{"id":29030,"date":"2014-10-05T13:32:23","date_gmt":"2014-10-05T11:32:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sozialismus.info\/?p=29030"},"modified":"2014-10-01T13:40:12","modified_gmt":"2014-10-01T11:40:12","slug":"die-seuche-heisst-kapitalismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2014\/10\/die-seuche-heisst-kapitalismus\/","title":{"rendered":"Die Seuche hei\u00dft Kapitalismus!"},"content":{"rendered":"<div>\n<div>\n<figure id=\"attachment_28878\" aria-describedby=\"caption-attachment-28878\" style=\"width: 280px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/14694468479_24a21437a9_o-e1410273808478.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-28878\" src=\"https:\/\/www.archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/14694468479_24a21437a9_o-e1410273808478-280x173.jpg\" alt=\"Foto: https:\/\/www.flickr.com\/photos\/ilfattoquotidiano\/ CC BY-NC-SA 2.0\" width=\"280\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/14694468479_24a21437a9_o-e1410273808478-280x173.jpg 280w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/14694468479_24a21437a9_o-e1410273808478-162x100.jpg 162w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/14694468479_24a21437a9_o-e1410273808478-560x345.jpg 560w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/14694468479_24a21437a9_o-e1410273808478-600x370.jpg 600w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/14694468479_24a21437a9_o-e1410273808478-534x330.jpg 534w, https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/14694468479_24a21437a9_o-e1410273808478.jpg 916w\" sizes=\"(max-width: 280px) 100vw, 280px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-28878\" class=\"wp-caption-text\">Foto: https:\/\/www.flickr.com\/photos\/ilfattoquotidiano\/ CC BY-NC-SA 2.0<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Ebola: Armut ist ein Todesurteil<\/strong><\/div>\n<div>Jeden Tag werden neue Bilder aus der Krisenregion ver\u00f6ffentlicht: Eltern, die verzweifelt neben ihren mit Ebola infizierten Kindern sitzen, auf Hilfe hoffen, doch von den Kliniken zur\u00fcckgewiesen werden. Eine Mutter, die am Stra\u00dfenrand stirbt, w\u00e4hrend ihre Tochter zwischen ihren Beinen sitzt und weint. Ein Arzt, der versucht einen sterbenden S\u00e4ugling zu beruhigen. Medizinisches Personal, das bei den Regierungen dieser Welt um Hilfe bettelt und vertr\u00f6stet wird. Die Welt schaut wieder einmal auf unbeschreibliches Leid und trotz aller Hilfsbereitschaft so unglaublicher vieler, aufopfernder Menschen scheint sich nichts zu bewegen.<\/div>\n<div><em>von Steve K\u00fchne, Dresden<\/em><\/div>\n<div>Die MitarbeiterInnen der US-amerikanischen Seuchenbeh\u00f6rde CDC (Centers for Disease Control and Prevention), die mit der Ebola-Epidemie befasst sind, sch\u00fctteln seit Monaten die K\u00f6pfe. Sp\u00e4testens seit dem sp\u00e4ten Fr\u00fchjahr diesen Jahres k\u00fcndigte sich im Westen Afrikas eine der furchtbarsten Seuchenkatastrophen der letzten 50 Jahre an. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits hunderte HelferInnen im Einsatz gegen einen unsichtbaren Feind, dem kaum jemand entkommen kann, der mit ihm in Ber\u00fchrung kommt.<\/div>\n<div>Der Ebola-Virus ist nicht neu, seit den 70er Jahren ist er der Menschheit als unaufhaltbarer Killer bekannt. Damals entdeckte ihn Peter Piot durch blo\u00dfen Zufall. Vierzig Jahre sind seither ins Land gegangen. Warum gibt es noch immer kein Heilmittel, keine Impfung gegen die Krankheit, die seither einigen Tausend Menschen das Leben nahm? Weil sehr zum Bedauern jener Menschen die Krankheit eben in Afrika w\u00fctet, dem \u00e4rmsten Kontinent der Welt. Private Unternehmen wollen Profit machen &#8211; das lernt heute jede Sch\u00fclerin und jeder Sch\u00fcler im Gemeinschaftskundeunterricht. Diese Weisheit ist gleichbedeutend mit der bitteren Frage danach, wer wann wie viel Geld bezahlt. Wie viel Geld k\u00f6nnte den ein liberianischer Bauer aufbringen, um seiner Tochter den Schutz gegen einen Angriff einer Armee aus 0,014 mm langen Viren zu kaufen? Was k\u00f6nnte eine Tagel\u00f6hnerin in Monrovia schon ausgeben, um ihr Leben zu retten? Nicht genug. Warum dann forschen? Wozu immense Mittel bereitstellen? Wof\u00fcr menschliche Arbeitskraft einsetzen, wenn die Profite nicht gro\u00df genug sind.<\/div>\n<div>Piot beklagte im &#8222;Spiegel&#8220; vom 22. September das zu geringe Wissen der MedizinerInnen \u00fcber diese Seuche. Doch wieso ist denn unser Wissen \u00fcber diese Seuche so gering? Aus einer Banalit\u00e4t heraus: Weil das Eis, welches die Viren in einer Blutprobe konservieren soll, schneller schmilzt als das verseuchte Blut in einer der europ\u00e4ischen oder US-amerikanischen Forschungseinrichtungen angekommen ist. Und so ist die Probe verdorben!<\/div>\n<div>Warum gibt es solche Forschungseinrichtungen eigentlich nicht in Liberia, in Sierra Leone, in Guinea? Warum gibt es dort keine gro\u00dfen Hospit\u00e4ler mit Seuchenstationen? Ausgerechnet dort, in tropischen Regionen, wo sich solche Viren spielend vermehren? Warum gibt es dort keine gro\u00dfen Universit\u00e4ten mit gro\u00dfen medizinischen Fakult\u00e4ten? Warum kann Liberia, wo die H\u00e4lfte der Ebola-Toten zu beklagen ist, keine internationalen \u00c4rztekongresse einberufen, die sich tagelang mit Ebola befassen &#8211; mit Pr\u00e4vention, mit Behandlung, mit Heilung? Warum gab es in diesem Land, in dem vier Millionen Menschen leben 2010 nur ganze 57 \u00c4rzte?<\/div>\n<div>Der Kapitalismus hat diese Regionen vergessen! Hat er das? Ist es nicht vielmehr so, dass er sie jahrhundertelang ausbeutete, die Menschen unterdr\u00fcckte, verhungern lie\u00df und bei Aufst\u00e4nden gegen das koloniale Joch abschlachtete? Nur, um billige Rohstoffe f\u00fcr die Fabriken in Europa aus dem afrikanischen Boden zu holen, die dann ArbeiterInnen in Europa unter schrecklichen Bedingungen in Fertigprodukte zu verwandeln hatten. Das ist bis heute kapitalistische Realit\u00e4t. In Guinea werden Rohstoffvorkommen durch europ\u00e4ische und US-Firmen ausgebeutet und Milliardenums\u00e4tze gescheffelt. Der Kapitalismus hat diese Regionen nicht vergessen. Die dort lebenden Menschen sind ihm nur ganz einfach egal!<\/div>\n<div>Sie sind ihm egal, weil er ohnehin unf\u00e4hig ist diese Regionen zu entwickeln. Das k\u00f6nnte er nur, wenn es dort kaufkr\u00e4ftige KonsumentInnen g\u00e4be. Irgendwen, der dort Geld f\u00fcr Waren und Dienstleistungen auf den Tisch legen k\u00f6nnte. Wenn es die g\u00e4be w\u00fcrde es nolens volens auch zur Einrichtung eines Gesundheitssystems, das diesen Namen verdient kommen und die Aktivit\u00e4ten gegen Ebola w\u00e4ren vielleicht etwas engagierter. Wirklich gut w\u00e4ren sie wohl auch dann nicht.<\/div>\n<h4>Dunkle Aussichten<\/h4>\n<div>Die Zahlen, die die Rechner im CDC ausspucken sind be\u00e4ngstigend: Alle 20 Tage wird sich die Menge der Infizierten verdoppeln. Anfang Oktober werden es 20.000 sein und im n\u00e4chsten Fr\u00fchjahr dann 1,4 Millionen. Erst dann w\u00e4re das &#8222;Plateau&#8220;, der Umkehrpunkt, erreicht sein. Dann w\u00e4ren, wenn die Krankheit weiter in der Form fortschreitet, in Liberia 700.000 Menschen infiziert. Und das Sterben ginge dann noch \u00fcber Monate weiter.<\/div>\n<div>Peter Piot f\u00fcrchtet gar das \u00dcbergreifen von Ebola nach Indien. Viele indische ArbeiterInnen haben auf der Suche nach einem Broterwerb den Weg nach Afrika antreten m\u00fcssen. W\u00fcrden sie sich anstecken, w\u00e4re eine Kettenreaktion in Indien, mit seinem schlecht ausgebauten Gesundheitssystem wohl vorprogrammiert. Die Epidemie w\u00fcrde auf den n\u00e4chsten Kontinent springen und so zur Pandemie werden.<\/div>\n<div>Das alles sind d\u00fcstere Aussichten. Was davon wahr wird und was uns, der Menschheit, erspart bleiben wird, steht in den Sternen. Es gibt in all dem Tr\u00fcbsal sicher auch gute Nachrichten: Das Virus scheint sich nicht zu ver\u00e4ndern. Eine Mutation, beispielsweise die \u00dcbertragung \u00fcber Tr\u00f6pfcheninfektion wie bei einer Grippe, d\u00fcrfte ausgeschlossen sein.<\/div>\n<h4>Wie kam es zu dieser Epidemie?<\/h4>\n<div>Der niedrige Entwicklungsstand der L\u00e4nder, man bedenke nur, es werden Affen und Flughunde gegessen und der Aberglaube, der Totenkult und die fehlende Bereitschaft mit medizinischem Personal zusammenzuarbeiten&#8230; Es sind derartige Erkl\u00e4rungen, die man hin und wieder zu h\u00f6ren bekommt, wenn man \u00fcber den Ausbruch von Ebola spricht. Man kann sie als schlechte Gruselgeschichten abtun. Das nun ganze Dorfgemeinschaften und Stadtviertel zum Opfer des Virus werden ist nicht die Schuld der Menschen, die dort leben.<\/div>\n<div>Ja, vier Ebola-Virenst\u00e4mme, die dem Menschen gef\u00e4hrlich werden, kommen in Flughunden und Affen vor und ja, die wurden gejagt und gegessen. Doch Liberia ist ein geschundenes Land: Franz\u00f6sische Kolonialisten, US-amerikanische Kapitalisten, Abenteurer, Diktatoren, sie pl\u00fcnderten das Land aus. Bis 2004 tobte ein schrecklicher B\u00fcrgerkrieg. Bittere Armut ist das Ergebnis dieser Unterdr\u00fcckung und ja, wo Lebensmittel knapp sind, geht die Bev\u00f6lkerung eben auf Jagd &#8211; man denke nur an Deutschland nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Beim Essen erlegter Tiere kamen Menschen mit dem Virus in Ber\u00fchrung.<\/div>\n<div>Und die \u00dcbertragung von Mensch zu Mensch? Die ist doch bei diesem Virus vergleichsweise schwer &#8211; nur durch Schmierinfektion, also intensivem Kontakt. Man schaue sich nur die Bilder aus der Krisenregion an: Ein Vater sitzt mit seinem sterbenden Kleinkind auf dem Arm vor einer \u00fcberf\u00fcllten Klinik. Man hat ihn abgewiesen. Er wird sein Kind dort nicht zur\u00fccklassen. Er wird bei ihm bleiben, bis es gestorben ist. Bis dahin wird es aber von Fieberkr\u00e4mpfen gesch\u00fcttelt, wird schwitzen, sich \u00fcbergeben, und in der letzten Phase aus Mund, Nase und Augen bluten. So \u00fcbertr\u00e4gt sich das Virus von Mensch zu Mensch. Wo das Geld f\u00fcr Krankenh\u00e4user und Isolierstationen fehlt, werden diese \u00dcbertragungswege real. Man k\u00f6nnte auch sagen, Kapitalismus t\u00f6tet!<\/div>\n<div>Wer sich noch auf den Beinen halten kann und von einem Krankenhaus abgewiesen wurde, der irrt durch die Stadt zu anderen \u00c4rzten. Es gibt kaum Ambulanzen und so werden Taxis oft zu notd\u00fcrftigen Krankentransportern und helfen so das Virus verteilen. Tagel\u00f6hner, die von der Hand in den Mund leben m\u00fcssen t\u00e4glich nach Arbeit suchen und jede ihnen gebotene Stelle annehmen. Mit ihrem bisschen Geld suchen sie dann auf Wochenm\u00e4rkten nach Essbarem. Bettler flehen auf den Stra\u00dfen westafrikanischer St\u00e4dte um Geld und Nahrung &#8211; wie sollen sich solche Gesellschaften gegen die Invasion unsichtbarer Armeen absichern?<\/div>\n<h4>Was tut die deutsche Bundesregierung?<\/h4>\n<div>Maximilian Gertler, ein Arzt, der im Krisengebiet war, erkl\u00e4rte gegen\u00fcber den &#8222;tagesthemen&#8220;, von deutscher Hilfe sei in der von Ebola heimgesuchten Region nichts zu sp\u00fcren gewesen. Im Fr\u00fchsommer noch w\u00e4re die Infektionskette zu unterbrechen gewesen, wenn man nur wirksame Isolationsstrukturen aufgebaut h\u00e4tte. Aber die Herrschenden schauten weg.<\/div>\n<div>Nun soll endlich geholfen werden und Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) rief in den Reihen der Bundeswehr medizinisches Personal zur Hilfe auf. Hermann Gr\u00f6he, Bundesminister f\u00fcr Gesundheit, zog nach und forderte \u00c4rtzinnen und \u00c4rzte, Schwestern und Pfleger auf nach Westafrika zu gehen. Und immerhin, es dauerte nur einige Tage und 4.500 (!) Menschen in Uniform und in Zivil bekannt gaben, helfen zu wollen. Ein sicheres Zeichen daf\u00fcr, dass sie nur darauf gewartet hatten, dass endlich der Ruf kommt.<\/div>\n<div>Ob den Menschen in Westafrika diese aufopferungsvolle Bereitschaft n\u00fctzen wird bleibt indes zweifelhaft. Denn dazu m\u00fcsste das Gerede der deutschen Bundesregierung eben mehr sein als blo\u00dfe Lippenbekenntnisse. Aber das muss man wohl in Zweifel ziehen. So wurde ein Fall bekannt, in dem sich die Bundesregierung weigerte einem Kinderkrankenhaus in Sierra Leones Hauptstadt Freetown 200.000 Euro an Hilfsmitteln zu gew\u00e4hren. Die Organisation Cap Anamur, die dieses Hospital unterh\u00e4lt, hatte dort selbst eine Isolierstation errichtet, um schnell helfen zu k\u00f6nnen und da sie damit schon begonnen hatte, konnte man das Geld nicht \u00fcberweisen, so die schlichte und menschenverachtende Begr\u00fcndung.<\/div>\n<div>Doch auch die Summen als solche, die nun locker gemacht werden sollen sind geradezu humorvoll niedrig. Die Mediziner der Bundeswehr sollen in einem noch zu errichtenden Krankenhaus in Liberia und einer Seuchenstation in Sierra Leone zum Einsatz kommen. Daf\u00fcr will die Bundesregierung 20 Millionen Euro hinlegen. Man bedenke: Gerade l\u00e4uft ein Beschaffungsprogramm f\u00fcr 140 Eurofighter, St\u00fcckpreis 86 Millionen Euro. Man braucht nicht extra Mathematik zu studieren, um zu errechnen, wie viele Krankenh\u00e4user man f\u00fcr einen Eurofighter in der Krisenregion errichten k\u00f6nnte.<\/div>\n<div>Und diesen Irrsinn gibt es nur im kapitalistischen Profitsystem: Von den 109 von der Bundeswehr bislang beschafften Eurofightern langweilen sich gerade 103 am Boden &#8211; sie sind defekt! In der Wahl zwischen milit\u00e4rischem Edelschrott und der Hilfe f\u00fcr eine im menschlichen Ungl\u00fcck versinkende Region, hat sich die Bundesregierung zu Gunsten der deutschen R\u00fcstungsindustrie entschieden. Kapitalismus t\u00f6tet!<\/div>\n<div>Aber auch bei den \u00c4rztinnen und \u00c4rzten ist die Sache nicht ganz so einfach: Die Mitglieder der Bundeswehr m\u00fcssen erst noch geschult werden und so wird es noch Wochen oder gar Monate dauern, bis endlich die dringend gebrauchte Hilfe ankommen wird. Im zivilen Bereich ist es nicht besser: Der Stellenabbau in den deutschen Krankenh\u00e4usern, die Streichung von Pfleger-. Schwestern- und Arztstellen, die die Politik der etablierten Parteien von Gr\u00fcn, \u00fcber SPD und FDP bis zu CDU\/CSU zu verantworten hat, haben es vielen Krankenh\u00e4usern unm\u00f6glich gemacht einfach so auf Personal zu verzichten und die wenigen Krankenh\u00e4user, die noch Seuchenisolierstationen haben k\u00f6nnen dort auf niemanden verzichten, aber genau diese Fachkr\u00e4fte w\u00fcrden gebraucht!<\/div>\n<div>Das nun die Bundesregierung noch 1,5 Millionen Euro f\u00fcr die Forschung an einem Mittel gegen Ebola ausgeben will ist schon nur noch eklig. Peanuts k\u00f6nnte man auch sagen. W\u00fcrde die Bundesregierung f\u00fcr diesen Betrag Gummihandschuhe kaufen, w\u00e4re der Krisenregion wahrscheinlich mehr geholfen.<\/div>\n<div>Was ist alles m\u00f6glich, wenn die Herrschenden Krieg f\u00fchren wollen, um die Profite zu sichern? Da werden schnell russische An-124 gechartert. Pro Einsatz flogen sie mit 150 Tonnen an deutschem Kriegsger\u00e4t nach Afghanistan und transportieren gerade jetzt in rollenden Eins\u00e4tzen Bundeswehrtechnik zur\u00fcck. Aber beim Flug nach Senegal streikte die deutsche Transportmaschine Transall. Im milit\u00e4rischen Ernstfall werden binnen Tagen britische und US-amerikanische Flugzeugtr\u00e4ger in jeden Winkel der Erde geschickt, mit Luftkissenfahrzeugen werden Truppen und Material angelandet. Warum passiert bei Ebola nichts von all dem? Warum h\u00f6rt niemand die Hilferufe von &#8222;\u00c4rzte ohne Grenzen&#8220; und dem Klinikpersonal vor Ort? Weil Krieg eine Form des Sterbens ist, an dem gut verdient wird. Ebola hingegen ist eine Form des Sterbens, an der niemand verdient. Kapitalismus t\u00f6tet! So einfach ist das.<\/div>\n<div>W\u00fcrde man helfen wollen, warum schickt man dann nach erm\u00fcdend langem Prozedere wie jetzt die USA 3.000 Soldaten? Warum schickt man nicht 3.000 ABC-Schutzanz\u00fcge aus dem Arsenal der Armeen? Warum haben nur Armeen diese Technik und warum nicht Hilfsorganisationen? Warum m\u00fcssen Helfer in provisorischer und oft genug v\u00f6llig ungen\u00fcgender Schutzkleidung arbeiten und sich der Gefahr der Ansteckung aussetzen, w\u00e4hrend es alles gibt, was n\u00f6tig w\u00e4re?<\/div>\n<h4>Von einer Katastrophe zur n\u00e4chsten<\/h4>\n<p>Der Kapitalismus f\u00fchrte Afrika in die Armut, Sierra Leone und Liberia in den B\u00fcrgerkrieg und all das f\u00fchrte zur jetzigen Situation. Doch damit endet der Leidensweg noch lange nicht. In Liberia bestellt niemand mehr die Felder, weil Wanderarbeiter nicht mehr von Dorf zu Dorf ziehen k\u00f6nnen. Ganze Landstriche stehen unter Quarant\u00e4ne. Menschen hungern schon jetzt, wenn nun auch noch die Ernte ausfallen wird, dann steht Westafrika vor einer schrecklichen Hungersnot. Die mit Gewalt durchgesetzten Ausgangssperren bringen die Bev\u00f6lkerung auf, es wird bereits geschossen und das wirtschaftliche Leben erliegt. Wenn im n\u00e4chsten Jahr diese Seuche endlich \u00fcberstanden sein wird, dann stehen die betroffenen L\u00e4nder vor dem absoluten nichts. Der Kapitalismus schleppt sich von der einen Katastrophe zur n\u00e4chsten.<\/p>\n<h4>&#8222;Es gibt keine Alternative als die sozialistische Revolution!&#8220; (Ernesto Ch\u00e9 Guevara)<\/h4>\n<div>Ebola ist keine Erfindung des Kapitalismus, Seuchen wird es in einer sozialistischen Welt auch geben. Doch in einem System, in dem nicht der Profit, sondern die Bed\u00fcrfnisse der Menschen den Ton angeben, wird es auch in Westafrika ein fl\u00e4chendeckendes Gesundheitswesen geben. Seuchen w\u00fcrden fr\u00fchzeitig als das erkannt, was sie eben sind und w\u00fcrden ein R\u00e4derwerk in Gang setzen: Aufkl\u00e4rung in allen Landesteilen, Unterst\u00fctzung &#8211; auch psychologische &#8211; f\u00fcr HelferInnen und Betroffene, demokratische Strukturen vor Ort w\u00fcrden den Einsatz aller Mittel veranlassen und bei fehlenden Ressourcen um Hilfe bitten und diese bekommen. Es w\u00fcrde ein Plan f\u00fcr den Umgang mit der Seuche erstellt und umgesetzt werden, bei dem niemand mehr auf Finanzen zu schauen h\u00e4tte, sondern nur noch darauf, was am wirksamsten hilft. Die notwendige Ausr\u00fcstung h\u00e4tte nicht mehr das Milit\u00e4r f\u00fcr den n\u00e4chsten Krieg in den Depots, sondern die Institutionen und Organisationen, die diese Dinge ben\u00f6tigen.<\/div>\n<div>Stattdessen m\u00fcssen wir erleben, was wir erleben. Die Opfer von Ebola h\u00e4tten etwas besseres verdient. Wir alle h\u00e4tten etwas besseres verdient! Doch unter kapitalistischen Verh\u00e4ltnissen werden wir es nicht bekommen. Es wird aller Voraussicht nach nicht der letzte Ebola-Ausbruch sein und nicht das letzte Mal, das kapitalistisches Chaos die Dinge noch mehr verschlimmert. Das ist das vielleicht eigentlich Tragische.<\/div>\n<div>Wenn es anders werden soll, dann muss sich etwas Grundlegendes \u00e4ndern. Im Kapitalismus ist das jedoch unm\u00f6glich und so bleibt nur eine Alternative und die hat der Revolution\u00e4r und Doktor der Medizin Ernesto Ch\u00e9 Guevara seinerzeit treffend erkannt. Vor Studenten sagte er einmal, als er erlebte, wie eine alte Frau sich nach einem harten, arbeitssamen Leben nicht die geringste Behandlung und nicht auch nur das billigste Medikament leisten konnte, sei ihm klar geworden, dass es wichtigeres gebe als ein ber\u00fchmter Forscher zu sein und b\u00fcrgerlichen Luxus zu erstreben, &#8222;n\u00e4mlich, diesen Menschen zu helfen.&#8220; So wurde Dr. Guevara zum sozialistischen Revolution\u00e4r.<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ebola: Armut ist ein Todesurteil<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":28878,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[36],"tags":[641],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/29030"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=29030"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/29030\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/28878"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=29030"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=29030"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=29030"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}