{"id":29562,"date":"2014-12-15T15:07:37","date_gmt":"2014-12-15T14:07:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=29562"},"modified":"2014-12-01T15:11:23","modified_gmt":"2014-12-01T14:11:23","slug":"in-nigeria-drohen-soziale-einschnitte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2014\/12\/in-nigeria-drohen-soziale-einschnitte\/","title":{"rendered":"In Nigeria drohen soziale Einschnitte"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die \u201eeinfachen\u201c NigerianerInnen, deren Leben den Anschein macht, als schmorten sie in einer Bratpfanne mit hei\u00dfem Pflanzenfett darin, sollten sich darauf vorbereiten, demn\u00e4chst Widerstand gegen Versuche der Regierung leisten zu m\u00fcssen, die sie in die lodernde Glut sto\u00dfen will.<\/strong><\/p>\n<p><em>von Peluola Adewale, \u201eDemocratic Socialist Movement\u201c (Schwesterorganisation der SAV und Sektion des CWI in Nigeria)<\/em><\/p>\n<p>Der Grund daf\u00fcr ist der sinkende \u00d6lpreis. Finanzministerin Ngozi Okonjo-Iweala sagte gegen\u00fcber der Financial Times, dass ein anhaltender Fall des \u00d6lpreises noch schmerzhaftere Einschnitte erforderlich machen w\u00fcrde (vgl.: \u201eFinancial Times\u201c, London, 27. Oktober 2014).<\/p>\n<p>Wie die letzten Erfahrungen gezeigt haben, sind es die arbeitenden Menschen und die Armen, die von dem hohen Preis f\u00fcr Erd\u00f6l rein gar nichts gehabt haben. Und genau sie sollen nun daf\u00fcr sorgen, dass das Sinken eben dieses \u00d6lpreises nicht gar so schlimme Folgen hat. Die \u00d6l-Ministerin Diezani Alison-Madueke hat bereits den Plan vorgestellt, mit dem der Benzinpreis unter dem Deckmantel der R\u00fccknahme von Subventionen auf \u00d6lprodukte angehoben werden soll. Dieser Plan hat schon die Zustimmung s\u00e4mtlicher Finanzminister der einzelnen Bundesstaaten gefunden.<\/p>\n<p>Weil b\u00fcrgerliche Politiker dazu neigen, das Messer wegzustecken und sich arbeitnehmerfreundlich zu geben, wenn Wahlen anstehen, ist es nicht wahrscheinlich, dass der Benzinpreis sofort angehoben wird. Das erkl\u00e4rt auch, warum die Regierung keine offenkundigen, gegen die Armen gerichteten Ma\u00dfnahmen erw\u00e4hnt hat, als Okonjo-Iweala am 16. November den Plan verk\u00fcndete, Ausgabenk\u00fcrzungen vornehmen zu wollen. Dennoch m\u00fcssen die Arbeiterbewegung, sozialistische und arbeitnehmerfreundliche Organisationen darauf vorbereitet sein, dass sie die arbeitenden Menschen und die jungen Leute mobilisieren und anf\u00fchren m\u00fcssen, um Widerstand gegen alle Ma\u00dfnahmen zu leisten, mit denen die neoliberalen Angriffe auf die verarmten Massen noch zunehmen.<\/p>\n<p>Der \u00d6lpreis, der vor gut zwei Jahren stabil zwischen 100 Dollar und 110 Dollar pro Barrel lag, ist in letzter Zeit auf rund 80 Dollar zur\u00fcckgegangen. Und es besteht die M\u00f6glichkeit, dass er weiter in den Keller geht. Fest steht, dass der durchschnittliche Preis f\u00fcr Roh\u00f6l, der von der \u201eOrganisation erd\u00f6lexportierender L\u00e4nder\u201c (OPEC) festgelegt wird, im einem Zeitraum von drei Monaten (zwischen dem 1. August 2014 und dem 28. Oktober 2014) von 104 Dollar auf rund 82 Dollar pro Barrel eingebrochen ist. Au\u00dferdem ist der Bezugswert des amerikanischen \u00d6lpreises am 4. November auf unter 76 Dollar pro Barrel gefallen. Das ist der niedrigste Stand seit Oktober 2010, der sich danach wieder ein wenig erholte (vgl.: \u201eNew York Times\u201c, 4. November 2014).<\/p>\n<h4>Schiefer-\u00d6l<\/h4>\n<p>Das ist das Ergebnis der Entwicklung und Nutzung neuer Technologien wie dem Bohrsp\u00fclverfahren und der hydraulischen Risserzeugung (auch \u201efracking\u201c genannt), was bei der Erkundung und F\u00f6rderung von Schiefer-\u00d6l in den Vereinigten Staaten zum Einsatz kommt. Die \u00d6limporte der USA gingen zur\u00fcck und die F\u00f6rderung im eigenen Land ist gestiegen. So haben die USA z.B. im Juli damit aufgeh\u00f6rt, \u00d6l aus Nigeria zu kaufen. Dabei war das Land zuvor der f\u00fcnftgr\u00f6\u00dfte \u00d6llieferant. Laut US-Energieministerium ist es das erste Mal seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1973, dass Nigeria nicht ein Barrel Roh\u00f6l an Raffinerien in den USA geliefert hat. Diese waren zuvor gr\u00f6\u00dfter Abnehmer nigerianischen \u00d6ls (vgl.: \u201eFinancial Times\u201c, London, 2. Oktober 2014). Ironischer Weise liegt es an der hohen Qualit\u00e4t des nigerianischen \u00d6ls, einem schwefelarmen Roh\u00f6l, weshalb es auf dem US.Markt keine Rolle mehr spielt. Es hat dieselbe Qualit\u00e4t wie das Schiefer-\u00d6l, das in North Dakota und Texas gef\u00f6rdert wird.<\/p>\n<p>Nigeria hat nun damit begonnen seine Exporte an die vier gr\u00f6\u00dften Importeure in Asien, an China, Japan, Indien und S\u00fcdkorea zu steigern. Demnach ist die Ausfuhr in diese Region gegen\u00fcber dem Wert von 2013 seither um 40 Prozent gestiegen. Doch China, das selbst auf die umfangreichsten Schiefer\u00f6l-Reserven verweisen kann, soll ebenfalls daran arbeiten, die Eigenproduktion von Schiefer-\u00d6l mit neuen Technologien zu erleichtern. Gro\u00dfbritannien und andere L\u00e4nder in Europa, dem Kontinent, der derzeit der gr\u00f6\u00dfte Verbraucher nigerianischen \u00d6ls ist, haben ihrerseits die Anstrengungen zur Entwicklung und F\u00f6rderung von Schiefer-\u00d6l intensiviert. All dies wird den Preis weiter in den Keller treiben und den Markt f\u00fcr Exporte der OPEC-Staaten, zu denen Nigeria geh\u00f6rt, verkleinern.<\/p>\n<h4>F\u00fcllhorn f\u00fcr Pl\u00fcnderer<\/h4>\n<p>Die Finanzministerin sagte, dass das Land aufgrund des \u201eexcess crude account\u201c (ECA), in den die Differenz zwischen \u00d6lpreis und Haushalts-Grenzwert flie\u00dft, Kapazit\u00e4ten hat, um den Folgen eines weitere Preisverfalls \u00fcber zwei oder drei Monate standzuhalten. Dieser Haushaltstitel, der angeblich f\u00fcr schlechte Zeiten aufgestellt wurde, ist in Wirklichkeit ein F\u00fcllhorn aus dem sich die Pl\u00fcnderer bedienen. Jeden Monat erhalten die Bundesregierung und die Regierungen der Bundesstaaten Zuwendungen aus diesem Fonds, die nicht zweckgebunden sind. Diese Gelder kommen zu den gesetzlich festgelegten monatlichen Zuwendungen noch hinzu. In weniger als einem Jahr waren von ehedem 9 Mrd. Dollar nur noch 4,1 Mrd. Dollar im ECA vorhanden; ohne, dass irgendetwas \u00fcber den Verbleib etwa in Infrastrukturprojekte oder soziale Projekte eine Aussage getroffen worden w\u00e4re. Es ist kein Zufall, dass Nigeria unter den OPEC-L\u00e4ndern auf dem \u201eHuman Development Index\u201c (UN-Index f\u00fcr menschliche Entwicklung) den letzten Platz einnimmt.<\/p>\n<p>Das bedeutet auch, dass die derzeitigen R\u00fccklagen einen Fehlbetrag von zwei Milliarden selbst zu der Summe aufweisen, die der IWF als Finanz-Puffer f\u00fcr den Fall zur\u00fcckgehender \u00d6leinnahmen vorsieht. Ob man in der Lage ist, den ECA wieder entsprechend aufzustocken, erscheint angesichts des weiter sinkenden \u00d6lpreises, des gro\u00dfen Umfangs abgezweigter \u00d6lmengen und der offiziell als Aussch\u00fcttung bezeichneten monatlichen Pl\u00fcnderung mehr als zweifelhaft. Die im Haushalt 2014 festgesetzte Grenzmarke liegt bei 77,5 Dollar je Barrel.<\/p>\n<p>Abgesehen davon sollte betont werden, dass selbst eine Finanzspritze f\u00fcr den ECA kein Puffer gegen weitere neoliberale Angriffe auf die Masse der Bev\u00f6lkerung ist. Auf Grundlage der kapitalistischen und neoliberalen Politik ist klar, dass die Regierung Jonathan sich nicht pl\u00f6tzlich den \u00f6ffentlichen Ressourcen und der Entwicklung der Infrastruktur oder gar den Grundbed\u00fcrfnissen der verarmten arbeitenden Menschen widmen wird. Das gilt umso mehr, je mehr die staatlichen Einnahmen aus dem \u00d6lgesch\u00e4ft weiter zur\u00fcckgehen.<\/p>\n<p>Ganz abgesehen davon wird die Pl\u00fcnderei durch Regierungsmitglieder bis 2015, da die n\u00e4chsten Wahlen anstehen, ihren H\u00f6hepunkt erreichen. Die b\u00fcrgerlichen Politiker brauchen dringend Petro-Dollars, um Rivalen mit finanziellen Zuwendungen bei Laune zu halten und Wahlen manipulieren zu k\u00f6nnen. Das bedeutet auch, dass es vermehrt Stimmen geben wird, die noch mehr Anteile aus dem ECA f\u00fcr sich verlangen. Diese Forderung wird von Gouverneuren der Bundesstaaten kommen, damit diese eine gr\u00f6\u00dfere Beute aus der Pl\u00fcnderung der \u00f6ffentlichen Mittel erhalten, mit der sie ihre R\u00fcckkehr ins Amt oder die Stellung ihrer Stellvertreter absichern k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>All dies bedeutet, dass die Reaktion der Regierung auf sinkende \u00d6lpreise in Form von weiteren Angriffen auf die arbeitenden Menschen kommen wird. William Wallis von der Financial Times schrieb, ein anhaltender R\u00fcckgang beim weltweiten \u00d6lpreis w\u00fcrde notwendigerweise entweder dazu f\u00fchren, dass mehr Kredite aufgenommen werden m\u00fcssen, um das Defizit zu begleichen, oder dass Haushaltsk\u00fcrzungen vorzunehmen sind (vgl.: \u201eFinancial Times\u201c, 28. Oktober 2014). Egal, f\u00fcr welche Ma\u00dfnahme man sich entscheidet: Die Leidtragenden werden die Massen sein.<\/p>\n<p>\u201eWir werden uns die periodischen Ausgaben sehr genau ansehen und \u00fcberlappende Einrichtungen identifizieren m\u00fcssen. Wenn der Preis runtergeht, dann sieht ein jeder die Notwendigkeit daf\u00fcr. Das hindert sie jedoch nicht daran, dich zu hassen\u201c, sagte Okonjo-Iweala.<\/p>\n<p>Der Anteil der wiederkehrenden, periodischen Ausgaben am Jahreshaushalt ist enorm. F\u00fcr das Haushaltsjahr 2014 machen sie beispielsweise 76 Prozent aus. Es sind die ungeheuerlichen, Mega-Zahlungen an die obersten Regierungsfunktion\u00e4re, die als h\u00f6chste der Welt gelten und jedes Jahr f\u00fcr die enormen periodischen Ausgaben auf Kosten der Kapitaldecke verantwortlich sind. F\u00fcr die Finanzministerin liegt der Grund f\u00fcr diese Zunahme periodischer Ausgaben im Jahr 2014 hingegen darin, dass gestiegene L\u00f6hne f\u00fcr die Staatsbediensteten aus dem Jahr 2011 angeblich die Rentenkassen belasten. Mit einer solchen Mentalit\u00e4t wird jede K\u00fcrzung bei den periodischen Ausgaben und den \u201esich \u00fcberlappenden Einrichtungen\u201c immer nur die RentnerInnen und ArbeiterInnen treffen und definitiv nicht die vollgefressenen Regierungsfunktion\u00e4re, die wie Blutegel von den Ressourcen der Gemeinschaft leben. Abiola Ajimobi, der Gouverneur des Bundesstaates Oyo, hat bereits davor gewarnt, dass \u201edie meisten Bundesstaaten nicht mehr in der Lage sein werden, L\u00f6hne auszuzahlen, geschweige denn andere Entwicklungsprojekte zu finanzieren\u201c. Die Arbeiterbewegung muss Widerstand gegen die Angriffe auf Arbeitspl\u00e4tze, L\u00f6hne und Arbeitsbedingungen leisten. Dasselbe gilt f\u00fcr Angriffe auf die Renten. Stattdessen muss die Forderung lauten, die Mega-Geh\u00e4lter und die Trittbrettfahrer der Regierungsfunktion\u00e4re zu k\u00fcrzen; und zwar auf allen Ebenen. Hinzukommen muss die demokratische Kontrolle der Finanzzuwendungen, Fonds und Projekte durch gew\u00e4hlte VertreterInnen der Besch\u00e4ftigten, n\u00f6tige ExpertInnen und die Gemeinden.<\/p>\n<h4>Subventionen f\u00fcr den Kasino-Markt<\/h4>\n<p>\u00dcbrigens tauchte 24 Stunden, nachdem die Financial Times die Warnung von Okonjo Iweala gegen\u00fcber den NigerianerInnen ver\u00f6ffentlicht hatte, wonach diese aufgrund zur\u00fcckgehender Staatseinnahmen den G\u00fcrtel enger schnallen m\u00fcssten, ein Bericht in der nigerianischen Presse auf. Demnach sei eine Ausnahmeregelung bei der Mehrwertsteuer genehmigt worden, die die Geb\u00fchren f\u00fcr Transaktionen der nigerianischen B\u00f6rse betrifft. Es handelt sich dabei schlichtweg um eine Subvention f\u00fcr den Kasino-Markt.<\/p>\n<p>Beim Aktienmarkt handelt es sich im Gro\u00dfen und Ganzen um ein Kasino, in dem die nigerianische B\u00f6rse wie ein Buchmacher auftritt, der Geb\u00fchren kassiert oder Anteil an Spekulationen hat \u2013 unabh\u00e4ngig davon, ob der Spekulant gewinnt oder verliert. Diese steuerliche Ausnahmeregelung kommt zum Schuldenerlass im Umfang von rund 22,6 Milliarden Naira (~ hundert Millionen Euro) noch hinzu, den die Regierung den Aktienh\u00e4ndlern zuvor genehmigt hat. Letztere hatten sich sogenannte B\u00f6rsenkredite bei Banken gesichert, mit denen sie dann an der B\u00f6rse spekulieren gingen. Es sollte in Erinnerung gerufen werden, dass diese Art von Krediten zum Zusammenbruch einiger Bankh\u00e4user beigetragen haben, was zu Rettungspaketen verschiedenster Auspr\u00e4gung gef\u00fchrt hat, die sich bislang auf mehr als drei Billionen Naira (~ 14 Mrd. Euro) belaufen.<\/p>\n<p>Trauriger Weise haben viele \u201eeinfache\u201c NigerianerInnen, die in dieses Gesch\u00e4ft gelockt worden sind, ihre ganzen Ersparnisse verloren, als der Aktienmarkt 2008 zusammengebrochen ist. Die Privatbanken erhielten unverz\u00fcglich drei Billionen Naira, w\u00e4hrend es sechs Monate dauerte, die Intervention der Gewerkschaft der Hochschulbesch\u00e4ftigten, ASUU, und die Schlie\u00dfung der Unis brauchte, bevor die Regierung gezwungen werden konnte, nur 200 Milliarden Naira (~ 900 Mio. Euro) an die Hochschulen zu \u00fcberweisen. Die Subventionen und Rettungspakete f\u00fcr den B\u00f6rsenmarkt, die vor allem auf dem zweiten Markt kaum dazu geeignet sind, neue Werte zu schaffen, dienen nur dazu, die Besessenheit der Regierung unter Pr\u00e4sident zu befriedigen. Diese sehnt sich danach, von einer robusten Wirtschaftsaktivit\u00e4t prahlen und ein falsches Bild zeichnen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Vielleicht ist Nigeria verflucht und von der b\u00f6sartigsten Sorte einer parasit\u00e4ren, kapitalistischen, herrschenden Elite befallen. Dies erkl\u00e4rt, weshalb es im Land keine funktionsf\u00e4higen und angemessenen Raffinerien gibt, obwohl Nigeria der gr\u00f6\u00dfte \u00d6lproduzent des Kontinents ist und auf enorme Reserven verweisen kann. Es ist sogar so, dass die vier Raffinerien, die es im Land gibt, im Juni durchschnittlich auf nur 10,46 Prozent ihrer Gesamtkapazit\u00e4t von 445.000 Barrels am Tag gekommen sind, so die \u201eNigerian National Petroleum Corporation\u201c (vgl.: \u201ePunch\u201c, 8. November 2014).<\/p>\n<p>\u00dcberdies hat die Regierung seit 2002 Lizenzen an 18 private Unternehmen vergeben, um Raffinerien zu bauen. Bis heute ist keine einzige davon in Betrieb gegangen. Der Import von veredelten \u00d6lprodukten, der schnelle und exorbitante Profite garantiert, erkl\u00e4rt, weshalb es so wenige Investitionen in Raffinerien gibt.<\/p>\n<h4>Eine Alternative f\u00fcr die arbeitenden Menschen<\/h4>\n<p>Die Arbeiterbewegung und die Organisationen, die sich f\u00fcr die Belange der Massen einsetzen, m\u00fcssen Investitionen in die \u00f6ffentlichen Ressourcen einfordern, damit es zum Bau neuer Raffinerien und der umfassenden Reparatur der existierenden Anlagen kommt. Einhergehen muss dies mit der demokratischen Kontrolle solcher Projekte durch die gew\u00e4hlten VertreterInnen der Besch\u00e4ftigten und n\u00f6tigen ExpertInnen. Auch nach der Inbetriebnahme muss diese demokratisch legitimierte Kontrolle aufrechterhalten werden. Gegen die geplanten Benzinpreiserh\u00f6hungen muss die Forderung nach sinkenden Kraftstoffpreisen ins Feld gef\u00fchrt werden, da der \u00d6lpreis schlie\u00dflich f\u00e4llt und gleichzeitig die Importkosten f\u00fcr Kraftstoffe zur\u00fcckgehen. Es muss in Erinnerung gerufen werden, dass als Haupt-Grund f\u00fcr die Benzinpreiserh\u00f6hungen des Jahres 2012 der gestiegene \u00d6lpreis f\u00fcr Roh\u00f6l auf dem Weltmarkt ins Feld gef\u00fchrt wurde.<\/p>\n<p>Weil die Inflation die bisherigen L\u00f6hne bereits aufgefressen hat, m\u00fcssen die Gewerkschaftsvorst\u00e4nde dar\u00fcber hinaus einen neuen Mindestlohn fordern. In diesem Zusammenhand muss in Erinnerung gerufen werden, dass der neue Mindestlohn vor der Benzinpreiserh\u00f6hung im Januar 2012 eingef\u00fchrt worden ist. Bedauerlicherweise hat die F\u00fchrung der Arbeiterbewegung sich nicht einmal ernsthaft daf\u00fcr eingesetzt, dass wenigstens der offizielle Mindestlohn auch fl\u00e4chendeckend eingef\u00fchrt wird.<\/p>\n<p>Ebenso wichtig ist es, dass die F\u00fchrungsriege der Arbeiterbewegung sich f\u00fcr den Widerstand gegen alle neoliberalen, kapitalistischen Angriffe wie z.B. Privatisierungen, Prekarisierung, Studiengeb\u00fchren, Kommerzialisierung etc. einsetzt und beschlie\u00dft, diesen Widerstand anzuf\u00fchren. Doch der Kampf gegen neoliberale Angriffe allein reicht nicht aus. Er muss verbunden werden mit dem Kampf, der habgierigen herrschenden Elite die Macht zu entrei\u00dfen. Das Versagen der herrschenden Elite ist trotz des enormen \u00d6l-Reichtums, der ihnen zur Verf\u00fcgung steht, in der Tat so ungeheuerlich, dass selbst The Guardian, eine britische Tageszeitung, die ansonsten dem Establishment zugewandt ist, in ihrem Leitartikel vom 3. November einen schweren R\u00fcffel verteilt: \u201eDiejenigen, die in den Gesch\u00e4ftsf\u00fchrungen der nigerianischen Wirtschaft das Sagen haben, haben [unter anderem] gezeigt, wie unf\u00e4hig sie sind, f\u00fcr ein w\u00fcnschenswertes Auskommen zu sorgen. Diejenigen, die in den Vorstandsetagen der nigerianischen Wirtschaft das Sagen haben, haben mehr als genug getan, um dem Land zu schaden. Damit muss Schluss sein. Oder sie sollten zur\u00fccktreten\u201c.<\/p>\n<p>Freiwillig werden sie das Feld aber nicht r\u00e4umen. Dazu m\u00fcssen sie schon gezwungen werden. Die APC ist f\u00fcr die arbeitenden Massen jedoch keine erstrebenswerte Alternative. Sie ist genauso Armen-feindlich wie die PDP. Die sozialistischen, linken und Arbeiterorganisationen sollten die ArbeiterInnen, jungen Menschen und verarmten Massen f\u00fcr die Bildung und den Aufbau einer k\u00e4mpfenden Massenpartei der ArbeiterInnen mobilisieren, die ein sozialistisches Programm vertritt und in der Lage ist, die ganze herrschende kapitalistische Elite auf allen Ebenen zur\u00fcckzudr\u00e4ngen. Diese Partei muss f\u00fcr die entsprechenden Ressourcen und die Entwicklung der Infrastruktur sorgen, um den Grundbedarf aller befriedigen zu k\u00f6nnen. Einmal im Amt muss eine solche Partei die Schaltzentralen der Wirtschaft in \u00f6ffentliches Eigentum \u00fcberf\u00fchren und der demokratischen Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung und Kontrolle durch die Besch\u00e4ftigten unterstellen, um die ben\u00f6tigten Ressourcen bereitzustellen, mit denen Sozialprogramme und Entwicklung finanziert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><em>Originalartikel auf <a href=\"http:\/\/www.socialistnigeria.org\/page.php?article=2635\">socialistnigeria.org<\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fallende \u00d6lpreise werden zu K\u00fcrzungen im Staatshaushalt f\u00fchren<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":27241,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[36],"tags":[351],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/29562"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=29562"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/29562\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/27241"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=29562"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=29562"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=29562"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}