{"id":29613,"date":"2014-12-12T12:54:37","date_gmt":"2014-12-12T11:54:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=29613"},"modified":"2014-12-10T13:23:29","modified_gmt":"2014-12-10T12:23:29","slug":"tageloehner-in-aachen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2014\/12\/tageloehner-in-aachen\/","title":{"rendered":"Tagel\u00f6hner in Aachen"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/fische3-e1373665975395.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-25306\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/fische3-e1373665975395-280x171.jpg\" alt=\"fische organize\" width=\"280\" height=\"171\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/fische3-e1373665975395-280x171.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/fische3-e1373665975395-162x100.jpg 162w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/fische3-e1373665975395-560x342.jpg 560w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/fische3-e1373665975395.jpg 581w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a>Protest gegen Arbeitgeberwillk\u00fcr bei STS und Aachener Zeitungsverlag<\/strong><br \/>\nAm Samstag, den 22. November 2014 spielten sich un\u00fcbliche Szenen ab im Industriegebiet an der Dredener Stra\u00dfe in Aachen. Vor den Geb\u00e4uden des Zeitungsverlages Aachen standen Polizeifahrzeuge mit Blaulicht, eine Fahrspur war gesperrt.<\/p>\n<p><em>von Marc Treude, SAV-Mitglied und aktiv in der LINKEN Aachen<\/em><\/p>\n<p>Vor dem Haupttor standen knapp 50 DemonstrantInnen unter dem Banner: &#8222;Gegen Arbeitgeberwillk\u00fcr, Scheinwerkvertr\u00e4ge und sittenwidrige L\u00f6hne!&#8220;. Unangenehme Situation f\u00fcr die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung des Medienhauses, das unter anderem die beiden Tageszeitungen in Aachen herausgibt.<\/p>\n<h4>Tarifbindung und Arbeitsbedingungen zerschlagen<\/h4>\n<p>Hintergrund des Protestes, der vom Arbeitskreis &#8222;Betrieb&amp;Gewerkschaft&#8220; der Aachener LINKEN organisiert, und von DGB und ver.di unterst\u00fctzt wurde, sind die Bedingungen f\u00fcr rund vierzig Besch\u00e4ftigte der STS Medien Service GmbH, die seit einigen Jahren f\u00fcr den Zeitungsverlag arbeiten, und \u00fcberwiegend in Nachtschichten Beilagen in die Zeitungen einlegen, konfektionieren und zum Teil Versandaufgaben \u00fcbernehmen. Dies sind Arbeiten, die urspr\u00fcnglich einmal von Besch\u00e4ftigten des Zeitungsverlages selbst und tarifgebunden ausgef\u00fchrt wurden. Heute gibt es im Hause des Zeitungsverlages allein 17 Gesellschaften, alles T\u00f6chter des Zeitungsverlages, der Betrieb wurde \u00fcber fast zwanzig Jahre zerschlagen, L\u00f6hne drastisch gek\u00fcrzt, Arbeitsbedingungen rasiert.<br \/>\nDie KollegInnen bei der Firma STS erhalten L\u00f6hne von 7,70 EUR\/Stunde, mit Nachtzuschl\u00e4gen von nur zehn Prozent. Erh\u00f6ht wurde dieser Lohn seit mindestens zehn Jahren nicht.<br \/>\nDie STS-Besch\u00e4ftigten arbeiten zum Teil mit Teilzeit-Vertr\u00e4gen ohne feste Stundenzahl, etwa die H\u00e4lfte sind allerdings: Tagel\u00f6hner! Juristisch angeblich sattelfest, werden diese \u00fcberwiegend Studierenden mit migrantischem Hintergrund tagesspezifisch eingesetzt, und unterschreiben jeweils einen Tages-Arbeitsvertrag, nat\u00fcrlich die Klausel der Freiwilligkeit beinhaltend.<\/p>\n<h4>K\u00e4mpferischer Betriebsrat<\/h4>\n<p>Als im Mai diesen Jahres drei k\u00e4mpferische Kollegen in den Betriebsrat gew\u00e4hlt wurden, k\u00fcndigte der Zeitungsverlag den bestehenden Werkvertrag mit der STS Medien Service GmbH zum Jahresende, alle 40 KollegInnen sollten also zum 31. Dezember entlassen werden. In dieser Situation beschlossen die Betriebsr\u00e4te, die Bedingungen bei STS und im Zeitungsverlag \u00f6ffentlich anzuprangern. Im Juni ver\u00f6ffentlichte der Redakteur Albrecht Kieser von work-watch.de folgenden sehr lesenswerten Artikel: <a class=\"moz-txt-link-freetext\" href=\"http:\/\/www.work-watch.de\/2014\/06\/ststmi-im-zeitungsgeschaeft-einlegen-reinlegen\/\">http:\/\/www.work-watch.de\/2014\/06\/ststmi-im-zeitungsgeschaeft-einlegen-reinlegen\/<\/a><br \/>\nIm Juli nahm der Betriebsratsvorsitzende auch Kontakt zum Aachener LINKE-Bundestagsabgeordneten Andrej Hunko auf, vor allem weil die Betriebsr\u00e4te DIE LINKE als einzige Partei ansahen, die die Interessen von Lohnabh\u00e4ngigen und Ausgebeuteten verteidigt. Nach den ersten Gespr\u00e4chen nahm sodann der wiedererweckte Arbeitskreis Betrieb&amp;Gewerkschaft seine Arbeit auf, und diskutierte in vielen Sitzungen mit den Betriebsr\u00e4ten und anderen k\u00e4mpferischen Gewerkschaftern die M\u00f6glichkeiten f\u00fcr Protest, Widerstand und m\u00f6gliche Arbeitsk\u00e4mpfe. Dabei war auch von Anfang an der zust\u00e4ndige ver.di-Sekret\u00e4r dabei, der die KollegInnen bei STS seit Jahren ber\u00e4t. F\u00fcr Streikma\u00dfnahmen schien den Betroffenen die Zeit zu sp\u00e4t, und der Organisationsgrad zu gering, also entschlossen sich die KollegInnen zu \u00f6ffentlichem Protest vor dem Zeitungsverlag selbst. Zur Bekanntmachung dieser Demonstration nutzten der AK und die Betriebsr\u00e4te viele M\u00f6glichkeiten. Flugbl\u00e4tter wurden bei der Demonstration gegen TTIP verteilt, genauso wie an die Delegierten der ver.di-Bezirkskonferenz, eine Solidarit\u00e4tsaktion mit den streikenden Lokf\u00fchrern wurde organisiert. Bei all diesen Aktivit\u00e4ten stand die gemeinsame Solidarit\u00e4t von Besch\u00e4ftigten und Gewerkschaftern im Vordergrund. Und so wurde auch der Aachener DGB-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer auf die Situation bei STS aufmerksam, und lud die Betriebsr\u00e4te zu einem Gespr\u00e4ch ein, um M\u00f6glichkeiten f\u00fcr Unterst\u00fctzung zu besprechen.<\/p>\n<h4>Starker Protest vor dem Werkstor<\/h4>\n<p>Dies f\u00fchrte dazu, dass die Demo am 22.11. breit getragen war: RednerInnen waren Ralf Woelk, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des DGB-NRW, Region S\u00fcdwest, Franz Blatt, ver.di-Sekret\u00e4r Fachbereich 8, Ellen Begolli, Mitglied des Stadrates DIE LINKE, Marc Treude, AK Betrieb&amp;Gewerkschaft, Marcus Hesse f\u00fcr Linksjugend.solid und nat\u00fcrlich die drei Betriebsr\u00e4te selbst. Verlesen wurde auch eine Solidarit\u00e4tsadresse von Albrecht Kieser und G\u00fcnter Wallraff. Beteiligt hatten sich viele weitere, auch einige KollegInnen, die bei STS arbeiten. Das Werkstor selbst war durch Sicherheitskr\u00e4fte gesch\u00fctzt, und ein Mitglied der STS-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung versuchte inkognito den Protest zu verfolgen, wurde aber von einem Betriebsrat erkannt und verbal angegriffen. Dies trug zus\u00e4tzlich zur k\u00e4mpferischen Stimmung bei. Inhaltlich wurde skandalisiert, welche Arbeitsbedingungen durch die Hartz-Gesetze in Deutschland m\u00f6glich geworden sind, Minijobs und Leiharbeit attackiert, wie auch das Gesch\u00e4ftsmodell des Zeitungsverlages. Zudem wurde Bezug genommen auf den Lokf\u00fchrerstreik, die K\u00e4mpfe bei Amazon, im Einzelhandel Ende 2013, und aktuell bei kik. Allen Anwesenden wurde so klar, dass Proteste und K\u00e4mpfe von Belegschaften notwendig sind und vernetzt werden m\u00fcssen. Der Zeitungsverlag selbst hatte sich im Vorfeld nicht weiter ge\u00e4u\u00dfert, und nat\u00fcrlich euch keine Redakteure zur Berichterstattung geschickt. Somit m\u00fcssen die Zust\u00e4nde dort eben von Linken und Gewerkschaftern verbreitet werden. Der Fall STS und Zeitungsverlag wird so wahrscheinlich auch in einer gerade begonnenen Studie des DGB-Hauptvorstandes verwertet werden, die 2015 ver\u00f6ffentlicht werden soll.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Protest gegen Arbeitgeberwillk\u00fcr bei STS und Zeitungsverlag Aachen<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":25306,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[11],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/29613"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=29613"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/29613\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/25306"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=29613"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=29613"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=29613"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}