft sogar jene, die selbst Nahrungsmittel anbauen (u.a. f\u00fcr die Deutschenmast), denn sie geh\u00f6ren jemand anderen, ebenso wie das Land auf dem die Nahrung angebaut wird.<\/p>\n<p>Die Einen sind krank vom Essen, die anderen weil sie nichts zu essen haben. Ein Konsument hat zu konsumieren und wer es sich nicht leisten kann zu konsumieren, hat Pech gehabt. Es geht\u00a0 darum, ein Produkt profitabel an den zahlenden Mensch zu bringen \u2013 ganz normales wirtschaften.<\/p>\n<h4>Oft sogar jene, die selbst<\/h4>\n<p>Nahrungsmittel anbauen (u.a. f\u00fcr die Deutschenmast), denn sie geh\u00f6ren jemand anderen, ebenso wie das Land auf dem die Nahrung angebaut wird. Die Einen sind krank vom Essen, die anderen weil sie nichts zu essen haben. Ein Konsument hat zu konsumieren und wer es sich nicht leisten kann zu konsumieren, hat Pech gehabt. Es geht darum, ein Produkt profitabel an den zahlenden Mensch zu bringen \u2013 ganz normales wirtschaften.<\/p>\n<h4>Was der Bauer nicht wei\u00df, verdirbt ihm nicht den Appetit<\/h4>\n<p>Werbung spielt keine zu vernachl\u00e4ssigende Rolle. Inwieweit es \u00fcberhaupt etwas wie eine \u201efreie Entscheidung\u201c gibt sei dahingestellt, aber der Sinn von Werbung ist es, Menschen davon zu \u00fcberzeugen, ein bestimmtes Produkt zu konsumieren, unabh\u00e4ngig von objektiven Gr\u00fcnden dieses Produkt einem anderen vorzuziehen. Und Werbung funktioniert, sonst w\u00fcrden Unternehmen nicht Milliarden Euro daf\u00fcr ausgeben.<\/p>\n<p>Da kann das Verbraucherhirn Verantwortung aus\u00fcben wie es will; es hat in vielen F\u00e4llen kaum genug Informationen um eine begr\u00fcndete Entscheidung zu treffen. In Deutschland wird die Lebensmittelindustrie geradezu ermutigt, zu betr\u00fcgen. Es gibt viel zu wenig Lebensmittelkontrolleure, um eine ernsthafte \u00dcberpr\u00fcfung zu gew\u00e4hrleisten; eine gro\u00dfe Mitschuld daran tr\u00e4gt der Personalabbau im \u00d6ffentlichen Dienst. Und selbst wenn Lebensmittelbetr\u00fcger auf die eine oder andere Art erwischt werden, erf\u00e4hrt der Kunde im Supermarkt nicht, welches Unternehmen unsauber arbeitet. Gerechtfertigt wird das mit der \u201eunternehmerischen Freiheit\u201c, das ist quasi eine Einladung zum Betrug. Und wenn so nett gebeten wird, wird die Einladung gerne angenommen.<\/p>\n<h4>Wenn das Land nicht zum Konzern kommt, kommt der Konzern zum Land<\/h4>\n<p>Gro\u00dfe international agierende Unternehmen kaufen in allen Ecken dieser Welt Land, um dort Produkte f\u00fcr profittr\u00e4chtige M\u00e4rkte an- oder abzubauen. Zum Beispiel werden Energiepflanzen f\u00fcr den \u201eBiosprit\u201c und Futtermittel f\u00fcr deutsche Mastanlagen angebaut \u2013 denn da lauert der Profit. Und daneben ist immer knapper werdendes Land auch eine sch\u00f6ne Kapitalanlage.<br \/>\nDas viele eingekaufte Land ist allerdings auch n\u00f6tig. Ein gro\u00dfer Teil der weltweit produzierten Nahrung landet als Viehfutter in den Mastanlagen der Industriel\u00e4nder. Etwas mehr als 30% der Ackerfl\u00e4chen werden dazu ben\u00f6tigt.<\/p>\n<p>Die Menschen, die vorher auf dem Land wohnten und davon lebten, werden vertrieben oder d\u00fcrfen sich von nun an als Billigstlohnknechte auf der Plantage verdingen und der Konzern kann sich damit schm\u00fccken, Arbeitspl\u00e4tze geschaffen und Verantwortung \u00fcbernommen zu haben. Nur leider nicht f\u00fcr das was sie tun, n\u00e4mlich die wirtschaftliche und soziale Not f\u00fcr die Menschen &#8211; wo auch immer &#8211; zu versch\u00e4rfen und f\u00fcr die Kriege und Vertreibungen, die auch daraus entstehen.<\/p>\n<h4>Nach mir die Staubw\u00fcste<\/h4>\n<p>Durch die intensive Bewirtschaftung werden dem Boden N\u00e4hrstoffe entzogen, die dann durch D\u00fcnger wieder zugef\u00fchrt werden m\u00fcssen. Aber nicht nur dem Feld, auch Fluss, See und Grundwasser werden unfreiwillig mitged\u00fcngt. D\u00fcngung funktioniert aber nur zeitweise,<br \/>\nirgendwann ist der Boden so ausgelaugt, dass nichts mehr darauf w\u00e4chst. Hinzu kommt noch, dass auf Acker- und mehr noch auf Weideland eine sch\u00fctzende pflanzliche Deckschicht oftmals kaum vorhanden und der Boden der Witterung offen ausgesetzt ist und langsam aber stetig ins Meer flie\u00dft.<br \/>\n15% der weltweiten landwirtschaftlich genutzten Fl\u00e4chen sind bereits mehr oder weniger kaputt und werden in naher Zukunft ein Teil der etwa 120.000 km2 sein, die j\u00e4hrlich f\u00fcr immer als Nahrungsgrundlage verloren gehen.<br \/>\nNiemand \u2013 auch noch so profitgierige Gro\u00dfkonzerne \u2013 hat ein Interesse an der Vernichtung von Ackerland.<br \/>\nAber das was salopp Markt genannt wird, zwingt seine Teilnehmer m\u00f6glichst billig zu produzieren, heute m\u00f6glichst viel Profit zu machen \u2013 da scheint die nahe Zukunft weit genug weg.<br \/>\nZudem sind die, die f\u00fcr die Vernichtung und Vergiftung der B\u00f6den verantwortlich sind, am Wenigsten von den Folgen betroffen.<\/p>\n<h4>Da m\u00fcssen die doch was machen!<\/h4>\n<p>Forderungen an die \u201ePolitik\u201c sind richtig und wichtig. Aber wer hat die Gesetze gemacht, die es heute den Lebensmittelkonzernen erm\u00f6glicht auf unsere und der Umwelt Kosten Profite zu machen? Wer unterst\u00fctzt die WTO, die Weltbank, den IWF? Wer beschlie\u00dft Freihandelsabkommen wie TISA, NAFTA, CETA oder bald schon TTIP, die schlussendlich nur den Reichen helfen auf Kosten aller reicher zu werden? Ob Regierungen nicht willens oder nicht in der Lage sind, die Dinge zum Besseren zu \u00e4ndern ist letztendlich egal, entscheidend ist, dass es nicht getan wird.<br \/>\nSolange Politik von Wenigen statt von Allen gemacht wird, wird sie auch nur wenigen statt allen Menschen dienen. Politische Entscheidungen m\u00fcssen dahin, wo ihre Folgen gelebt werden \u2013 in die gesamte Gesellschaft, zu allen Menschen.<\/p>\n<h4>Eine essbare Welt ist m\u00f6glich!<\/h4>\n<p>Die Frage ist aber nicht nur wer, sondern auch wie produziert wird. Um die Erde nicht in eine karge Ger\u00f6llw\u00fcste zu verwandeln, ist es n\u00f6tig, die Produktion auf die Bed\u00fcrfnisse von Mensch und\u00a0\u00a0 Natur auszurichten. Denn diese Welt hat genug f\u00fcr alle zu bieten. F\u00fcr Plankton, Farn, Wels, Biber, Storch, Menschen, Kellerassel und was sonst noch kreucht und fleucht. Ein sehr guter Anfang ist die Abschaffung des Profitprinzips bei der Erzeugung von Lebensmitteln. Damit alle das bekommen, was sie brauchen.<\/p>\n<h4>Forderungen der SAV<\/h4>\n<ul>\n<li>Vollst\u00e4ndige Offenlegung aller Daten zu gentechnischer Forschung, Wirkung von D\u00fcngemitteln, sogenannten Pflanzenschutzmitteln und Lebensmittelzusatzstoffen auf Mensch und Natur \u2013<br \/>\nAbschaffung aller Betriebsgeheimnisse!<\/li>\n<li>Unternehmen und Gro\u00dfaktion\u00e4re zur Rechenschaft ziehen f\u00fcr die \u00f6kologischen Sch\u00e4den von Gentechnik, D\u00fcnge- und Pflanzenschutzmitteln!<\/li>\n<li>Nein zu \u201eBiosprit\u201c &#8211; Sprit sparen, bspw. Durch kostenlosen \u00f6ffentlichen Nahverkehr!<\/li>\n<li>Weltweites Verbot der Patentierung von Lebewesen!<\/li>\n<li>Schluss mit Agrarsubventionen die in Europa Agrarkonzernen zugute kommen und woanders die<br \/>\nlokalen Produzenten ruinieren,<\/li>\n<li>Sofortige, fl\u00e4chendeckende Umstellung auf \u00f6kologischen Landbau \u2013 finanziert durch drastische<br \/>\nBesteuerung von Profiten, Gro\u00dfverm\u00f6gen und hohem Einkommen.<\/li>\n<li>\u00d6kologisch nachhaltige Produkte f\u00fcr alle, unabh\u00e4ngig vom Geldbeutel!<\/li>\n<li>Enteignung und \u00dcberf\u00fchrung der Agrar- und Lebensmittelkonzerne in \u00f6ffentliches Eigentum und gesamtgesellschaftlicher Kontrolle.<\/li>\n<li>Spekulationen mit Lebensmittel beenden \u2013 Banken vergesellschaften.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Kapitalismus schmeckt schei\u00dfe! Wir denken, dass die \u00f6kologischen und sozialen Probleme dieser Welt nur in einer demokratischen und sozialistischen Gesellschaft \u2013 die nicht Profite, sondern die Bed\u00fcrfnisse von Mensch und Natur in den Mittelpunkt stellt \u2013 gel\u00f6st werden k\u00f6nnen. Wenn Du \u00e4hnlich denkst \/ Dich oder uns einfach informieren m\u00f6chstest, dann komm zu einem unserer Treffen!<\/p>\n<h4>Veranstaltung \u201eWir haben den Kapitalismus satt\u201c<\/h4>\n<p>SAV Friedrichshain<br \/>\nDienstag, 20.01.2015 um 19.30 Uhr<br \/>\nGryphiusstr. 16, 10245 Berlin<br \/>\nIn der \u201eKontaktstelle PflegeEngagement\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Flugblatt der SAV zur Gro\u00dfdemonstration &#8222;Wir haben es satt&#8220;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":29780,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[116],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/29779"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=29779"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/29779\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/29780"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=29779"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=29779"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=29779"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}