{"id":29147,"date":"2014-10-20T17:00:46","date_gmt":"2014-10-20T15:00:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=29147"},"modified":"2014-10-20T14:36:04","modified_gmt":"2014-10-20T12:36:04","slug":"us-luftschlaege-gegen-den-islamischen-staat-scheitern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2014\/10\/us-luftschlaege-gegen-den-islamischen-staat-scheitern\/","title":{"rendered":"US-Luftschl\u00e4ge gegen den \u201eIslamischen Staat\u201c scheitern"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_29103\" aria-describedby=\"caption-attachment-29103\" style=\"width: 280px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/15476436685_eeab5ce74a_z-e1412767622755.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-29103\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/15476436685_eeab5ce74a_z-e1412767622755-280x165.jpg\" alt=\"Foto:https:\/\/www.flickr.com\/photos\/greenythekid\/CC BY-NC-SA 2.0\" width=\"280\" height=\"165\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/15476436685_eeab5ce74a_z-e1412767622755-280x165.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/15476436685_eeab5ce74a_z-e1412767622755.jpg 504w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-29103\" class=\"wp-caption-text\">Foto:https:\/\/www.flickr.com\/photos\/greenythekid\/CC BY-NC-SA 2.0<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Zeitgleich zu den K\u00e4mpfen um Kobane verzeichnen die IS-Kr\u00e4fte im Irak gro\u00dfe Erfolge<\/strong><\/p>\n<p>Obama und seine westlichen Verb\u00fcndeten (wie Cameron in Gro\u00dfbritannien) meinen, dass eine Politik der Luftschl\u00e4ge allein ausreichen w\u00fcrde, um die vorr\u00fcckenden Kr\u00e4fte des \u201eIslamischen Staates\u201c im Irak und in Syrien zur\u00fcckzudr\u00e4ngen. Jetzt, da die kurdischen Kr\u00e4fte im Kampf gegen den IS die Kontrolle \u00fcber die Stadt Kobane zu verlieren drohen, scheint dieser Politikansatz pl\u00f6tzlich null und nichtig. IS-Kr\u00e4fte sind in die Stadt vorgedrungen und scheinen zum Zeitpunkt, da dieser Artikel verfasst wurde, einen weiteren Sieg erringen zu k\u00f6nnen. Angesichts der F\u00fclle an Berichten \u00fcber schreckliche Szenen, die sich dort abspielen, und von einem brutalen Gemetzel, das die wild gewordenen Kr\u00e4fte des reaktion\u00e4ren IS in der Stadt anrichten, sind die Luftschl\u00e4ge der USA reichlich ineffektiv und haben nicht dazu gef\u00fchrt, dass das Vorr\u00fccken gestoppt wurde. Die kurdische Bev\u00f6lkerung in Kobane f\u00fchrt einen mutigen und verzweifelten Kampf, um den IS zur\u00fcckzuschlagen, um einem ansonsten sicheren Gemetzel zu entgehen<\/p>\n<p><em>Von Tony Saunois,<\/em><\/p>\n<p>Zur gleichen Zeit scheitert die Politik der Luftschl\u00e4ge von Pr\u00e4sident Obama und Premierminister David Cameron nicht nur in Syrien und Kobane. Die Entwicklungen im Irak \u2013 vor allem in der Provinz Anbar im Westen des Landes \u2013, haben zu umfassenden Landgewinnen f\u00fcr die Kr\u00e4fte des IS gef\u00fchrt. Die Provinz Anbar, die beinahe ein Viertel des gesamten Irak ausmacht, ist mit all ihren Gro\u00dfst\u00e4dten und bedeutenden Ortschaften an den IS gefallen. Eine Ausnahme bilden lediglich Haditha und zwei Milit\u00e4rbasen in der N\u00e4he von Hit und Fallujah. Wieder einmal befand sich die irakische Armee in einem Zustand der Unordnung und Aufl\u00f6sung und konnte nur wenig an effektivem Widerstand aufbieten. Damit ist schon wieder eine humanit\u00e4re Katastrophe hinzugekommen, in deren Zuge sch\u00e4tzungsweise 750.000 Menschen aus ihrer Heimatprovinz geflohen sind.<\/p>\n<h4>Anbar<\/h4>\n<p>Jetzt ist es m\u00f6glich, dass die IS-Kr\u00e4fte so weit gehen, eine weitere Offensive zu starten, um den sunnitisch gepr\u00e4gten Westteil der Hauptstadt Bagdad einzunehmen. Die Provinz Anbar war das Zentrum der sunnitischen Aufst\u00e4nde gegen die Besatzung durch die USA im Jahre 2003. Der Schl\u00fcssel f\u00fcr weitere Erfolge der IS-Kr\u00e4fte liegt nicht nur darin, dass sie auf ein umfassendes Waffenarsenal zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, das sie von der in Aufl\u00f6sung befindlichen irakischen Armee \u00fcbernehmen konnte. Die schnellen Erfolge des IS, die sie in weiten Teilen des Irak und Syriens erzielen konnten, gehen auch auf den Umstand zur\u00fcck, dass der Aufstand des IS zu einer allgemeinen Revolte der SunnitInnen geworden ist.<\/p>\n<p>In ihrer brutalen Reaktion, bei der sie n\u00f6rdlich und nord\u00f6stlich von Bagdad einige Erfolge verzeichnen konnten, unterschieden die schiitischen Milizen nicht, ob ihre Opfer K\u00e4mpfer des IS oder \u201eeinfache\u201c Angeh\u00f6rige der sunnitischen Glaubensrichtung waren. Das hat dazu gef\u00fchrt, mehr Menschen aus dem sunnitischen Bev\u00f6lkerungsteil in die Arme des IS zu treiben. Sie sehen keine andere Kraft, die sie \u201everteidigen\u201c k\u00f6nnte. Schiitische Milizen in Bagdad sprechen offen davon, die SunnitInnen aus den gemischt bewohnten Gebieten (wie z.B. Diyala) herauswerfen zu wollen. Die IS-Kr\u00e4fte sind in der Lage gewesen, dort anzusetzen, wo die sunnitische Bev\u00f6lkerung unter der Unterdr\u00fcckung durch die irakische Regierung unter Maliki (installiert von den westlichen M\u00e4chten) zu leiden hatte. Dies geschah direkt nach der Besatzungszeit unter US-F\u00fchrung, die 2003 endete.<\/p>\n<p>Nach dem m\u00f6glichen Fall Kobanes, der \u00dcbernahme durch die IS-Kr\u00e4fte und den o.g. Entwicklungen im Irak wird sich die Krise wahrscheinlich noch ausweiten. Das Regime in der T\u00fcrkei unter Pr\u00e4sident Erdogan hat bewusst nicht gegen die IS-Kr\u00e4fte eingegriffen, die vor Kobane Erfolge erzielten, weil es Angst vor den Auswirkungen eines m\u00f6glichen Sieges der kurdischen Kr\u00e4fte in Kobane auf die 15 Millionen Menschen starke kurdische Bev\u00f6lkerung in der T\u00fcrkei hat. Die meisten K\u00e4mpfe in Kobane werden von den \u201eVolksverteidigunseinheiten\u201c (YPG) gef\u00fchrt. Das Erdogan-Regime w\u00e4re gl\u00fccklicher mit einem Sieg des IS \u00fcber die PYD [Schwesterpartei der PKK in den kurdischen gebieten Syriens, A.d.\u00dc.] als umgekehrt. Das best\u00e4tigt ein vor kurzem getroffenen Abkommen, das zur Befreiung von t\u00fcrkischen Geiseln durch den IS gef\u00fchrt hat.<\/p>\n<h4>Kein Vertrauen in Lokalf\u00fcrsten oder den Imperialismus<\/h4>\n<p>Weder den lokalen und regionalen F\u00fcrsten noch dem westlichen Imperialismus darf man Vertrauen schenken. S\u00e4mtliche genannten Kr\u00e4fte sind au\u00dferstande, die Krise im Interesse aller betroffener V\u00f6lker dieser Region zu l\u00f6sen. Die Intervention des wesentlichen Imperialismus f\u00fchrt nur dazu, dass sich die Katastrophe weiter zuspitzt. Ein Gutteil der Gr\u00fcnde, weshalb es zum derzeit stattfindenden Gemetzel kommt, geht auf das Eingreifen des westlichen Imperialismus in fr\u00fcherer Zeit zur\u00fcck. Auch den sunnitischen oder schiitischen Eliten bzw. Herrschern der L\u00e4nder in der Region darf kein Vertrauen entgegengebracht werden, die in den Konflikt hineingezogen sind und dabei ihre ganz eigenen Interessen verfolgen. Die T\u00fcrkei versucht ihre Expansion in Syrien auszuweiten und eine Miniatur des Osmanischen Reiches zu etablieren.<\/p>\n<p>Obama hat davon gesprochen, eine Koalition sunnitischer M\u00e4chte zusammenbringen zu wollen. Dazu sollen Saudi Arabien, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate geh\u00f6ren, die Widerstand gegen den IS leisten soll. Allerdings hegen all diese L\u00e4nder ihre eigenen regionalen Interessen und haben eine andere Agenda als Obama. Einige dieser korrupten, unterdr\u00fcckerischen Dynastien in diesen Staaten hei\u00dfen das Vorgehen des IS nicht gut, andere haben den IS aktiv unterst\u00fctzt. Ein Schlag gegen den IS steht f\u00fcr sie jedenfalls nicht an erster Stelle. Au\u00dferdem k\u00f6nnen sie ihre eigenen Interessen kurzfristig dadurch verteidigen, dass der IS f\u00fcr die schiitischen Regime der Region weitere Probleme schaffen kann.<\/p>\n<h4>N\u00f6tig ist eine vereinte Bewegung der Massen<\/h4>\n<p>Um dem Schrecken des IS zu begegnen und auch allen anderen reaktion\u00e4ren und sektiererischen Kr\u00e4ften in der Region entgegenzuwirken, ist es n\u00f6tig, eine gemeinsame Bewegung der sunnitischen und schiitischen arabischen Massen zusammen mit den KurdInnen, T\u00fcrkInnen und allen anderen V\u00f6lkern zu gr\u00fcnden. Will man die reaktion\u00e4re Bedrohung durch das Gemetzel des IS in Kobane und andernorts in Syrien und dem Irak bek\u00e4mpfen, so sind demokratische Komitees n\u00f6tig, \u00fcber die dann Milizen der Bev\u00f6lkerung gegr\u00fcndet werden m\u00fcssen. Ein Kampf zur Aufhebung des Waffenembargos der T\u00fcrkei muss gef\u00fchrt werden, um diese Milizen bewaffnen zu k\u00f6nnen. In der T\u00fcrkei selbst braucht es Komitees, die aus t\u00fcrkischen und kurdischen ArbeiterInnen zusammengesetzt sind und eine Einheit herstellen k\u00f6nnen. Der Weg voran besteht im Aufbau von \u00fcberkonfessionellen Komitees, die die sunnitischen und die schiitischen Massen im Irak repr\u00e4sentieren, wie auch die kurdische Bev\u00f6lkerung in diesem Land. Sie m\u00fcssen in Opposition zu den religi\u00f6s-motivierten Kr\u00e4ften auf allen Seiten auftreten. Derartige Komitees k\u00f6nnten die Grundlage f\u00fcr eine Regierung der ArbeiterInnen, B\u00e4uerinnen und Bauern sowie all jener bilden, die vom Kapitalismus und Imperialismus ausgebeutet werden. Eine freiwillige und auf Gleichberechtigung basierende sozialistische Staaten-F\u00f6deration w\u00fcrde die demokratischen, nationalen und ethnischen Rechte aller V\u00f6lker der Region garantieren.<\/p>\n<p><em>Tony Saunois ist Mitglied im Internationalen Sekretariat des Komitees f\u00fcr eine Arbeiterinternationale. Dieser Artikel erschien am 13. Oktober 2014 auf socialistworld.net.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zeitgleich zu den K\u00e4mpfen um Kobane verzeichnen die IS-Kr\u00e4fte im Irak gro\u00dfe Erfolge<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":29103,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[37,59],"tags":[642,330,628],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/29147"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=29147"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/29147\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/29103"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=29147"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=29147"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=29147"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}