{"id":29474,"date":"2014-11-23T20:10:47","date_gmt":"2014-11-23T19:10:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=29474"},"modified":"2014-11-25T10:52:18","modified_gmt":"2014-11-25T09:52:18","slug":"kriegerische-zeiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2014\/11\/kriegerische-zeiten\/","title":{"rendered":"Kriegerische Zeiten"},"content":{"rendered":"<p id=\"_CONV_ID_2\"><strong><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/KriegerischeZeiten.png\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-29478\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/KriegerischeZeiten-280x173.png\" alt=\"Kriegerische Zeiten\" width=\"280\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/KriegerischeZeiten-280x173.png 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/KriegerischeZeiten-162x100.png 162w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/KriegerischeZeiten-560x345.png 560w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/KriegerischeZeiten-600x369.png 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/KriegerischeZeiten-534x330.png 534w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/KriegerischeZeiten.png 1181w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a>Warum f\u00fchrt der Kapitalismus zu immer mehr Kriegen?<\/strong><\/p>\n<p id=\"_CONV_ID_3; _CONV_ID_5\">Kein Monat\u00a0<span id=\"_CONV_ID_4\">ist<\/span>\u00a0in diesem Jahr vergangen, ohne dass es Schreckensmeldungen milit\u00e4rischer Auseinandersetzungen in der ganzen Welt gab. Gleichzeitig\u00a0<span id=\"_CONV_ID_6; _CONV_ID_7\">wirbt die Bundesregierung f\u00fcr h\u00f6here R\u00fcstungsausgaben der Bundeswehr. Woran liegt es, dass der Kapitalismus zu immer mehr Kriegen f\u00fchrt?<\/span><\/p>\n<p><em><span id=\"_CONV_ID_8\">von Michael Koschitzki, Berlin<\/span><\/em><\/p>\n<p id=\"_CONV_ID_9; _CONV_ID_11; _CONV_ID_13\">Der franz\u00f6sische Sozialist Jean Jaur<span id=\"_CONV_ID_10\">\u00e8<\/span>s hat mal gesagt, der \u201eKapitalismus tr\u00e4gt den Krieg in sich wie die Wolke den Regen\u201c. F\u00fcr seine Opposition gegen den Krieg wurde er am Vorabend des Ersten Weltkrieges erschossen. Doch seine Worte stimmen immer noch. Kapitalismus bedeutet Krieg. Kapitalismus beruht auf der Produktion f\u00fcr den Profit und der Konkurrenz privater Firmen. In Zeiten der kapitalistischen Krise wird\u00a0<span id=\"_CONV_ID_12\">mit sinkenden Profiten<\/span>\u00a0die Konkurrenz immer h\u00e4rter.\u00a0<span id=\"_CONV_ID_14\">Auf internationalem Level nutzen Konzerne ihre Nationalstaaten, um Profite abzusichern. Das dr\u00fcckt sich einerseits in Handels- und Zollkonflikten aus, setzt sich andererseits aber auch in milit\u00e4rischer Durchsetzung fort. Beispielsweise sehen viele Kommentatoren einen engen Zusammenhang zwischen dem franz\u00f6sischen Eingreifen in Mali und den dortigen Uranvorkommen, die f\u00fcr die franz\u00f6sischen Atomkraftwerke wichtig sind.<\/span><\/p>\n<p id=\"_CONV_ID_15; _CONV_ID_17\">Ein wenig wahrgenommenes Beispiel daf\u00fcr ist das Wettrennen um die Arktis. Dort liegen 13 % der unerschlossenen \u00d6lressourcen der Welt. Durch das Abschmelzen des Eises (ein Anzeichen der Umweltzerst\u00f6rung des Kapitalismus) und neue Technologien werden sie erschlie<span id=\"_CONV_ID_16\">\u00df<\/span>bar. W\u00e4hrend ein Drittel der Region zu Russland gerechnet wird, gibt es zahlreiche Territorialstreitigkeiten. Norwegen f\u00fchrte vor nicht allzu langer Zeit eine NATO-\u00dcbung durch, an der 16.300 Soldaten aus 14 L\u00e4ndern beteiligt waren. Russland bildet derzeit eine speziell ausgebildete Truppe f\u00fcr die Arktis aus, die 2015 einsatzf\u00e4hig sein soll. Diese Bestrebungen sind auch Ausdruck des Profitinteresses der jeweiligen \u00d6l- und Gasfirmen dieser beteiligten Staaten.<\/p>\n<p id=\"_CONV_ID_18\">Das wird von MarxistInnen als Imperialismus beschrieben. Imperialistische Gro\u00dfm\u00e4chte wie die USA, Russland, Japan, Deutschland und andere versuchen sich in der Welt Profitquellen und M\u00e4rkte mit politischer Macht und mit Krieg als Weiterf\u00fchrung ihrer Politik mit anderen Mitteln zu sichern.\u00a0<span id=\"_CONV_ID_19\">Auch regionale imperialistische M\u00e4chte wie die T\u00fcrkei, Brasilien oder S\u00fcdafrika versuchen das in kleinerem Ma\u00dfstab.<\/span><\/p>\n<h4 id=\"_CONV_ID_20\">R\u00fcstung \u201eproved in combat\u201c<\/h4>\n<p id=\"_CONV_ID_22; _CONV_ID_24; _CONV_ID_26; _CONV_ID_28; _CONV_ID_30\"><span id=\"_CONV_ID_21\">Auch\u00a0<\/span>R\u00fcstungsunternehmen\u00a0<span id=\"_CONV_ID_23\">haben\u00a0<\/span>ein direktes Interesse am Gebrauch ihrer Produkte. \u00dcber einen milit\u00e4risch-industriellen Komplex sind R\u00fcstungsunternehmen eng mit dem Milit\u00e4r und durch Lobb<span id=\"_CONV_ID_25\">y<\/span>s mit den jeweiligen Regierungen verbunden. Dabei geht es um riesige Summen. 2012 erhielten die 100 gr\u00f6\u00dften Vertragspartner des Pentagon 362,4 Milliarden US-Dollar. Deutsche Waffenexporte schlagen offiziell mit rund\u00a0<span id=\"_CONV_ID_27\">f\u00fcnf<\/span>\u00a0M<span id=\"_CONV_ID_29\">illiarden<\/span>\u00a0Euro zu Buche, wobei dabei zahlreiche Dual-use-G\u00fcter, also Materialien, die zwar keine R\u00fcstungsexporte sind, aber milit\u00e4risch verwendet werden k\u00f6nnen, nicht mitgez\u00e4hlt werden.\u00a0<span id=\"_CONV_ID_31\">Auch ohne milit\u00e4rische Konflikte ist es den R\u00fcstungsfirmen gelungen, immer wieder Profite zu machen \u2013 auch wenn Bedrohungen und Verbrauch ihrer G\u00fcter den Absatz erst richtig anheizen.<\/span><\/p>\n<p id=\"_CONV_ID_32; _CONV_ID_33; _CONV_ID_35; _CONV_ID_37\">Sie haben aber auch ein ganz direktes Interesse am Gebrauch ihrer Waffen. Bei R\u00fcstungsmessen weltweit wird hingeschaut, ob Waffen ein \u201eproved in combat\u201c-Siegel erhalten, das hei\u00dft, in hei\u00dfen Konflikten eingesetzt wurden. Mit dem Siegel l\u00e4sst sich gleich ein satter Extraprofit erzielen. Auch deshalb werden\u00a0<span id=\"_CONV_ID_34\">sich<\/span>\u00a0die R\u00fcstungslobb<span id=\"_CONV_ID_36\">y<\/span>s f\u00fcr reale Kriegseins\u00e4tze stark machen.<\/p>\n<h4 id=\"_CONV_ID_38\">Zunahme von Kriegen<\/h4>\n<p id=\"_CONV_ID_39; _CONV_ID_41\">Die Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung z\u00e4hlt derzeit \u00fcber 45 Kriege in der Welt.\u00a0<span id=\"_CONV_ID_40\">2010 betrug die Zahl noch 28.<\/span>\u00a0Kriege wie in der Ukraine, Syrien, Irak und auch die Intervention Frankreichs in Mali und Zentralafrika und weitere milit\u00e4rische Auseinandersetzungen haben die Zahl enorm ansteigen lassen.\u00a0<span id=\"_CONV_ID_42\">Fast alle Teile der Welt sind damit wieder Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzungen geworden. Womit h\u00e4ngt das zusammen?<\/span><\/p>\n<p id=\"_CONV_ID_43; _CONV_ID_45; _CONV_ID_47; _CONV_ID_49\">Nach dem Horror des Zweiten Weltkrieges trat eine Phase relativer Ruhe kriegerischer Konflikte ein. Der Ost-West Gegensatz f\u00fchrte zu einer bipolaren Weltordnung, in der die Welt unter den Superm\u00e4chten aufgeteilt wurde. Diese \u00c4ra ging mit dem Zusammenbruch des Stalinismus zu Ende.\u00a0<span id=\"_CONV_ID_44\">Es folgte e<\/span>ine Reihe von Kriegen zum Beispiel auf dem Balkan,\u00a0<span id=\"_CONV_ID_46\">die<\/span>\u00a0bei der Herausbildung der neuen Kapitalistenklassen eine Rolle\u00a0<span id=\"_CONV_ID_48\">spielten<\/span>.\u00a0<span id=\"_CONV_ID_50\">Im Verlauf der 90er Jahre nahm die Zahl der Kriege auch durch die milit\u00e4rische \u00dcbermacht der USA wieder etwas ab.<\/span><\/p>\n<h4><span id=\"_CONV_ID_51\">Ende der unipolaren Weltordnung<\/span><\/h4>\n<p id=\"_CONV_ID_52; _CONV_ID_54; _CONV_ID_56\">Als die US-Armee 2003 in den Irak einmarschierte, schien der US-Imperialismus auf dem H\u00f6hepunkt seiner Macht angekommen zu sein. Mit dem gigantischsten Milit\u00e4rhaushalt der Welt, \u00fcber 1.000 Milit\u00e4rst\u00fctzpunkten und der wirtschaftlichen \u00dcberlegenheit schien ihm\u00a0<span id=\"_CONV_ID_53\">keiner<\/span>\u00a0mehr etwas anhaben zu k\u00f6nnen. Aus dem \u201e<span id=\"_CONV_ID_55\">K<\/span>alten Krieg\u201c ging er als Sieger hervor und\u00a0<span id=\"_CONV_ID_57\">dominierte anschlie\u00dfend die Weltbeziehungen. Das bezeichnen wir als unipolare Weltordnung.<\/span><\/p>\n<p id=\"_CONV_ID_58; _CONV_ID_60\">Doch wir wiesen schon zu<span id=\"_CONV_ID_59\">r Zeit des Irakkriegs<\/span>, zu der auch die gr\u00f6\u00dften internationalen Anti-Kriegsproteste aller Zeiten stattfanden, darauf hin, dass sie ihre Macht nicht ohne weiteres werden festigen k\u00f6nnen.\u00a0<span id=\"_CONV_ID_61\">Im Irak wurde die US-Armee in einen langgezogenen B\u00fcrgerkrieg hineingezogen. Das eingesetzte schiitische Al-Maliki-Regime bediente sich der Spaltung entlang religi\u00f6ser Linien, um seine Macht zu festigen. Die Diskriminierung der Sunniten und anderen Minderheiten heizte verbunden mit dem sozialen Elend der Masse der Bev\u00f6lkerung im Irak den Widerstand gegen die Besatzung an. Gruppen des rechten politischen Islam konnten sich scheinbar als Widerstandsk\u00e4mpfer pr\u00e4sentieren. Bombenanschl\u00e4ge und der milit\u00e4rische Widerstand nahmen zu. Auch daraus entstand 2006 die Organisation Islamischer Staat im Irak. Festgesetzt im Irak und in Afghanistan strauchelte der milit\u00e4rische Riese USA insgesamt. Die Destabilisierung der gesamten Region und die fortw\u00e4hrenden Kriege sind eine Folge der US-Intervention.<\/span><\/p>\n<p id=\"_CONV_ID_63; _CONV_ID_66; _CONV_ID_68\"><span id=\"_CONV_ID_62\">A<\/span>uch wirtschaftlich war es um die Supermacht nicht mehr so gut bestellt. Die US-Wirtschaft war zunehmend abh\u00e4ngig\u00a0<span id=\"_CONV_ID_64; _CONV_ID_65\">von China\u00a0<\/span>und dem kreditfinanzierten Aufschwung. 2008 begann<span id=\"_CONV_ID_67\">ausgehend von den\u00a0<\/span>USA die Weltwirtschafts<span id=\"_CONV_ID_69\">krise. China konnte sich, wenn auch angeschlagen, behaupten und wuchs wirtschaftlich weiter. Sie bauten ihren R\u00fcstungsetat zum zweitgr\u00f6\u00dften der Welt aus. Rund 132 Milliarden Dollar betr\u00e4gt er mittlerweile.<\/span><\/p>\n<p id=\"_CONV_ID_71\"><span id=\"_CONV_ID_70\">D<\/span>as f\u00fchrt dazu, dass sich im pazifischen Raum\u00a0<span id=\"_CONV_ID_72\">zunehmende Spannungen von USA, Philippinen<\/span><\/p>\n<p id=\"_CONV_ID_73; _CONV_ID_75\">und Japan auf der einen und China,\u00a0<span id=\"_CONV_ID_74\">Russland<\/span>\u00a0auf der anderen Seite ergeben. Wo es vordergr\u00fcndig um Streitigkeiten rund um Herrschaftsanspr\u00fcche auf ein paar unbewohnte Felsen geht, steht ein Konflikt um Einfluss und Macht dieser Superm\u00e4chte dahinter. Der Pazifik k\u00f6nnte Schauplatz zunehmender Auseinandersetzungen in den n\u00e4chsten Jahren werden.<\/p>\n<h4 id=\"_CONV_ID_76\">Deutscher Imperialismus<\/h4>\n<p id=\"_CONV_ID_77; _CONV_ID_79\">Doch nicht nur China r\u00fcstete weiter auf. W\u00e4hrend weltweit an Sozialausgaben im Zuge der Krise gek\u00fcrzt wurde, blieben die Milit\u00e4rbudgets unangetastet. Auch in Deutschland wurden K\u00fcrzungen bei der Bundeswehr nicht umgesetzt und gerade eine neue R<span id=\"_CONV_ID_78\">unde<\/span>\u00a0der Aufr\u00fcstung eingeleitet.\u00a0<span id=\"_CONV_ID_80\">Der deutsche Staat schwankte bisher zwischen B\u00fcndnistreue zu den USA, Heraushaltung aus Konflikten\u00a0<\/span><span id=\"_CONV_ID_81\">und st\u00e4rkerer milit\u00e4rischer Einmischung. Letzteres soll jetzt verst\u00e4rkt werden. Die Gro\u00dfe Koalition hat schon den Kurs auf eine st\u00e4rkere Pr\u00e4senz in Afrika gesetzt. In Somalia hantiert beispielsweise die Bundespolizei mit schwerem Ger\u00e4t.<\/span><\/p>\n<p id=\"_CONV_ID_82\">Der Mangel an profitablen Anlagem\u00f6glichkeiten und die kapitalistische Krise von 2008\/2009 befeuern diesen Prozess. Alte B\u00fcndnisse haben mit verst\u00e4rkter Konkurrenz keinen Bestand mehr.<\/p>\n<p id=\"_CONV_ID_83\">Insgesamt gab es eine Verschiebung von einer unipolaren Weltordnung, gepr\u00e4gt durch die Dominanz der USA, hin zu einer multipolaren. Mehrere internationale und regionale imperialistische M\u00e4chte k\u00e4mpfen um Zugang zu Rohstoffen, M\u00e4rkten und Einflussgebiete.<\/p>\n<p id=\"_CONV_ID_84\">Das dr\u00fcckt sich in einem Anstieg von kriegerischen Konflikten \u2013 oft auch in Form von B\u00fcrgerkriegen und Stellvertreterkriegen &#8211; aus. Beispielsweise hat das Assad-Regime in Syrien die Unterst\u00fctzung von Russland und China, w\u00e4hrend es von westlichen M\u00e4chten bek\u00e4mpft wird.<\/p>\n<p id=\"_CONV_ID_85\">Das hei\u00dft nicht, dass wir vor einem neuen Weltkrieg stehen. Die relative St\u00e4rke der USA, die Existenz von Atomwaffen und die Antikriegshaltung in der Mehrheit der Arbeiterklasse, die wir um alles erhalten m\u00fcssen,\u00a0<span id=\"_CONV_ID_86\">machen so eine Eskalation derzeit unwahrscheinlich. Dennoch hat beinhaltet jeder Konflikt die M\u00f6glichkeit, sich in eine gr\u00f6\u00dfere milit\u00e4rische Auseinandersetzung zu entwickeln.<\/span><\/p>\n<h4 id=\"_CONV_ID_87\">Kampf der Kulturen?<\/h4>\n<p id=\"_CONV_ID_88; _CONV_ID_89; _CONV_ID_91\">An den Universit\u00e4ten soll der Zusammenhang von Kapitalismus und Krieg verwischt werden \u2013 b\u00fcrgerliche Wissenschaftler versuchen die zuk\u00fcnftigen Think Tanks auf h\u00e4rtere milit\u00e4rische Auseinandersetzungen einzustellen. Einer von ihnen ist zum Beispiel Herfried M\u00fcnkler, \u00a0Professor an der Humboldt Universit\u00e4t in Berlin, Berater von Kanzlerin Merkel\u00a0<span id=\"_CONV_ID_90\">und einer der lautstarken Bef\u00fcrworter von Auslandseins\u00e4tzen der Bundeswehr<\/span>. Im Focus machte er sich im Herbst unter dem Titel \u201eWarum sich Kriege heute wieder lohnen\u201c unter anderem daf\u00fcr stark, dass der Westen in sich entwickelnde B\u00fcrgerkriege unbedingt eingreifen und die alte Weltordnung bewahren muss.<\/p>\n<p id=\"_CONV_ID_92\">Ein Theorieansatz, der bei ihm\u00a0<span id=\"_CONV_ID_93\">und anderen Theoretikern einflie\u00dft, ist der \u201eClash of Civilizations\u201c bzw. \u201eKampf der Kulturen\u201c-Ansatz von Samuel Huntington. Auch weil er ein Auseinanderbrechen der Ukraine vorhergesagt hatte, wird sein Aufsatz von 1993 wieder viel zitiert. Nach ihm werden sich Konflikte vor allem entlang kultureller Linien entwickeln. Ost gegen West \u2013 Islam gegen Christentum usw. Er sagt, dass alle Kulturen au\u00dfer Japan modernisiert wurden, ohne dass sie verwestlicht wurden. Sie werden mit dem Westen um Einfluss und Ressourcen konkurrieren. Dieser dagegen m\u00fcsse genug milit\u00e4rische Macht haben, um sein westliches Wertesystem auf der Welt verteidigen und durchsetzen zu k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n<p id=\"_CONV_ID_95\"><span id=\"_CONV_ID_94\">Dieser Ansatz stellt sogenannte westliche Werte \u00fcber andere Kulturen, um damit Interventionen und Einmischung letztlich zu rechtfertigen. In der \u201eZeit\u201c schreibt M\u00fcnkler zum Beispiel zu Russland und dem Ukraine-Konflikt: \u201e<\/span>Das andere Problem ist, dass die Europ\u00e4er ihre Rolle und Position in diesen Konflikten und bei deren Bearbeitung noch finden m\u00fcssen. Es ist zu erwarten, dass das bisher gepflegte Beobachten und Kommentieren nicht gen\u00fcgen wird.\u201c<\/p>\n<p id=\"_CONV_ID_96\">Der kulturtheoretische Ansatz will eine Interessensgleichheit der normalen Bev\u00f6lkerung und den Kapitalisten unter kulturellen bzw. westlichen Werten herstellen, um gegen den Rest der Welt vorzugehen. Darin liegt also keine Perspektive f\u00fcr eine friedliche Gesellschaft, sondern letztlich nur die Rechtfertigung f\u00fcr neue Kriege.<\/p>\n<h4 id=\"_CONV_ID_98\"><span id=\"_CONV_ID_97\">S<\/span>chutzverantwortung der UN<\/h4>\n<p id=\"_CONV_ID_99; _CONV_ID_101\">Die Verantwortung des Westens, in B\u00fcrgerkriege einzugreifen, wurde in den letzten Jahren vor allem un<span id=\"_CONV_ID_100\">t<\/span>er dem Deckmantel der Schutzverantwortung bzw. \u201eresponsibility to protect\u201c vorgetragen. Demnach m\u00fcsse es humanit\u00e4re Eins\u00e4tze zur Wahrung der Menschenrechte, Frauenrechte und Demokratie geben. Die Schutzverantwortung schreibt die Verantwortung fest, Menschen vor V\u00f6lkermord, Kriegsverbrechen, ethnischer S\u00e4uberung und Verbrechen gegen die Menschheit zu sch\u00fctzen. 2005 wurde sie von den UN angenommen.<\/p>\n<p id=\"_CONV_ID_102; _CONV_ID_103; _CONV_ID_105; _CONV_ID_107\">Die Vereinten Nationen sind jedoch alles andere als ein Friedensgarant, sondern lediglich der Zusammenschluss von imperialistischen Staaten.\u00a0<span id=\"_CONV_ID_104\">Zehn Jahre sp\u00e4ter k\u00f6nnen wir eine erste Zwischenbilanz\u00a0<\/span>der Schutzverantwortung<span id=\"_CONV_ID_106\">\u00a0ziehen. Sie zeigt, dass\u00a0<\/span>sie\u00a0<span id=\"_CONV_ID_108\">vor allem als Vorwand genommen wird, f\u00fcr Interventionen und nur da zur Geltung kommt, wo sie mit geostrategischen Interessen der jeweiligen M\u00e4chte zusammenf\u00e4llt. So wurde beispielsweise im Sudan nicht gehandelt.<\/span><\/p>\n<p><span id=\"_CONV_ID_109\">\u00a0Gleichzeitig kann man bei allen Eins\u00e4tzen sehen, dass die damit einhergehenden Versprechen nicht eingehalten wurden. Der Einsatz der franz\u00f6sischen und US-amerikanischen Armee in Libyen wurde mit der Schutzverantwortung gerechtfertigt, als ein Angriff von Gaddafi auf Bengazi drohte. Ohne in irgendeiner Weise der Unterst\u00fctzung von Gaddafi das Wort zu reden, muss festgestellt werden, dass auch die unterst\u00fctzten Rebellen enorme Menschenrechtsverletzungen begangen haben, und das Land jetzt vor dem totalen Zerfall steht.<\/span><\/p>\n<p id=\"_CONV_ID_110; _CONV_ID_112; _CONV_ID_113; _CONV_ID_115; _CONV_ID_117\">Auch der Krieg in Afghanistan wurde\u00a0<span id=\"_CONV_ID_111\">unter anderem<\/span>\u00a0mit der Befreiung der Frau gerechtfertigt. Tats\u00e4chlich stirbt aber immer noch jede elfte Frau bei der Geburt ihres Kindes\u00a0<span id=\"_CONV_ID_114\">in Afghanistan<\/span>. 90 Prozent der Frauen haben keinen Zugang zu Verh\u00fctungsmitteln. 2009 wollte Karsai das Ehegesetz einf\u00fchren, wonach Frauen alle\u00a0<span id=\"_CONV_ID_116\">vier<\/span>\u00a0Tage Sex mit ihren Ehem\u00e4nnern haben m\u00fcssen und ohne seine Erlaubnis nicht das Haus verlassen d\u00fcrfen. Die Taliban sind derzeit st\u00e4rker als zuvor, operieren auch im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet und destabilisieren auch Pakistan durch ihre gewonnene St\u00e4rke.<\/p>\n<p id=\"_CONV_ID_118; _CONV_ID_120; _CONV_ID_122; _CONV_ID_124\">Auslandseins\u00e4tze der Bundeswehr oder anderer Armeen sind\u00a0<span id=\"_CONV_ID_119\">also\u00a0<\/span>keine L\u00f6sung, egal ob sie ein UN-Mandat, blaue Helme oder andere Rechtfertigungen haben. Sie dienen letztlich nur der Durchsetzung der Interessen ihrer Heimatl\u00e4nder und de<span id=\"_CONV_ID_121\">ssen Konzernen<\/span>. In den jeweiligen\u00a0<span id=\"_CONV_ID_123\">Kriegsgebieten<\/span>\u00a0werden sie als Besatzer und Fremdbestimmer wahrgenommen.<\/p>\n<h4 id=\"_CONV_ID_125\">Sozialistische L\u00f6sung<\/h4>\n<p id=\"_CONV_ID_126\">Statt Auslandseins\u00e4tzen muss es einen Stopp von Waffenlieferungen und Einmischung geben. Der Schl\u00fcssel zum Sturz von Diktatoren und undemokratischen Regimen liegt im Widerstand der eigenen Bev\u00f6lkerung gegen diese Machthaber. Alle Ans\u00e4tze f\u00fcr breiten demokratischen Widerstand \u00fcber Grenzen von Geschlecht, Religion und Herkunft gegen Krieg und f\u00fcr eine andere Gesellschaft m\u00fcssen unterst\u00fctzt werden, statt zu glauben, Bundeswehr, Russland oder US-Armee w\u00fcrden daf\u00fcr einstehen.<\/p>\n<p id=\"_CONV_ID_127\">Lenin schrieb in seinem Buch \u201eSozialismus oder Krieg\u201c, was w\u00e4hrend des Ersten Weltkrieges geschrieben wurde und viele wichtige Ideen enth\u00e4lt: \u201eMan kann nicht wissen, ob eine starke revolution\u00e4re Bewegung im Zusammenhang mit dem ersten oder mit dem zweiten imperalistischen Krieg der Gro\u00dfm\u00e4chte, ob sie w\u00e4hrend des Krieges oder nach dem Kriege aufflammen wird, jedenfalls ist es unsere unbedingte Pflicht, systematisch und unentwegt in eben diese Richtung zu wirken.\u201c<\/p>\n<p id=\"_CONV_ID_128; _CONV_ID_130; _CONV_ID_132\">Und es waren eben jene russischen Revolution\u00e4re, die vor 100 Jahren sich w\u00e4hrend des Krieges darauf vorbereite<span id=\"_CONV_ID_129\">te<\/span>n, ihn mit einer Revolution zu beenden. Kaum wird darauf bei den heutigen Gedenken an den\u00a0<span id=\"_CONV_ID_131\">E<\/span>rsten Weltkrieg darauf eingegangen, dass es eben die sozialistische Oktoberrevolution war, die der Welt das Signal gab, dass der Weltkrieg beendet werden kann. Die der Welt mit der ersten sozialistischen Revolution Hoffnung gab, dass es eine Alternative zu Kapitalismus und Krieg gibt. H\u00e4tte es beispielsweise eine starke Kraft gegeben, die im Zuge der arabischen Revolutionen einen sozialistischen Ausweg aufgezeigt h\u00e4tte, w\u00fcrde die Region heute eine ganz andere Entwicklung nehmen.<\/p>\n<h4 id=\"_CONV_ID_134\"><span id=\"_CONV_ID_133\">A<\/span>ktiv werden<\/h4>\n<p id=\"_CONV_ID_135; _CONV_ID_136\">Die SAV ist Teil der Antikriegsbewegung und unterst\u00fctzt die Proteste gegen den IS und f\u00fcr Rojava. Sie beteiligte sich an Protesten gegen den Krieg gegen Gaza und gegen den Krieg in der Ukraine. Mitglieder in Aachen haben mitgeholfen, Proteste gegen den ukrainischen Pr\u00e4sidenten Jazenjuk zu organisieren, der bei der Karlspreisverleihung redete. Zu Zeiten des Afghanistan- und Irakkrieges haben SAV-Mitglieder Jugend gegen Krieg mit angesto\u00dfen, deren Gruppen \u00fcber 200.000 Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler bei Sch\u00fclerstreiks gegen den Krieg auf die Stra\u00dfe brachten.<\/p>\n<p id=\"_CONV_ID_137; _CONV_ID_139\">Wir sind Teil der Partei DIE LINKE und setzen uns dort f\u00fcr einen konsequenten Antikriegskurs ein. Wir verurteilen die Versuche von Teilen der LINKE<span id=\"_CONV_ID_138\">N,<\/span>\u00a0die strikte Position gegen Auslandseins\u00e4tze f\u00fcr eine m\u00f6gliche Beteiligung an einer Regierung zu opfern. International ist die SAV Teil des Komitees f\u00fcr eine Arbeiterinternationale CWI mit Organisationen in \u00fcber 40 L\u00e4ndern. Die SAV Schwesterorganisation in Israel\/Pal\u00e4stina k\u00e4mpft gegen den Gazakrieg, die Socialist Alternative in den USA gegen Rekrutierungen der US-Armee und die noch kleine Gruppe in der T\u00fcrkei ist Teil des Widerstandes gegen das Erdogan-Regime, um nur einige Beispiele zu nennen.<\/p>\n<p id=\"_CONV_ID_140; _CONV_ID_142\">Die SAV ist aktiv gegen den Kapitalismus und seine Auswirkungen. Sie k\u00e4mpft f\u00fcr eine sozialistische Demokratie, wo anders als in der DDR oder Sowjetunion die Menschen von unten demokratisch die Gesellschaft bestimmen und organisieren. In so einer sozialistischen Demokratie g\u00e4be es auch im Gegensatz zu den ehemaligen stalinistischen L\u00e4ndern keine Notwendigkeit f\u00fcr Kriege und R\u00fcstung meh<span id=\"_CONV_ID_141\">r. Im Gegensatz zu heute g\u00e4be es kein Macht- und Profitinteresse\u00a0<\/span>sie zu f\u00fchren.\u00a0<span id=\"_CONV_ID_143\">Werde auch du mit uns daf\u00fcr aktiv!<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Warum f\u00fchrt der Kapitalismus zu immer mehr Kriegen?<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":29478,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[64],"tags":[270,634],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/29474"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=29474"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/29474\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/29478"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=29474"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=29474"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=29474"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}