{"id":29139,"date":"2014-10-24T10:00:54","date_gmt":"2014-10-24T08:00:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sozialismus.info\/?p=29139"},"modified":"2014-11-06T16:06:43","modified_gmt":"2014-11-06T15:06:43","slug":"charit-kampf-fuer-mehr-personal-ist-moeglich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2014\/10\/charit-kampf-fuer-mehr-personal-ist-moeglich\/","title":{"rendered":"Charit\u00e9: Kampf f\u00fcr mehr Personal ist m\u00f6glich"},"content":{"rendered":"<h1 class=\"western\"><strong><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/MG_7370-e1411386806156.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-28987\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/MG_7370-e1411386806156-280x173.jpg\" alt=\"Charit\u00e9\" width=\"280\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/MG_7370-e1411386806156-280x173.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/MG_7370-e1411386806156-162x100.jpg 162w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/MG_7370-e1411386806156-560x347.jpg 560w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/MG_7370-e1411386806156-600x371.jpg 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/MG_7370-e1411386806156-534x330.jpg 534w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/MG_7370-e1411386806156.jpg 1136w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a>Interview mit Stephan Gummert, Mitglied der ver.di-Betriebsgruppe an der Charit\u00e9 Berlin<\/strong><\/h1>\n<h4>Stephan, die ver.di Betriebsgruppe an der Charit\u00e9 hat nach zwei Jahren Druck von unten den Arbeitgeber an den Verhandlungstisch f\u00fcr eine tarifliche Regelung zur Personalbemessung gezwungen. Als ersten Schritt hat der Arbeitgeber eine Aufstockung von 80 Vollzeitkr\u00e4ften bis Jahresende zugesagt, danach soll weiter verhandelt werden. Dass der Arbeitgeber \u00fcberhaupt dar\u00fcber verhandelt ist ein Novum.Wie seid ihr in diese Position der St\u00e4rke gekommen?<\/h4>\n<p>Hier zahlt sich eine jahrzehntelange k\u00e4mpferische Politik der ver.di-Betriebsgruppe aus.<\/p>\n<p>Anliegen der Besch\u00e4ftigten partizipativ und direkt zu adressieren statt lahmer Stellvertreterpolitik war dabei eines der Rezepte. Nicht immer nur auf einen schwachen Organisationsgrad schauen, stattdessen Anliegen politisieren und die Nichtorganisierten mitzunehmen \u2013 das f\u00fchrte zu erfolgreichen Streiks in 2006 und 2011. Die objektive Durchsetzungsmacht der Besch\u00e4ftigten an der Charit\u00e9 f\u00fchrte dazu, dass der Arbeitgeber verhandelte. Wir kriegen an der Charit\u00e9 in der Regel nichts geschenkt. Zwischen laufenden Tarifauseinandersetzungen entwickelten wir eigenst\u00e4ndige Kampagnen und eine Widerstandsform, indem wir \u00fcber so genannte Notrufe Anliegen der Besch\u00e4ftigten gezielt skandalisierten und in einen Forderungs- und Verhandlungsmodus gebracht haben.<\/p>\n<p>Im Sommer 2013 brachten wir die Charit\u00e9 durch eine Warnstreikdrohung an den Verhandlungstisch. Wir beendeten damit \u201edie Kriminalisierungsstrategie\u201c und den Versuch, unsere berechtigten Forderungen als grundgesetzwidrig zu qualifizieren. Zu diesem Zeitpunkt war die Debatte durch die Partei DIE LINKE l\u00e4ngst im politischen Raum angekommen. Dass unsere Auseinandersetzung an Grundfesten der Finanzierungssysteme r\u00fchrte, war uns allen klar, so dass wir schnell in eine breite \u00d6ffentlichkeit gehen wollten. Hier wurde ein B\u00fcndnis f\u00fcr mehr Personal im Krankenhaus in Berlin ins Leben gerufen, was im Ansatz \u00fcber traditionelle Solib\u00fcndnisse hinausgeht.<\/p>\n<p>Klar ist: Ein derart politisches Anliegen, das \u00fcber die Tarif- und Streikschiene bef\u00f6rdert wird, braucht eine breite Unterst\u00fctzung und kann nicht in einem Krankenhaus entschieden werden.<\/p>\n<p>Wenn man erfolgreich arbeitet, dann sind eben auch die Befriedungsversuche durch den Arbeitgeber vorhanden, mit denen man dann umgehen muss und man landet schneller als gedacht in Kompromisssituationen, die man taktisch und strategisch zu bewerten hat. In einer solchen Situation befinden wir uns gerade.<\/p>\n<h4 class=\"western\">Der Arbeitgeber hat sich in einem Kurzzeit-Tarifvertrag zur Aufstockung von 80 Vollkr\u00e4ften verpflichtet. Was sind eure Erfahrungen damit und wie soll es zum Jahresende aus deiner Sicht weitergehen?<\/h4>\n<p>Es gibt schon einige \u201eGeburtswehen\u201c. F\u00fcr eine \u00f6ffentlichkeitswirksame Bilanz ist es sicher noch zu fr\u00fch. Die ver.di-Betriebsgruppe und vor allem die Tarifkommission begleitet das \u201eProbehalbjahr\u201c sehr eng und sehr kritisch. Es gilt, am Ende des Jahres zu einer Aussage \u00fcber die Sinnhaftigkeit des eingeschlagenen Wegs zu kommen. Die Schlichtung des Konflikts lie\u00df Kernforderungen nach vern\u00fcnftiger Personalbemessung mit harten \u201eVertragsstrafen\u201c, wenn Personalschl\u00fcssel nicht realisiert werden, v\u00f6llig au\u00dfer Acht und versuchte die Befriedung des Konflikts mit einem Alternativmodell.<\/p>\n<p>Am Ende des Jahres werden nur Ergebnisse z\u00e4hlen, um einzusch\u00e4tzen, ob es in Bereichen der Charit\u00e9 zu sp\u00fcrbarer Entlastung gekommen ist.<\/p>\n<h4 class=\"western\">Ihr fordert tarifliche Regelungen, ver.di Bund setzt auf eine gesetzliche Regelung. Steht das im Widerspruch zueinander? Erwartest du, dass die gro\u00dfe Koalition handelt?<\/h4>\n<p>Nein, da sollte kein Widerspruch sein. Krankenh\u00e4user aus der Marktlogik herauszul\u00f6sen, hat eine breite gesellschaftliche Akzeptanz und verdient einen Gesetzesrang. Ohne Druck aus den Betrieben wird das aber ein langer Weg, der m\u00f6glicherweise dann in einen schlechten Kompromiss m\u00fcndet. Es w\u00fcrde ja nichts n\u00fctzen, wenn ein Gesetzgeber einen miserablen Ist-Stand nur wenig modifiziert in Gesetzesform gie\u00dft.<\/p>\n<p>Wenn es Krankenh\u00e4user gibt, die in punkto Arbeitsbedingungen brennen und die eine Durchsetzungsperspektive haben oder aufbauen, dann sollten diese auch loslegen, um ihre Kernanliegen durchzuk\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>Wir wollen weder die Zeitschiene noch die Ergebnisse der Gro\u00dfen Koalition abwarten. Unser Weg wird durch die Besch\u00e4ftigten der Charit\u00e9 und die ver.di-Mitglieder vor Ort bestimmt.<\/p>\n<h4 class=\"western\">Du bist bei der Erneuerung-durch-Streik-Konferenz dabei und machst beim dortigen Branchentreffen Krankenh\u00e4user mit. Was sind eure Vorschl\u00e4ge zur weiteren Vernetzung mit anderen Krankenh\u00e4usern? Was k\u00f6nnen Aktive in anderen H\u00e4usern tun?<\/h4>\n<p>Es sollte herausgestellt werden, dass die Regelungen an der Charit\u00e9 kein Sonderfall sind, die einer regional spezifischen Situation geschuldet sind. Die Pfeile, mit denen wir auf die Jagd nach besseren Arbeitsbedingungen gehen, hat potentiell jede Krankenhausbelegschaft im K\u00f6cher.<\/p>\n<p>Skandale im Betrieb identifizieren, \u00d6ffentlichkeit herstellen, mit Ultimaten arbeiten und kreative niedrigschwellige Aktivit\u00e4ten anbieten &#8211; das schafft Vertrauen in die eigene Handlungsf\u00e4higkeit.<\/p>\n<p>In Arbeitsk\u00e4mpfen mit den tradierten Methoden des Krankenhausstreiks brechen und die immer m\u00e4chtiger werdende Pflege durch Betten- und Stationschlie\u00dfungstaktiken in die K\u00e4mpfe einbeziehen &#8211; das sind die Methoden, die es immer noch einer breiteren Schicht von klassenbewussten GewerkschafterInnen zu vermitteln gilt. Das ist immer noch unser Auftrag und unsere Verpflichtung als lernende Organisation.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Interview mit Stephan Gummert, Mitglied der ver.di-Betriebsgruppe an der Charit\u00e9 Berlin<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":28987,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[13],"tags":[291],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/29139"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=29139"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/29139\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/28987"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=29139"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=29139"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=29139"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}